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Wer zahlt den Leichenschmaus?

platte mit schnittchen

Es muß nicht immer Kaviar sein.

Hallo,

folgende Frage: Meine Mutter ist vor geraumer Zeit gestorben und eingeäschert worden. Die Urnenbeisetzung sollte ohne Familie erfolgen. Darum kümmern wollte sich meine Schwester.
Allerdings ist sie bei der Organisation irgendwie auf halbem Weg steckengeblieben. Jedenfalls hat die Friedhofsverwaltung sich nun gemeldet, daß sie wieder Platz im Regal brauchen und wann denn nun mal die Beisetzung der Urne wäre?
Nein, natürlich haben sie das nicht so gesagt, aber das ist das Problem: Seit Mai steht die Urne dort und ist noch nicht im Grab gelandet!
Da ich normal nicht an Gräber gehe, sondern so an meine Verstorbenen denke, wußte ich das nicht. Dachte, das sei längst passiert.
Nun habe ich alles in die Hand genommen und Ende des Monats ist nun die Beisetzung.

Anschließend Einkehr im Lokal gegenüber.
Es kommen nun auch einige Verwandte und Bekannte.
Dazu eine ganz blöde Frage: Gibt es da Regeln, also muß man die anderen zum Leichenschmaus einladen bzw. tut das üblicherweise oder zahlt da jeder selbst?

Das Kaffeetrinken oder das gemeinsame Essen, auch Leichenschmaus genannt, ist eine uralte Tradition.
Sie hat ihre Wurzeln darin, daß man den oft von weither angereisten Trauergästen eine Stärkung anbietet. Das geschieht entweder daheim oder in einer Wirtschaft.
Des Weiteren dient diese Mahlzeit dazu, um den Ausführenden bei der Bestattung Dank zu erweisen, man lädt also beispielsweise auch den Pfarrer dazu ein.
Und nicht zuletzt hat diese Veranstaltung den Sinn des gemeinsamen Feierns. In vielen Regionen, ich nenne hier mal beispielhaft das Rheinland, werden Beerdigungsfeiern oft ausgelassen und fröhlich, viele betrinken sich (mehr oder weniger moderat).

Das geschieht, um einerseits die Trauer zu verscheuchen, aber hat vor allem den Sinn, den Trauernden am Ort die Verbundenheit der Familie zu zeigen, und deutlich zu machen, daß nun das Schwerste vollbracht ist und daß das Leben heiter weitergeht.
Auch war es früher so, daß auf die Beerdigung für die Witwe bzw. den Witwer eine streng reglementierte Trauerzeit begann, was durch Tragen schwarzer Kleidung nach außen hin gezeigt wurde, und dieses gemeinsame Feiern anläßlich der Beerdigung die letzte fröhliche Lustbarkeit vor Beginn des Trauerjahres war.
Nicht zu vergessen ist der Aspekt, daß zu Beerdigungen, wie sonst allenfalls noch zu ganz großen Jubiläen oder Hochzeiten, die ganze Familie zusammenkommt und sich somit ein Anlaß bietet, sich oft nach langer Zeit einmal wiederzusehen. Es stehen dann meist eher heitere Themen im Vordergrund, die der Wiedersehensfreude geschuldet sind.

Grundsätzlich ist es so, daß man als Trauergast erwarten darf, daß man von den Hinterbliebenen zum Leichenschmaus eingeladen wird. Man hat als Trauergast schon die Reise und evtl. Blumengeschenke auf sich genommen.

Um unter den Trauergästen eine Auswahl zu treffen, wer zum Leichenschmaus geladen wird und wer nicht, gibt es die so genannten Kaffeekärtchen.
Das sind kleine Kärtchen von der Größe einer Visitenkarte mit der Einladung zum Kaffeetrinken oder Essen. Diese fügt man den Totenbriefen bei und zwar nur bei den Personen, die man einladen will.
Manchmal verteilen Angehörige diese Kärtchen auch noch am Friedhof.
Nicht überall sind diese Kaffeekärtchen bekannt, in manchen Regionen werden auch zwei Versionen der Trauerbriefe verschickt, eine Version mit und eine ohne Einladung.

Und auch das ist nicht überall üblich. In manchen kleineren Gemeinden gibt es noch den Leichenbitter, also eine Person, die in alter Tradition durchs Dorf läuft und die Beerdigung ausruft. Der Leichenbitter (daher auch Leichenbittermiene, wegen des oft aufgesetzt betrübten Gesichts) kann auch die Einladung zum Leichenschmaus austragen.

Natürlich gibt es immer wieder Fälle, in denen die Angehörigen den Leichenschmaus nicht ausrichten können oder wollen.
Dann muß man die Einladung auf der Beerdigung persönlich aussprechen. Man sagt dann beispielsweise: „Wir setzen uns nachher noch im Gasthaus zusammen, wenn Ihr auch dazukommen wollt, dann kommt bitte da und da hin.“
Hat man definitiv nicht das Geld, alle einzuladen, muß man das klipp und klar sagen: „Wir treffen uns alle noch dort, aber jeder muß selbst zahlen, wir können nicht alle einladen.“

Das alles ist keine Schande, aber man muß es deutlich machen, denn die Trauergäste erwarten normalerweise, daß wenn sie eingeladen werden, auch die Kosten übernommen werden.
Die Beerdigung zählt mit Kindstaufe, Hochzeit und runden Jubiläen zu den großen Familienfeiern und auf all diesen werden die Gäste üblicherweise ohne eigenen Kostenanteil eingeladen.

Man kann natürlich die Kosten überschaubar halten.
Hier sollte man mit dem Wirt vorher klare Absprachen treffen. Ein paar Platten mit belegten Broten und ein paar Kannen Kaffee kosten nicht die Welt, reichen aber vollkommen aus.

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Peter Wilhelm 20. November 2015


17 Kommentare von 141207.

  1. In Osthessen heißt der Leichenschmaus übrigens traditionell „Tröster“, was schon sehr deutlich macht, wie das zu verstehen ist. Ich habe das selbst nun einige Male mitgemacht und habe mich (auch ohne Alkohol) hinterher immer wirklich getröstet gefühlt. Es signalisiert doch mehr als fast alles andere: du bist vielleicht hiergeblieben aber du bist nicht verlassen.
    Gerade deswegen ist es aus meiner Sicht durchaus wichtig, sich Gedanken zu machen, wer mitkommen soll. Klar muss man nicht unbedingt alle ausladen, mit denen man mal Streit hatte. Haben wir auch nicht gemacht. Aber es hilft doch sehr, wenn die Eingeladenen wissen, dass hier und jetzt der falsche Zeitpunkt und Ort für einen Eklat ist.

  2. sehr leckere Häppchen!

    Vorne Roastbeef, mit etwas Radieschen. Dill hätte ich weggelassen, kann man aber runtertun.
    In der nächsten Reihe dann wohl sehr leckerer Südtiroler Speck, Garnitur mit Mandarinenscheibe könnte interessant sein.
    In der dritten Reihe dann endlich der Räucherlachs, Tomatengarnitur bräuchte ich nicht, schaut aber gut aus.
    In der vierten Reihe dann grobe Salami, mit Gürkchen usw. garniert. Sehr gut.

    und das alles angerichtet auf lecker Baguette.

    wo bitte ist dieser Leichenschmaus, in den ich mich heimlich, angetan mit dunklem Anzug, mich tarnend als alter Freund des Verstorbenen, einschleichen kann?

  3. Falls man zusätzlich zu den Trauerbriefen auch eine Anzeige in die Zeitung setzt, kann man es auch so machen, dass nur diejenigen einen Brief bekommen, die man zum Leichenschmaus einladen möchte. Eventuell plant man ein paar Plätze mehr ein, damit man den einen oder anderen Trauergast noch spontan auf dem Friedhof einladen kann.

    Was die Speisen angeht, habe ich bisher meistens sehr schlichte Zusammenstellungen erlebt, was ich auch gut finde. Nach einer Beerdigung hat man kaum Lust auf große kulinarische Genüsse, sondern freut sich über einfache Speisen, bei denen man weiß, was man hat: belegte Brote, zwei Sorten Blechkuchen (z.B. Butterkuchen), dazu evtl. eine Suppe. In Norddeutschland gibt es oft Kraftbrühe mit Eierstich, Fleischlößchen und Nudeln. Eigentlich ist diese Suppe als Hochzeitssuppe bekannt, aber man nennt sich auch „Freud- und Leid-Suppe“. Gerade im Winter sind die Trauergäste froh, wenn es etwas Warmes gibt. Im Sommer kann man sich das natürlich sparen, dafür sollte man dann (neben Kaffee) kalte Getränke einplanen, also zumindest große Mineralwasserflaschen auf dem Tisch.

    Wenn der Gastgeber großzügig sein will, kann er nach dem Essen fragen, wer einen Schnaps möchte, bzw. man spricht mit dem Gastwirt ab, dass eine Kellnerin/ein Kellner die Gäste fragt.

    Wie es mit anderen Getränken (Bier etc.) normalerweise gehandhabt wird, weiß ich nicht. Wenn man große Besäufnisse verhindern will, kann man vielleicht mit dem Wirt vereinbaren, dass die Gäste ihr Bier oder ihren Wein selbst bezahlen sollen? Diese Info müssten die Kellner dann bei entsprechenden Bestellungen an die Gäste weitergeben. Ich kenne es aber so, dass sowieso nur eine Handvoll Leute jeweils ein oder zwei Bier bestellt.

  4. ich war auf Beerdigungen, wo ich eingeladen war und auch welche, wo ich nicht eingeladen wurde.
    Dritte Variante: der Redner teilt die Einladung von der „Kanzel“ mit.

  5. „Ein paar Platten mit belegten Broten und ein paar Kannen Kaffee kosten nicht die Welt, reichen aber vollkommen aus.“
    Die Welt kostet das nicht, aber man sollte es auch nicht unterschätzen, wenn das Ganze in einer Gaststätte stattfindet.
    Im Internet findet man Preise ab etwa € 7,50 bis über € 12,00 je Kaffeegedeck und Person, wobei manchmal zum Kaffee auch noch Mineralwasser bereitgestellt wird. Bei meiner Mutter waren es vor 8 Jahren schon € 8,–.
    Und man hat dann die Wahl zwischen Kuchen und Schnittchen. Alkoholische Getränke sind natürlich nicht enthalten und warmes Essen auch nicht.
    Also dürfte man bei 40 Personen kaum unter € 500,– bleiben und das haben viele nicht übrig.
    Bei uns findet man regelmässig unter der Traueranzeige den Satz „Nach der Beerdigung gehen wir in aller Stille auseinander“ oder deutlicher „Ein Nachkaffee findet nicht statt“.
    Hinzu kommt, daß die „Totenmesse“ sehr häufig in den allgemeinen Gottesdienst am nächsten Sonntag hinein integriert wird: Der Grund ist der Priestermangel.
    Das bedeutet: der Ablauf am Beerdigungstag selbst ist für die Trauernden recht kurz. Zu der Messe am nächsten Sonntag kommen dann nur noch die allerengsten Angehörigen und die treffen sich vermutlich dann zu Hause.

    • @Coffin Corner: Das ist richtig.
      Ich habe da schon böse Überraschungen erlebt. Der Wirt sagte zur Witwe: „Ach, das mach ich Ihnen günstig, keine zehn Euro pro Person.“
      Und dann waren da dreißig Trauergäste. Es kostete am Ende 800 Euro.
      Weil diese Preiszusage sich auf die Schnittchen und ein paar Kannen Kaffee bezog.
      Die ganzen übrigen Getränke der Gäste kamen natürlich noch hinzu.

      Auf der anderen Seite kann man ganz klare Absprachen treffen.
      Soundsoviele Platten mit Schnittchen und soundsoviele Kannen mit Kaffee.
      Alle anderen Getränke bitte direkt den Leuten auf den Deckel schreiben.

      Es gibt auch noch die Möglichkeit, den Kirchengemeindesaal für 50 Euro zu mieten.
      Schnittchen kann man selbst vorbereiten und den Kaffee auch selbst kochen.

      Man muß halt aufpassen, daß man gerade in diesem Punkt nicht zu schnell alles abnickt.

      Sehr gute Erfahrungen habe ich damit gemacht, die jüngere Verwandtschaft in die Bewirtung einzubringen. Für Jugendliche ist so eine Veranstaltung oft langweilig und hat nicht den Stellenwert, wie für ältere Menschen.
      Sind sie dann mit der Aufgabe betraut, die Schnittchen zu machen, den Kaffee zu kochen und die Bewirtung sicherzustellen, ist allen geholfen.

    • @Coffin Corner:
      Genau diesen Trend beobachte ich in den letzten Jahren auch bei uns. „Nach der Beisetzung gehen wir in aller Stille auseinander“, und in letzter Zeit auch, „von Blumen und Kranz Spenden bitten wir ab zu sehen“!
      Lg Josef

      • @Josef: Bei der Trauerfeier für meinen Vater hatten wir auch die Bitte, keine Blumen zu bringen. Was war? Mein Cousin wollte unbedingt Blumen verteilen, um sie ins Grab zu werfen.
        Bloss: es gabn och kein Grab, weil noch gar keine Sterbeurkunde eingetroffen war (das dauert in Hannover gern 3 Wochen), ausserdem wurde mein Vater später kremiert und in einem Rasengrab beigesetzt, in dem höchstens 3 Gänseblümchen neben der Urne Platz gehabt hätten.
        Warum können manche Leute einem nicht glauben, dass solche Wünsche oft sehr vernünftige Gründe haben und nichts mit „Verscharren“ zu tun haben? *seufz*

        • @Irene: Manche uneinsichtige Leute wollen von den alten Traditionen nicht lassen! Viele wollen nicht wahr haben, dass die Zeiten sich auch im Bestattungs Sektor geändert haben. Ich fand es in meiner Zeit als Mitarbeiter im Bestattungs Unternehmen immer schade, wenn man nicht wusste, wie man die vielen Blumen auf ein kleines Urnen Grab kriegen sollte!
          LG Josef

  6. Vor 3 Wochen mussten wir leider auch einen „Leichenschmaus“ organisieren.

    Da mein verstorbener Vater keine weiteren Verwandten hat, kamen vor allem Geschwister meiner Mutter mit erwachsenen Kindern.

    In Mutters Herkunftsgegend ist es üblich, dass nach einem Begräbnis „anständig“ gegessen wird, im Idealfall Rindfleisch / Tafelspitz mit Krensauce und g’röst’e Erdäpfel.

    Der Wirt hat für Suppe, Hauptspeise und Dessert (Strudelvariation) 22 Euro pro Person veranschlagt. Letztlich waren wir 20 oder 22 Personen. Getränke blieben im Rahmen, weil fast alle mit dem Auto angereist waren.

    Dazu kam noch eine sehr geschmackvolle Blumendekoration für die Tafel, die er auswärts zugekauft hatte: 4 kleine Gestecke mit weißen Rosen und schwarzen transparenten Bändern, gesamt 60 Euro. Wir konnten die Blumen mitnehmen und haben damit am Abend beim Gottesdienst den Altar geschmückt.

    Zu den Preisen noch als Ergänzung: Wir wohnen in Kärnten / Österreich.

  7. Was ist denn das für ein Wort, kremiert!!!,das ist ja furchtbar und habe es auch noch nie gehört! Auch würde ich die Urne meiner Mutter nicht solange im Regal stehen lassen! Ich habe die Urne meiner Mutter selbst zu ihrer letzten Ruhestätte getragen,es war mir ein großes Bedürfnis! Wer kann denn nur so lieblos sein???

    • @Hanna:
      Dass Wort „Kremiert“ ist der fachliche Ausdruck, man kann darüber streiten, ob sich „Verbrennen“ oder „Einäschern“ besser anhört!
      LG Josef

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