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Wie sieht eine Brandleiche aus?

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Hallo, ich habe heute in der Zeitung von einem Brand in einer Kleingartenkolonie gelesen. Da sind drei Leute verbrannt. Das muss doch auch für die Bestatter schrecklich sein. Wie sehen solche Leichen eigentlich aus? Wahrscheinlich wirst Du das nicht beschreiben wollen, schade.

Wenn Du eine Frage stellst, und dann gleich vorneweg implizierst, dass ich gar keine Antwort geben werde, warum stellst Du die Frage dann?

Du meinst sicherlich diesen Artikel hier:

Hinweis: Der nach dem Weiterlesen-Link folgende Text ist nur für Erwachsene und Personen mit stabiler Psyche geeignet

Drei Tote bei Feuer in Bremer Kleingarten – Kripo ermittelt

Bei einem Feuer in einem Bremer Kleingarten haben Einsatzkräfte in der Nacht zu Sonntag drei Menschen nur noch tot bergen können. …

Kleingartenbrand in Bremen: Feuerwehr findet Leichen bei Löscharbeiten

Die Laube hatte am frühen Morgen in voller Ausdehnung gebrannt. Während der Löscharbeiten fanden die Feuerwehrleute drei Menschen in dem Gartenhaus, die offenbar alle bereits tot waren. Die Leichen wurden geborgen und am späten Vormittag schließlich abtransportiert.

Göttinger Tageblatt

Etwa einen Toten durch Feuer haben die deutschen Bestatter täglich zu versorgen. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung ist das glücklicherweise sehr wenig. Das spricht für einen hohen Sicherheitsstandard und eine gute Arbeit der Feuerwehren. Auch die zunehmende Zahl von Rauchmeldern und Feuerwarnern trägt hierzu bei. Noch vor 30 Jahren starben etwa doppelt so viele Menschen bei Bränden. Immerhin rund 200.000 mal pro Jahr gibt es in Deutschland ein Feuerereignis. Das sind 548 Brände jeden Tag oder 13 pro Stunde.

Trotz Rauchmelder und Feuerwehrfleiß gibt es aber dann dennoch jeden Tag ca. 1 Verstorbenen. Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Ärzte und Bestatter haben damit zu tun.

Nun ist nicht jeder Brandtote auch wirklich verbrannt. Viele Menschen sterben durch den giftigen Rauch. (Nebenbei bemerkt: Man liest oft in Zeitungen „kamen mit einer Rauchvergiftung davon“. Es ist zwar richtig, dass diese Menschen nicht dem Feuer zum Opfer fielen und verbrannten, aber eine Rauchvergiftung ist keine harmlose Sache, die man eben mal so weghustet. Es sterben, das ist bekannt, mehr Menschen durch Rauchvergiftungen, als durch Verbrennen. Aber auch die, die im ersten Moment scheinbar „davongekommen“ sind, erleiden oft lang wirkende gesundheitliche Einschränkungen und nicht wenige versterben auch Tage oder Wochen später.)

Die meisten Toten, die Bestatter da abholen müssen, sind also nicht verbrannt, sondern als Leichnam im Rahmen der Umstände, intakt.
Die Verstorbenen, die regelrecht verbrannt sind, stellen durchaus eine Belastung für alle Beteiligten dar. Je länger der Mensch dem Feuer ausgesetzt war und je höher die Temperaturen waren, umso mehr Wasser und Fett sind aus dem Körper entwichen. Der Leichnam wird dadurch kleiner und dünner. Sehnen und Muskeln ziehen sich durch das Feuer zusammen, sodass Brandleichen oft eine Embryonalstellung einnehmen oder zumindest verkrümmt sind.
Die Haut verbrennt als Erstes und das darunterliegende Gewebe ist schwarz und vielfach aufgerissen. Es sieht aus wie schwarzer Erdboden nach einer Trockenzeit.

An Brandstellen ist immer eine starke Geruchsentwicklung durch Ruß usw. wahrzunehmen. Deshalb ist der Geruch der Brandleiche dort in vielen Fällen nicht wahrnehmbar. Dieser Geruch erinnert eindeutig an gebratenes Huhn oder Fleisch. Menschenfleisch reagiert da nicht anders, als Rind- oder Schweinefleisch, das zu lange auf dem Grill gelegen hat.

So unwirklich wie es klingt: Die Bestatter müssen auch abwarten, bis der Leichnam so weit abgekühlt ist, dass er transportiert werden kann.

Leichname, die aus Räumen geborgen werden müssen, sind leichter handhabbar als etwa Personen, die in einem Fahrzeug verbrannt sind. Die Körperhaltung und das instabile Gewebe der Brandleichen macht eine Bergung deutlich schwerer. Hier versagen auch meist alle Tricks und Möglichkeiten, die ein Bestatter kennt und zur Verfügung hat, um den Verstorbenen geradezurichten. Das muss meist so bleiben, wie es ist. An eine offene Aufbahrung ist in einem solchen Fall nicht zu denken.

Wer diesbezügliche Bilder sehen möchte, kann diesem Link hier folgen und dann oben auf Bilder klicken.

Wer Fragen zu diesem Themenbereich hat, kann sie gerne stellen.

So viele Menschen sterben durch Rauch und Feuer

Die Statistik der Anzahl der Toten in Deutschland durch Exposition gegenüber Rauch, Feuer und Flammen: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes starben im Jahr 2020 insgesamt 336 Personen in Folge einer Exposition gegenüber Rauch, Feuer und Flammen1.

Es sterben mehr Männer als Frauen

Etwa 2/3 der Toten sind Männer, nur 1/3 sind Frauen2.

Senioren besonders gefährdet

Etwa die Hälfte aller Todesopfer sind zwischen 75 und 80 Jahre alt2.

Brandursache Nummer eins: Strom

In Bezug auf die Brandursachen steht „Elektrizität“ immer noch an erster Stelle, gefolgt von „Menschlichem Verhalten“. Neben möglicherweise falschem oder sorglosem Umgang mit offenen Feuer, wie z.B. unbeobachteten Kerzen, kommt ein anderer Umstand in den Statistiken der Feuerwehren von ihren Einsätzen immer öfter zum Tragen: Das Vergessen von Essen auf dem eingeschalteten Herd bzw. im Ofen.2


1 https://de.statista.com
2 RLL-Statistiken


BILDQUELLEN

  • feuer-pixabay-a: Pixabay
Peter Wilhelm 21. März 2022

9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Gibt es bei Brandleichen nicht auch die „Fechterstellung“, weil die Muskeln und Sehnen unterschiedlich schrumpfen?

  2. Gibt es bei einem verbrannten Körper Gründe, eine bestimmte Bestattungsform zu bevorzugen? Also etwa lieber Feuerbestattung, da die Verwesung beeinträchtigt ist? Oder umgekehrt, lieber Erdbestattung, da die Brandleiche nicht mehr gut brennt (oder weil es pietätlos wäre)?
    Und wenn Feuerbestattung, wie darf man sich bei schwer entstellten Leichen eigentlich die zusätzliche Leichenschau vorstellen? Als Krimileser denkt man hier natürlich gleich an den perfekten Mord, vertauschte Identität etc.

    • Hallo Felix,
      es ist besser, wenn Du diese Frage über das Kontaktformular stellst. Peter schafft es nicht, alle Kommentare zu lesen.
      Viele Grüße

  3. Glücklicherweise hatte ich damit bisher nur literarischen Kontakt: „Dornenvögel“ von Colleen McCullough, da kommen (2 Brüder und der Vater??) der Protagonistin bei einem Buschfeuer ums Leben und es war doch recht anschaulich beschrieben. Die Bilder im Link stimmen mit dem Kopfkino von damals überein.
    Mal wieder: Danke, Peter!

  4. Gruselig – aber…
    … wenn man auf dieser Bilderseite ca. 2 Zeilen tiefer scrollt – die sechs toten UNSCHULDIGEN Kinder in ihren weißen Kleidern… das ist für mich der wirkliche Horror.

    Nach Wikipedia:
    Helga Susanne, * 1. September 1932, † 1. Mai 1945
    Hildegard Traudel, genannt Hilde, * 13. April 1934, † 1. Mai 1945
    Helmut Christian, * 2. Oktober 1935, † 1. Mai 1945
    Holdine Kathrin, genannt Holde, * 19. Februar 1937, † 1. Mai 1945
    Hedwig Johanna, genannt Hedda, * 5. Mai 1938, † 1. Mai 1945
    Heidrun Elisabeth, genannt Heide, * 29. Oktober 1940, † 1. Mai 1945

    Wann wird man je versteh’n? Wann wird man je verstehn…

    • Das hab ich damals auch nicht verstanden, als mir mein Vater davon erzählte. Aber wenn du die gesamte restliche Gesinnung in Betracht ziehst – sie haben so viele Kinder ermordet, wieso sollten sie vor den eigenen noch Halt machen.

      • Du hast recht, es ist in diesem Lichte nachvollziehbar. Schlimm bleibt es für mich allemal.

  5. Ich kann mich auch an sowas erinnern. Ich war ein kleines Kind, ca4 oder 5 Jahre alt. Wir waren irgendwo mit den Nachbarn im Auto unterwegs, da wir keines hatten. Da gab es irgendwo einen Verkehrsunfall, bei dem eine vierköpfige Familie im Auto verbrannt sind, so hat es meine Mutte damals gesagt. Das Bild, an das ich mich erinnern kann, war ein Fahrzeug mitten auf der Straße, in dem vier Menschen saßen, die starr wie Puppen waren, dann wurde mir mein Kopf schon nach unten gedrückt. Ringsum war alles taghell erleuchtet. So was geht dir nicht mehr aus dem Sinn.

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