Es steht vorne auf einem meiner Bücher in einem runden Feld und war seitens des Verlags als Kaufanreiz gedacht: „Deutschlands bekanntester Bestatter erzählt“. Das bringt einen Leser aus der Schweiz zu einigen Fragen:
Hallo, lieber Gunnar,
schön, dass Du mir und meinem Werk schon so lange die Treue hältst.
Die beiden Treffen in Forchheim waren wirklich toll. Es war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, meine Leserinnen und Leser einmal persönlich kennenzulernen.
Das letzte Treffen allerdings hat hinter den Kulissen für den Wirt und mich viel Ärger gebracht. Letztlich hat das dazu geführt, dass das ehemals freundschaftliche Verhältnis zu den Künstlern, die das Rahmenprogramm machen wollten, kaputtgegangen ist. Lass es uns mal, um die alten Geschichten ruhen zu lassen, auf diverse Missverständnisse runterbrechen, die zu diesem Dilemma geführt haben.
Auf jeden Fall haben diese Ereignisse, die meiner Frau und mir jahrelangen Ärger eingebracht haben, dazu geführt, dass wir so ein Treffen lieber nicht noch einmal veranstalten möchten.
Wenn man das mal summiert, hat mich dieses Debakel viele tausend Euro gekostet, und noch so ein Debakel kann und will ich mir nicht leisten.
Es besteht auch kaum die Chance, dass ich nochmal auftrete.
Neulich rief ein sehr, sehr netter Herr aus Butzbach an, der mich zu einer Lesung einlud. Ich sagte ab. Er bot mir mehr Geld, er bot mir an, mich abzuholen und zurückzubringen, er tat alles. Aber ich blieb bei meinem Nein.
Ich kann das nicht mehr, ich bin zu krank. Leider kann ich nicht mehr laufen. Einige Schritte hier im Haus, der Weg vom Auto in die Arztpraxis, das ist alles. Ansonsten muss ich auf einen Rollstuhl zurückgreifen.
Man gibt mir so starke Medikamente, dass ich immer nur vier Stunden auf sein kann, dann muss ich wieder liegen.
Wenn es also noch einmal zu einem Auftritt kommen würde, müsste das schon eine ganz besondere Gelegenheit sein.
Den Titel „Deutschlands bekanntester Bestatter“ gibt es nicht. Die öffentliche Wahrnehmung bestimmt, wer eine Zeit lang als bekanntester Bestatter betrachtet wird. Viele Jahre lang war es der selige Fritz Roth, der sich sehr gut in Szene zu setzen wusste. Dann hat ein Buchverlag mir diese Bezeichnung aufgedrückt, indem er das auf eines meiner Bücher draufdruckte. Danach fand das auch in Ankündigungen im Fernsehen Verwendung.
Ich selbst habe mich nie so bezeichnet und erkenne auch keinen nennenswerten Mehrwert darin, so bezeichnet zu werden. Wenn ich das jemals war, dann ist das eine Fremdbezeichnung, die von anderen benutzt wurde.
Ich lege auch gar keinen Wert darauf, Deutschlands bekanntester Bestatter zu sein. Wieso auch? Mein Werk hat so viele Facetten und geht weit über den Beruf des Bestatters hinaus.
Wenn heute jemand anders so bezeichnet werden möchte oder sich so bezeichnet, dann wird er das aus gutem Grund tun. Entweder ist er wirklich bundesweit als der Bestatter schlechthin bekannt, oder er würde gerne als solcher bekannt sein. Mir ist niemand bekannt, der aus gutem Grund so bezeichnet werden könnte. Jedenfalls werden heute in den Medien alle möglichen Bestatterinnen und Bestatter befragt, vorgestellt und begleitet. Da ist niemand drunter, der nun als derjenige welcher eine größere Bekanntheit hätte.
Es gab aber schon immer, auch lange vor meiner Zeit, Leute, die mit viel Getöse auf sich aufmerksam gemacht haben. Manche versuchten es mit angeblichen Enthüllungen aus der Branche, andere inszenierten sich als besondere Bestatter, die alles ganz anders machen, und wieder andere wurden auch tatsächlich ziemlich bekannt, wie der ehrenwerte Kollege Christoph Kuckelkorn aus Köln.
Immer schon ein wenig fremd sind und waren mir aber diejenigen, die in den sozialen Medien so tun, als hätten sie das Eigelb oder das Schnittbrot erfunden, und die auf alle anderen in der Branche schimpfen.
Die Bestatter kochen alle nur mit Wasser, und Bestatten ist keine Raketenwissenschaft.
Ich freue mich, dass ich einen gewissen Bekanntheitsgrad habe und dass meine Texte gerne gelesen und in Buchform auch gekauft werden. Aber ich habe nie der bekannteste Bestatter werden wollen, dazu bin ich viel zu gerne unbeachtet. Mein Credo war und ist es, den Menschen auf unterhaltsame Weise einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Ich sage immer wieder: „Etwas das man kennt, vor dem muss man keine unbegründete Angst mehr haben.“
Wer sich durch meine Bücher, meine Blogs oder auf meinen Vorträgen unterhalten lässt, nimmt immer auch Wissen mit. Und dieses Wissen nützt ihm dann, wenn es mal ernst wird. Dann steht er nicht völlig unvorbereitet da.
Mir nimmt auch keiner die Butter vom Brot.
Mir ist es noch nie ums Geld gegangen. Natürlich muss man von etwas leben. Dank der Buchverträge habe ich immer mal wieder Geld bekommen. Auch Honorare und Tantiemen bringen etwas ein.
Aber letztlich ist das nie so viel gewesen, dass man sagen könnte, dass ich reich geworden wäre. Nein, das Geld hat es mir ermöglicht, mich dann wieder an ein neues Buch zu setzen.
So lange ich etwas zu essen im Kühlschrank, ein Dach über dem Kopf und ein Bett zum Schlafen habe, bin ich zufrieden. Und es ist ja nicht so, dass mir jemals Geld geschenkt wurde, ich habe ja immer dafür gearbeitet.
Außerdem haben die Allerliebste und ich das meiste sowieso an ärmere Leute abgegeben. Haben wir schon immer so gemacht.
Wenn also jetzt irgendwer als Deutschlands bekanntester Bestatter richtig viel Kohle verdient, dann gönne ich ihr/ihm das von Herzen. Vielleicht bekommt derjenige ja so viel, dass er auch an andere was abgeben kann.
Wer mir etwas Gutes tun will, der kann meine Bücher kaufen, gerne auch verschenken, der kann auf meine Blogs hinweisen, gerne auch in den sozialen Medien, und der kann, wenn er das möchte, gerne auch die Spendenmöglichkeit hier im Blog nutzen.
Wer aber meint, ich benötigte ein Denkmal, einen Titel oder so etwas, der irrt. Ihr, meine Leserinnen und Leser beschert mir so viel Freude, das reicht mir.
Außerdem habe ich, abgesehen von den Schwierigkeiten, die es überall mal gibt, eine ganz wunderbare Familie, eine wirklich tolle Frau und zwei ganz prima Kinder.
Wenn ich mich umdrehe, sehe ich hinten an der Wand einige Urkunden, die belegen, was ich in beruflicher Hinsicht geschafft und geleistet habe, das freut mich auch immer wieder.
Aber Deutschlands bekanntester Bestatter mag sein/werden wer immer will.
Bildquellen:
- deutschlands-bekanntester-bestatter_800x500: Peter Wilhelm KI

















