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Was kostet es, ein professionelles Blog zu betreiben?

Was kostet ein Blog?

Weil Transparenz kein Luxus, sondern eine Selbstverständlichkeit ist, möchte ich heute offenlegen, was es tatsächlich kostet, mehrere professionell betriebene Weblogs zuverlässig, sicher und rechtssicher am Laufen zu halten.

Es geht mich nix an, aber ich frag‘ einfach mal:

Mich stimmt das jetzt nachdenklich.
Du schreibst unten auf Deiner Webseite „Der Betrieb dieser Seite kostet rund 20.000 € jährlich.“, und das ist nicht das einzige Blog.
Mich irritiert das etwas, das finanzielle Polster variiert sicher doll, wegen der Spendenbitte. Vielleicht kannst du mal in einem Extrabeitrag das irgendwie unverfänglich aufdröseln, damit ein Laie die Blogkosten versteht?
Wenn nicht, auch nicht schlimm, geht im Grunde niemanden etwas an.

Nein, das geht tatsächlich niemanden etwas an, aber Deine Frage ist doch trotzdem völlig berechtigt. Denn, wenn ich in einer Spendenanzeige um etwas Unterstützung in Form von Abos oder Geldgeschenken bitte, und dabei eine Summe nenne, dann ist es eine völlig normale Frage, wo denn die Zahlen herkommen.

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Es gab vor 12 bis 15 Jahren schon mal eine Infoseite im Bestatterweblog, auf der das alles genau aufgedröselt war. Da konnte jeder sich über Aufrufzahlen, Mediadaten und Kosten informieren.
Das hat aber zu zwei negativen Effekten geführt:

  1. Ich wurde mit einem Haufen von Ratschlägen überhäuft, wie man Kosten sparen kann. Das ging so weit, dass mir der hohe Stromverbrauch vorgerechnet wurde, verbunden mit der Empfehlung, doch schwächere Glühbirnen einzuschrauben. Bei den Softwarekosten hieß es: „Das Zeug gibt’s doch alles auch umsonst irgendwo.“ Und bei den Kosten für meinen Rechner schrieb eine Tante: „Selbst Schuld, wenn man sich nicht einen PC für 300 Euro kauft, sondern so teuren Luxuskram.“ Das lässt sich beinahe endlos fortsetzen.
  2. Die geringen Einnahmen aus gelegentlicher Werbung, Eigenanzeigen für Bücher und Kooperationen wurden angezweifelt, weil unterstellt wurde, ich würde tausende Euros damit verdienen. Außerdem sprach aus einigen Zuschriften der blanke Neid.

Was kostet es, ein professionelles Blog zu betreiben?

Viele Menschen stellen sich einen Blogbetrieb so vor: ein bisschen Webspace für 1 Euro – fertig. Diese Vorstellung ist verständlich, hat mit der Realität professionell betriebener Webseiten aber nur sehr wenig zu tun.

Ich betreibe mehrere Weblogs, die beinahe täglich mit neuen Inhalten versorgt werden. Das ist kein Hobby, das „irgendwie nebenbei“ läuft, sondern eine technisch, organisatorisch und rechtlich anspruchsvolle Infrastruktur. Entsprechend entstehen laufende Kosten in vielen Bereichen. Ich habe das einmal aufgedröselt, wie wir Leute aus dem Ruhrgebiet so sagen. Die genannten Zahlen stammen von mir, einem Blogkollegen aus NRW und einer Kollegin aus Franken. Das bedeutet nicht, dass das alles bei mir auch so anfällt.

Man muss sich aber von dem Gedanken verabschieden, dass es im Netz ja alles umsonst gibt. Wer rechtlich auf der sicheren Seite sein will und professionell arbeitet, hat alles lizenziert und zahlt halt auch dafür.
Da kann man dann auch keine Billiglösungen aus der Fernsehwerbung nutzen, sondern muss auf einen Dienstleister setzen, der die entsprechenden Ressourcen hat und die notwendige Unterstützung bietet.

Server, Hosting und technische Infrastruktur

Ein stabiler, leistungsfähiger Server ist die Grundlage. Dazu gehören Hostingkosten, externe Backupsysteme und in vielen Fällen zusätzliche Dienste zur Beschleunigung der Seitenladezeiten (CDN).

Je nach Anbieter und Leistungsumfang bewegen sich diese Kosten im Bereich von etwa 2.000 bis 2.500 Euro pro Jahr.

Domains, E-Mail und Grundinfrastruktur

Mehrere Domains, professionelles E-Mail-Hosting, SSL-Zertifikate und weitere Basisdienste verursachen ebenfalls laufende Kosten.

Hier können, je nach Anbieter durchaus nochmal etwa 400 bis 800 Euro jährlich anfallen.

Premium-Plugins und Lizenzen

Professionelle Weblogs kommen ohne kostenpflichtige Erweiterungen nicht aus. Dazu zählen Sicherheitslösungen, Backup-Plugins, SEO-Tools, Formularsysteme, Anti-Spam-Lösungen, Newsletter-Software, Bildoptimierung und Social-Media-Anbindungen.
Viele Plugins für WordPress werden heute nur noch in einer kaum nutzbaren Variante kostenlos angeboten. Die professionelle Version kostet dann richtig viel Geld. Außerdem können sich die Kosten nach der Anzahl der Seitenaufrufe richten. Bei hohen Zugriffszahlen wird das schnell sehr teuer.

Je nach Anzahl der Seiten und Lizenzen summiert sich das schnell auf 800 bis 2.500 Euro pro Jahr.

Software am Arbeitsplatz

Für die tägliche Arbeit werden Programme für Textverarbeitung, Bildbearbeitung, PDF-Erstellung, Sicherheit, Backup, Medienverwaltung und vieles mehr benötigt. Hinzu kommen Updates, Versionsupgrades, Schriftlizenzen und Bilddatenbanken. Ich bin froh, dass ich einen Computer nutze, bei dem das wichtigste Rüstzeug gleich mit dabei ist. Dennoch muss ich das eine oder andere hinzukaufen und/oder jedes Jahr neu lizenzieren. Bei mir ist das nicht so viel, das liegt am unteren Ende der nachfolgenden Zahl.

Hier entstehen leicht 500 bis 2.000 Euro jährlich.

KI- und Online-Dienste

Dazu gehören unter anderem Abos für KI-Dienste, Cloud-Speicher und weitere Online-Tools.

Realistisch sind 300 bis 600 Euro pro Jahr.

Strom und Arbeitsplatzkosten

Ein leistungsfähiger Rechner, Monitore, Router, NAS-Systeme, Backup-Festplatten und Beleuchtung laufen viele Stunden täglich. Auch das verursacht relevante Stromkosten.
Nicht zu vergessen sind die Heizkosten und in vielen Fällen auch noch eine anteilige Miete. Das will oft schon das Finanzamt so.

Je nach Nutzung fallen hier etwa 600 bis 1.000 Euro jährlich an.
Wenn Miete hinzukommt, sind das nochmal rund 1.000 bis 1.200 Euro jährlich.

Grafik, Gestaltung und Bildmaterial

Eigene Bildproduktionen, Bearbeitung, Illustrationen oder gelegentlich externe Gestaltungsarbeiten sind ebenfalls Teil des Betriebs. Für viele Medien müssen Lizenzgebühren bezahlt werden.
Ich mildere das seit 2 Jahren konsequent durch den Einsatz von nahezu ausschließlich KI-generierten oder selbstgemachten Bildern ab. Bei mir fallen hier nur geringe Kosten an.

Hier kann man mit 500 bis 1.500 Euro pro Jahr rechnen.

Wartung, Anpassungen und Weiterentwicklung

Auch wenn ich vieles selbst erledige: Plugins müssen angepasst, Fehler behoben, Systeme aktualisiert und Sicherheitslücken geschlossen werden. Würde man diese Arbeiten extern vergeben, lägen die Kosten deutlich höher.
Ich gebe hier so um die 600 Euro im Jahr aus, die ich an einen jungen Entwickler zahle. Den großen Rest mache ich selbst.

Konservativ gerechnet können aber 2.000 bis 4.000 Euro jährlich anfallen.

Rechtliches und Abmahnrisiko

Was viele unterschätzen: Der Betrieb von Webseiten ist rechtlich anspruchsvoll. Datenschutz, Impressum, Cookie-Lösungen, Anpassungen an neue Vorgaben und im schlimmsten Fall Abmahnungen gehören leider dazu.

Selbst wenn man korrekt arbeitet, kosten anwaltliche Prüfungen und Reaktionen Geld. Erfahrungsgemäß tritt das ein- bis zweimal jährlich auf. Ich bemühe mich, immer rechtlich einwandfrei zu arbeiten. Trotzdem kommt es immer mal wieder zu Abmahnungen. Die meisten sind nicht gerechtfertigt, manche schnell vom Tisch. In anderen Fällen ziehen sich die Auseinandersetzungen über Jahre. Auch wenn man am Ende gut aus der Sache rauskommt, sind bis dahin Hunderte Euros verbrannt.

Hier fallen realistisch 1.500 bis 3.000 Euro pro Jahr an.

Weitere oft übersehene Kosten

Dazu zählen unter anderem:

  • Hardware-Abschreibung (Rechner, Kamera, Mikrofone etc.)
  • Ersatzgeräte
  • Telefon- und Internetkosten
  • Steuerberatung und Buchhaltung
  • Bankgebühren
  • Versicherungen (z. B. Medien- oder Betriebshaftpflicht)
  • Fahrtkosten
  • Beratungskosten
  • Steuern, Gebühren, Abgaben

Hier kommen schnell weitere rund 4.000 Euro jährlich zusammen.

Aber Lizzys Schminkseite kostet nur 100 Euro im Jahr

Man muss an dieser Stelle auch klar unterscheiden zwischen professionell betriebenen Publikationsplattformen und reinen Hobbyprojekten. Natürlich kann man ein kleines privates Blog mit einer kostenlosen Subdomain, einem Ein-Euro-Hostingtarif und ausschließlich kostenfreier Software betreiben. Das ist völlig legitim – und für persönliche Tagebücher, Bastel- oder Freizeitblogs auch komplett ausreichend. „Lieschen Müllers Häkelblog“ mit zwei Beiträgen im Monat, ein paar Fotos vom Smartphone und ohne nennenswertes Besucheraufkommen verursacht nun einmal kaum Kosten. Meine Weblogs sind jedoch keine Spielwiese, sondern redaktionell gepflegte Informationsangebote mit hoher Veröffentlichungsfrequenz, großer Reichweite, technischer Absicherung, rechtlicher Absicherung und professioneller Infrastruktur. Diese beiden Welten miteinander zu vergleichen, wäre in etwa so, als würde man einen selbst gebastelten Gartenschuppen mit einem Handwerksbetrieb vergleichen – beides hat seine Berechtigung, aber es ist nicht dasselbe.

Die Gesamtrechnung

Wie man sieht, ergeben sich schnell Kosten, die irgendwo zwischen 8.000 und über 20.000 Euro liegen können. Das variiert von Jahr zu Jahr, mal ist es heftiger, mal nicht so schlimm.

Die im Spendenaufruf genannten rund 20.000 Euro sind also keine Fantasiezahl, sondern eine sachliche Mischkalkulation dessen, was notwendig ist, um mehrere Weblogs dauerhaft stabil, sicher, aktuell und rechtssicher zu betreiben.

Wer mag, darf das gern unterstützen. Wer nicht, darf trotzdem kostenlos mitlesen.
So einfach ist das.

Bildquellen:

  • geld_800x500: Peter Wilhelm KI

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(©si)