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Adventskalender

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Mein erster Adventskalender war aus schwarzem Karton und wenn man eines der Türchen geöffnet hatte, kam ein weihnachtliches Motiv auf Transparentpapier zum Vorschein. Genauergesagt zum Durchschein, denn wenn von hinten Licht durch die Fensterchen fiel, sah das sehr hübsch aus.

Kalender, die mit Schokolade gefüllt waren, kamen entweder erst später in Mode oder wir kannten sie erst nicht. Jedenfalls war ich sicher schon in der Schule, als ich den ersten Adventskalender mit Schokofüllung bekam. Das war etwas ganz Besonderes.

Zum Weihnachtsfest habe ich ein etwas seltsames und gespanntes Verhältnis. Es ist nicht leicht, mir etwas zu schenken. Das kommt so:

Es war sicherlich keine finanzielle Not und es war auch nicht so, daß sie mir nicht genug Liebe entgegengebracht hätte, aber meine Mutter bevorzugte es, mir zu Weihnachten Sachen zum Anziehen zu schenken; gerne auch mal was Selbstgestricktes und als Steigerung: etwas Selbstgestricktes aus Garn, das sie vorher aus einem anderen, abgelegten Kleidungsstück von mir „aufgeribbelt“ und aufgewickelt hatte…

Sie strickte gerne und gut, aber wenn andere Kinder schon Jeans und Parka tragen und man selbst mit gestrickten Klamotten und der verhassten Astronautenmütze herumlaufen muss, dann ist es schwer, das vierte Gebot zu halten!

Man stelle sich vor, es ist 1965 und ich war noch ganz klein. Draußen regnete es, der geplante Samstags-Ausflug in den Wald war vom Vater abgesagt worden und Mutter hatte Langeweile. Was tat diese Frau? Sie ribbelte schon wieder einen Pullover auf! Katastrophenalarm!
Meine Mutter machte das immer so. Wenn mir irgendwas zu klein geworden war oder kaputt zu gehen drohte, dann ribbelte sie das selbstgestrickte Teil auf. Erst gab das dann ein dickes Knäuel, dann wurde die Wolle um die Lehne eines Stuhls gewickelt und befeuchtet, damit sie wieder glatt wurde und wenn sie dann glatt und trocken war, wurde sie zum zweiten Mal als Knäuel aufgewickelt.
Danach konnte man dann wieder etwas Neues daraus stricken.

Wolle hat ja viele sehr angenehme Eigenschaften, jedoch haben sich mir diese nie wirklich erschlossen. Für mich zeichnet sich Wolle seit jeher vor allem dadurch aus, daß sie kratzt. Und sie kratzt noch tausend Mal mehr, wenn sie immer wieder aufgeribbelt und um den Stuhl gewickelt wird.

Wie ich das hasste! Wie oft hatte sie mich gerufen und auf einen Stuhl gestellt, damit sie irgendein halbfertiges Produkt der klappernden Nadeln zum Anprobieren und Maßnehmen an meinen Körper heften konnte, gerne auch mal im Beisein des versammelten Kaffeekränzchens.

Heute weiß ja keiner mehr, was ein Kaffeekränzchen ist. Das ist nämlich nicht, wie mein Sohn meint, ein rundes Gebäck, welches man zum Kaffee verzehrt, sondern eine Freizeitgruppe. Heute würde man sagen Coffeinjunkies im Seniorenalter, die abchillen und abtalken.
Damals war das so, daß sich rund ein halbes Dutzend Frauen zu gelegentlichem gemeinsamen Kaffeetrinken und Kuchenessen verabredeten, was dann reihum mal bei dieser, mal bei jener Teilnehmerin stattfand. Wichtigstes Utensil: Eine Kaffeekanne mit Kaffeemütze. Das kennt auch keiner mehr. Eine Kaffeemütze war ein Teil aus dickem, oft wattiertem Stoff, welches man über die Kaffeekanne stülpen konnte, damit das braune Gesöff schön heiß blieb. Zweitwichtigstes Utensil: Der Tropfschutz. Aber auch den kennt heute kaum noch einer. Ein Tropfschutz war ein kleines Schaumstoffröllchen mit einem Gummibändchen, welches man vorne an die Tülle der Kaffeekanne schnallte, damit auch ja kein Tröpfchen der braunen Brühe auf die gestärkte Tischdecke tropfen konnte.
Wichtigste Aussage, mehrfach wiederholt, an einem solchen Kaffeekränzchennachmittag: „Der ist mit guter Butter gebacken!“
Ansonsten verliefen die Kränzchennachmittage genauso, wie das heute auch noch ist, wenn sich Frauen treffen: Man hetzte über die die nicht da waren, hechelte alle Krankheiten durch und tratschte, was das Zeug hielt.

Die größten Unterschiede waren, daß man den Frauensport Nummer 1, das Nordic Walking, noch nicht kannte und daß man gewöhnt war, daß alle Segnungen der Medizin in 12monatigem Abstand wie selbstverständlich immer neu in Anspruch genommen werden konnten. Ja, das gab es mal! Die fuhren jedes Jahr in Kur, bekamen alle zwei Jahre kostenlos eine neue Brille und neue Zähne, Brücken, Kronen gab es auch regelmäßig von der Kasse geschenkt. Kein Wunder, daß die Kassen leer sind!

Da meine Mutter die große Strickkünstlerin war, mußte ich also immer herhalten, durfte dann vor den dicken, alten Tanten auf dem Stuhl stehen und mich mit halbfertigen Nadelprodukten behängen lassen.

Die Pullover und die Jacken gingen ja noch, aber absolut grauenvoll waren die Nebenprodukte, die meine Mutter immer dann fertigte, wenn das Aufgeribbelte nicht mehr für was Größeres reichte. Solche Nebenprodukte waren beispielsweise Mützen, Schals und Handschuhe. Die Schals lasse ich ja noch durchgehen, aber die Mützen und Handschuhe habe ich gehasst.

Fingerhandschuhe konnte meine Mutter auch stricken, aber das war ihr immer zu kompliziert, deshalb fertigte sie vorzugsweise Fäustlinge. Fäustlinge sind vor allem deshalb absolute Scheiße, weil sie zwar vorzüglich die Hände wärmen, man sie aber bei allem was man machen will ausziehen muß. Ja und damit das Kind, die Dinger nicht verliert, weil es die ja ständig auszieht, wurden die Fäustlinge mit einer langen Wollkordel miteinander verbunden. Da lief also von der linken Hand eine Wollschnur durch den Ärmel, hinter den Schultern vorbei, durch den anderen Ärmel wieder hinunter bis zur rechten Hand. So konnte man die Dinger nicht verlieren.
Praktisch für die Mütter, unpraktisch für die Kinder.

Ich führe meine mittlerweile leicht gebeugte Körperhaltung vor allem darauf zurück, daß diese Fäustlings-Verbindungskordeln damals spätestens nach 3 Monaten viel zu kurz waren, weil ich als Kind die unangenehme Eigenschaft hatte immer zu wachsen.
Das war ja auch der Grund, warum meine Mutter immer alles aufribbeln mußte, um was Neues daraus zu stricken.

„Kaputt kriegt man das ja nicht, aber der wächst ja so schnell!“

Ich sprach ja schon die Mützen an. Solange meine Mutter Pudelmützen strickte, war das ja noch in Ordnung. Die waren ganz witzig, warm und lustig, weil man so schön mit dem Bommel wackeln konnte. Aber als die doofen Russen 1961 den ersten Kosmonauten ins All schossen, folgten ja wenig später die nicht weniger doofen amerikanischen Astronauten und das bescherte uns Kindern die Astronautenmütze!
Wer nicht weiß, was eine Astronautenmütze ist, stelle sich den Rollkragen eines Pullovers mit einer angestrickten Kapuze vor.
Diese Mützen umschlossen den ganzen Kopf und den Hals und ließen nur ein Loch für das Gesicht. Genauergesagt hatte das Ding zwei Löcher, eins fürs Gesicht und eins für den Hals. In etwa sehen heute die Feuerschutzhauben der Formel-Eins-Rennfahrer so aus. Nur waren unsere Astronautenmützen damals nicht aus atmungsaktivem Weltraumstoff, sondern… genau: aus aufgeribbelter Kratzwolle.

Was haben es unsere Kinder doch heute gut, oder? Dafür nehme ich sogar den kastriert klingenden Comic-Clown oder Verona (wie heißt die heute?) in der Fernsehwerbung von KiK in Kauf. Bei C&A, KiK und Konsorten bekommt man wunderbare, kratzfreie Kinderbekleidung, die man –wenn sie kaputt oder zu klein ist‑ nicht aufribbeln kann, sondern abgibt oder einfach in die Altkleidertonne wirft.

Neulich sagte die meine Frau: „Eigentlich könnte ich mal wieder was stricken.“
Ich hab bloß gesagt: „Ich stelle mich aber keinesfalls auf den Stuhl.“

Das hat sie nicht verstanden. Frauen!

Astronautenmützen, Schals, verkordelte Fäustlinge und vor allem Pullover waren also die bevorzugten Weihnachtsgeschenke meiner Mutter. Gerne ging sie aber auch im Schlussverkauf mit mir in die Stadt und versah mich dann mit allerlei Kleidungsstücken, die mir zwar nie gefielen, von denen der Verkäufer aber behauptet hatte: „Das tragen die jungen Leute heute so.“
Ja und kurz vor Heiligabend verschwanden diese Sachen dann aus meinem Schrank, um dann im Zuge der Bescherung, in schönstes -seit Jahren immer wieder aufgebügeltes- Weihnachtspapier gehüllt auf dem Gabentisch wieder aufzutauchen.

Andere Kinder bekamen einen Cassettenrekorder oder Bonanza-Figuren…

Seitdem ich halbwegs auf eigenen Beinen stehe, läuft einjeder, der mir zu Weihnachten etwas kleidungsähnliches schenken will, Gefahr, sofort den in mir schlummernden Werwolf zu wecken und der Zerreissung seiner textilen Gaben beiwohnen zu dürfen.
Ich will zu Weihnachten Blechroboter, Metallbaukästen, Spielzeug in allen Varianten, meinetwegen auch Bücher -obwohl ich mir die ja selbst schreiben könnte-, gerne auch was Süßes und was Elektronisches, aber KEINESFALLS irgendetwas was man anziehen kann.

Doch zurück zum Adventskalender:

Seit ich denken kann, habe ich jedes Jahr einen Adventskalender. Meistens sind es die ganz normalen, die mit den Schokoladendingern drin. Und damit es nicht so doof aussieht wenn ein so großer, kräftiger Mann einen Adventskalender da hängen hat, kaufe ich immer für jeden Mitarbeiter und jedes Familienmitglied einen. Da hängt bei uns unten im Gang also eine ganze Batterie von Adventskalendern nebeneinander und bis jetzt ist mir noch keiner begegnet, der nicht seinen Spaß daran gehabt hätte.
Frau Büser hat einen von „merci“, Sandy einen von einem bekannten Gummibärchenhersteller und die meisten anderen verschiedene Ausführungen mit Schokolade.
Ich habe in diesem Jahr einen mit Überraschungseiern, leider sind da nur ganz doofe Sachen drin. Aber egal, die Schokolade außen drum ist sowieso das Beste!

Peter Wilhelm 8. August 2012


83 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hihi, die Astronautenmützen kenne ich auch noch. Mit denen liefen (immerhin Mitte der 80er) die 6 leidgeprüften Kinder des anthroposophischen Frauenarztes herum. Und an das ständige Vermessenwerden kann ich mich auch noch erinnern, nur war es in meinem Fall meine (ansonsten heißgeliebte) Oma. Gerne garniert mit Kommentaren wie: „Mit deinen Hüften hast du wenigstens beim Kinderkriegen keine Probleme.“

  2. Danke für die Erinnerung an die Astronautenmützen. Ich hatte sie erfolgreich die letzten 30 Jahre verdrängt. Alles vorbei, nun werde ich dieses Bild von mir mit „Astronautenmütze“ die nächsten 30 Jahre rumtragen dürfen. 😉

  3. Wuaah ich musste auch Astronautenmützen tragen, obwohl Baujahr 74.
    Was ich auch ganz schlimm find, aber jetzt anscheinend wieder in Mode kommt: die komischen Ohrschützer, die wie Kopfhörer aussehen.

    Zum Thema Adventskalender. Ich mag die ganz einfachen, mit Schokolade. Was heute angeboten wird, finde ich total übertrieben, v.a. die Preise.
    Meine Tochter wollte doch tatsächlich einen mit Schminkutensilien. 1. Tag ein Minilippenstift, 2. Tag ein Minilidschatten usw. Aber ich habe mich gesträubt 🙂
    Lg

  4. Ich wüsste nicht was an einem Schokoweihnachtskalender doof aussehen könnte.

    Jeder Mann sollte einen haben und braucht auch einen, das ist die beste Schokolade des ganzen Jahres, solange ich denken kann besitze ich jedes Jahr einen und habe auch vor bis zu meinem Lebensende jedes Jahr einen zu besitzen.

    Diese Dinger sind neben dem Rad die beste Erfindung derer sich der Mensch rühmen kann.

  5. Die Dinger heißen heute Teufelsmützen, oder?
    Und aus Fließ sind sie für Kinde rbis zu einem bestimmten Alter auch tragbar.
    Schlimm sind aber die Mütter, die Ihren Kindern die Mützen schon im Oktober bei knapp unter 20 Grad anziehen.

    Tja, diese Demütigungen werden nie vergehen.

  6. Wer kennt diese Mützen denn nicht? Auch ich (25) und meine beiden Schwestern (22,20) hatte mehrere davon. Und wie gerne hätten wir welche aus Wolle gehabt! Unsere waren aus irgendeinem Kunststoff, der genauso kratzte und einen nach dem Ausziehen für 5 Minuten aussehen ließ, als hätte man eben in eine Steckdose gefaßt.
    Bei uns hießen die Mützen übrigens Teufelsmützen, da sich bei der Naht oben auf dem Kopf gerne zwei kleine Beulen bildeten, die aussahen, als steckten zwei Hörnchen darunter…

  7. Wah, diese Mützen… ich will diese Bilder wieder aus dem Kopf haben! Bei mir kam erschwerend hinzu, dass meine strickende Großmutter designmäßig eher auf Kubismus stand. Was sich in die Länge zog, wurde dann irgendwann zum Schal erklärt, was rund aussah, bekam eine Chance, Pullover zu werden. Die Farben waren verhältnismäßig überraschend – und man ist nach so vielen Jahren tatsächlich überrascht, wie viele Schattierungen von Dunkelbraun es gibt. Es sah alles aus wie handgesägt.

    Hätte man das vorher gewusst, man hätte sich diese Ich-war-zwei-Strumpfhosen-und-eine-Mütze-Pullis patentieren lassen und wäre damit heute dick im Geschäft. [i]Transformer Knitwear[/i] oder so. Notfalls schreibt man aufs Etikett, dass es sich um Recyclingwolle handelt. Von betroffenen Müttern im Beisein einer Bezugsperson klimaneutral aufgeribbelt.

  8. Tom, das klingt ja fast so als musstest du dieses Leid bis ins hohe Jugendalter ertragen. Irgendwie muss ich bei diesem gedanken leicht grinsen.
    Aber lass mal, auch ich kenne solche Dinge wie diese Scheißmützen, Moonboots und dergleichen. Alles Kram wo die Doofen Erwachsenen damals dachten „das ist IN, das trägt das Kind bestimmt gerne“.
    Ich sagte letztens zu meiner Mutter „Wenn du dem großem etwas kaufen willst, renn zu New Yorker und such dir ein Teil aus was dir definitiv NICHT gefällt. Das ist derzeit Mode und angesagt dann.“ 🙂

  9. Ich kenn das ALLES!
    Und ich danke Dir auf Knien, Tom, dass ich jetzt meinen Rundrücken doch noch meiner Mutter in die Schuhe schieben kann. Fäustlinge mit Verbindungsstrippe, fast hätte ich sie vergessen.
    PS 1: Ich bin „back to the roots“ und wieder bei phanstasievollen Adventskalendern mit BILDCHEN (ohne Schokoloade, ÜEier oder Modellautos) angekommen.
    PS 2: Falls Du Dir und Deinen Liebsten eine gepflegte Chemieallergie ersparen willst, dann verzichte auf KiK.
    PS 3: Gibt es eigentlich einen Himmel für die Millionen Kaffeewärmer und Tropfenfänger aus der Generation unserer Mütter und Großmütter?

  10. Tom, ich fühle mit dir!
    Mit 3 Jahren bekam ich von meiner Oma einen Westover (selbstgestrickt) zu Weihnachten … mit 12 trug ich das olle ding immer noch! Wie das ging? Meine Mutter hatte das Ding nach dem Waschen immer ordentlich gedehnt und der größte war ich leider auch nie …

  11. Meine Mutter hatte sogar (nach einer Nervenentzüdung im Arm) eine Strickmaschine, die stand auf dem Küchentisch an der Kante, und es macht ritsch (hin) und ratsch (zurück).
    Bei drei Kindern und einem Mann, der durch eine Kriegsverletzung seinen Beruf nicht mehr ausüben konnte, war es ein Segen, dass sie stricken konnte. Mein großer Bruder bekam sogar einen Mantel, den sie aus dem Stoff einer Uniform genäht hatte.
    Die Frauen damals wussten sich und den Ihren zu helfen.
    Die Strümpfe, die waren echt kratzig, das kann ich bestätigen.

  12. Die schlimmste Strickschrecklichkeit, die ich jemals bekommen habe (60er Jahre) war ein Rollkragen mit einer Art Läzchen vorne und hinten, den man unter einen Pullunder ziehen konnte. Und das auch noch in türkis!
    Und einer der schlimmsten Sätze meiner Kindheit bezogen auf Kleidung war „Da wächst du schon noch rein“.
    Aber erstaunlich ist schon, wie sich deine Erinnerungen mit den meinen decken.

  13. Ich oute mich jetzt mal:

    1. ich habe die einzige „Kosmonautenmütze“, die ich je hatte, geliebt und getragen bis sie kaputt war. Da war ich schon deutlich älter als 12
    2. Meine Mutter hat nicht gestrickt, aber mein Vater hat mir mal einen Pullover stricken lassen, den habe ich auch geliebt und getragen, bis er auseinanderfiel (Kindergarten bis Grundschulzeit)
    3. Zu Weihnachten habe ich mal ein wunderschönes Kleid bekommen (reine Chemie aber schöööööööööööön!) Das mußte ich vorher anprobieren und meine Mutter und eine meiner Schwestern haben mir erfolgreich eingeredet, das wäre für meine Cousine. Was war ich neidisch und wie hab ich mich gefreut, als es an meinem Platz unterm Weihnachtsbaum lag!
    4. Zu Weihnachten ein, zwei Jahre später habe ich meine erste Silastikhose aus dem Westen erhalten. Die war toll – und hat mir Riesenärger eingebracht. Stichpunkt: neidische Schwester.
    Richtig Selbstgestricktes hab ich nie bekommen, aber das die Wolle meiner Kinderzeit (60iger Jahre) fürchterlich gekratzt hat, das kann ich bestätigen.

    Weihnachtsgrüße von einer Ossa 😛

  14. Waah, diese gruseligen Astronautenmützen und zusammengebundenen Fäustlinge sind mir auch in lebhafter Erinnerung – und ich bin Jahrgang ´86. Bei mir waren es Mutter und Oma, die gemeinsam meinen Kleiderschrank mit allerlei Selbstgestricktem und -genähtem füllten…

  15. Ich bin zwar mit Jahrgang 1971 ein paar Jahre jünger, aber mit kratzigen, selbstgestrickten Pullovern wurde ich auch traktiert. Die wurden vorher allerdings nicht angepasst, so dass die Dinger meistens viel zu weit waren. Und damit die Ärmel nicht versehentlich zu lang wurden, strickte meine Mutter damals schon sicherheitshalber „Dreiviertel-Ärmel“. Dummerweise galten die erst zwei Jahrzehnte später als chic…

    Einen Adventskalender besitze ich auch nach wie vor jedes Jahr, um genau zu sein sogar zwei (einer nur mit Bildern, einer mit Schoko). 🙂

  16. Also, meine Kinder tragen auch die Astronautenmützen. Allerdings aus Fleece :-). Nunja, der Berufsschüler nicht mehr, aber der danach Älteste in der 4. Klasse Grundschule auch noch.

    Aus Muttererfahrung kann ich sagen: es gibt keine besseren Mützen! Wolle ist halt nur etwas unglücklich…

  17. oh Tom, Du trägst wirklich und wahrhaftig das Leid ganzer Generationen! Ich bemühe mich redlich, mit Dir zu leiden
    .. bin ich doch Jahrgang 1950 😉
    Zum Kaffeekränzchen fehlt mir noch ein Hinweis: „das ist echter Bohnenkaffee“ 😀

  18. Hä? Rundrücken wegen Verbindungskordel? Da hab ich n falsches Bild im Kopf, oder? WEnn die Kordel zu kurz wird, müsste man doch gerade viel aufrechter gehen?

  19. Feuerschutzhauben? Nomex? Atmungsaktiv? Öhh… Ne Tom 🙂
    Die sind schlimmer als ne Wollmütze ^^

    So schlau ist der Stoff noch nicht, dass er zwischen draußen und drinnen unterscheidet. So ein kompletter Schutzanzug(gut, die von der Feuerwehr sind noch dicker) wärmt schon sehr gut, auch ohne Feuer drumrum 🙂 Wo keine Hitze rein soll, kommt auch keine Hitze raus. Die tollen Membrane von Sportjacken funktionieren nur bis einer bestimmten Temperatur, die für Schutzkleidung leider ein wenig niedrig ist, also isoliert die Schutzkleidung „nur“ – das aber verdammt gut ^^

  20. Ach du meine Güte! Ich hatte das so verdrängt, dass ich überlegen musste was eine Astronautenmütze ist. Bei der Beschreibung fiel es mir dann wie Schuppen von den Haaren. Auch bin ein Opfer der 70er-Jahre-Strickerei. Aufribbeln… Gewickelt wurde auf einem Küchenbrett. Manch mal auch mit kreisenden Bewegungen zwischen die ausgestreckten Handgelenke. Zum Glück war mein Vater in einer Strumpffabrik angestellt. So sind mir wenigstens die selbstgestrickten Socken erspart geblieben.

    Herzliche Grüße

  21. WAAAAAAH ! Kennichkennich… bin 59 geboren und dementsprechend habe ich den gleichen Mist mitmachen müssen. Keine neue Wrangler oder Levis sondern selbstgestrickte Pullover, Fäustlinge und Schals. Jeans gab´s die erste von Clamotten-Anton mit dem Glöckchen unten dran. BOAH war das grauslich. 😉

  22. @Newty:
    Ich weis ja nicht, wo du her kommst, aber in D sind Nomexjacken eigentlich seit Jahren Standard; Flammschutzhauben ebenfalls.
    Was an deiner grundsätzlichen Aussage, dass diese Klamotten auch ohne Feuer gut wärmen, ändert. Aber so schlimm wie früher ists nicht mehr. Nur schwerer 🙂

    Grüße

    T.

  23. oh. oh.
    jahrgang’56. nun hab ich bestimmt wieder albträume.
    fäustlinge, wie ich die dinger gehasst habe. und wehe, die waren nass. nasse wolle und schnee( eiswasser etc) kam nicht gut. roch wie toter vogel in einer sommerhecke…

  24. @19 suz: Du musstest die Dinger nie tragen, oder? 🙂
    In Ermangelung technischer Zeichnungen hier folgender Gedankengang:
    Die gegenwärtig passende Kordel führt vom linken Handschuh den lose herabhängenden Arm hinauf zum Nacken, von dort am lose herabhängenden rechten Arm zum rechten Handschuh hinunter. Messe dies bei einem 6jährigen Kind am 1.1. des Jahres aus – das Maß beträgt 100cm (willkürliche Zahl, da grad kein Sechsjähriger zur Hand ist).
    Wiederhole diese Messung am 1.6. des Jahres. Das Kind ist gut in die Höhe geschossen. Der oben beschriebene Messwert beträgt (ohne Kordel) nun 120cm, bedingt durch Wachstum der Arme und des Halses. Die Kordel bleibt aber 100cm lang.

    Und nun versuch mir zu erklären, wie Tom oder ich damit hätten aufrecht gehen können! (bei lose gestreckten Armen) 😉 Da man nicht permanent mit erhobenen Pfötchen rumlaufen wollte, blieb also nur, die Messstrecke durch Nackenbeugung (die die Schultern immer mit erfasst) so lange zu verkürzen, bis man die Arme wieder baumeln lassen kann.

  25. @ MiniMoppel:

    So einen Rollkragen mit Lätzen habe ich heute auch an. Allerdings ist der aus hochwertigem Fleece, sorgt für Wärme beim Moppedfahren und sieht nicht ganz so bescheuert aus 🙂

    Im übrigen erinnert mich die Diskussion an die Szene aus dem Wunderbaren Film »Fröhliche Weihnachten« (»A Christmas Story«) in dem die Mutter das leidgeprüfte Kind in Massen von Kleidungsstücken steckt, bis es die Arme nicht mehr herunterbekommt.

    Absolute Sehempfehlung! Der gehört bei mir zum Standardprogramm an Weihnachten (inkl. 3 Haselnüsse und das Leben des Brian) 🙂

  26. Jahrgang 65, aber ich habe auch ein paar nette Traumata anzubieten:

    Grundsätzlich musste ich Anziehsachen von den Cousins/Cousinen auftragen. Also ausgestellte Cordhosen und orangefarbene Polyesterpullis, als andere schon mit Collegeschuhen und Karottenhosen ankamen.

    Kratzige Strumpfhosen (gekauft, aber nicht weniger scheußlich) sind mir in lebhafter Erinnerung verblieben.

    Aber das Highlight war folgendes: Um mir nicht die Blase zu erkälten, musste ich ab Oktober, egal welche Temp. herrschte, „Überhosen“ anziehen. Auch geerbt von irgendwelchen Verwandten. Form etwa wie eine Radlerhose. Das wäre ja nicht sooo schlimm gewesen. Aber eine war aus bordeauxrotem Glanzstoff und hatte unten eine schwarze Borte. Und die haben die anderen Mädels in der Umkleidekabine vor dem Sportunterricht gesehen. Ich habe mich gefühlt wie Stephen Kings Carrie bei der Tamponwerfaktion der Mitschülerinnen.

  27. Ich kann als Jahrgang 83 noch eine Oma beisteuern, die fanatische Socken-Stopferin war. Immer wenn Oma zu besuch kam, ging der erste Weg zur Stopf-Sachen-Schublade in der Socken mit Löchern gesammelt wurden… Und wehe es war nix zu stopfen da… dann hing aber der Haussegen schieb.
    Das dumme: Die Socken waren an der gestopften Stelle immer 3 mal so dick wie normal und total unflexibel, was für hübsche Blasen gesorgt hat.
    Irgendwann haben wir Oma stopfen lassen und alles was gestopft war, in den Müll entsorgt 🙂

  28. Baujahr 64

    Und nun bin ich gleichzeitig sentimental und depressiv.

    Ich hatte das alles erfolgreich verdrängt 😉

  29. @26 nihilistin
    ich weiss gar nicht, was Du gegen diese Lösung hast: sie ist praktisch und die lieben Kleinen verlieren die Handschuhe nicht andauernd 🙂
    Ich hab‘ da so meine Negativ-Erfahrungen mit der „nächsten Generation“.
    Und meine Mutter wusste sich schon zu helfen: wenn die Handschuhe noch passten (nicht gerade im Sommer ..), wurde die Kordel einfach verlängert, anderenfalls erhielt meine kleine Schwester den „Segen“

  30. Gesegnet mit dutzenden älteren Cousins durfte ich, trotz Baujahr 91, auch noch so eine Astronautenmütze ertragen….. In knallrot und Rippchen-Strickmuster und – natürlich – kratzig…. Absolut grausam. Gott sei Dank musste ich die nie zur Schule o.ä. anziehen, aber zum Eislaufen oder schlitten fahren war das Pflicht….

  31. GRÖÖÖÖÖÖHHHHLLL
    Danke für diesen wunderbaren Bericht, ich bin zwar noch nicht so alt, aber ich kann – „Mutter“ durch „Oma“ ersetzt – so ziemlich ALLES nachvollziehen. Is doch klasse zu sehen wie sich die Zeiten damals (ach!) doch kaum geändert haben.

    Herrlich!

    Danke!

  32. Meine Mutter und Oma waren früher auch überzeugt, das ich selbstgestricktes in den seltsamsten Farben tragen sollte. Ich habe die beiden aber sehr schnell vom Gegenteil überzeugt, denn die Pullover, Handschuhe usw. hatten seltsamerweise immer nach extrem kurzer Zeit Löcher, oder sie zogen meterlange Fäden 😉

  33. Der Artikel riss gerade die alten Wunden auf.. 🙂
    So alt sind die noch nicht, denn solange die Frauen in meiner Familie einigermassen die Stricknadeln halten koennen (oder auch Naehmachinen bedienen koennen) wird auch gestrickt und gewerkelt.
    Gott sei Dank haben meine ganzen Cousinen Kinder bekommen und diese werden nun mit Selbstgestricktem versorgt. (zu deren Leidtragen)
    Als ein Kind der 80er kann ich mich nur noch schmerzlich an selbsgemachte Kleidungsstuecke und Assecoires erinnern, welche der gaengigen 80er Mode entsprachen und die meine Mutter als „chic“ bezeichnete…
    Selbst heute, wenn ich sie sagen hoere: „Oh ich habe was „Chic-es“ fuer Dich gesehen“ (oder im schlimmsten Falle gekauft!) rollen sich mir die Zehennaegel auf!

  34. Tom, mir scheint fast so, als hätte meine Mutter die gleiche Schule besucht wie Deine.
    Alle Jahre wieder Selbstgestricktes, teilweise recycled, aus nass übers Frühstücksbrett gespanntem Aufriffelgarn.
    Allerdings keine Astronautenmützen, sondern schön bunte Pudelmützen mit großer Bommel, auch bunt und selbstgemacht. Fies! An so einer Bommel kann man sich von den Mitschülern nämlich prima die Mütze vom Kopf ziehen lassen, ausserdem sieht so ein buntes Teil bei Jungs echt bescheuert aus.

  35. „Ja und damit das Kind, die Dinger nicht verliert, weil es die ja ständig auszieht, wurden die Fäustlinge mit einer langen Wollkordel miteinander verbunden. Da lief also von der linken Hand eine Wollschnur durch den Ärmel, hinter den Schultern vorbei, durch den anderen Ärmel wieder hinunter bis zur rechten Hand. So konnte man die Dinger nicht verlieren.“

    Ach Gott, das Trauma hatte ich bis eben erfolgreich verdrängt 😀

  36. Ich sitzt hier bald unterm Tisch vor Lachen! Eure ganzen Geschichten sind köstlich. In meiner Famile gabs keine Strickwütigen, und auch Astronautenmützen musste ich nur tragen, so lange sie mir noch nicht peinlich waren.
    Aber zum Thema Adventskalender: Ich liebe ja diese Säckchen zum Selberfüllen. Süßigkeiten, Flummis, lauter kleine Sachen. Hab mich so gefreut, meinem Sohn (2 1/2) den dieses Jahr zu füllen, und dann bekam er von der Verwandschaft 2(!) Playmobiladventkalender geschenkt! *grummel*

  37. 1965 kam ich in die Lehre.
    Das war der gute Kommentar.
    Jetzt der Schlechte:
    Das Gemeinste bekam ich gestrickt, als ich fünf oder sechs war
    – eine dunkelblaue BADEHOSE!
    Was meine Mutter bei der Aktion nämlich nicht berücksichtigt hatte, das war das Gewicht des Wassers, wenn man aus dem Bach heraus kommt. Da musste man sie so lange festhalten, bis sie leergelaufen war.

  38. Juhuuuuu, da kann selbst ich mitreden. Im Jahr 1988 im Osten (was nichts schlechtes ist) geboren, hab ich diese Mützen auch ewig tragen müssen. Gleiches für selbstgestrickte Pullover. Auch das Anprobieren kommt mir schwer bekannt vor und wurde von mir immer mit Tobsuchtsanfällen begleitet.
    Das einzige, was ich bis heute trage, sind Omas selbstgestrickte Socken. Die halten wenigstens!

  39. Bin Baujahr 64 und kann mich an die Handschuhe mit Kordel auch noch gut erinnern.
    Die empfand ich damals als persönliche Beleidigung, da so etwas in meinen Augen für „Babies“ erfunden wurde, die zu doof sind, auf ihre Handschuhe aufzupassen.

    Und dann war da noch die Wollmütze, die meine Oma mir gestrickt hatte… Schön warm war sie ja, aber sie sah aus wie ein Kaffewärmer, fand ich. Wer will schon mit einem Kaffewärmer auf dem Kopf rumlaufen?^^

    Ansonsten konnte ich nicht klagen. Meine Mutter hat mir mal eine Strickjacke gestrickt, die mir sehr gut gefiel, von meiner Oma gab’s hin und wieder mal einen Pullover.
    Wobei hier die Pullover, die aus lauter farblich nicht gut zusammenpassenden Wollresten gestrickt waren, spaßigerweise die besten waren. Ich weiß nicht, wie sie’s gemacht hat, aber sie hatten schöne Muster und sahen gut aus.
    Wenn sie mit neuer Wolle anfing und der Pullover einfarbig werden sollte, bestand immer das Risiko, dass die Wolle etwas zu früh alle war. – Und wenn es diesen Farbton nicht mehr nachzukaufen gab, strickte sie mit irgendeiner anderen Farbe weiter, da kannte sie nix.

    Das gleiche beim Socken stopfen. Sooo, da hat diese rote Socke also ein Loch, das haben wir gleich.
    Und in der Nadel ist sogar noch ein Faden vom letzten mal.
    Vom letzten mal, als ich die blaue Socke stopfte… *grins*

  40. Also mit Fäustlingen mit Kordel wurde ich (Jahrgang 80) zum Glück verschont, aber an die super-peinlichen Schalhauben kann ich mich erinnern. Wir haben alle darüber geschimpft, und jetzt quält eine meiner Feundinnen ihre eigenen Kinder auch damit. Zitat: „Die sind ja sooooo praktisch!“
    Aber die Pullover meiner Oma waren immer toll. Einfarbig gestrickt mit aufgestickten Motiven. Ausserdem habe ich eine vernünftige Mutter die den Pullovern rechtzeitig ein Ende gesetzt haben, bevor es peinlich wurde.
    Bezüglich Adventskalender: Die Schoko darin find ich nicht gut, desshalb immer welche mit Bildchen und die Schokoportionen durch Kekshappen ersetzen 🙂

  41. Beim Kaffeetropfenfänger hast du den Schmetterling vergessen, der am Kaffeekannendeckelgnupsel befestigt wurde.
    Tja, die Sache mit der Neuverwertung gestrickter Sachen kenne ich auch. Ich wurde auch von meiner Oma benäht, und zwar bekam ich z.B. Jacken aus den guten Stoffteilen von Mänteln der Erwachsnen, die an einigen Stellen schon durchgewetzt waren.

  42. [quote]Wie Tom wieder aus einem halben Dutzend Begebenheiten eine Story strickt… [/quote]
    Solange er sie nicht wieder aufribbelt…

  43. Als Jahrgang 77 durfte ich mir immer von meiner Mutter anhoeren: „Des isch doch flott!“
    Gottseidank hatte meine 9 Jahre aeltere Schwester Erbarmen und ist, seit ich ca. 12 war, mit mir einkaufen gegangen und ihr Geschmack entsprach mehr dem meinen, und meine Mutter hat es sehr schnell eingesehen, dass dem Familienfrieden geholfen ist, wenn sie meiner Schwester einfach Geld in die Hand drueckt und sie mit mir einkaufen schickt.
    Mama konnte in Ruhe zuhause bleiben, ihr blieben heisse Diskussionen erspart, und ich hab coole Klamotten bekommen 🙂

  44. Astronautenmützen, Kaffeekränzchen, Tropfstop, gestricktes Zeug… Ich bin in meine Kindheit zurück versetzt!!!

    Obwohl „erst“ 34, ich fühle mich doch was alt…

    Und was den Adventskalender angeht: Tom, Du hast es gut!!!

  45. Also, ich weiß nicht, was ihr habt. Ich hab eine ‚Astronautenmütze‘, die ich unter dem Namen cagoule vor ca. 15 Jahren in Frankreich gekriegt habe, die ich immernoch gern trage. Wobei ich nichtmehr weiß, ob ich damals mit 8 Jahren auch schon so begeistert von dem Ding war wie jetzt – aber so richtig schlimm kann’s nicht gewesen sein und schön warm ist sie auch. Allerdings ist sie auch nicht selbst- sondern von einer Maschine gestrickt.

  46. Kein Adventskalender, aber ein schönes Buch:
    Hinter verzauberten Fenstern von Cornelia Funke.
    Keine Astronautenmützen und keine Schokolade im Adventskalender. Aber eine schöne Geschichte.

  47. Gut, also dann oute ich mich mal:
    Jahrgang 63 musste ich doofe Leibchen tragen. Gestrickte. Wah – die haben vielleicht gekratzt. Ich habe sie gehasst….
    Und heute…? Bin ich begeisterte Strickerin. Und man glaubt es kaum, meine drei Männer tragen nichts anderes alsl gestrickte Socken. Hier also ein (Weihnachts-)Deal: Um Tom davon zu überzeugen, dass gestrickte Socken nicht zwingend kratzen müssen, biete ich ein Paar selbiger an. (Und hoffe inständig, dass er nicht Größe 48 aufwärts hat *flehendguck*). Da wir über die Festtage wegfahren, dürfte es ein wenig dauern. Ich bräuchte also die Schuhgröße und (irgend-)eine Anschrift (gerne auch Postfach in Kleinkleckersdorf etc.). Und vielleicht noch gewisse Farbvorlieben (muss ja nicht zwingend schwarz sein, gell?!) bzw. Abneigungen (rosa geht wohl eher nicht… *g*).

    Das Angebot steht.

    Oh, und Wolle wickeln geht ganz einfach. Googelt mal unter „Wollwickler“… An meinen Kindern ging dieser Kelch jedenfalls vorbei…

    Zwinkernde Grüße
    Suse

  48. 😀 Ich weiß gar nicht, was Ihr habt; die Mützen sind extrem praktisch!
    Ich habe zwar keine gestrickt, aber meine Kinder hatten auch noch welche, gekauft eben.
    Wolle ist inzwischen ja schon so teuer geworden, dass kaufen günstiger ist, zumindest wenn die Wolle eine halbwegs adäquate Qualität haben soll.
    Ich gebe es zu, als Kind habe ich die Mützen auch gehasst, aber viel schlimmer fand ich diese popelgrünen Parkas… 😀

  49. ich bin nichtmal 22 und wir machen trotzdem kaffekränzchen. und nennen es auch so! nur haben wir zum warmhalten ein stövchen 🙂 hamburger halt!

  50. Was Hans -Georg als Kaffeekannendeckelgnupsel bezeichnet erinnert mich daran, dass das was Tom als Tülle bezeichnet von uns „Schnuchz“ genannt wurde.
    „Mach mal den Tropfenfänger an den Schnuchz!

  51. *1956. Ich kenne das alles so genau und rieche noch heute die nassen, eiskalten Wollfäustlinge – furchtbar! Und wenn ich das jetzt lese, muss ich doch heftig grinsen.
    Was wohl unsere Kinder in 30-40 Jahren schreiben werden? Was fanden sie in ihrer Kindheit schrecklich? Die eklige Nutella, das blöde Bobby-Car, die ewig raschelnden Anoraks… Sind unsere Erlebnisse überhaupt zu toppen?

  52. Also irgendwie kommt mir da auch so einiges bekannt vor, meine Mutter konnte allerdings nicht stricken, hab es dann halt selbst gelernt und mir viele stylische Pullis gestrickt, die waren in den Endsiebzigern nämlich voll angesagt. Ich hatte allerdings einen Klassenkameraden der wäre wahrscheinlich froh gewesen deine Mutter zu haben, seine hat die Pullis nicht extra neugestrickt da wurde nur an die Bündchen entsprechen angestrickt und auch nicht unbedingt mit der passenden Wolle, sah echt gruselig aus. Mein Mann wurde damals mit Zopfpullis noch und nöcher bestrickt und hasst diese nun wie die Pest, dabei würd ich ihm so gerne auch mal einen nadeln.

  53. Ach ja, da kommen all die Erinnerungen wieder hoch. Bei mir waren es Mutter und Tante + 2 Omas + 4 Uromas die allesamt strickten. Erschwerend kam hinzu, dass ich der erste Sohn/Neffe/Enkel/Urenkel war …

    Die Mützen hießen bei uns (’83) früher „Rittermützen“. Weil die an die Helme von Rittern erinnerten, man musste sich nur das Visier dazu denken. Und diese Handschuhe mit der Sicherheitsleine. Ich weiß auch nicht, bei mir hat das nie was gebracht, ich hab die Dinger auch so verloren.

  54. Nachtrag, fast vergessen: Es sollte ein Grundrecht auf Weihnachtskalender geben. Meine Mutter hat mir vorletztes Jahr sogar einen per Post geschickt, weil zwischen Weihnachtskalendereinkauf und 1.12. kein „Besuchstag“ lag.

  55. *grins* Ich bin zwar Jahrgang 81, aber Astronautenmuetzen und zusammengekordelte Faeustlinge hatten wir auf der anderen Seite des grossen Zauns auch. Nur die Astronautenmuetze hiess in meiner Familie anders, weiss nur nicht mehr wie. Aber ich weiss noch, dass ich meine geliebt habe. Die hatte meine Mutter gestrickt, aber nicht aus kratziger Weltraumwolle, sondern irgenwas weiches. Und ich hatte einen rosa Pullover mit eingestrickten Miezekatzen (mit Schnurrbartwollfaeden und kleinen Plasteaugen), natuerlich von Mutti gestrickt. Das Ding hat gekratzt wie die Hoelle (Wolle vertrag ich so gar nicht auf der Haut), aber mit was drunter habe ich es trotzdem dauernd angehabt.
    Meine Oma hat auch gestrickt wie eine Wilde, aber da meine Geschwister und ich schon etwas groesser waren, hat sie lieber ihre Urenkel (meine Grosscousinen und -cousins) bestrickt, die waren alle noch im Baby- und Kleinkindalter.
    Heute strickt Mutti nur noch seeeehr lange Schals, aber die sind toll 🙂

    Aber was zum Anziehen lasse ich mir auch nicht mehr schenken seit ich 12 bin. Das geht immer schief 🙂

  56. Meine beiden Söhne (11 und 4) mögen tatsächlich selbstgetrickte Sachen, der Große sucht sich die Modelle schon selber aus, der Kleine trägt ausschließlich seine Astronautenmütze aus kuschelweicher Alpakawolle (wenn die mal in der Wäsche ist, bricht die Welt zusammen). Es geht also auch so.

    Meine Mutter hat wenig gestrickt, dafür aber viel genäht und auch per Hand bestickt, ich hab ihre Kleider immer sehr gerne getragen! So gerne, dass ich sie vor 16 Jahren gebeten habe, mein Brautkleid nach meinen eigenen Vorstellungen zu nähen. Es ist ein Traum geworden!

  57. Meine Oma hat als ich klein war, auch immer Sachen für mich gestrickt und natürlich dafür die alten, zu kleinen Sachen, aufgeribbelt. Ich fand sie scheußlich, da unser Klamottengeschmack schon sehr früh extrem auseinander gegangen ist.
    Als ich dann vor 2 Jahren mein Kind bekommen habe, kam meine Oma bei mir an und sagte: „Schau mal was ich noch im Keller gefunden habe!“
    Was soll ich sagen: Es waren genau die Wollklamotten, die ich als Kind von ganzem Herzen gehasst habe. „Na, wenn sie noch zu groß sind, kann man sie ja einfach noch mal aufribbeln und was schickes neues daraus stricken.“ AArrrrrrrrrrrrrrrrghhhhhhhh

    Den Geruch, den die Wollklamotten nach 28 Jahren in einem dunklen, miefigen Keller ausströmen, brauch ich wahrscheinlich nicht beschreiben.

  58. Grundgütiger, dieser Artikel hat gerade diverse Strickzeug-Traumata wieder hochgespült. Das Aufribbeln. Das Anprobieren. Dieses fürchterliche Kratzen.

  59. Mir fällt noch eine nette Anekdote ein, von meinem Mann mit 2j. jüngerem Bruder. Sie bekamen mit 6 und 4 so TODschicke Lederhosen, kurze, mit den entsprechenden Hosenträgern mit Hirsch oder was da drauf ist. „Ist ja so praktisch, weil man es nicht waschen muss“, O-Ton Schwiegermutter. Mein Mann hat das Teil gehasst. Klar, das Leder ist extrem hart und raschelt. Er hat das Problem dann auf eine sehr eigenwillige Art gelöst: Einmal kräftig hineingesch…., und weg war sie im Müll 😉

  60. @ 60 (Sabinchen)
    Könnte man von dem Brautkleid mal (anonymisierte) Fotos zu sehen bekommen?
    Gern auch per Mail.

    Ich bin Weddingplanner und das interessiert mich einfach.

  61. @Sue (64):
    Lederhose, das erinnert mich (Bj. 65) an das Exemplar, das ich als Kind tragen durfte. Allerdings war das keine mit Hirsch oder ähnlichem Getier drauf, Trachten hat man mir zum Glück nicht zugemutet. Mit der hatte es damals richtig Spaß gemacht, meine Mutter derart zu provozieren, bis sie mich übers Knie legte. Dank Lederpolsterung hat sich der Effekt ins Gegenteil verkehrt, mein Hintern tat bei weitem nicht so weh, wie die Hand meiner Mutter. Da sie sich den Schmerz auch noch anmerken ließ, fing ich dann an zu lachen, statt zu heulen, wodurch ihre Schläge auf den Hintern heftiger wurden und ihre Hände noch mehr schmerzten. 🙂

  62. Socken. Du hast die Socken vergessen. Um eine Ferse zu stricken braucht es, glaube ich, so ca. 6 Nadeln, und ich musste mich immer barfuß auf einen Stuhl stellen zum Maß nehmen, weil, „eigentlich würden sie ja passen, aber der hat so lange Zehen, schaut mal *hihi* *kicher* *gacker*“.

    Die langen Zehen habe ich immer noch, meine Oma lebt schon seit ein paar Jahren nicht mehr, und das letzte von ihr gestrickte Paar Socken („echt Schafswolle“) ist auch schon den Weg alles Irdischen gegangen. Heutzutage strickt in meiner Familie niemand mehr; Socken gibt’s im Dreierpack aus China für ’nen Euro, mit Bart Simpson drauf.

    Ich hätte nie gedacht, dass ich das mal öffentlich irgendwo schreiben würde, aber: Oma, du fehlst mir. Du und deine kratzigen Schafswollsocken. Du fehlst uns allen, und ich hoffe für dich, dass es den Himmel gibt, an den du so sehr geglaubt hast, und du jetzt dort bist und Socken strickst für all die, die du lieb hast.

    Nein, Oma, das hast du falsch gesehen. Das war keine Träne. Indianer weinen nicht. Hast du ja immer gesagt.

  63. Gut dass diese Muetzen mittlerweile durch das Vermummungsverbot strafbewehrt sind.. sonst wuerds sicher immer noch Eltern geben die das ihren Kindern antun 😉

    Ich werds meinen Eltern auch nie beibringen koennen, dass wenn sie fragen was ich mir wuensche, und ich „Nichts!“ antworte, auch „Nichts!“ meine. Selbst der nachdrueckliche Zusatz „und ganz besonders nichts zum Anziehen!!!“ verhallt wirkungslos. Jedes Jahr das gleiche.. Unterhosen in furchtbarem Schnitt, bunt gemusterte Socken und T-Shirts die entweder zu klein oder aus Plastik sind. 90% davon wandert direkt in den Kleidercontainer.. aber das scheint egal zu sein. Hauptsache es liegt was unterm Baum. „Ja aber was sollen wir dir denn sonst schenken?“…

  64. @ 68 Woo
    Doch diese Mützen kann man seinen Kindern noch straffrei aufsetzen, gibt es (auch die Wollversion) immer noch zu kaufen.
    Meine Tochter hat auch so ein Teil im Schrank liegen, konnte mich aber noch nicht überwinden, ihr das Ding aufzusetzen.

  65. PS: Pah – von wegen „Wolle meiner Kinderzeit“… Hab mir grad einen Pullover gekauft – Erinnerungen werden wach. 🙁

  66. @Robbi (66): Das wäre auch eine geniale Idee gewesen … aber ich glaube, mein Göttergatte war eher brav.

    Ich habe mir übrigens freiwillig eine Astronautenmütze gekauft – allerdings aus kuscheligem Fleece, für wenn ich im Winter mit dem Fahrrad zur Chorprobe fahre, und NUR DANN, da isses nämlich dunkel ;-))

  67. Hmm soll ich oder soll ich nicht?

    Doch ich tu’s – ich (*68) oute mich: Ich bin zum Zwecke des Skifahrens wieder auf die zusammengekordelten (natürlich mit einem Band in ausreichender Länge) Handschuhe zurückgekommen. Für mich ist der Gedanke, im Lift beim hin und wieder zwingend erforderlichen Naseputzen, einen Handschuh zu verlieren, eine immer wieder auftretende Horrorvision. Also kordele ich sie zusammen und kann völlig unbekümmert mit handschuhlosen Händen in den Taschen wühlen und Nase putzen. Ich empfinde das als einen sehr hohen Entspannungsfaktor!

    Und einen Adventskalender habe ich natürlich auch noch. Meine Oma hat mir einen gemacht, als ich so ca. 5 Jahre alt war. Das ist einer mit 24 goldenen Ringelchen, an die man etwas dranhängen kann. Und er hängt noch immer jedes Jahr, nur dass ich ihn mittlerweile selbst bestücken muss. Und seit ich mit meinem Mann zusammen wohne, hängen an jedem Ringelchen zwei Schokokugeln.

  68. Ein heimlicher Bruder! Bzw., wenn ich mich hier durch die Kommentare lese: Lauter heimliche Geschwister. Ich musste noch meine Arme hinhalten zum Riwwelwolle aufwickeln, aber ansonsten war es ganz genau so.

  69. Die Kings trugen Wrangler, die Loser Levis und so ganz arme Schweine wie ich bekamen Palominos von C&A oder noch schlimmer irgendeine Stretchhose vom Markt in Essen-Kray die mit einer Jeans nur die Farbe so halbwegs gemeinsam hatte.

  70. Die Jeans hiessen Jingler-Jeans und waren exakt 15 Mark billiger als die heißersehnte Wrangler. Irgendwann hatte meine Oma ein Einsehen und hat mir die 50 Mark für die Buxe gegeben, ich bin dann damit mit ner Scheuerbürste und Ata in die Wanne um das Teil alt aussehen zu lassen. Alt ausgesehen hab ich dann als meine Mutter rauskriegte, was ich mit der schönen neuen Hose anstelle.
    Gestrickt hab ich übrigens damals für mich selbst, war gerade angesagt Mitte der 70er…..

  71. Ich hab auch so ne Strickmutti und es irgendwann so gehasst, dass ich von oben bis unten eingestrickt wurde.
    Jetzt muss ich sie davon abhalten, das mit meiner Tochter genauso zu machen und lasse sie Puppensachen stricken.
    Ne Astronautenmütze und Handschuhe mit Kordeln hat meine Tochter auch, aber sie ist drei, und ich habe weder Lust, dass sie sich am Schal am Baum aufhängt, noch jede Woche neue Handschuhe zu kaufen.
    Wird sie älter, darf sie selber aussuchen.

  72. Mir laufen noch die Tränen vor lauter Lachen…
    Ich bin 63 Jahre und bei meiner Recherche „Kaffeekanne sucht Kaffeewärmer“ (wir eröffnen ein Nostalgie-Café u.a. für Kaffeekränzchen…) lande ich auf dieser Seite. Köstlich, ich werde meinen vornehmlich weiblichen und älteren Gästen sicher die ein oder andere Passage vorlesen. Und sie werden sich wieder erinnern und gemeinsam in Erinnerungen schwelgen. Danke für so viel Lebenserfahrung und danke für die köstlichen Kommentare der jungen Menschen…

  73. Hallo auch,
    herrlich, dieses Blogpost! Ich war auf der Suche nach einem Bild zur sogenannten Astronautenmütze und rutschte dabei hier herein. Da ich gerade ein paar Puppenkleider in meinem Blog beschreibe, die ich in den 60er-Jahren gestrickt habe, wollte ich erklären, was eine Astronautenmütze ist. Ich habe mir nun die Freiheit genommen, Ihr Blogpost bei mir zu verlinken. Auch einen Abschnitt über die Mütze zu zitieren. Besser könnte ich es nicht darstellen. Ich hoffe, damit kein Urheberrecht zu verletzen. Deswegen habe ich extra auf Ihre Seite verlinkt. Kommen Sie doch gern mal auf Gegenbesuch!
    Übrigens bestricke ich andere Menschen nur auf ausdrücklichen Wunsch. Und kratzen tut das Garn heute auch nicht mehr.

    Morgen treffe ich mich mit meinen Strickfreundinnen (alle zwischen 60 und 70). Ihr Blogpost kommt mit und wird zur Belustigung aller vorgelesen werden.
    Danke für die Möglichkeit, mich so lebendig an damals erinnern zu dürfen!

    Mit herzlichem Gruß,
    ULL-Rike

    Sollten Sie etwas gegen das Zitieren Ihres Textes einzuwenden haben, benachrichtigen Sie mich bitte, damit ich den Text wieder entfernen kann. Um meine Verwendung Ihres Textes im Umfeld zu sehen, musste ich ihn vor der Frage nach Zitierrecht einsetzen. Nun sind Sie dran … 😉 (ich habe die Nutzungsbedingungen gelesen …)

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