Das Smart-Grab

Das Smart-Grab ist da. Endlich!
Darauf haben wir alle gewartet.
Das Grab für den vernetzten, modernen Menschen für heute.
Sicher genau das Richtige für diejenigen, die gestern beim beinahe-nationalen Netzausfall erschreckt gesagt haben: „Was, kein Whattsapp? Müssen wir uns jetzt etwa unterhalten?“

Ich persönlich bin ja ein Freak, ein Technik-Junkie.
Ich bin von technischen Dingen fasziniert, sie sind heutzutage der Ersatz für das Spielzeug, das ich als Kind nicht hatte.
Aber ich pflege sozialen Umgang auf ganz altmodische Weise, ich telefoniere, ich treffe mich mit Leuten und ich rede mit diesen sogar persönlich.
Und vor allem: Ich kann mich noch verabreden!

Ich kann tatsächlich heute schon mit jemandem eine Verabredung für nächste Woche um fünf treffen. Und ich bin dann am verabredeten Ort und der andere auch.
Liebe Kinder, gebt fein acht, ich weiß also heute schon ganz genau, wann ich nächste Woche mit wem „was mache“.

Das ist anders, als bei meinen Kindern. Die sitzen manchmal angezogen im Wohnzimmer auf der Couch und starren auf ihr Handy.

„Auf was wartest Du?“, frage ich meine Tochter.

„Auf die Jessy.“

„Ja und?“

„Ja, keine Ahnung.“

„Wie? Keine Ahnung?“

„Ja, die meldet sich. Wir sind verabredet.“

„Du hattest mir doch vorhin erzählt, daß Du heute nicht verabredet bist.“

„Ja, wir sind halt spontan, wir jungen Leute. Das hat sich inzwischen so ergeben.“

„Toll. Und jetzt wartest Du genau auf was?“

„Ja, die Jessy hat sich auch noch mit der Lara verabredet und mit der Mia. Und jetzt ist die Fiffy sauer, weil die Mia auf Facebook was geliked hat. Das muß die Jessy jetzt erst mit ihrem Freund klären und dann schreibt die mir.“

„Aha, und bis dahin sitzt Du hier und wartest?“

„Ja, wir sind halt spontan und flexibel. So alte Leute, wie Du verstehen das nicht.“

„Doch schon. Aber wenn ich mich verabrede, mache ich mich kurz vorher fertig und gehe dann rechtzeitig los. Jedenfalls sitze ich nicht sinnlos auf dem Sofa und warte bis mir irgendwer schreibt.“

Gut, es kam dann so, daß meine Kleine noch eine Dreiviertelstunde wartete und dann urplötzlich los mußte. Tamara hatte geschrieben.

„Und was ist mit Jessy?“, frage ich.

„Keine Ahnung. die hat jetzt was mit der Lisa ausgemacht.“

Video gefunden von Oliver

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  • Veröffentlicht am: 29. November 2016
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

10 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Also Herr Wilhelm nun mal nicht so sarkastisch,die Bremer Bildungssenatorin möchte das Bremer Lehrer mit der Zeit gehen und dazu gehört ihrer Meinung nach auch das Mobiltelefone in den Unterricht eingebunden werden.Die Englisch Lehrerin sendet per Whatsapp ihren Schülern die Englischaufgaben und diese Antworten über den gleichen Weg,so kann die Pädagogin Zeitnah sehen wie der Wissenstand ihrer Schützlinge ist,so die Senatorin in einem Beispiel .Noch müssen die Schüler aber leider zur Schule gehen,wann auch dieser Unfug abgeschafft wird und der Unterricht nur noch Mobil stattfindet stand leider nicht in dem Zeitungsbericht.

    • Tja, und wer kein Handy oder Smartphone hat, der bekommt automatisch ne 6 .
      Meine Kinder haben ein „Handy“, damit sie anrufen können, wenn sie den Bus verpaßt haben.
      Mehr kann ich mir nicht leisten.

      • @Red Baron:

        Der Sprecher der GEW(Gewerkschaft) hat auf die Lehrmittelfreiheit unseres Bundeslandes verwiesen und gemeint das dann jedem Schüler ein Tablet zustehen würde und dann fügte er halt auch hinzu das es eben Schüler geben würde die sich nicht das neueste und schnellste Smartphone leisten könnten die würden ja sonst abgehängt.

  2. Bile wichtiger als irgendwelche modernen „Gadgets“ ist eher eine ordentliche Vermittlung des Lehrstoffes. Die ganzen elektronischen Geräte sind zwar toll, aber lenken davon ab, daß der eigentliche Schulstoff wie Mathematik, Deutsch, Physik, etc. nicht mehr ordentlich vermittelt wird.

    Es ist ein großer Unterschied, ob man die Formel in einen Taschenrechner eintippt und der einem das Ergebnis sagt oder ob man das selbst ausrechnen kann und weiß, daß der Taschenrechner/das Tablet wegen einem Tippfehler falsch gerechnet hat.

    • @Lochkartenstanzer: Jaja, Deutsch – meinen Kindern muss ich auch immer erklären, dass es „wegen eines Tippfehlers“ heißt… ;-)

      Und da kommt dann immer:
      „Aber du weißt ja, was ich meine!?“
      „Ja, schon, aber falsch ist’s trotzdem – und wenn du das auch im Deutschunterricht ‚raushaust, kommt das nicht gut an.“
      „Im Deutschunterricht mach‘ ich das ja auch nicht“

      Ja nee, is‘ klar…

      • @Matze65:

        Es soll Gegenden in Deutschland geben, da ist der Dativ das Genitiv, und das sogar ganz regulär. :-)

        Wir könnten uns wunderbar darüber streiten, ob und in welcher Gegend das so richtig formuliert wäre, aber die Benutzung des Genitives ist in dieser Gegend wenn schon nicht verpönt, so doch sehr eingeschränkt.

  3. Meine Tochter ist auch nur am wischen! Aber wenn ich etwas sage, wird mit der Abschiebung in ein rumänisches Altenheim gedroht!

  4. Bei diesen ganzen Diskussionen wird einem aber klar, die Kinder sind nicht dazu da, um in der Schule Wissen zu erwerben und sich Gedanken zu machen, sondern sie werden ausgebildet in dem Sinne wie es die Industrie benötigt.

    So weit sind wir nicht von den Fabrikschulen, unsere Schulen sind die direkten Weiterentwicklungen, des 19 Jahrhunderts entfernt.

  5. Pingback: Das smarte Grab – stohl.de

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