Ein Bestattungsunternehmen wird als Deutschlands bestes, schönstes oder seriösestes Institut ausgezeichnet. Die Meldung geht durch die Presse. Verbraucher denken, hier habe ein umfangreicher, vergleichender Test vieler Bestattungshäuser stattgefunden.
Solche Pressemitteilungen tauchen immer wieder mal auf, und sie klingen natürlich beeindruckend. Wer möchte nicht mit dem Titel „Bestes Unternehmen“ werben? Allerdings existiert meines Wissens kein flächendeckendes, objektives Auswahlverfahren, bei dem sämtliche deutschen Bestattungsunternehmen nach einheitlichen Kriterien geprüft und anschließend ein eindeutiger Sieger ermittelt würde. Eine umfassende, neutrale Gesamtprüfung der Branche gibt es schlicht nicht.
Was es hingegen durchaus gibt, sind zahlreiche Institute, Verbände, Medienhäuser und private Organisationen, die Prüfsiegel, Zertifikate und Auszeichnungen vergeben. Das ist zunächst nichts Verwerfliches. Viele dieser Verfahren funktionieren jedoch nach einem wirtschaftlichen Modell: Unternehmen melden sich zur Prüfung an, zahlen eine Gebühr und lassen ihre Leistungen bewerten. In manchen Fällen erfolgt eine ernsthafte Begutachtung, in anderen Fällen ist die Hürde zur Auszeichnung erstaunlich niedrig.
Erstaunlich für mich ist übrigens auch, dass ich von dem in Rede stehenden Unternehmen vorher noch nie etwas gehört habe. Manchmal ist es aber auch so, dass mir Leute in meiner Telefonsprechstunde oder per Mail erzählt haben, dass sie ein bestimmtes Bestattungshaus als sehr geschäftsorientiert bis hin zu unseriös empfunden haben. Ausgerechnet das Unternehmen wirbt dann aber mit irgendeiner Auszeichnung.
Ein Blick in andere Branchen zeigt, wie unterschiedlich solche Bewertungen zustande kommen können. Auszeichnungen für Produktqualität, Designpreise oder Branchenawards werden häufig nach Einreichung der Produkte und Zahlung einer Teilnahmegebühr vergeben. Kritiker bemängeln seit Jahren, dass manche dieser Titel eher Marketinginstrumente als unabhängige Qualitätsnachweise seien. Auch in medizinischen Fachzeitschriften oder Wirtschaftsmagazinen finden sich regelmäßig Listen mit den „besten“ Ärzten, Kanzleien oder Dienstleistern. Wer mit diesen Siegeln werben möchte, muss nicht selten zusätzliche Lizenzgebühren entrichten.
Selbst im Handwerk oder im Lebensmittelbereich stößt man auf ähnliche Phänomene. Wettbewerbe küren etwa den „besten“ Hersteller eines bestimmten Produkts, während daneben Titel existieren, die nach Einreichung und Gebühr nahezu automatisch verliehen werden. Für Außenstehende ist oft kaum nachvollziehbar, welche Kriterien tatsächlich angewendet wurden und wie unabhängig die Bewertung war.
Überträgt man das auf die Bestattungsbranche, sollte man bei entsprechenden Meldungen daher genauer hinsehen. Wer hat getestet? Nach welchen Maßstäben? Wurden alle Betriebe berücksichtigt oder nur diejenigen, die sich beworben haben? Handelt es sich um eine redaktionelle Auswahl, um eine Kundenumfrage, um eine bezahlte Zertifizierung oder um ein reines Marketinglabel?
Eine kurze Recherche im Internet genügt häufig, um mehr über die jeweilige Organisation zu erfahren. Nicht selten zeigt sich dabei, dass hinter eindrucksvoll klingenden Titeln private Testfirmen oder kommerzielle Anbieter stehen, deren Geschäftsmodell auf der Vergabe kostenpflichtiger Auszeichnungen beruht.
Das bedeutet nicht automatisch, dass das ausgezeichnete Unternehmen schlecht arbeitet. Es bedeutet lediglich, dass ein Titel allein noch kein objektiver Beweis für außergewöhnliche Qualität ist. Wer sich ein Bild machen möchte, sollte vielmehr auf Transparenz, persönliche Beratung, nachvollziehbare Preise und echte Erfahrungsberichte achten. Das sagt oft mehr aus als jede goldene Plakette an der Wand.
Ergänzend sollte man auch die Kategorie der reinen Phantasiebezeichnungen im Blick behalten. Im Alltag begegnen einem immer häufiger wohlklingende Titel oder Bezeichnungen, die bei genauerem Hinsehen keinerlei amtliche oder inhaltliche Bedeutung haben. Ein bekanntes Beispiel sind sogenannte „Lord-“ oder „Lady-Titel“, die man über Anbieter erwerben kann, indem man Anteile an winzigen Grundstücksflächen, etwa in Irland oder Schottland, kauft. Formal ist man dann Mitbesitzer eines Stückchens Land und darf sich im wörtlichen Sinn als „Landlord“, also Grundstücksbesitzer, bezeichnen. Mit einem Adelstitel im historischen oder rechtlichen Sinn hat das jedoch nichts zu tun.
Solche Titel werden häufig als Geschenk oder als humorvoller Gag erworben – ein augenzwinkerndes Spiel mit Sprache und Bedeutungen. Problematisch wird es dort, wo solche Phantasiebezeichnungen im Alltag ernsthaft geführt oder sogar gezielt eingesetzt werden, um Kompetenz, Status oder besondere Qualifikation vorzutäuschen. Mir sind Fälle bekannt, in denen Personen diese Titel konsequent verwenden und damit den Eindruck erwecken möchten, über eine besondere gesellschaftliche Stellung zu verfügen. In einem Fall soll es sogar gelungen sein, eine solche Bezeichnung als Künstlernamen in amtliche Dokumente eintragen zu lassen.
Auch hier gilt: Ein wohlklingender Titel sagt nichts über tatsächliche fachliche Qualifikation, Seriosität oder Leistungsfähigkeit aus. Ob es um „beste Unternehmen“, um Zertifikate oder um schmückende Bezeichnungen geht – entscheidend ist nicht das Etikett, sondern das, was real dahintersteht.
Bildquellen:
- sieger_800x500: Symbolbild: Peter Wilhelm KI
















