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Klamotten von Leichen auf dem Flohmarkt?

Was passiert eigentlich mit den Kleidungsstücken eines Verstorbenen?

Das möchte gerne ein Leser wissen:

meine frage lautet: Finde ich die garderobe von den verstorbenen
auf dem flohmarkt ? oder was geschieht damit?

Bei der Abwicklung einer Bestattung hat es der Bestatter mit dreierlei Kleidung zu tun:

1. Die Kleidung, die der Verstorbene zum Sterbezeitpunkt trägt
2. Die Kleidung, die Angehörige später bringen, damit der Verstorbene damit bekleidet wird
3. Totenkleidung aus dem Sortiment des Bestatters

Einer der ältesten Bestatterwitze geht so:

„Du Trude, guck mal, da drüben läuft der Bestatter, und der hat genau so einen Anzug an, wie Dein seliger Horst im Sarg an hatte.“

„Stimmt Gertrud, den hat er sich bestimmt gekauft, weil er sich an mich ranmachen will.“

So oder so ähnlich wurde dieser Witz früher oft erzählt.
Mag sein, dass es einmal Zeiten gab, in denen das Bestatten von Toten so wenig einbrachte, dass sich Totengräber, Leichenwäscher oder Bestatter auch schon mal die Schuhe oder Oberbekleidung ihrer „Patienten“ aneigneten. Aber das muss lange her sein.

Inzwischen ist das Leichenbestatten ein einträgliches Geschäft, und selbst wenn der Laden nicht so gut läuft, wegen der Totenkleidung macht sich heute keiner mehr die Finger schmutzig.

Die Kleidung, die der Verstorbene zum Sterbezeitpunkt trägt, kann ohne weiteres oft auch die Kleidung sein, in der er bestattet wird.
Ansonsten wird ihm diese Kleidung ausgezogen. Handelt es sich um mehr als nur Unterwäsche oder Bettwäsche, und ist die Kleidung nicht kaputt oder total verschmutzt, werden die Angehörigen gefragt, was damit geschehen soll. In den meisten Fällen wird auf das Eigentum verzichtet und der Bestatter wirft diese Sachen weg.

Die Sachen, die Angehörige bringen, um sie dem Toten für eine Aufbahrung oder den letzten Weg anzuziehen, wird dem Verstorbenen auch angezogen. Er kommt dann damit unter die Erde oder ins Krematorium. Nimmt das Krematorium keine Alltagskleidung an, sondern besteht auf zertifizierten Totenhemden, wird der Verstorbene vor der Einäscherung noch einmal umgekleidet.
Mit der Kleidung wird dann verfahren, wie oben beschrieben.

Totenhemden (Talare), die der Bestatter zur Bekleidung des Verstorbenen verkauft, wird dem Verstorbenen auch angezogen. Sie verbleibt auch am Leichnam.

Dass solche Kleidungsstücke anschließend auf einem Flohmarkt auftauchen ist extrem unwahrscheinlich, ja nahezu ausgeschlossen.
Selbst wenn der Bestatter gut erhaltene Sachen in eine Altkleidersammlung gibt, muss man wissen, dass nur ein kleiner Teil der dort ankommenden Sachen überhaupt in irgendeiner Form weiterverwendet wird. Das meiste wird zu Rupffasern verarbeitet, die in Dämmmatten oder Polstermaterial beispielsweise in der Automobilindustrie Verwendung finden.

Mit abgelegter Kleidung ist so wenig zu verdienen, dass sich das für einen Bestatter nicht lohnt.

Außerdem hat das auch was mit Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und Berufsehre zu tun. Und man mag es kaum glauben, fast alle Bestatter sind hochanständige Menschen.

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Peter Wilhelm15. Februar 2019

2 Kommentare von 140454.

  1. Also dass die Angehörigen die restliche oder vom Bestatter ausgehändigte Kleidung privat auf Flohmärkten anbieten kann ja schon sein. Aber da weiss man eh nie wer es vorher getragen hat. Fände da Kleidung von lebenden schweren Verbrechern irgendwie schlimmer als von anständigen Toten. Spielt das bei Gegenständen überhaupt eine Rolle, wurden ja oft auch unter schrecklichen Umständen produziert…

  2. Hat jetzt nix mit Bestatter zu tun, aber auf so eine Weise könnte so ein Verdacht / der Witz am Anfang zustande gekommen sein:

    Meine Oma verstarb schon vor meiner Geburt Ende der 50er / Anfang der 60er im Krankenhaus. Die Schwestern sagten damals ihren Töchtern (meine Mutter & Tante) aufgrund des Todes würde ein Nachthemd gebraucht. Die Töchter rannten los – alles überschattet von dem Sterbefall = Verlust ihrer Mutter – und kauften ein besonders teueres und besonders schönes Nachthemd, so quasi als das letzte „Gute“ das sie ihrer Mutter tun können.

    Später nach Beauftragung und Abholung durch Bestatter kam dann raus, dass das Nachthemd nicht gebraucht wurde, weil Oma so einen Talar vom Bestatter anbekam. Das neue und teuere Nachthemd war und blieb verschwunden (hatte sie also auch bei der Abholung nicht an oder so war).

    Als ich ca 15 Jahre später die Geschichte erzählt bekam, wurde der Verdacht geäußert, dass das Nachthemd von den Schwestern einbehalten wurde, und das evtl eine „Masche“ sein könnte …

    Jetzt, gut 50 Jahre nach dem Todesfall – ich weiß nicht recht. So was würde doch irgendwann auffliegen, es könnte ja auch sein, dass einer deshalb bis zum Klinik-Direktor rennt? Andererseits war die Zeit auch eine Ausnahmesituation für die Angehörigen …

    Kann der Verdacht sein?

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