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Ist Antonia eigentlich doof?

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Manche Leser fragten das per Mail und in den Kommentaren.
Nein, natürlich nicht; ich würde sie sonst nicht beschäftigen. Antonia leistet zuverlässig eine hervorragende Arbeit und ist vor allem bei Dingen, die andere langweilig und nervig finden würden, sehr geduldig und genau.
Man kann nicht für jede Arbeit einen dynamischen, redegewandten und akademisch denkenden Mitarbeiter gebrauchen.

Bei Antonia ist das eher so, daß sie ihr Herz auf der Zunge trägt und oft in völlig naivem Ton Sachen sagt und Fragen stellt, die -wenn sie nur eine Sekunde länger überlegt hätte- selbst von ihr nicht so gesagt oder gefragt worden wären.
Sandy, Frau Büser und Antonia nehmen ja halbwegs die selbe Wirklichkeit wahr und oft machen alle drei im ersten Moment den selben Denkfehler, jedoch bemerken Sandy und die Büserin zumeist sofort, daß da ja nach gesundem Menschenverstand etwas nicht stimmen kann, korrigieren ihre Sichtweise und umschiffen so die Fettnäpfchen, in die unser Brillenpummel so richtig mit Anlauf hineinhüpft.

Was ich in den Geschichten um Antonia oft weglasse, ist die kurz darauf erfolgende Erkenntnis, soeben Blödsinn gesagt zu haben und das Selbstkorrigieren im zweiten Satz usw.

Neulich ging es in einer Zeitungsmeldung um Wehrmachtspanzer. Antonia liest versehentlich „Weihnachtspanzer“ und beginnt laut darüber nachzudenken, was der Weihnachtsmann wohl mit einem Panzer machen könnte.
Ihr Fazit: „Na, vielleicht ist das mit den Rentieren ja auch nicht mehr zeitgemäß. So ein Panzer kommt wenigstens durch den hohen Schnee am Nordpol. Aber wie fliegt so ein Panzer?“

Bis hierhin eine der absolut typischen Antonia-Geschichten, die ich auch genau bis hierhin erzählen würde, denn ab da liegen die anderen meist schon lachend auf dem Rücken.
Weiter ging es aber so:
Antonia grinst, sie hat ihren Fehler gemerkt, nochmals richtig hingeschaut und gesehen, daß es Wehrmachtspanzer heißt. Sie sagt dann: „Ach nee, ist ja Blödsinn, aber in letzter Zeit lese ich ständig so einen Mist.“
Damit ist die Situation wieder gerade gerückt, denn es passiert uns allen ja mal, daß wir irgendetwas falsch lesen.
Meine Frau schrieb neulich tatsächlich einen Brief an die Adresse „Ferdinand Lasagne Straße“ statt an die „Ferdinand Lassalle Str.“

Man könnte in Bezug auf Antonia auch sagen, daß sie einfach so viel Selbstbewusstsein hat, dass sie es sich traut, immer gleich den ersten Gedanken auszusprechen. Jedenfalls lacht sie herzerfrischend über ihre Wiedergabe hier im Weblog und behauptet immer wieder: „Ach was, das war ich gar nicht, damals war ich halt noch jung und unerfahren.“


Peter Wilhelm 30. Mai 2012

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