Frag doch den Undertaker

Können Verstorbene explodieren?

Leichen explodieren? Nein, Kühlung und Thanatopraxie verhindern das.

Explodieren Leichen wirklich? Oder ist das nur Netflix-Fantasie? Ein Leser hat eine Folge einer Krimiserie gesehen und hinterfragt, was dort gezeigt wurde.

Ein Leser fragte: „Ich habe bei Netflix eine Serie gesehen, in der Leichen explodiert sind. Voll der Matsch! Kommt so etwas wirklich vor?“ Die kurze Antwort lautet: Nein – so, wie es in Serien dargestellt wird, nicht. Die etwas längere Antwort ist interessanter.

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Was passiert bei der Verwesung tatsächlich?

Nach dem Tod setzt ein natürlicher biologischer Prozess ein. Dabei spielen vor allem körpereigene Enzyme und Bakterien eine Rolle. Besonders wichtig sind Mikroorganismen aus dem Darm, die nach dem Tod nicht mehr durch das Immunsystem kontrolliert werden. Im Zuge dieser Zersetzungsprozesse können Gase entstehen, etwa Methan, Kohlendioxid, Schwefelwasserstoff oder auch Ammoniak. Dass solche Gase entstehen können, ist in der Rechtsmedizin und Forensik seit langem beschrieben und gehört zur normalen Einordnung der sogenannten Fäulnisphase.

Kann sich ein Leichnam aufblähen?

Ja. Gasbildung kann dazu führen, dass sich der Körper – vor allem im Bauch- und Brustbereich – sichtbar aufbläht. Wie stark dieser Effekt ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Wärme beschleunigt die Vorgänge, während Kälte verlangsamt. Auch Feuchtigkeit, Luftabschluss oder Sauerstoffkontakt, die Art der Lagerung und der allgemeine körperliche Zustand spielen eine Rolle. Ebenso kann die Zusammensetzung des Körpers Einfluss haben: Ein verstorbener Mensch mit hoher Fettmasse kann andere Zersetzungsprozesse zeigen als ein stark abgemagerter oder ausgedörrter Körper. Auch chemische Vorbelastungen, etwa durch bestimmte Medikamente oder eine Chemotherapie, können Zersetzungsprozesse beeinflussen. Aufblähen bedeutet jedoch nicht Explosion.

Kann ein Körper „platzen“?

In seltenen Einzelfällen kann es vorkommen, dass durch starken Gasdruck Hautpartien aufreißen oder sich Flüssigkeiten entleeren. Das geschieht aber nicht explosionsartig im physikalischen Sinn. Die menschliche Haut ist elastisch, das Bindegewebe bietet Widerstand, und bevor ein „Explosionsszenario“ überhaupt denkbar wäre, entweichen Gase in der Regel über natürliche Öffnungen oder durch kleinere Gewebedefekte. Was im Alltag tatsächlich passieren kann, ist ein plötzliches Entweichen von Gasen beim Umlagern oder ein Austritt von Flüssigkeiten bei fortgeschrittener Zersetzung. Das ist mitunter unangenehm, aber es ist keine Druckwelle mit umherfliegenden Körperteilen.

Warum zeigen Serien so etwas?

Ganz einfach: Dramaturgie. Eine leise Gasentweichung erzeugt keine Spannung, ein spektakuläres „Zerplatzen“ dagegen schon. Film und Realität haben hier ungefähr das gleiche Verhältnis wie Krankenhausserien zur echten Intensivstation.

Genau darum werden Verstorbene in Särgen transportiert

Ein Grund ist Pietät. Ein weiterer ist Hygiene. Mit fortschreitender Zersetzung können Flüssigkeiten austreten – das ist ein normaler biologischer Vorgang. Särge sind daher nicht nur kulturelles Ritual, sondern auch eine praktische Schutzmaßnahme. Das ist einer der Gründe, warum Verstorbene grundsätzlich nur im Sarg transportiert werden dürfen.

Gibt es überhaupt jemals echte „Explosionen“?

Wenn überhaupt, dann sprechen wir über extrem seltene Sonderfälle, bei denen starke äußere Einwirkungen eine Rolle spielen, etwa massive Hitzeeinwirkung bei Bränden oder besondere Umstände in geschlossenen Druckumgebungen oder nach industriellen bzw. chemischen Unfällen. Das sind jedoch keine natürlichen Verwesungsvorgänge, sondern Ausnahmesituationen durch äußere Faktoren. Im normalen Bestattungsalltag kommt so etwas nicht vor.

Fazit

Ja, bei der Verwesung können Gase entstehen und ja, ein Körper kann sich aufblähen. In seltenen Fällen können auch Gase oder Flüssigkeiten austreten. Aber nein: Leichen explodieren nicht massenhaft, sie zerplatzen nicht wie überreife Wassermelonen, und Bestatter stehen nicht regelmäßig im „Matsch“. Die allermeisten Verstorbenen liegen ruhig und würdevoll da – und genau so begleiten wir sie.

Quellen und weiterführende Hinweise

Wer die biologischen Hintergründe vertieft nachlesen möchte, findet entsprechende Grundlagen in rechtsmedizinischer und forensischer Fachliteratur, etwa bei Madea (Rechtsmedizin, Springer) sowie bei DiMaio/DiMaio (Forensic Pathology). Dort werden die Phasen der Zersetzung, typische Gasbildungsprozesse und die praktische Einordnung in der forensischen Begutachtung ausführlich dargestellt.

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(©si)