THE DEVIL IN THE SKY. Ihr alle kennt die Anneliese-Braun-Radio-Verhörer. Wir als Deutsche hören in englischen und anderen fremdsprachigen Songs bestimmte deutsche Wörter oder Sätze heraus, die da gar nicht vorkommen.
Das ist lustig und wird in ganz vielen Radiosendungen immer mal wieder durchzelebriert.
Ich selbst hab auch so einen Radio-Verhörer, der mich wirklich nun seit wenigstens 50 Jahren begleitet hat und den gestern erst meine Allerliebste aufgeklärt hat.
Es geht um einen Titel vom King of Rock ’n’ Roll, Elvis Presley.
Am besten ist es, wenn Du Dir den Titel mal anhörst:
In dem Titel geht es um eine junge Frau, die wie ein Engel aussieht, wie ein Engel läuft und spricht. Aber Elvis ist nun klüger, er findet:
YOU’RE THE DEVIL IN THE SKY
Immer schon kam mir das merkwürdig vor. Du bist der Teufel im Himmel. Aber gut, wenn Elvis das singt, muss das ja wohl so heißen.
Ich habe das Lied mindestens 30 Mal auf Wunsch der Familien auf Beerdigungen gespielt und jedes Mal innerlich mitgesungen „Devil in the Sky“.
Neulich lief das Lied mal wieder und ich singe so leise vor mich hin, als die Allerliebste in ihrer unnachahmlichen Art: „Blödmann!“ zu mir sagt.
„Wieso Blödmann?“
„Wegen dem devil. Das singt der doch gar nicht!“
Und dann klärt sie mich auf, dass ich als jemand, der Englisch fast wie seine Muttersprache spricht, jahrzehntelang völligen Blödsinn verstanden habe. Elvis singt nämlich „devil in disguise“ (gesprochen devil in disgaiß). Das heißt so viel wie „Teufel in Verkleidung“. Mehr zur Etymologie usw. habe ich Euch unten in einen Infokasten geschrieben.
Lyrics:
You look like an angel
Walk like an angel
Talk like an angel
But I got wise
You’re the devil in disguise
Oh yes you are
The devil in disguise
Ich muss echt gestehen, dass die Vokabel „disguise“ in all den Jahren völlig an mir vorbeigegangen ist. Schande über mich.
Hast Du auch einen Lieblingsverhörer?
Das englische Wort disguise ist sowohl als Verb als auch als Substantiv (Nomen) gebräuchlich. In beiden Fällen kreist die Bedeutung um das Verbergen, Verfälschen oder Unkenntlichmachen der wahren Identität, Absicht oder Beschaffenheit einer Person oder Sache.
1. Disguise als Verb
Grundbedeutung: to disguise bedeutet „verkleiden“, „maskieren“, „verbergen“ oder „unkenntlich machen“.
Gemeint ist dabei nicht nur eine äußerliche Verkleidung im wörtlichen Sinn (Kostüm, Maske), sondern sehr häufig auch ein übertragener Gebrauch, etwa das Verdecken von Motiven, Gefühlen oder Tatsachen.
Typische Bedeutungsnuancen: Eine Identität verschleiern, etwas absichtlich anders erscheinen lassen, als es ist, oder wahre Absichten verbergen.
Beispielhafte Verwendungen: Jemand verkleidet sich, um nicht erkannt zu werden. Gefühle werden hinter Höflichkeit oder Ironie verborgen. Eine Maßnahme wird als etwas anderes „getarnt“.
Der verbale Gebrauch ist im Englischen sehr produktiv und findet sich sowohl in Alltagssprache als auch in Literatur, Politik und Psychologie.
2. Disguise als Nomen (Substantiv)
Grundbedeutung: Als Substantiv bezeichnet a disguise die Verkleidung selbst oder allgemein ein Mittel zur Täuschung.
Das kann sein: Ein konkretes Kostüm oder äußeres Erscheinungsbild, eine Rolle, ein Vorwand oder eine Tarnung, oder ein metaphorisches „Deckmäntelchen“ für etwas Unerwünschtes.
Typische Bedeutungen: Maske oder Kostüm, Tarnung, Vorwand, falsche Erscheinung, hinter der sich etwas anderes verbirgt.
Im übertragenen Sinn wird das Wort oft verwendet, um auf Selbsttäuschung oder bewusste Irreführung hinzuweisen.
3. Semantisches Spannungsfeld
Charakteristisch für disguise ist, dass das Wort nicht zwingend negativ konnotiert ist, aber sehr häufig eine absichtliche Irreführung impliziert. Der Kontext entscheidet, ob es sich um:
• harmlose Verkleidung
• strategische Täuschung
• moralisch problematische Verschleierung
handelt.
Gerade im literarischen und politischen Sprachgebrauch ist disguise ein beliebtes Wort, um Ambivalenz zu erzeugen.
4. Etymologie
Die Herkunft des Wortes ist sprachhistorisch besonders interessant.
Disguise stammt aus dem Altfranzösischen: desguiser = „verkleiden, entstellen, unkenntlich machen“. Dieses wiederum setzt sich zusammen aus:
• des- (Verstärkungs- oder Abweichungspartikel, etwa „weg von“, „anders“)
• guise = Art, Weise, Gestalt
Das französische guise geht zurück auf:
• guiser = „formen, gestalten“
• vermutlich aus einem germanischen Stamm (verwandt mit althochdeutsch wîsa = Weise, Art)
Wörtlich bedeutete disguise ursprünglich also: „jemanden aus seiner gewohnten Art oder Gestalt herausbringen“
Im Mittelenglischen (ab dem 14. Jahrhundert) wurde das Wort übernommen und behielt diese Bedeutung der Verfremdung und Verstellung bei.
Und wer es ohne zu lachen aushalten kann, kriegt ein Brötchen:
Bildquellen:
- devil_800x500: Peter Wilhelm KI


















„Misheard Lyrics“ sind lustig. Sucht mal nach entsprechenden Seiten im Internet. Mir gefällt die hier, wegen der Bandfotos:
https://www.hollywoodreporter.com/lists/misheard-song-lyrics/
Ich mag den Song „Livin‘ on a Prayer“ von Bon Jovi, und die schreiben da:
„People often mistake the line “It doesn’t make a difference if we make it or not” for “It doesn’t make a difference if we’re naked or not” in the popular song.“
Wenn ich so darüber nachdenke: Der „verhörte“ Text ist irgendwie besser als das Original…
Bei allem Respekt, aber bei „…der Englisch wie seine Muttersprache spricht…“ wäre dieser Verhörer wohl nicht passiert ;-).
Für anderer Verhörer verweise ich gerne auf das Büchlein „Der weiße Neger Wumbaba – Teil I – II“ von Axel Hacke und Michael Sowa. Herrlich!
Ich glaube nicht, dass Du das beurteilen kannst 🙂
Ich verweise da auf den Link in meinem ersten Kommentar. Die Seite ist, nehme ich an, US-amerikanisch, und da dürfte es sich um Verhörer von Muttersprachlern handeln.
Englisch ist ein westgermanischer Bauerndialekt, der sich aufgrund seiner kurzen Silbensprache sehr gut zum Singen eignet, und im Prinzip für andere Germanen leicht zu erlernen ist.
Solche Radiomißverständnisse kommen bei allen Zuhörern vor. Ganz gleich ob sie Muttersprachler sind oder Englisch gar nicht verstehen. Mit dem Beherrschen der englischen Sprache hat das gar nichts zu tun.
Englisch verleitet wegen seiner Verwandtschaft zu anderen Sprachen leicht dazu, dass man Silben, Wörter und Sätze der eigenen Sprache in Form von Lautmustern wiederzukennen glaubt.
Aber es sind auch Muttersprachler, die über Jahre und Jahrzehnte Abschnitte eines Songs falsch verstehen und fest davon überzeugt sind, etwas anderes zu hören, als da gesungen wird. Beispiel: King of Queens „Reverend Blue Jeans“-Episode.
Ja und dann ist das von Dir gebrachte Beispiel vom „weißen Neger Wumbaba“ ja genau dafür ein Paradebeispiel, denn es betrifft ja deutsche Muttersprachler, die in einem deutschen Lied etwas falsch verstehen. Das ist wie mit dem fremdländischen Wort „Eskalapati“ am Anfang von „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“.
„Du musst besoffen bestell’n“ ist wohl unser „Liebling“, aus dem Song „(I Just) Died in Your Arms“, eigentlich wird „It must’ve been something you said“ gesungen.
Mich hat mal ein Freund vor Jahren auf die Zeile bei „Another brick in the wall“ von Pink Floyd aufmerksam gemacht. Dort singt der Kinderchor irgendwann auf Deutsch: „Hol ihn, hol ihn unters Dach.“
Seither kann ich den Song auch nicht mehr anders hören, das hat sich einfach eingebrannt.
Wenn man das erst mal im Gehirn hat, kriegt man das nicht mehr los.
Ich habe noch nie „Anneliese Braun“ bei „All the leaves are brown“ gehört. Aber seit „Agathe Bauer“ und „Anneliese Braun“ mal im Radio gespielt wurden und als Radiofalschhörer vorgestellt wurden, höre ich auch immer Agathe Bauer und Anneliese Braun.
Das hat mal Ranga Yogeshwar vor Jahren, oder eher Jahrzehnten in einer Technik Sendung vorgestellt. Da ging es darum was Leute denken bzw. glauben, wenn ihnen zuvor etwas suggeriert bzw. „eingeredet“ wird. Er hat dies als eine spannende Geschichte dargestellt und erzählt (suggeriert) dass man genau das hören wird, wenn man genau hinhört. Dann wurde diese Zeile bzw. Musikzeile eingespielt und Dein Freund hat es vermutlich später irgendwo gehört, ohne die genauen Zusammenhänge zu kennen. Und er hat es Dir weiter gegeben und so entstehen Gerüchte. 😉 😉
Das ist ja das Frappierende an den Anneliese-Braun-Songs.
Selbst wenn man es noch nie falsch gehört hat, brennt sich der Verhörer ein, wenn man ihn einmal entlarvt bekommen hat.
Ich höre seitdem ich es im Radio als Verhörer vorgespielt bekommen habe, nie mehr „I got the power“, sondern immer Agathe Bauer.
Joup, das ist habe ich auch lauthals mitgesungen, das mit dem Teufel im Himmel!! Hab dann mit 32sig oder so rausgefunden dass ich das immer falsch gesungen habe.
Und Jon Bon Jovi: You give love a bad name. Ich als Kind: You give love a Börnieee. Wenn man eh kein englisch kann weiss man auch nicht das das keinen Sinn ergibt 🙂
Und die Silvia von Simon und Garfunkel, die hat sich dann als eine Cecilia herausgestellt…
??? Heiliger Zipfelhuber, heute hat mich aber die Erleuchtung förmlich angestrahlt bzw. völlig geblendet. Wenn Du es jetzt nicht geschrieben hättest, wäre ich irgendwann dämlich vor mich hin gestorben und hätte bis dahin geschworen „Devil in the sky“ zu hören/verstehen. Obwohl verstehen nur im Sinne von akustisch verstehen gemeint ist, denn ich wüßte nicht was der Feuerspezi noch im Himmel zu suchen hätte. Es sei denn, er würde als Lucifer mal seine früheren Arbeitskollegen besuchen.
Ich bin ja froh, dass es nicht nur mir so ergangen ist. Man lässt ja ein Stück weit die Hose runter, wenn man so einen Verhörer zugibt.
Im Übrigen gab es mal einen Superhit aus Spanien von diesen damals jungen Mädchen, den Ketchup-Song:
Die Mädchen singen dort ein spanisch-englisches Kauderwelsch, gebildet aus Wortfragmenten, wie sie junge Spanier aus amerikanischen Songs und Filmen falsch heraushören.