Horrorfilm – Oma während der Kinovorstellung verstorben

Es gibt Aufträge, die man nicht gerne macht, die aber vielleicht deshalb bestimmt lange in Erinnerung bleiben werden. So auch der von heute Abend.

Der Anruf ging gegen 17.30 Uhr ein, die Polizei beauftragte uns, eine ältere Dame abzuholen und gab die Adresse durch. Unser Mann am Telefon hat sich bei der Adresse nichts weiter gedacht, es war eine in der Innenstadt. Wir, die wir nicht in der Innenstadt wohnen, verbinden ja mit bestimmten Straßennamen und Hausnummern eventuell Geschäfte, die dort sind, bedenken aber oft nicht, daß da ja auch eine Menge Wohnungen sind.

Unsere Fahrer kamen gegen 18 Uhr an der angegebenen Anschrift an und kurz darauf ging mein Telefon. Bei der Adresse handelte es sich um einen der großen Kino-Paläste. Während der Vorstellung ist eine 68jährige Dame, die ihre kleine Enkelin in die Vorstellung begleitet hat, friedlich eingeschlafen, aber leider nicht mehr wach geworden. Nach dem Vorfilm wollte die Enkelin die Oma um Geld für Popcorn bitten und merkte, daß mit der Oma etwas nicht stimmt.

Die jungen Männer vom Kino waren mit der Situation völlig überfordert und haben der alten Frau eine Jacke über den Kopf gehängt und wollten die Vorstellung weiterlaufen lassen. Selbst auf der Titanic habe man bis zum Schluß gespielt…
Glücklicherweise gibt es auch eine Kinomanagerin, auch nicht viel älter, aber cleverer. Sie hat die Vorstellung dann unterbrochen und durchgesagt, das Publikum könne in der Halle ein kostenloses Getränk einnehmen.

Als unsere Männer ankamen, standen rund hundert Leute vor dem Vorführungsraum, Polizei und Arzt waren noch zugange.

Der Abtransport erfolgte dann hintenrum über den Hof.

Ich stelle mir nur vor, was das für das kleine Mädchen bedeutet und wie so eine Sache auf die vielen anderen Kinder in der Vorstellung wirkt.
Mein erstes Kinoerlebnis ist mir noch gut in Erinnerung. Aber ob das bei diesem kleinen Mädchen auch so sein wird, wage ich zu bezweifeln.

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  • Veröffentlicht am: 27. Oktober 2007
  • 20 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

20 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Mal wieder ein Beispiel dafür, dass die Menschen in unserer Kultur nicht mit dem Tod umgehen können. Solange es nötig ist, die tote Oma vor den anderen Besuchern zu verstecken, stimmt etwas nicht.

  2. Das ist echt bitter! Die kleine wird wohl jetzt erstmal nicht mehr mit Verwandten ins Kino gehen denke ich!

  3. Ist so doch um vieles besser, als wenn sie (die Kinder) z.B. hätten sehen müssen, wie Ömchen auf der Strasse im wahrsten Sinne platt gemacht worden wäre.

    Der Tod gehört zum Leben und findet nicht nur im Kino statt. *1€ in die Platitüdenkasse*

  4. Solange es nicht "Stirb langsam" war =) …

    – Verzeihung, ich zahle auch in die Kasse.

  5. Interessante Story, aber man findet dazu NICHTS im Netz :)

  6. Auweia. Das arme Kind. Wie alt war die kleine denn? Ich hoffe, sie hat den ersten Schock gut überwunden.

    @Thomas Karer: Jeder weiß, dass die Stories hier abgeändert werden. Vielleicht war es auch der Onkel, der mit seinem Neffen im Theater war oder sonstwer auf einer öffentlichen Veranstaltung… Ist doch auch egal, solange der Kern der Sache erhalten bleibt.

  7. @Thomas

    warum sollte man etwas finden???

    Die Sache ist doch so schon traurig genug fürs Kind als das man darüber in der Zeitung berichten müßze und vielleicht ist die Geschichte ja auch schon ein wenig her….

  8. Na bitte, steht doch oben drüber: Es war ein Horrorfilm …

    naja, zumindestens für die Kleine :-((

  9. Ich wusste es: Die elenden Vorschauen im Kino SIND tödlich !

  10. Die Sache ist doch so schon traurig genug fürs Kind als das man darüber in der Zeitung berichten müßze

    Stimmt. Und Journalisten sind ja bekanntermaßen derart feinfühlig, daß sie auf sowas stets Rücksicht nehmen. ;-)

    Ein anderer Thomas.

  11. Hmm, einfach die Vorstellung weiterlaufen lassen wäre am besten gewesen… So hätte man die Leute, ohne das jemand was von mitbekommt da rausbekommen…

    Andere möglichkeit wäre raustragen gewesen ;)

  12. Mir wär danach nicht mehr nach Kino gewesen. Hätte ich in der Vorstellung gesessen, wäre ich nach Hause gegangen, anstatt ein kostenloses Getränk zu trinken. Wie makaber. Die Vorstellung einfach weiterlaufen zu lassen, während eine Tote im Publikum "sitzt", finde ich schon sehr makaber …

  13. >wie so eine Sache auf die vielen anderen Kinder in der Vorstellung wirkt.

    Da sie die Verstorbene ja nicht gekannt haben und auch nicht direkt Zeugen des Sterbens waren, denke ich, das wird sie vielleicht beschäftigen, aber nicht traumatisieren. Irgendwann wird ja ein Kind sowieso mal mit dem Tod konfrontiert. Bei mir war das mit fünf der Tod der Oma. Das hat mich auch damals sehr beschäftigt. Auch das Bild, wie sie im (damals wirklich noch) Zinksarg weggetragen wurde, habe ich bis heute vor Augen.

    Wo wir schon beim Thema sind, wie ist das eigentlich mit den Kindern eines Bestatters, wie reagieren die auf den Beruf der Eltern, auf Tod und Sterben ? Gibt es da nicht auch blödsinnige Hänseleien in der Schule ?

  14. es gibt auch leute, die während des Fluges sterben. Da kann man auch nicht einfach aussteigen.

    also, einfach akzeptieren, dass der tod zu leben (oder zum tod?) gehört.

  15. Erstaunlich ist bei solchen Geschichten doch immer wieder, wie «aufregend» oder «ungewöhnlich» der Tod hierzulande leider ist.

  16. Im Großen und Ganzen dennoch ein "schöner Tod". Ein netter Film in Begleitung mit der Enkelin, eine glückliche Situation, friedlich einschlafen… Einfach viel besser als in der Intensiv im Krankenhaus, verwahrlost und alleingelassen im Altersheim oder einsam ohne Angehörige in einer Mietwohnung. Es kommt auch enorm darauf an, WIE man es den Kleinen erklärt. Ich kann mich an den Tod meines Opas erinnern, als meine Cousine zu ihrem Neffen sagte "Der Uropa sitzt jetzt da oben auf einer Wolke!" und deutete gen Himmel. Kinder sollten immer miteinbezogen werden. Trauer ist ein natürliches Gefühl, man vermißt eine Person, aber der Tod an und für sich kann durchaus als etwas Angenehmes erklärt werden. Aber das hängt auch viel von dem Empfinden der Angehörigen ab!

    Etwas Verständnis sollte man auch den Männern entgegenbringen, wahrscheinlich Studenten, die hier jobbten, die waren sichtlich überfordert mit einer für sie noch nie dagewesenen Situation…

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