Jetzt ist es ja wieder 11 Monate lang Ruh‘ mit „Last Christmas“. Aber vor ein paar Wochen lief er wieder in Dauerschleife durch Kaufhäuser, Radiosender und Wohnzimmer: Last Christmas. Der Song gehört mittlerweile so fest zur Vorweihnachtszeit wie Tannenduft und Lichterketten.
Was dabei leicht in Vergessenheit gerät: Sein Interpret George Michael starb am 25. Dezember 2016 – mit nur 53 Jahren. Ein früher Tod, der sich tief ins kollektive Gedächtnis eingegraben hat.
George Michael ist damit nicht nur Teil der Popgeschichte, sondern beinahe ein Sinnbild für ein Phänomen, das nun auch wissenschaftlich untersucht wurde: Berühmte Sängerinnen und Sänger sterben im Durchschnitt früher als ihre weniger bekannten Kolleginnen und Kollegen.
Eine Studie über Ruhm und Sterblichkeit
Ein Forschungsteam um Johanna Hepp vom Lehrstuhl für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik der Universität Witten/Herdecke hat dieses Thema in einer retrospektiven Fall-Kontroll-Studie untersucht. Die Ergebnisse wurden 2025 im Journal of Epidemiology and Community Health veröffentlicht.
Verglichen wurden 324 international bekannte Sängerinnen und Sänger mit 324 weniger berühmten Musikern, die hinsichtlich Geschlecht, Herkunft, Epoche, Musikgenre und Karrierestruktur möglichst exakt abgeglichen wurden. Ziel war es, den Faktor „Berühmtheit“ möglichst isoliert zu betrachten.
Das Ergebnis ist bemerkenswert – und aus bestattungskultureller Sicht hochinteressant: Berühmte Sänger wiesen ein um 33 Prozent höheres Sterberisiko auf als weniger bekannte. Die statistisch berechnete mittlere Lebenserwartung lag bei den Berühmtheiten bei rund 75 Jahren, bei den weniger bekannten Vergleichspersonen bei knapp 80 Jahren.
Weniger Ruhm – mehr Lebenszeit?
Die untersuchten Musiker stammten jeweils zur Hälfte aus Europa und Nordamerika. Rund 83 Prozent waren männlich, der Großteil im Rock-Genre tätig. Die Karrieren mussten zwischen 1950 und 1990 aktiv gewesen sein – also in jener Phase, in der Popkultur, Starkult und weltweite Vermarktung eine neue Dimension erreichten.
Die erste verstorbene berühmte Person in der Kohorte starb bereits im Alter von 21 Jahren, während der früheste Todesfall in der Vergleichsgruppe erst mit 29 Jahren eintrat. Auch das ist ein Detail, das aufhorchen lässt.
Interessant am Rande: Die Mitgliedschaft in einer Band war mit einem um 26 Prozent geringeren Sterberisiko verbunden als eine Solokarriere. Allein der Status als Frontfigur, Star und Projektionsfläche scheint also zusätzliche Belastungen mit sich zu bringen – psychisch wie physisch.
„Only the good die young?“ – ein alter Mythos, neue Daten
Die Popgeschichte ist reich an frühen Todesfällen: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Amy Winehouse, Avicii, Kurt Cobain, Chester Bennington – die Liste ließe sich lange fortsetzen. Sie hat den Mythos genährt, dass große Kunst und früher Tod irgendwie zusammengehören.
Die Studie aus Witten/Herdecke liefert nun nüchterne Zahlen zu einem Phänomen, das sonst gern romantisiert wird. Ruhm geht offenbar mit besonderen Risiken einher: Dauerstress, öffentliche Beobachtung, Leistungsdruck, unregelmäßige Lebensweise, Substanzmissbrauch, psychische Belastungen und Identitätskonflikte – alles Faktoren, die auch aus der Thanatologie, der Suizidforschung und der Suchtmedizin wohlbekannt sind.
Was das für den Umgang mit Tod und Prominenz bedeutet
Aus Sicht des Bestattungswesens ist das Thema nicht nur statistisch interessant. Prominente Todesfälle lösen regelmäßig kollektive Trauer, mediale Rituale und stark emotionalisierte Formen des Abschieds aus. Sie prägen, wie Gesellschaft über Tod, Vergänglichkeit und Lebensentwürfe spricht.
Wenn wissenschaftliche Daten nun nahelegen, dass Berühmtheit selbst ein Mortalitätsfaktor ist, bekommt der öffentliche Tod eine zusätzliche Dimension: Er ist nicht nur Schicksal oder Exzess, sondern möglicherweise auch Folge einer Lebensform, die systematisch mit erhöhtem Risiko verbunden ist.
George Michaels Last Christmas klingt in diesen Tagen deshalb nicht nur nach Weihnachtsmelancholie – sondern auch nach einer Erinnerung daran, dass Ruhm kein Schutzschild gegen Endlichkeit ist. Vielleicht im Gegenteil.
Links
- Studie im Journal of Epidemiology and Community Health
- Pressemitteilung der Universität Witten/Herdecke
- Deutsches Ärzteblatt
Bildquellen:
- dieyoung_800x500: Peter Wilhelm
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Ausnahmen bestätigen die Regel, siehe Mick Jagger, der sicher auch die eine oder andere „Substanz“ probiert hat.
Aber es heißt, daß er sich gesund ernährt und Sport treibt…