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ER hat heute Geburtstag

Von

Es war etwas ruhig geworden um unseren Nachbarn hintenraus, Herrn Oberseniorenkanzler erster Klasse Dr. Nasweis-Lästig.
Ich muss offen gestehen, mir fällt sein Wegbleiben gar nicht auf, ich achte auch nicht aktiv auf ihn. Nur wenn er dann wieder auf der Bildfläche erscheint und mit einer Art Stalinorgel seinen Grünschnitt zerkleinert, dann denke ich: „Ach, den gibt’s ja auch noch.“

So habe ich weder mitbekommen, daß der mittlerweile weit über 80 Jahre alte Nasweis-Lästig eine Afrika-Reise gemacht hat, noch daß er von einem Insekt in den Senegal gestochen worden ist, äh, von einem Insekt im Senegal in den Hintern gestochen worden ist und danach lange krank war. Er hat so eine Art Malaria davon getragen, die aber keine Malaria ist, mehr so eine Art Schlafkrankheit, aber auch das treffe es nicht. Jedenfalls sei er jetzt immer so müde und habe ständig Hunger auf Salami.
Ich muss nachher mal meinen Senegal untersuchen, die Symptome kenne ich…

Aber was ich eigentlich erzählen wollte…

Heute sehe ich Nasweis-Lästig in dunkelblauem Jackett und steingrauer Hose auf seiner Terrasse im Kreise seiner Freunde eine Tasse Kaffee trinken. Die laue Frühlingsluft hat die alten Herren ins Freie getrieben.
Der Art und Weise, wie Nasweis-Lästig neu hinzukommende Herren begrüßte, entnehme ich, daß es etwas zu feiern gibt.

Später am Tag läuft er mit über den Weg und ich begrüße ihn vorsichtig, vielleicht hat er ja Geburtstag heute.
Aber nein, er selbst habe keinen Geburtstag, aber ER.
„Welcher ER?“ will ich wissen.

„Na, wissen Sie denn nicht, was heute für ein Tag ist?“

Ich überlege kurz und auf einmal schießt es mir durchs Gehirn, WER heute Geburtstag hätte…
Nun gut, Nasweis-Lästig ist für mich ja ohnehin der Innbegriff des Altnazis, aber dann sagt er auf einmal:

„Johann Konrad Friedrich Freiherr von Hotze hat heute Geburtstag!“

„Wer um alles in der Welt ist Freiherr von Kotze?“

„Von HOTZE!“

„Und wer ist das?“

„Das war ein berühmter österreichischer Generalmajor in der Armee des Feldmarschalls Wurmser und meine Freunde und ich spielen einmal im Monat mit Zinnfiguren die Erstürmung der Weissenburger Linien nach. Und heute hätte er Geburtstag gehabt, da haben wir auf sein Wohl angestoßen.“

„Dolle Sache!“ sage ich.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


37 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Soso, der gute Mann hat in der Schweiz geschlachtet und gemordet… und Zürich verteidigt.

    Das geht ja gaaar nicht!!

    Gezeichnet, ein Basler. 😛

  2. Sagt mal nichts gegen das Spiel mit den Zinnfiguren. Das nennt man heute „Tabletop“ und breitet sich auch in den hiesigen Gefilden immer mehr aus. Ich spiele es seit Jahren, und zwar sowohl im historischen als auch Fantasy- und SiFi-Bereich.

    Blöd nur, daß man immer mehr von Weißmetall auf Plastik oder Resin umstellt.

  3. Aber wie kann man sein Kind bloß Johann Konrad Hotz der hat sich bestimmt einiges anhören dürfen.

  4. Aber wie kann man sein Kind bloß Johann Konrad Hotz nennen, der hat sich bestimmt einiges anhören dürfen.

  5. Also meins wärs nicht, jedesmal dieselbe Schlacht nachzuspielen, wenn ich Tabletop spiele, dann reizen mich eher die taktischen Möglichkeiten und natürlich will ich auch gewinnen; die Figuren jedesmal nach demselben Plan zu bewegen fänd ich öde, aber wenn es ihm und seinen Freunden Spaß macht, warum nicht – ist doch viel besser, als wenn diese älteren Herrn alle allein zu Hause sitzen.
    Sie haben ein Hobby, sie haben Gesprächsstoff und sie kommen unter Leute, find ich prima.

  6. … aber die ‚Pointe‘ kommt nicht überall an, habe ich das Gefühl.

    Mein Mann hat auch heute Geburtstag… Vergleiche kommen immer wieder mal.

  7. Naja, auch der braune Mann mit dem kleinen Schnäuzer hat (hätte) heute Geburtstag.
    Und das wissen erstaunlich viele…. (der Gatte hat auch heute, darum!)

  8. @ Jacky
    Muß man denn sowas jedesmal laut kundtun, damit anderen Kommentarlesern klar ist, daß man weiß, worauf Tom anspielt?
    Ich jedenfalls schmunzel lieber für mich und schreibe dann, was mir zu der Geschichte sonst noch in den Sinn kam, als daß ich erstmal betonen muß, daß ich natürlich die Pointe verstanden hab (irgendwie käme mir das auch ziemlich wichtigtuerisch oder besserwisserisch vor, so nach dem Motto „Ja, ICH habs verstanden, du auch?“)

  9. Na, ich weiss es zum Beispiel mal nicht, danke für die Erklärung der Pointe. Und ich werds allein schon aus Prinzip auch recht schnell wieder vergessen…

  10. Mich beschleicht dabei spontan das Gefühl, dass von Hotze da irgendwie nur als Platzhalter bzw. Ausrede vorgeschoben ist. So bedeutend ist er nun auch wieder nicht, dass 200 Jahre nach seinem Tod die Feier seines Geburtstages irgendwen interessiert… Aber Oberstudienkriegsrat Nasweis-Lästig ist ja alles zuzutrauen.

  11. @Naya
    Besserwisserisch finde ich eher Kommentare, in denen jemadn darauf hinweist, dass er viel besser weiß, was sich angeblich schickt, und dabei ganz dezent und nebenbei durchblicken lässt, das er selbst natürlich auch verstanden hat, was gemeint war …

  12. @kall: Im Grunde seid ihr alle doof, aber die Welt hat ja noch mich. Damit ist noch nicht alles verloren 🙂

  13. Im Rahmen meiner Aubildung war ich häufiger internatsmäßig untergebracht. Der dortige Hausmeister lief am Geburtstag des nicht Genannten immer mit Springerstiefeln herum. War schon auffällig.

  14. Ok, jetzt ist es raus.
    Und jetzt hört auf zu streiten, sonst geht’s sofort ohne Abendessen barfuß ins Bett.

  15. Aufhören. Aufhören. Schluss jetzt. Ich sage aus! Alles herhören: niemand hat hier über
    irgendeinen Geburtstag zu spekulieren, bevor ich nicht diese Pfeife geblasen habe.
    Habt ihr verstanden? Selbst wenn, und ich möchte, dass das absolut klar ist,
    selbst wenn irgendjemand Hi… sagt.

  16. Oh, Opa Hoppenstädt aus diesen köstlichen Sketches von Loriot ist gemeint! Jetzt bin ich endlich draufgekommen. Warum nur hat das vor mir nur keiner erkannt?
    Dmpfftarää, dmpfftarää, dmpf…

  17. Ist in so nem Massivkeller besonders gefährlich, die Querschläger können einen umbringen.

  18. Kaum zu glauben dass dieser Geburtstag heutzutage noch gefeiert wird. BTW, mein Schwager hat auch an dem Datum Geburtstag. Er kam genau um Mitternacht zur Welt, und als die Hebamme meine Schwimu fragte, welches Datum sie nehmen sollte, entschied sie sich in ihrer Unwissenheit für den neuen Tag. Was dann leider der 20. war. Adolf Schärf ist auch an diesem Tag geboren (österr. Bundespräsident).

  19. _Feiern_ muss man den Gebirtstag in der Tat nicht, denn zu feiern gibt’s da nichts. Aber erinnern darf (und sollte man m.E.) schon, z.B. an die Zeit, als er zwangsgefeiert wurde, und an das, was an Leid damit zusammenhing.

    _Dazu_ kann auch der Geburtstag ein Anlass sein. Mit fällt allerdings auf, dass er in dieser Hinsicht kaum wahrgenimmen wird, als wolle man ängslich alles vermeiden, was auch nur den Anschein eines „Feierns“ erwecken könnte.

    Traut sich da niemand? Sind Journalisten nicht in der Lage, das Thema angemessen zu bearbeiten? Kann man nicht darüber reflektieren, dass es immer noch genug Holzköpfe gibt, die tatsächlich feiern?

    Insofern ein Dank an TOM, der es der allgemeinen Abstinenz zum Trotz doch getan hat.

  20. @ anderer Stefan:
    Es gibt Leute, die in ihrer eigenen Welt leben und Geburtstage von Personen aus dem Trias feiern. Daß dieses an Tagen passiert, an denen es eher ungünstig ist, kriegen die vor lauter Weltfremdheit nicht mit (und wollen das meist auch nicht).

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