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Papphäuschen für Neger

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Ich kann mich ja auch an das ganze Kroatengedöns nicht wirklich gewöhnen, für mich gibt’s irgendwie immer noch Jugoslawien. Vielleicht bin ich schon zu alt…
Mir rutscht ja auch immer wieder heraus, dieses oder jenes koste angeblich soundsoviel Mark.

Ich gebe mir ja Mühe, aber manchmal rutschen diese alten Begriffe eben doch noch durch.

Anders ist das bei unserem Nachbarn Herrn Oberseniorendirektor Nasweis-Lästig. Er benutzt mit absoluter Selbstverständlichkeit und im Brustton der Überzeugung besonders gerne z.B. das Wort Mohr. Ich sag‘ ja manchmal Neger, für mich ist und war das niemals negativ konnotiert und ich weiß sehr wohl um die Befindlichkeiten der Betroffenen, aber erstens halte ich die sogenannte „political correctness“ für eine moderne Form der Maulzensur und in meinem Kopf ist kein Platz mehr für weitere Scheren, und zweitens habe ich meine halbe Kindheit Kleingeld in kirchlicherseits verteilten Papphäuschen gesammelt und das war eindeutig immer für die Negerkinder. Warum darf ich heute, wo diese Kinder endlich, vielleicht auch dank meines Kleingeldes, erwachsen sind, nicht immer noch Neger sagen? Gut, man darf es nicht, also lasse ich es meistens und drücke mich um die Bezeichnung ganz herum. Unser Freund Abdullai hat es einfach, ihn kenne ich beim Namen und deshalb kann ich ihn benennen, außerdem verwendet er für Menschen, die die gleiche Hautfarbe wie er haben, auch das Wort Neger; alle anderen müssen halt infolge meiner Unsicherheit damit leben, daß ich ‚der da‘ oder ‚die da‘ sage.

Aber das Wort Mohr, das hat für mich dann doch noch ein ganz kleines bißchen eine andere Bedeutung und so geht es mir auch, wenn Nasweis-Lästig immer von der Ostzone spricht. Ich tue das auch, aber ich tue das nur dann hin und wieder, wenn ich literarisch scherze, er hingegen tut das aus fester Überzeugung. Oft sagt er sogar einfach nur SBZ oder sagt ‚Soffjettzohne‘. Österreich, den Begriff kennt er gar nicht, das ist und bleibt für ihn die Ostmark und wenn er über die aktuell herrschenden politischen Verhältnisse spricht, dann muß er dabei einen Würgereiz sichtbar unterdrücken. Demokratie ist für ihn absolut undenkbar, am Liebsten hätte er den Führer wieder oder wenn das nicht geht, wenigstens den „Kinnich“.

Ich finde, es ist also durchaus ein Unterschied, ob jemand aus jahrzehntelanger Gewohnheit bestimmte Begriffe immer mal wieder, mehr oder weniger versehentlich, verwendet oder ob jemand da eine gewisse Gesinnung vor sich her trägt.

Man kann, um eine bestimmte Wirkung zu erzeugen, gewisse Begriffe und Redewendungen durchaus auch bewußt als Stilmittel einsetzen. Wenn aber jemand dadurch versucht, seinem Gegenüber immer wieder seine restbraune Gesinnung unterzujubeln, dann nervt das.

Dabei spielt es für mich überhaupt keine Rolle, ob die auf mich ausgegossene Gedankenjauche nun braun oder rot ist.
Mich stört dabei auch nicht die Tatsache, daß derjenige das mit mir versucht, denn ich bin da sowieso mit einem gewissen ideologischen Lotuseffekt ausgestattet, je jauchiger die Scheiße, umso abperliger mein Zisch.

Nein, mich ärgert, daß jemand auf diese Weise meine Intelligenz beleidigt, weil er glaubt, er könne mit so plumpem Tun bei mir etwas bewirken.

Als Nasweis-Lästig heute morgen den Schnee vor seiner Haustüre mit einem Flammenwerfer hinwegschmolz, winkte er mir zu und fragte:

„Stimmt das, daß sie nach Holland fahren?“

Nun sage ich auch immer wieder Holland, ich esse ja schließlich auch Holländer Käse, egal ob der aus Friesland, Holland, Brabant oder sonstwo aus den unendlichen Weiten der unüberschaubaren niederländischen Gebieten kommt. Aber Nasweis-Lästig gegenüber sah ich mich dann doch gemüßigt, ihn darauf hinzuweisen, daß das die Niederlande sind.

„Quark mit Soße!“ lautete seine Antwort und sofort hatte er das Wort im Mund, daß der absolute Beweis dafür ist, daß er solche Begriffe wie ‚Holland‘ nicht zufällig in den Mund nimmt: Blitzkrieg.

Meine Frau und ich grübeln, wie alt Nasweis-Lästig wohl wirklich sein mag. So recht will uns nicht einfallen, seit wann er tatsächlich pensioniert ist. Sagen wir mal, er sei als Jugendlicher indoktriniert worden, dann muß er bei Kriegsende allenfalls 12-14 Jahre alt gewesen sein.

Dann wäre der heute 79, oder hab‘ ich mich da verrechnet?
Hm, er könnte aber auch durchaus deutlich Mitte Achtzig sein, dann wäre er bei Kriegsende gerade einmal 20 gewesen und hätte tatsächlich noch richtig an der Front gewesen sein können.

Was weiß man schon mit 20?

Mir tut der immer auch ein wenig leid. Irgendwann sterben die aus.
Meine Frau sagt ja immer, die nachwachsenden Neonazis seien so primitiv und doof, von denen gehe keine wirkliche Gefahr aus.
Ich sag‘ dann immer, daß die Nazis damals auch primitiv und doof gewesen sind.

Peter Wilhelm 24. Juli 2012


64 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Die braune Masse ist wirklich doof, nur leider sitzen und saßen durchaus intelligente Leute in deren Führungsriege, deshalb werden die leider nicht aussterben, denn viele der alten haben durchaus „guten“ ideologischen Nachwuchs!

  2. Über gewisse Begriffe (z.B. Negerkuss) stolpere ich auch sehr oft. Und wie schon von dir geschrieben: Man meint den Begriff nicht im heutigen (negativen) Sinne, wie es in den kleinen Scherenköpfen heutzutage gang und gebe ist, sondern wie z.B. vor 30 Jahren. Und das war ja nicht schlecht. Diese versuchte political correctness geht mir auch auf den Keks.

  3. wir haben uns im studentenwohnheim mal die freiheit genommen und einen deutschafrikanischen Fernsehsprecher einen „schokoschäumling“ genannt um zu zeigen wie aus einer politisch korrekt gesäuberten sprache trotzdem rassismus durchscheinen kann.

  4. Bei uns zu Hause heißt es auch „Mohrenkopf“ und nicht Schokoladenschaumkuss. Und das Wort Neger rutscht mir auch gelegentlich raus. Na und? Ich bin trotzdem kein Rassist und zähle auch „Neger“ zu meinen Freunden, die in Anbetracht der häufig propagierten übertriebenen Political Correctness genauso mit dem Kopf schütteln wie ich.
    Überhaupt halte ich Political Correctness in der verbreiteten Form für absoluten Humbug. Was hilft es, wenn wir uns mit aller Macht selbst zensieren, wenn gleichzeitig der eigentliche Kern des Problems überhaupt nicht angepackt wird? Was bringt es, wenn ich nach Jahren politisch korrekter Erziehung Menschen habe, die einen völlig verkrampften Umgang mit der Materie haben und „Mitmensch mit afrikanischem Migrationshintergrund“ sagen, aber insgeheim „Nigger“ denken? Gar nichts! Da ist es mit doch lieber, wenn die Leute „Schwarzer“ oder „Neger“ sagen und dabei einfach nur an einen ganz normalen Menschen wie Du und Ich mit dunkler Hautfarbe denken.
    Aber der Gedanke, komplexe Problemstellungen mittels simpler Pseudolösungen auszublenden, zieht sich ja wie roter Faden durch Politik und Gesellschaft. Siehe Terrorbekämpfung, Zensursula usw.

  5. Also bitte nichts gegen Links- oder Rechtsradikale.
    Von mir aus kann sich jeder einen halten, damit man seinen Frust ablassen kann. Das schont Umwelt und Mitmenschen.
    🙂

  6. dann komm mal zu uns in die „ostmark“, dann siehst du, dass diese leute nicht aussterben. die vermehren sich sogar!

  7. Ich studiere in den Niederlanden und die Niederländer selbst sprechen auch von „Holland“. Obwohl ich nicht in der Region studiere. Ich habe es mir selbst mal abgewöhnt „Holland“ zu sagen, aber seit ich hier bin…

    Hier redet ja auch keiner von der „Bundesrepublik Deutschland“.

    So genug klug geschissen.

  8. Die Nazis damals waren leider nicht doof.
    Immerhin haben sies geschafft, industrialisierten Massenmord zu begehen. Klar gab es viele Mitläufer, aber die Denker hinter diesen Abscheulichkeiten waren verdammte intelligente Köpfe, die leider etwas zu rechts weit außen unterwegs waren.

    Heute Nazi-Deppen sind nur solange doof, solange sie nicht eine Führungsrolle innehaben. Denn um da hin zu kommen, müssen sie auch heute noch ein klein Wenig Grips in der sonnst holen Birne haben…

    Und wie man weiß: Unkraut vergeht nicht.

  9. Ich denn die nicht Neger oder Mitbürger afrikanischer Herkunft sondern schlichtweg Menschen.
    Sollte es eine Situation geben, in der die Hautfarbe tatsächlich von Bedeutung ist, dann halt Schwarze und fertig. Allerdings kommen solche Situationen wirklich selten vor.

  10. Die Nazis von heute erinnern mich immer an die frühen SA’ler …
    Dumpfe Haudraufburschen …

    Und man siehe: irgendwann wurden sie selbst Adolf zu läßtig … (nicht nur weil sie dumpf waren, aber auch).

  11. Wenn die Nazis damals dumm gewesen wären, wäre es wohl nicht so weit gekommen… Primitiv im Sinne von „auf eine überwunden geglaubte, barbarische Stufe zurückgefallen“ sicherlich, aber eben nicht dumm. Sie wussten, wie sie die Leute kriegen konnten und haben das für ihre Ziele gnadenlos ausgenutzt.

    Political Correctness verschleiert in der Tat die Probleme. Dass es in Deutschland Parallelgesellschaften gibt, wollte lange niemand sehen, weil man damit ja bei den „Menschen mit Migrationshintergrund“ ihre kulturelle Identität antasten würde. (Ich habe mal gehört, dass jemand als Gegensatz zu „Mensch mit Migrationshintergrund“ „Biodeutscher“ verwendet wurde – aua)

    Und bis vor 10 Jahren oder so wurde ja auch von einigen, zumeist konservativen Kreisen gebetsmühlenhaft wiederholt, dass Deutschland kein Einwanderungsland sei – das scheinen aber die Millionen Einwanderer und deren Kinder, die hier leben, nicht zu wissen…

    Einwanderer ist doch eigentlich ein Wort, das genau das ausdrückt, was diese Menschen sind: Sie sind nach Deutschland eingewandert. Warum sollte man das nicht sagen, was ist daran diskriminierend?

  12. Ach ja, die Correctical Politeness, oder wie der Hautausschlag heißt… für unsere Gutmenschenfreunde mit IQ-Optimierungsbedarf wie geschaffen, da muss man nicht so nachdenken, da braucht’s keine Hirnzellen. Realitätscheck?

    Wie nennen wir unsere aus Westafrika stammenden Etagennachbarn? Schwarze? Die sind genauso schwarz, wie ich weiß bin, nämlich gar nicht. (Mein Hintern ist rosa, ich habe zur Sicherheit gerade noch mal im Spiegel nachgeschaut.) Also sind das Farbige? Dann bin ich auch farbig, das hat eine Epidermis so an sich.

    Es gibt eben Leute, für die der Karneval ein Segen ist, weil sie dann mit ihrem intellektuellen Niveau nicht so auffallen.

  13. Ich finde, es ist schwierig, zwischen Tradition und Rücksicht einen Mittelweg zu finden. In meinem Kopf sind es „Negerküsse“ und keine „Schaumküsse“.
    Auf der anderen Seite finde ich es extrem respektlos, einem Menschen das Recht zu nehmen, wie man ihn ansprechen soll. Da sagt ein Schwarzer „bitte nennen Sie mich nicht'“Neger'“ und bekommt als Antwort „Das ist für mich kein Schimpfwort“ (neulich in einem Blog gelesen). Der Angesprochene fühlt sich aber beschimpft, darum geht es.
    Es ist auch kein Schimpfwort, jemanden ungefragt zu Duzen oder seinen Vornamen zu verniedlichen. Trotzdem hat sich bestimmt jeder schonmal darüber geärgert, wenn es einem passiert.
    Wenn ich jemanden nicht kenne, und ihn erwähnen muss, dann verwende ich „der Herr“ und „die Dame“, genauso wie ich selbstverständlich mir fremde Erwachsene sieze. Soll ich mich jetzt darüber aufregen, dass ich nicht jeden auf der Strasse liebevoll „Drecksack“ nennen darf, nur weil das mit meinem Partner im Scherz okay ist?

  14. Ich arbeite ja nun manchmal in der Gastronomie und ich muss zugeben, auch wir benutzen Begriffe, die politisch vielleicht nicht immer so korrekt sind, wie manche sich das wünschen. Tatsache ist aber, dass es deutlich einfacher ist, einem Kollegen zu sagen ‚Das geht an den Schwarzen.‘ oder auch ‚Ist für den Türken.‘ als sich großartig damit aufzuhalten, Beschreibungen zu geben. Manchmal sind die vermeintlichen Türken auch gar keine Türken und hatten auch nie welche im Stammbaum. Aber sie sehen aus, wie man sich einen Türken vorstellt, gerade wenn es schnell gehen muss sehe ich da eigentlich keinen Unterschied zu ‚Die, mit den blonden Haaren.‘. Es gibt nunmal Situationen, da geht es ums Aussehen. Wenn ich jemanden beschreiben soll und der ist schwarz, dann sag ich das auch. Das sind Äußerlichkeiten, die man nennen, aber an denen man sich nicht aufhalten sollte. Ich sage schließlich auch, wenn jemand braune Augen hat, deswegen denke ich doch aber nicht ständig drüber nach, ob ich das überhaupt erwähnen soll/darf.

  15. Achja. Die Diskussionen kenne ich zur Genüge. Das Problem liegt aber weniger in der Bezeichnung als in der dahinterstehenden Denkungsart. Da hat Tom nun mal völlig recht.

    Es interessiert doch keine Sau, welche Bezeichnung man jetzt für andersfarbige hat – außer in einem einzigen Kontext: Der ist andersfarbig und demzufolge weniger wert als ein Weißer. DAS ist die Crux dahinter.

    Schwarz, weiß, gelb oder grün-weiß-gestreift – es würde keinen interessieren, wenn damit nicht eine qualitative Klassifizierung vorgenommen würde – um mal ein wenig Beamtendeutsch zu schwafeln.

    Das ganze gehört mit zum lästigen Thema Vorurteile und dass einige leute meinen, sie wären vorurteilsfrei, weil sie Schwarze als schwarz bezeichnen.

    Mir isset wumpe, welche Hautfarbe jemand hat. Wenn er ein Arsch ist, ist er ein Arsch. Und wenn er nett ist, ist er nett. Das ist von der Hautfarbe doch völlig unabhängig.

    Wichtig ist allein der Mensch, der dahinter steht. Und alle Farbbezeichnungen verstecken die Sicht auf den Menschen. Sie sind ein Pappkamerad mit einer Schablone, die wir vor den eigentlichen Menschen stellen um nicht sehen zu müssen, dass der Mensch genauso wertvoll ist wie wir selbst.

    Mir tun diese Leute eigentlich immer sehr leid. Durch den engen Blickwinkel und das Schwarz-Weiß-Denken entgeht ihnen einfach so unendlich viel Farbe, die das Leben doch erst schön macht.

  16. Mal ganz abgesehen davon, dass ich dunkle Hautfarbe eh schöner finde (je dunkler, desto hübscher aber nur die natürliche Hautfarbe, nicht dieses Sonnenstudiogedöns) ist „schwarz“ und „weiß“ für mich nur eine Beschreibung von Äußerlichkeiten, ebenso wie „blond“, „schlank“ oder „grünäugig“.

    Das selbe gilt für „Negerküsse“. Das ist nur eine Bezeichnung wie „Wiener“, „Hambuger“ oder „Amerikaner“. Alles Nahrungsmittel, aber da steckt doch keine Wertung dahinter.

    Und ich glaube, daß das für die allermeisten Menschen ebenso gilt.

    Wenn jemand sagt, der Schwarze aus dem Haus nebenan, ist das in den allermeisten Fällen ebensowenig abwertend gemeint, wie z. B. der Blondschopf aus der Wohnung unter uns. Es ist nur eine Beschreibung des Aussehens, keine Wertung.

  17. Es geht dabei um das Selbstbenennungsrecht. Schon immer, auch heute noch, ist es die einfachste und wirksamste Methode der „Machtdemonstration“ einer Minderheit dieses Recht abzusprechen, man muss es noch nicht mal boese oder rassistisch meinen.
    Es mag ja sein, dass es einzelne Schwarze nicht stoert wenn sie von Freunden(?) als „Neger“ bezeichnet werden. Dieses Wort hat aber einen rassistischen Hintergrund, da kann man diskutieren so viel man will.
    Political Correctness kann man tatsaechlich uebertreiben und zu hohlen Phrasen machen, aber in den meisten Faellen geht es nur um Respekt und da kann man sich imho auch ein bisschen anstrengen.
    Gewoehnlich beschreiben wir einen weissen Mitbuerger auch nicht mit „Der weisse Typ da hinten“, sondern „Der Typ mit den langen blonden Haaren und dem gelben T-Shirt“. Warum also bei anderen Menschen „Der Schwarze“ oder der „Der Tuerke“ sagen.
    Leider ist es in Deutschland bei vielen immer noch so, dass alle die nicht „deutsch“ aussehen auch „Migrationshintergrund“ haben (muessen). Das klingt zwar schoen correct, teilt die Menschen aber auch zuverlaessig in Gruppen. Die Reaktionen der „Bio-Deutschen“ sind dann je nach politischer Orientierung sehr verschieden (das man auch als vermeintlich linksliberale Partei rassistisch sein kann, haben die Gruenen bei der letzten Wahl ja auch schoen gezeigt). Deutscher wird man schliesslich nicht, als Deutscher muss man geboren werden, oder so aehnlich wuerde Hr. Nasweis-Laestig wohl sagen.

    Last but not least noch 2 Links:
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2010-02/migrationshintergrund-koeluemne?page=all

    http://www.derbraunemob.de/deutsch/index.htm

    Und eine Buchempfehlung
    http://www.deutschlandschwarzweiss.de/index.html

  18. Neger… Mohr… hm du könntest auch MPM sagen. Maximal Pigmentierter Mitbürger. Haha 🙂

    Also ich hab auch schwarze Bekannte, und die sagen untereinander auch Neger, oder Nigger, oder was ihnen grad einfällt. Ich denke letztendlich kommt es auf den Ton an und auf das Verhältnis, welches man zu dieser Person hat. Ansonsten ist „Schwarzer“ meine Wahl 🙂

    Und wegen den doofen Nazis (boah das gibt wieder google hits 😀 ) – naja die alten sterben aus, und das was da nachwächst… die werden auch irgendwann sterben…

  19. Auch wenn ich das allseits verhasste Gutmenschentum auch nicht leiden kann, ist es leider nicht immer damit getan, auf die Political Correctness zu schimpfen. Ich sehe es genau so wie Skreee.

    Ich bin als Kind auch mit dem Sarotti-Mohr aufgewachsen und empfand den nie als abwertend gegenüber Schwarzen, im Gegenteil. Als Kind wollte ich wegen dieser Figur diese Schokolade haben, gerade weil ich diese Figur so mochte. Dann habe ich Jahre später etwas über Kolonialismus im Geschichtsunterricht gelernt und nun sehe ich das Ganze in einem anderen Licht. Bis heute verbinde ich mit dieser Figur eine ziemliche Nostalgie. Aber woher soll denn ein Schwarzer (der mit dieser Art Darstellung und Worten vielleicht sein Leben lang andere Erfahrungen gemacht hat) nun wissen, was ich mir dabei denke?

    Tante Jays Einstellung finde ich ja gut, nur kann man die von außen so schwer erkennen 🙂 Und nun ja, „Amerikaner“, „Wiener“ oder „Hamburger“ sind auch nicht so vorbelastet wie „Mohr“ oder andere Begriffe.

  20. @Turtle #19:
    Meistens geht es doch um eine kurze und treffende Bezeichnung. Wenn in der Gruppe eben nur einer mit dunkler Haut ist, aber drei mit schwarten Haaren etc., dann nennt man eben ‚den Schwarzen‘, wenn es um ihn geht. Sitzen davon nun mehr als einer in der Gruppe, wird doch ein komplett anderes Merkmal gewählt.
    Hautfarbe ist doch genauso ein Merkmal wie Haarfarbe. Darf ich jetzt keine Rothaarigen mehr so bezeichnen? Was ist mit Männern und Frauen, reicht da nicht ‚der Mensch‘? Menschen sind wir alle, allerdings auch Individuen, die sich unterscheiden. Da ist es doch keine Schande, diese Unterschiede zu nennen, wenn es respektvoll geschieht.

  21. @michael (21):

    danke, das wollte ich auch verlinken. Es geht hier nicht um übermäßige „political correctness“ sondern darum, wie die Betroffenen bezeichnet werden möchten, und dies sollte man ohne Hinterfragen akzeptieren. Und deshalb ist das Wort „Neger“, auch wenn es von demjenigen vorurteilsfrei und ohne Hintergedanken gebraucht wird, nicht in Ordnung.

  22. @Jörg (23)

    Auch wenn ich jetzt in die Diskussion reinspringe…

    „Hautfarbe ist doch genauso ein Merkmal wie Haarfarbe. Darf ich jetzt keine Rothaarigen mehr so bezeichnen? Was ist mit Männern und Frauen, reicht da nicht ‚der Mensch‘? Menschen sind wir alle, allerdings auch Individuen, die sich unterscheiden. Da ist es doch keine Schande, diese Unterschiede zu nennen, wenn es respektvoll geschieht.“

    Ein Unterschied besteht zwischen Haar- und Hautfarbe. Schwarze wurden aufgrund ihrer Hautfarbe unterdrückt und als Menschen zweiter Klasse gesehen und müssen auch heute noch mit dieser Geschichte leben. Rothaarige haben einfach nur rote Haare.

  23. Was genau bedeutet „politically correct“? Mir fehlt immer noch eine brauchbare Definition.

    Positiv gewendet geht es meiner Meinung nach wohl um Rücksichtnahme, Toleranz und Respekt.

    Es dürfte kein Geheimnis sein, dass ein Wort vom Verwender anders gemeint sein kann als es vom Empfänger aufgefasst wird.

    Wenn sich jemand durch die Bezeichnung als „Neger“ herabgesetzt oder auf ein physisches Merkmal reduziert sieht, dann wird es eine gute Idee sein, das Wort nicht zu benutzen, wenn ich meinen Gesprächspartner nicht beleidigen möchte. Bei bestimmten Worten, wie eben „Neger“, liegt eine abwertende Bedeutung näher als dessen wertneutral gemeinter Inhalt. Das Wort in einer potentiell missverständlichen Situation von Anfang an nicht zu benutzen ist daher nichts weiter als die Vermeidung eines sinnlosen und ungewollten Konfliktes.

    Doch Rücksichtnahme, Toleranz und Respekt sind keine Einbahnstraße. Der Gesprächspartner sollte seinerseits versuchen, das wirklich Gemeinte zu erkennen und in einen Beißreflex zu verfallen. DAS wäre dann nämlich „politisch korrektes Verhalten“ in seinem negativen Bedeutungsgehalt, den ich eher mit Selbstgerechtigkeit und Besserwisserei assoziere.

    Gutmenschen, die betont und aggressiv politisch korrekte Sprache einfordern, haben nicht verstanden, dass Sprache die Kleidung der Gedanken ist, nicht die Gedanken selbst. Der Begriff „Euphemismus-Tretmühle“ erschließt sich ihnen nicht. Sie ignorieren -nicht immer, aber nicht nur vereinzelt- die Bedeutungsvielfalt von Sprache. Indem sie sich in eine radikale Position begeben, machen sie sich lächerlich und schaden ihren -im Kern- berechtigten Anliegen.

    Rücksichtnahme, Toleranz und Respekt. Die dafür notwendige differenzierte Denkweise und innere Ruhe liegt vielen Menschen einfach nicht.

  24. Rothaarige sind jahrhundertelang diskriminiert worden – von „die falschen Pannen up’n Dach“ bis zur Hexenverbrennung.
    Der Spruch von den „Pannen“ (Dachziegel) ist übrigens sooo alt noch nicht…
    die Beleidigung oder Wertschätzung liegt IMMER im Ton, seltenst im Begriff. Eher im Gegenteil: diejenigen, die die „korrektesten“ Begrifflichkeiten verwenden, haben dabei meist einen verächtlichen Unterton.

    Der „Mohr“ ist übrigens aus dem französischen „maure“ (sprich: „mohr“ mit offenem o) entstanden, welches Wort ursprünglich nordafrikanische (und damit nicht schwarze) Berber bezeichnet, seit dem Spätmittelalter dagegen die Sarazenen.
    Und ein solcher ist auch m.E. auf der Schokoladenverpackung abgebildet.

  25. Wer sind denn die o.a. „die Betroffenen“?

    Im direkten Gespräch mit jemandem ergibt sich ohnehin nur selten die Notwendigkeit, eine Bezeichnung für seine Hautfarbe, Haarfarbe, Frisur oder sonstwas zu verwenden. Und wenn doch, und derjenige möchte nicht Neger, Rotschopf oder Glatzkopf genannt werden, dann hat ein höflicher Gesprächspartner das zu akzeptieren.

    Problematisch ist eher der nicht selten fehlgeleitete vorausschauende Gehorsam, mit dem einem dunkelhäutigen Menschen vorab unterstellt wird, er müsse ein problem mit dieser Bezeichnung haben – ebenso wie bei den anderen körperlichen Merkmalen. Viele haben dieses angebliche Problem wie oben bereitsch verschiedentlich geschrieben gar nicht. Mensch, ich hab‘ beispielsweise (fast) ’ne Glatze (biologisch, nicht politisch). Also bin ich ein Glatzkopf und keine haarminimierte Frisur oder ähnliche Verrenkungen.

    Natürlich ist der Begriff „Neger“ (nicht nur) von den Nazis auch verunglimpfend verwendet worden, klar. „Jude“ und „Homosexueller“ aber auch, und diese personengruppen heißen heute trotzdem noch so. Durch dieses manchmal übertriebene Vermeiden von Begriffen, die auch Nazis mal verwendet haben, räumt man diesen auch eine Bedeutung ein, die ihnen IMHO heute nicht mehr (und hoffentlich nie wieder) zusteht.

  26. @ Anonym #25:
    Wie Wolfram schon sagte, kann man nicht einfach ein Unterscheidungsmerkmal weglassen, weil es in der Geschichte negativ verwendet wurde. Wie lange waren Frauen „Menschen zweiter Klasse“? Dennoch unterscheidet jeder zwischen Mann und Frau.
    Der Umstand, dass es bei Schwarzen eben anders ist, ist doch das Schlimme. Da beginnt doch wieder die diskriminierung im Kopf. „Der ist anders“ hat (für mich zumindest) eine komplett andere Bedeutung als „der sieht anders aus“

  27. @Nordavind: Ganz so einfach ist es leider nicht – und es gibt auch keine Allgemeingültigkeit, wie ein Wort verwendet wird.

    Natürlich gibt es den Kontext, den du hergestellt hast. Aber viel öfter werden derartige Bezeichnungen eben wertend gebraucht, auch wenn man das selbst nicht beabsichtigt oder glaubt, es wäre nicht so gemeint.

    Für mich ist das schwierig zu formulieren. Vorurteile sind an sich nichts schlimmes – solange man sich bewusst ist, dass die Ablehnung oder Annahme einer Person auf eben jenen beruhen können. Umgekehrt wird nämlich genauso ein Schuh draus: Weil andersfarbige eben vielfach schlecht behandelt werden, macht man den Fehler andersrum: Man behandelt sie „übergut“ – das eine grenzt soviel aus wie das andere. In beiden Fällen werden die Leute nicht als das behandelt was sie sind: Einfache Mitmenschen.

    Darum finde ich auch die Story rund um Ologulade so klasse. Denn Tom hat gehandelt wie jemand, der eben in diesem Zusammenhang farbenblind ist – jemand brauchte Hilfe und dieser jemand hat sie bekommen. Und er hat nicht den Alleinhelferanspruch aufrechterhalten oder die Frau bevormundet. Und als sie selbständig sein wollte, hat er sieh auch gehen lassen.

    DAS ist Hilfe unter Menschen. Der Gegensatz dazu ist das, was die Nüsselschwein wollte. Das wäre Hilfe von Weiß (oben) zu schwarz (unten, arm, hilfsbedürftig) gewesen. Und den Unterschied hab ich selten so deutlich formuliert gefunden wie dort.

    <3 Tom 😉
    (ganz platonisch natürlich *g*)

  28. Mein Freund aus dem Tschad hat mir das etwa so erklärt:
    Neger bedeutet vom Wort her zwar auch nur „Schwarzer“. Stimmt, er ist fast schwarz.

    Für ihn ist aber der Begriff Neger mit der Sklaverei verbunden. Deshalb fühlt er sich als Sklave (Untermensch) diskriminiert, wenn man ihn als Neger bezeichnet. Schwarzer genannt zu werden, empfand er nicht als diskriminierend.
    Mich hat es auf seiner Geburtstagsparty auch nicht gestört, als einer der Gäste nach „le blanc“ gefragt hat. Der einzige Weiße im Raum war meinereinerwelcher und ich hatte es an dem Abend völlig vergessen.

  29. Warum „political correctness“ nicht mal anders betrachten?

    Meistens wird sie so verstanden (meist lediglich implizit), als säße irgendwo ein Kommittee, das uns vorschreibt, was PC ist und was nicht (etwa wie viele Leute glauben, irgendwo sitze jemand, der uns vorschreibt, was gutes und schlechtes Deutsch ist).

    Aber es ist eher so, dass sich PC aus dem allgemeinen Sprachgebrauch ergibt – und wenn die Sprachgemeinschaft bzw. ein genügend großer Teil davon der Meinung ist, dass „Neger“ und „Mohr“ (und daraus abgeleitete Begriffe/Bedeutungserweiterungen) problematisch ist, dann wird über deren Verwendung nachgedacht und diskriminierende Elemente wahrgenommen. Wenn in der Folge diese Begriffe weniger benutzt werden, haben wir es mit einem Prozess der PC zu tun, aber nicht mit dem Konzept an sich.

    PC ist per se nicht politisch korrekt. Sondern nur im prozessualen Sprachgebrauch und in der Diskussion über PC. PC ist also ein sehr relatives Konzept. Vorgeschrieben wird da niemandem was.

    (Im übrigen ärgere ich mich maßlos über die „Gutmenschen“-Debatte und dass „Gutmenschen“ – oder was immer die Menschen, die jene als solche bezeichnen auch meinen – angeblich Realitätsverkenner sind und/oder IQ-Defizite haben. Nur weil ich das Recht jedes Menschen auf initiale Gleichheit (andere nennen es Respekt) verstehe und Menschen nur nach ihrem Verhalten mir gegenüber beurteile, aber nicht nach Hautfarbe, geografischer Herkunft oder sozialen Stigmata, liegt mein IQ nicht automatisch unter 70.)

  30. er wurde bestimmt vom struwelpeter geprägt

    Es ging spazieren vor dem Tor
    Ein kohlpechrabenschwarzer Mohr.
    Die Sonne schien ihm aufs Gehirn,
    Da nahm er seinen Sonnenschirm.

  31. @Jörg(29): Was ich meinte, hat Undertaker J. A. Fox wesentlich besser formuliert. Mir ging es um die Vorbelastung der Worte an sich. Es kann vorkommen, dass Leute Worte verwenden oder Dinge sagen, die in solcher Art vorbelastet sind. So etwas kann dann verletzend wirken, selbst wenn das der Person überhaupt nicht bewusst war. Und wenn dann diese Person darauf angesprochen wird und statt einer Entschuldigung nur „Meinte ich überhaupt nicht so, das ist doch wohl keine Beleidigung“ sagt, kann ein ganz falscher Eindruck zustande kommen. Und das auch dann, wenn das Gespräch bis dahin ganz normal verlaufen ist.

    @Wolfram:
    Den Spruch mit den „Pannen auf dem Dach“ habe ich übrigens tatsächlich noch nie gehört.

    Die Herkunft des Wortes „Mohr“ war mir zwar bekannt, allerdings dachte ich auch, dass der Begriff später allgemeiner für Schwarze verwendet wurde, wie auch meiner Meinung nach bei dieser Figur. Ob die Werbefigur jetzt ein Sarazene ist oder nicht, ist auch eher nebensächlich. Das Wort an sich (wie auch die Darstellung der Figur) hat heutzutage eine vorbelastete Konnotation. Wenn ich einen Schwarzen heute einen Mohren nenne, dürfte ich mich über schräge Blicke nicht wundern. Mit dem Begriff „Neger“ geht es in eine ähnliche Richtung.

  32. Ich will das, was ich weiter oben zu PC gesagt habe, etwas relativieren: Sie ist sinnvoll, wenn sie verwendet wird, um ein respektvolles Miteinander zu ermöglichen. Das hat Knigge schon vor 200 Jahren angestrebt, nicht nur mit Sprache. Wenn sie allerdings zum Selbstzweck wird, wie man das auch von förmlicher Etikette behaupten kann, wird das ursprüngliche Ziel verfehlt.

    Die Idee ist wohl, die Menschen dazu zu bringen, über die Wirkung ihres Verhaltens auf andere nachzudenken. Leider wird das Nachdenken dann oft vom Nachäffen ersetzt, weil man da auf Nummer Sicher geht – wenn es andere machen, kann es ja so falsch nicht sein. Wenn es dann so weit geht, dass manche Themen aus falsch verstandener PC gar nicht mehr angesprochen werden, läuft es richtig schief und kann Schaden anrichten.

  33. @Lianne #34:
    Auf dich habe ich mich doch garnicht bezogen. Wir sind doch gleicher Meinung. Schwarz ist für mich nur eine Farbbezeichnung. Ob jetzt für Haut oder Haar sollte in einer Gesellschaft (in der Gleichberechtigung gilt) vollkommen egal sein. Da gibt es auch keine negative Vorbelastung des Begriffes.

    Neger ist zwar vom Wortursprung auch nur eine Farbbezeichnung, wurde aber verstärkt Bezug auf Sklaven geprägt. Deswegen meide ich diesen Begriff bei mir unbekannten Personen.

    Ebendas schrieb ja auch J.A. Fox.

  34. Der Begriff »Neger« war immer schon abwertend für Schwarze, ebenso wie das englische »Nigger«, nicht anderes war gemeint als Sklaven und »Untermenschen«, denen man sich besonders zu Kolonialzeiten überlegen fühlen konnte.

    Sicher, nachfolgende Generationen, die im Denken vielleicht toleranter waren, aber immer noch Begriffe aus anderen Zeiten nutzten, dachten sich nichts dabei und für jene war »Neger« o.k., aus wenn es das für die Schwarzen, die ja in Negerland lebten, sicher nicht war.

    Aber wenn sich Schwarze heute beleidigt fühlen, ist das ein Grund, einfach nicht mehr »Neger« zu sagen. Einfach lassen. Mensch reicht vollkommen, und wenn man aus bestimmten Gründen nötig ist, zu differenzieren, kann man auch Schwarzer sagen.

    Das finden die Schwarzen Kumpel im Bekanntenkreis voll in Ordnung so.

    (Jetzt habe ich eben den Text von Fox gelesen, genau so isset.)

  35. @Lianne: Die „Pannen op’n Dach“ stammen aus dem südlichen Ruhrgebiet oder dem Bergischen Land; das kann ich nicht mehr genau nachvollziehen.

    Wir erinnern uns: vor gar nicht langer Zeit wurde ziemlich autoritär „angeregt“, man möge statt „Schwarzer“, was angeblich auch schon negativ konnotiert wäre, doch bitteschön nur noch „Afroamerikaner“ sagen.
    Vielleicht zeigt sich daran die Idiotie dieser Debatte, die wir braven Deutschen mal wieder völlig unreflektiert aus USA übernommen haben: ich bin zwar schon vielen dunkelhäutigen Menschen begegnet, aber meines Wissens noch keinem Afroamerikaner.
    Wenn aber mein superfranzösischer Bekannter „africain“ sagt, liegt darin mehr Geringschätzung, als wenn andere Neger sagen.
    Es liegt nicht am Wort.

  36. bei uns heissen die Negerküsse völlig politisch incorrect

    „Schwedenbomben“ 8)

    (hat sich bis jetzt noch kein Schwede aufgeregt 8))

  37. @Kumi, Wolfram:
    Dass „Neger“ mit dem angloamerikanischen „Nigger“ gleichgesetzt wird, halte ich ehrlich gesagt für falsch. Es gab in Amerika lange Zeit das Wort Negro(e), was beschreibend gemeint war neben dem Schimpfwort „Nigger“. Diese Differenzierung gab’s im Deutschen nicht und wegen der vergleichsweise sehr geringen Anzahl an dunkelhäutigen Menschen in Deutschland wurde sie auch gar nicht gebraucht.
    Ansonsten sollte klar sein, dass man im Gespräch mit jemandem, der einen Begriff als abwertend empfindet diesen eben nicht verwendet. Der gelegentliche Wechsel der PC-Begriffe macht das vorauseilende Erahnen der Befindlichkeiten aber schwer. Gut, „Neger“ dürfte wohl überwiegend out sein (Aber muss deswegen auch der unschuldige Negerkuss zum Zuckerschaumwaffeldingsbums vergewaltigt werden??). „Schwarzer“ war in meiner Jugend aber ebenso verpönt (auch wenn’s Deine dunkelhäutigen Kumpels in Ordnung finden, mögen andere offenbar auch daran Anstoß nehmen), wir sollten „Afrikaner“ sagen. So ein Blödsinn. Wir haben im amerikanischen Sektor West-Berlins einige Schwarze zu Gesicht bekommen, das waren aber fast ausnahmslos Amis, nix Afrika, jedenfalls nicht in den letzten zwei Generationen. Die beste Methode, um im Gespräch bei Bedarf herauszufinden, ob der Gesprächspartner ein Problem mit einen bestimmten Begriff hat, ist es vermutlich, ihn in der Situation ganz einfach zu fragen. Ihm einen angeblich politisch korrekten Begriff aufzupropfen, den er womöglich ganz anders empfindet, ist IMHO nämlich auch nicht gerade ein Zeichen von Gleichbehandlung…

  38. Die ganze Wahrnehmung hängt meiner Meinung nach auch immer stark vom Lebensumfeld ab. Mir ist die Hautfarbe in etwa so wichtig wie die Nagellackfarbe oder was auch immer, aber ich lebe nunmal in einer Gegend in der es sogut wie niemanden gibt, der eine andere Hautfarbe hat als das winter-käsige weiß 😉
    Dass man dann zum Beispiel einen Menschen mit schwarzer Hautfarbe zunächst mal als „anders“ wahrnimmt, passiert auf der gleichen Basis wie bei 2m Menschen oder Leuten mit lila Haaren – Abweichungen vom Durchschnitt sind nunmal interessanter als alles drum rum. Mir passiert es, wenn ich denn mal jemanden mit anderer Hautfarbe sehe, auch oft dass ich erstmal vor allem die Hautfarbe wahrnehme, aber bei einem 2,40m Kerl denkt man ja auch erstmal „Woah is der groß!“ und nicht „Ich respektiere diesen geschätzten Mitbürger ohne Rücksicht auf körperliche Merkmale, da allein der Charakter eines Menschen Grundlage für meine persönlichen Einschätzungen sein sollte.“
    Von daher gilt für mich, wenn derjenige sagt „schwarzer“ ist nicht in Ordnung, alles klar, sein Ding, da halte ich mich dran… ansonsten ist er schwarz, ich weiß und ein Blondchen und mein Nachbar der Lange.

  39. @Wolfram: Es liegt nicht nur am Wort, das sagt ja auch keiner. Nur gibt es bei gewissen Worten, wie eben dem im Post erwähnten „Neger“, eine gewisse Vorbelastung. Bei denen schwingt schon ohne Kontext und Tonfall eine gewisse Bedeutung mit. Mehr wollte ich gar nicht sagen. Dass ich auch in ein zuckersüß geflötetes „Afroamerikaner“ Verachtung legen oder einen guten Freund meinen „Lieblingsneger“ nennen kann, versteht sich von selbst. Ich habe nur oft schon erlebt, dass Leute die Hintergründe verschiedener Worte und Stereotypen nicht verstehen und mit diesem Unwissen einigen Unmut ausgelöst haben. Zugegebenermaßen war das in den USA, nicht in Deutschland.

    @Matze65: Sehe ich ebenso, „Nigger“ ist noch einmal etwas anderes. Alle Schwarzen einfach Afrikaner zu nennen, ist mir aber auch neu. „African americans“ versteh ich ja noch (wenn es denn Amerikaner sind, versteht sich), aber Afrikaner? Verwirrt das dann nicht eher?

  40. In den USA herrscht eine völlig andere Klassengesellschaft als in Deutschland. Dort werden Unterschiede sozialer oder ethnischer Natur wesentlich stärker betont als bei uns. Das hat sicherlich historische Gründe, die hier nicht weiter erörtert werden müssen. Daraus resultieren auch so Phänomene wie der invertierte Rassismus – und nicht zuletzt ein ziemlich ausgeprägter Rassismus innerhalb der afroamerikanischen Bevölkerung. Das Durcheinander dunkel- und hellhäutiger Menschen, das wir in vielen Fernsehserien gezeigt bekommen, existiert und funktioniert längst nicht überall, und gerade in den Südstaaten ist es immer noch nicht einfacher, als gemischtfarbiges Paar zu leben – weil mittlerweile die Schwarzen das nicht mehr dulden.

    Genausowenig wie wir die Gesellschaftsstruktur der USA nach Deutschland transponieren, sollten wir das mit den dieser Gesellschaft eigenen Konflikten tun. Umgekehrt geschieht das ja auch nicht: in USA hat man sich vor einigen Jahren ganz offen gefragt, ob es tragbar ist, wenn ein Jude Vizepräsident wird. Man stelle sich vor, was in Deutschland passiert, wenn jemand diese Frage ausspräche…

    Und: „allen Menschen recht getan ist eine Kunst, die niemand kann“. Wenn wir alles verschweigen, was irgend jemanden kränken könnte, können wir nur noch verstummen. Ich habe mal morgens den Fensterladen aufgemacht und gesagt, „Schlechtes Wetter heute.“ Und meine damalige Schwiegermutter hat den ganzen Tag nicht mehr mit mir geredet – sie war persönlich beleidigt.

    Ich habe nicht vor, ein Blatt vor den Mund zu nehmen, und werde weiterhin, wie der Franzose sagt, eine Katze auch „Katze“ nennen. Aber eins habe ich mir vorgemerkt: wenn ich das Heftchen „Der Nigger auf Scharhörn“ wiederfinde, werde ich es mal genau lesen, um herauszufinden, ob das Wort Nigger darin abwertend gemeint ist.

    eot für mich…

  41. Am schlimmsten find ich England ehrlich gesagt mit dem politcal correct sein.
    Beispiel: Es gibt dort ein Kinderlied, der folgendermassen geht. „Baa, baa black sheep, have you any wool? Yes sir, yes sir, three bags full“… (usw)
    Und jetzt ratet mal, warum dieses Lied in den Kindergärten und Schulen dort nicht mehr gesungen werden darf, weil es sowas von nicht pc ist.
    Richtig. Es ist ein *schwarzes* Schaf.
    Es gibt da noch einige Beispiele mehr, da kann man wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln.

  42. @22 Lianne: der Vollständigkeit halber noch dazu – Berliner, Frankfurter, Pariser, Nürnberger, Rengschburger.

    @35 anderer Stefan – Dein Zitat: „Wenn es dann so weit geht, dass manche Themen aus falsch verstandener PC gar nicht mehr angesprochen werden, läuft es richtig schief und kann Schaden anrichten.“
    Glaub ich nicht. Ich rede nicht über bestimmte Volks- oder Religionszugehörigkeiten, dann werde ich auch in nichts hineingezogen, und kann nicht anecken. Wo ist dann der Schaden?
    Wäre ich Politiker, und möchte es auch bleiben, wäre ich gut beraten, Pressemenschen auf später vertrösten. Sicher ist sicher. Mein Redenschreiber soll was entwerfen, was dann erst mal in der Parteizentrale juristisch auf mögliche, ja sogar an den Haaren herbeigezogene Mißverständnisse, Doppeldeutungen u.Ä. untersucht und dann abgesegnet wird. Danach können sie meine Meinung haben. Schliesslich möchte ich meine Ämter wegen der Pensionsansprüche noch ein wenig behalten.
    Zum CSD ginge ich, um gesehen zu werden. Auch deren Stimmen zählen. Ansonsten wäre ist es mir egal was sie machen.
    Nur den Volksstamm, der mit einem alten Wohnwagen mit Pferd oder schon mit Traktor durch die Lande zieht und Kessel flickt, Schirme repariert und Scheren schleift, abends am Lagerfeuer sitzt und Gulaschsuppe aus dem Kessel löffelt, Lieder singt und tanzt, hab ich in romantischer Erinnerung behalten. Diese beruht auf persönlichen Erlebnissen als 6-7 Jähriger, an die ich immer erinnert werde, wenn ich das Lied von Alexandra höre.

  43. @#19: die Leute dort haben aber entweder nicht alle Latten am Zaun oder nen Doppelnamen (Birnbaumer-Nüsselschweif).

  44. als ich die Überschrift las, dachte ich sofort an einen Fernsehbeitrag letzte Woche über ein neu entwickeltes, wetterfestes und günstiges Pappwohnhaus, das u.a. auch nach Afrika und Asien verkauft werden soll… 😀

  45. Jeder Euphemismus hat irgendwann den selben negativen Klang, den das Wort, den er ersetzen sollte, hatte.

    Frueher durfte man nicht Krueppel sagen, sondern politisch korrekt war: behindert.
    Wenn ich heute „behindert“ sag, werd ich angekuckt wie hinterletzte Fascho.

    Frueher Neger, dann Schwarzer, dann Farbiger, dann Afroamerikaner (nicht alle afrikanisch-staemmigen Leute sind jetzt in Amerika).

    Ich hab echt keinen Bock mehr.
    Koennen die Leute nicht einfach akzeptieren, dass ich sie nicht diskriminieren will und irgendwas sag, was mir grad einfaellt.

    Zum Thema: ewiggestrige: Mein Vater ist Jahrgang 1946, hat den Adolf nie erlebt, aber ist ein gluehender Verehrer. Was hab ich mich mit dem frueher gestritten… Inzwischen weiss ich, dass er voellig harmlos ist, weil er nie das Risiko eingehen wuerde, sich die Finger schmutzig zu machen.

  46. Es gibt da sowieso die Theorie, dass ein ‚politisch korrektes‘ Wort, dass ein anderes Wort mit schlechter Konotation ersetzen soll eben diese Konotation auch annimmt.
    In Deutschland reden wir nicht mehr von Mohren oder Negern sondern von Schwarzen.
    ‚In Amerika ist die Kette weiter fortgeschritten, da ist ‚Schwarzer‘ schon (wieder) eine Beleidigung. Der Begriff ’non-white‘ hat sich auch nicht halten können (wie denn, geht er doch davon aus, das weiß die Normalität sei, nur ist das nicht in allen Teilen der Welt das Normale), so dass zur Zeit ‚afro-american‘ der ‚politisch korrekteste‘ Ausdruck ist. Fragt sich nur wielange…

  47. Zu dem Thema empfehle ich gern einen [url=http://www.youtube.com/watch?v=f0IVuGK7sAw]Song[/url] vom großartigen Tim Minchin.

  48. @48: Nein, „die Leute“ können und wollen das nicht akzeptieren, wenn sie von einem „Neger“ oder „Nigger“ brühlenden Mob durch die Straßen gejagt werden, wenn sie schon von Kindesbeinen an ausgegrenzt werden, wenn sie Jobs nicht bekommen, weil die „Neger“ ja sowieso nicht arbeiten können oder weil man diese „Neger“ den deutschen Kunden nicht zumuten kann, weil man der Ansicht ist, „Neger“ könnten ja lieber Fliesen schleppen, da sie da nur verstehen und ausführen müssten, was man ihnen sagt, wenn sie ständig von der Polizei kontrolliert werden, weil „Neger“ nicht deutsch und damit schon mal per se verdächtig sind, wenn sie sich anhören müssen, ihre Neger-Väter kamen nur hier her, weil sie mal Sex mit einer Weißen haben wollten, wenn sie sich anhören müssen, in Afrika ginge es nur deshalb nicht vorwärts, weil die „Neger“ so faul seien usw. usf. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt aus meinem Leben als schwarzer Deutscher. Komm mir als nicht mit „Ich hab echt keinen Bock mehr“.

  49. Ach, noch was: In Deutschland befindet man sich als Weißer in einer ausgesprochen komfortablen Situation, da, wie jemand weiter oben schrieb, Weiße in der übermächtigen Überzahl sind und Weißsein als normal gilt. Das ist auch einer der Gründe, warum man sich hier generell weigert, vernünftig über solche Dinge zu diskutieren und auch mal gewisse Dinge einzusehen.

    Komplett anders sieht’s hier in Südafrika und auch anderen afrikanischen Ländern aus. Hier sind die Leute komplett durchgedreht: Da zieht wirklich JEDER IDIOT ganz schnell die Rassistenkarte, was zumindest in Südafrika u.a. daran liegen dürfte, dass die Menschen hier offener rassistisch sind.

    Man wird als weißer Cop nicht befördert? Ganz klar Rassismus. Dass aber alle Bewerber mangels Qualifikation abgelehnt worden, interessiert nicht. Man lädt Teilnehmer aus Entwicklungsländern für ein Seminar ein und gibt keine Daily Allowances? Rassismus! Man will jemanden für seine beschissene Arbeit kritisieren? Rassismus!

    Genießt die Situation in Deutschland! Aber denkt auch mal nach und vor allen Dingen diskutiert über solche Themen ohne diese „Meine Meinung steht fest“-Einstellung!!!

  50. Ja Ali, da stimme ich Dir zu,
    dieser Personenkreis engstirniger Menschen mit eingeschränkten Fähigkeiten, die stets dazu neigen, bei anderen Menschen die Ursache für ihr „Elend“ zu finden, stirbt nirgendwo aus.
    Billigen Spargel essen wollen, sich nach zwei Tagen Spargelstechen krankmelden, weil man „nicht so blöd ist, für die paar Euro…“, aber dann auf die Leute schimpfen, die sich billig bücken.
    Egal, obs Polen, Italiener, Griechen, Türken, Vitnamesen etc. waren oder sind, es gab immer „Deutsche“ die froh waren, daß Andere die Drecksarbeit machen, für die sie sich selber zu schade sind und die zum Dank dann als „Fitschi“, „Itaker“ etc. beschimpft werden.
    Ja Ali, man kann auch in Deutschland als „Neger“ behandelt werden, ohne negroid auszusehen. Ein bischen fremd aussehen und schon klappts bei den Dumpfbacken mit dem Feindbild 🙁
    LTI (lingua tertii imperii) hat leider nichts an Aktuallität verloren.

  51. Und was ist mit den mit submaximal pigmentierter Epidermis ausgestatteten Menschen?

    Die einzig korrekte Bezeichnung eines einzelnen Menschen ist die Nennung bei seinem Namen!
    Man könnte allenfalls eine Zuordnung zu Nationen oder Ländern vornehmen, würde aber z.B. vor 1980 damit wieder einen Einwohner Simbabwes beleidigt haben, weil man ihn nach einem britischen Kolonialisten benannt hätte.
    (Mal ganz abgesehen von der Katze, die ihre Jungen im Fischladen zur Welt bringt.)
    Letztendlich ist doch wohl jeder einzelne Mensch so einzigartig, daß man ihm kaum wirklich gerecht wird, wenn man ihn vereinfachenderweise in ein Klischee presst.

  52. @Ali:
    Dass es Rassismus und Diskriminierung auch in Deutschland gibt und dass das für die Betroffenen wie z.B. Dich zu absolut inakzeptablen Situationen führt, ist völlig unbestritten. Und dass das nicht nur für Dich, sondern für unsere Gesellschaft absolut inakzeptabel ist, ist auch klar.

    Nur hat das mit dem jeweils verwendeten Wort nichts zu tun. Man kann völlig neutral und beschreibend z.B. als Kellner zum Kollegen sagen: „Die Suppe bekommt der Neger an Tisch 7“, das hat nix mit Rassismus zu tun, sondern ist rein beschreibend. Ja, man kann stattdessen auch „der Schwarze“, „der Dunkelhäutige“, „Der Afroamerikaner“ oder sonstwas sagen, es ist aber unabhängig vom benutzten Wort immer rein beschreibend und nicht böse gemeint – der Sinn ist nur, dass der richtige Gast das richtige Essen bekommt. Andererseits kann man als rassistischer Hetzredner auch in die Aussprache politisch korrekter Begriffe so viel Häme und Verachtung legen, dass dem Zuhörer völlig klar ist, dass mit z.B. „stark pigmentierter Mitbürger“ eigentlich „Nigger“ gemeint war.

    Und darum ging’s mir oben ebenso wie ich auch „Anonym“ verstanden habe – man kann *jedes* Wort neutral oder wertend verwenden; das ergibt sich immer erst aus dem Kontext. Und daher ist die Erfindung ständig neuer politisch korrekter Begriffe Blödsinn. Wer ein Rassist ist, kann und wird auch dieses Wort negativ zu verwenden wissen. Und wer keiner ist, hat einen ständig länger werdenden Katalog an früher mal in Ordnung gewesenen Begriffen vor sich, die heute aber nicht mehr verwendet werden dürfen, wenn man nicht als Rassist dastehen möchte, ohne tatsächlich einer zu sein.

    Bei den Juden in Deutschland ist das viel einfacher. Die sind ja nun weiß Gott übel verfolgt, verunglimpft und umgebracht worden. Und die heißen aktuell auch nicht „Deutsche mit semitischem Glaubenshintergrund“ oder ähnlich verschwurbelt, sondern einfach „Juden“. Geht doch.

    Der Rassismus muss aus den Köpfen ‚raus! Dabei hilft ein kollektiver Knoten in der Zunge aber auch nicht…

  53. »Der Rassismus muss aus den Köpfen ‚raus!«

    Ebendrum ist das abwertende »Neger« nicht verwendbar. Ich glaube, du hast die Thematik der Begrifflich- und Befindlichkeiten nicht verstanden. Es ist mir völlig wurscht, ob einer das »nicht böse meint«, denn eine Herabwürdigung ist es in meinen Augen immer, wenn man mal darüber nachdenkt, in welchem Zusammenhang der Begriff »Neger« immerdar verwendet wurde. Aber das beschrieben ich und andere schon weiter oben.

    Erinnert mich an den Witz:

    Sitzt ein Schwarzer im Rollstuhl in der Bahn und liest eine israelische Schwulenzeitschrift. Sagt der weiße Oppa gegenüber: »Watt? Neger alleine reicht wohl nich!«

    Wieso sagt der Kellner nicht einfach »Die Suppe bekommt der Herr an Tisch 7.«? So wie es sich gehört. Würde er sagen: »Die Suppe bekommt der Weiße an Tisch 7«, wenn da ein Weißer säße?

    Nein, würde er nicht. So wird der schwarze Herr an Tisch 7 doch wieder auf seine Hautfarbe reduziert. Noch höflicher wäre, um mal beim Suppenbeispiel zu bleiben, an Tisch 7 zu gehen und zu fragen: »Wer bekam die Suppe?« So macht das nämlich der Kellner von Format, der über Rassenschranken hinausdenkt. Würde er seinen Kollegen zum »Juden an Tisch 7« schicken, wenn er wüsste, welcher Religion der Mensch dort angehört? Ich denke nicht. Das Eine hat auch mit dem Anderen nichts zu tun.

    Und da sollte man wirklich mal über seinen Schatten springen, anstatt pauschal zu sagen, das hätte mit Rassismus nichts zu tun und sei ein kollektiver Knoten in der Zunge. Rassismus fängt schon im Kleinen an, ohne dass man es unter Umständen merkt. Und wenn man bisweilen darauf achtet, hat das weniger mit Political Correctness zu tun, sondern einfach mit Höflichkeit. 🙂

    Übrigens, einen Schwarzen, wenn er sich Scheiße benimmt oder gar rassistisch, nenne ich – ganz unrassistisch – ebenso »Arschloch« wie den entsprechend agierenden Weißen. 🙂

  54. Schade – du hast einen guten jüdischen Witz völlig entartet. Jawohl, entartet.
    Richtig heißt er SO:

    Sitzt ein chassidischer Jude in der New Jorker U-Bahn. Da steigt ein Schwarzer ein und faltet eine hebräische Zeitung auseinander. Guckt ihn der Chassid von oben bis unten an und sagt: „Jude allein reicht wohl nicht?“

  55. @Kumi:
    Ich hab‘ das Problem mit eindeutig abwertenden Begriffen schon verstanden – aber Du das mit der länger werden Liste nicht. Der Begriff „Neger“ (den ich weiter oben übrigens auch schon als eindeutig „out“ bezeichnet habe) war ja nur das deutlichste Beispiel. Ersetze durch „Schwarzer“, was ist dann?

    Welcher Begriff – wenn man denn schon einen verwenden muss, was sich eben nicht absolut vermeiden lässt – hältst Du denn für eindeutig und dauerhaft(!) problemlos? Meiner Meinung nach gibt es keinen solchen. Also – welche Lösung schlägst Du vor?

    Zum Kellnerbeispiel: Wenn da am Tisch nur einer sitzt, dann ist’s ja einfach und irgendwelche Merkmale werden nicht gebraucht. Wenn da ein hellhäutiger und ein dunkelhäutiger Mensch zusammen sitzen, dann bekommt eben der Weiße das Schnitzel und der Schwarze die Suppe. Alternativ auch der Rothaarige und der Glatzkopf (das wär‘ dann ich). Oder – im asiatischen Raum – bekommt die Langnase das mild gewürzte.

    Im direkten Gespräch kann man sein Gegenüber im Bedarfsfall ja fragen, welche Befindlichkeiten er so hat – aber das schrieb ich oben auch schon. Hast Du anscheinend überlesen, schade. Die von Dir angesprochene Höflichkeit geht nun mal nur im direkten Miteinander, und da ist sie tatsächlich auch ganz einfach.

    Wenn man mit neutralen Dritten über ein spezielles Thema zu einer bestimmte Gruppierung von Menschen spricht (so wie hier gerade), dann geht das hingegen nicht. Dann kann man weder vermeiden, überhaupt einen Begriff für diese Gruppierung verwenden zu müssen, noch kann man die Befindlichkeiten jedes Einzelnen dieser Gruppierung erfragen. Also, was tun?

  56. Nachtrag @Kumi:
    Hm, hab‘ eben noch mal oben nachgeschaut – kann’s sein, dass Du meine Replik unter (40) gänzlich übersehen hast?

  57. Ohne auf diesen Beitrag verwiesen zu haben, habe ich am Wochenende mit einer Freundin über dieses Thema gesprochen.
    Und was mich so entsetzt hat war, dass sie als an einer Schule beschäftigte Heilpädagogin sozusagen „live“ mitbekommt, wie einige Lehrkräfte durch ihre Sprachwahl massiv Ausgrenzung von „andersartigen“ Schülern, gerade denen mit Migrationshintergrund, fördern. Indem sie Schüler auf Hautfarben oder ähnliches reduzieren. Schlimm.
    Und noch schlimmer – es ist ihnen teilweise nicht mal bewusst… :-/

  58. Ich bin Jordanierin und habe bis jetzt keine schlechte Erfahrung als Ausländerin gehabt.
    Ich habe viele Online-Freunde aus verschiedenen Ländern, die meist das Bild haben; die Deutschen seien rassistisch.
    Da verteidige ich immer die Deutschen. Mindestens meine Freunde sind nicht so. Es ist aber klar, sonst wären sie mit Ausländern nicht befreundet.
    Heute hat ein Student mit meiner Freundin (aus Marokko) über die Welt geredet. Wir beide hatten keine Zeit und wollten eigentlich gehen aber er hat nur geredet. Was mich aufgeregt hat, das er das Wort Vitschis (Geldwäsche) verwendet hat. Dann die Griechen wollen nur Geld von Deutschland, obwohl sie Geld haben! Danach kam die marokkanische Mafia. Ich hab kein Wort gesagt. So ist die Welt für ihn. Er spricht negativ von Ausländern mit Ausländern!! Das hat mich sehr aufgeregt. Man konnte ihn einfach „Nazi“ nennen. Tut das nicht weh? Aber es tut mir weh, sowas zu sagen. Ich hab Respekt den Deutschen und Deutschland gegenüber. Hier fühle ich mich auch zu Hause.
    Schade, dass es solche Leute (sogar Studenten) gibt. Die Bedeutung des Wortes Toleranz habe ich in Deutschland und nicht woanders gelernt. Deswegen rege ich mich auf, wenn jemand irgendeine Nation (auch die deutsche)
    diskriminiert.
    Wenn wir ehlich sind, geben wir zu, dass die meisten Menschen leider rassistisch sind, egal woher sie kommen. Das ist echt SCHADE 🙁

  59. Ich esse Negerküsse, keine Schaumküsse und finde daran nichts verwerfliches. Wenn mir jemand sagt, das Negerküsse für ihn diskriminierend sind, dann werde ich den Ausdruck in seiner Gegenwart nicht mehr gebrauchen.

    Aber was soll nun der Quatsch mit Holland? Seit wann darf man denn nicht mehr Holland sagen?

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