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Gut, dass der geholt wird

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„Gut, dass der geholt wird!“ Das war die Aussage der Witwe, als wir heute Nachmittag einen Verstorbenen abgeholt haben. Ich dachte mir, dass die vielleicht froh war, den Verstorbenen aus der Wohnung zu haben, wegen der Angst vor dem „Leichengift“ oder wegen des Geruchs.

Dann kam es im Beratungsgespräch aber zu weiteren Aufhellungen. Man wollte einen ganz einfachen Sarg, keinen Aufwand, alles schlicht und vor allem schnell. Einäscherung, Urne, anonyme Beisetzung, fertig.

Es stellte sich heraus, daß die ganze Familie, allen voran die Ehefrau, heilfroh war, daß dieser Mann endlich gegangen war. Seit 40 Jahren hat er wohl die ganze Familien drangsaliert und mit seinem bösartigen Charakter gequält. Schläge und Drohungen scheinen da an der Tagesordnung gewesen zu sein.

Auch jetzt als er krank zu Hause lag, muss er böse und unerträglich gewesen sein. Ganze vier Mal hat man den Pflegedienst wechseln müssen, weil sich das Pflegepersonal geweigert hat, unter diesen Umständen weiterzuarbeiten.

Eine der Töchter erzählte mir, sie habe mit 16 zu einem Schneider in die Lehre gehen müssen und sei dann vom Vater in die Kleiderfabrik gesteckt geprügelt worden, obwohl sie das gar nicht wollte. So sei er mit allen Kindern umgesprungen und alle hätten im Laufe der Zeit nur einen unbändigen Hass auf diesen Mann gehabt.

„Wissen Sie, als der die Augen zugemacht hat, hab‘ ich gedacht: Endlich!“

Ich muss das jetzt erst mal verdauen, was die mir alles über den Mann erzählt haben; aber eine anständige Behandlung bekommt er doch.

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Peter Wilhelm 28. Mai 2012


13 Kommentare von 141328.

  1. Hi, du Super-Blogger, jetzt ist erst der 8.Sept. und schon den 38. Artikel diesen Monat. Du willst wohl alle Rekorde brechen, zumindest deinen vom August. Ich weiß nicht woher du deine Kondition nimmst. Dein Archiv mag wohl groß sein, aber bitte denk auch mal an deine Leser. Bin wirklich begeistert von deinem Blog, möchte weder einen Beitrag, noch einen Kommentar verpassen, aber, das ist doch nicht normal. Also geh mal ein bischen vom Gas, bevor du noch aus der Kurve fliegst. Wäre wirklich Schade. Hast du eigentlich schon eine Bestattungsvorsorge für dich getroffen?

  2. kann olli nur zustimmen

    da ist man ein paar stunden in der arbeit, kommt zurück und muss sich erstmal durch unmengen an text wälzen…

    zum thema: der tod kann eine erlösung sein. für den gestorbenen und auch für die angehörigen. ist nunmal so.

  3. Tja, hier muss man eben am Ball bleiben. Die Postfrequenz ist eigentlich ganz i.O. Aber ich bin es wahrscheinlich furch Basic-Thinking gewohnt. ;)

  4. Also die Häufigkeit von neuen Postings finde ich absolut in Ordnung so. Besser noch, ich find die richtig gut :-)

    @undertaker:

    Wirst du noch (z.B. in einem weiteren Posting) näher auf diese "Gräueltaten" eingehen, oder wird dadurch deine Anonymität leiden?

  5. Leider kommt sowas auch immer wieder vor. Von einem Bekannten von mir der Vater ist besoffen hingefallen und mit dem Hinterkopf auf den Fußweg geknallt. Ein Tag KH, dann tot… Kaum einer hat wirklich getrauert. Der Mann war nur besoffen und agressiv und hat allen das Leben zur Hölle gemacht. Er ging schnell und unerwartet und hinterließ statt Trauer eine Menge Erleichterung. So traurig das klingt.

  6. so nen Fall hatten wir auch in der Familie Extremer Trinker, Tyrann, usw. wusste auch nicht ob ich der Witwe herzlichen Glückwunsch oder herzliches Beileid bekunden sollte.

  7. Ich kannte zwei sich bis über den Tod hinaus verfeindete Bauunternehmer. Konkurenten der übelsten Sorte.

    Müller versprach Maier: "Du stirbst vor mir und dann schmeiss ich dir nen Stein auf den Deckel!". Es war tatsäclich so, dassMaier zuerst vertarb. Auch ich war bei der (sehr großen)Beerdigung. Irgendwann trat Müller ans offene Grab, holte einen Gegenstand aus der Sackotasche und warf diesen (Stein) mit voller Wucht und kaum zu überhörend auf den Sargdeckelim Grab. Mit den Worten: "Du alter Drecksack, ich habs dir zu Lebzeiten versprochen. Und was ich verspreche mach ich wahr!"

    Einer der Angehörigen zog den Mann weg vom Grab und dieser verschwand vom Friedhof. Er bekam danach gleich mehrere Anzeigen. 1. wegen Störung einer friedvollen Versammlung (So irgendwie heißt das), 1. Nötigung. Sowie vom Bestatter wurde er wegen Sachbeschädigung angezigt, da der Sarg stark beschädigt und vom Kunden noch nicht bezahlt war und somit noch sein Eigentum war.

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