Knipperdolling – Knippidolleck – Knipidoleg

Tom, Du scheibst: „Knippidolleck“ bezeichnet einen eher bösartigen, hartherzigen Menschen vom Type eines Ebenezer Scrooge. In unserer Familie wird „Knippidolleck“ aber fast ausschließlich für etwas kurzarmige kleine Männer verwendet.

Autsch! Ich bin eher das Gegenteil von Ebenezer Scrooge. Soviel Geld hab ich leider auch nicht. Obwohl ich klein und leider etwas betont kurzarmig bin. Das hat übrigens den Vorteil, dass die Ellenbogen nicht so weit herausstehen.

Ich kann für das Wort nix, das haben meine Vorfahren schon Ende des vorletzten Jahrhunderts aus Ostpreußen mitgebracht. Knipperdolling ist einer der Namen des Teufels und es gab einen sehr berühmten Wiedertäufer Bernhard Knipperdolling, der bereits 1536 erst mit glühenden Zangen gequält, dann erdolcht und schließlich in einem eisernen Korb am Turm der Lambertikirche zu Münster (übrigens die einzige Stadt, die nur Münsterkirchen hat!) hochgezogen wurde bis die Vögel ihn gefressen hatten.

Welcher dieser beiden, also Teufel oder Wiedertäufer (vielleicht war es auch der Widerteufler) nun für unseren Knippidolleck Pate gestanden hat, das weiß kein Mensch so ganz genau. Da Bernhard ja schon so mit Nachnamen hieß, ist es nicht ganz unwahrscheinlich, daß es noch weitere Personen gab, die so genannt wurden und einer von denen muß klein und kurzarmig gewesen sein, sonst wäre dieser Begriff nicht ausgerechnet für diese Leute erhalten geblieben.

Irgendeine Wertung ist damit zunächst nicht verbunden. Zugegebenermaßen wird es aber von mir in einem eher abwertenden Kontext benutzt, jedoch bezieht sich die Abschätzigkeit nicht auf das Erscheinungsbild der Person, sondern auf das vorangegangene Verhalten.

Solltest Du also nicht mit Fahrrädern über Friedhöfe schieben und Trauergesellschaften stören, oder beim ALDI anderen mit dem Einkaufswagen absichtlich in die Hacken fahren, dürfte es sehr unwahrscheinlich sein, daß Dich ein zufällig anwesender Ostpreuße so betitelt.

Download PDF PDF erzeugen
  • Veröffentlicht am: 18. August 2009
  • 10 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

10 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Korrektur:
    Natürlich hat die Stadt Münster nicht nur Münsterkirchen, sondern auch – wie es sich für einen Bischofssitz gehört – einen Dom, nämlich den St. Paulus Dom!

    „Münster“ heissen Kirchen immer dann, wenn dort Mönche waren, ein „Dom“ ist immer eine Bischofskirche.

  2. @1: nana, wenn schon klugscheissen, dann richtig – die kirche eines bischofssitzes ist immer eine kathedrale, die man auch als dom bezeichnen kann, wogegen ein dom aber eben nicht unbedingt auch eine kathedrale sein muss. ist doch alles ganz einfach :)

  3. Deutsches Wörterbuch von Jakob und Wilhelm Grimm:

    KNIPPERDOLLING, m., verhüllendes scherzwort, crepitus ventris: indem es nu wieder aufheben wil, lest er … ein so mächtigen knipperdolling ausz dem hindergestell wüschen, dasz davon das ganze gemach erzitterte. wisbadisch wiesenbrünnlein […] (Darmst. 1611)

    Auch in der Wendung „knipperdollichte(r) sturmwind“ steht „Knipperdolling“ wohl für „Blähung“.
    Wie das mit dem Knipperdolling in Münster zusammenhängt, dazu vermerkt das Grimm’sche Wörterbuch nur ein Fragezeichen. Das war der Stand der Sprachwissenschaft 1873.

    Mal schaun, was die nächste Auflage so bringen wird:
    http://www.volksfreund.de/nachrichten/kultur/kulturwelt/Kulturwelt-Sprache-Forschung;art651,2142945

  4. Meine Oma kommt auch aus Ostpreussen, aber dieses Wort hab ich nie gehoert. Dafuer solche Sachen wie „Marjelchen“ und „Lorbas“

  5. [img]http://img25.imageshack.us/img25/1955/180pxmuensterlambertiko.jpg[/img]

    Hier ein Bild der Körbe aus dem
    [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Lambertikirche_(M%C3%BCnster)#T.C3.A4uferk.C3.B6rbe]Wikipedia-Artikel[/url]
    [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Lambertikirche (Münster)]Wikipedia-Artikel[/url]
    [url]http://de.wikipedia.org/wiki/Lambertikirche_(Münster)[/url]

    [url]http://de.wikipedia.org/wiki/Lambertikirche_(M%C3%BCnster)#T%C3%A4uferk%C3%B6rbe[/url]

    Und dein BB-Code ist kaputt. :-/

  6. @Martin Rath: Danke für die Aufklärung, diese Version gefällt mir besser, da sie mich dann nicht betreffen kann.
    @Kathrin: oder als unverfänglicher Fachausdruck: Flatulenz fulminant, auch cerebral möglich.

  7. Ich hätte Knipperdolling jetzt auch eher in NRW verortet als aus Ostpreußen stammend – Münsterland?

Schreibe einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Bitte beachte die Nutzungsbedingungen des Bestatterweblogs!

Du bist ein Troll? Fein! Dir kann geholfen werden. Klicke hier!

Dein Kommentar ist nicht erschienen? Dann klicke bitte hier für weitere Informationen!

Diese Smileys kannst Du nutzen, und das bedeuten die Zeichen oben in der Textbox.