Muslime wehren sich gegen die Sargpflicht in Bayern

Denn sie macht eine Bestattung nach islamischem Recht unmöglich. Doch alle Versuche, die Sargpflicht abzuschaffen, waren bislang vergeblich.

Mehr dazu hier: http://www.sueddeutsche.de/…sargpflicht-in-bayern…

gefunden von Frank

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  • Veröffentlicht am: 30. März 2016
  • 16 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Fundstücke

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Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

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  1. Zitat: „Es gibt Bestrebungen, die Sargpflicht in Bayern abzuschaffen. Die Grünen haben im vergangenen Jahr einen Antrag gestellt. Mitte dieses Jahres gab es dazu eine Expertenanhörung im Innenausschuss des Landtages. Sowohl die evangelische und die katholische Kirche als auch die Kommunalverbände begrüßten damals den Vorschlag, muslimische Bestattungen zu erleichtern.
    Auch vom Gesundheitsamt gab es keine Einwände. Trotzdem wurde der Gesetzesvorschlag jetzt von der CSU abgelehnt. Florian Herrmann (CSU), Vorsitzender des Innenausschusses im Landtag, sieht als Begründung für die Ablehnung schlicht keinen Bedarf an einer Gesetzesänderung.“

    Wieso überrascht es mich nicht, dass die CSU hier „keinen Bedarf“ sieht? Man könnte jetzt ja darüber fabulieren, dass angeblich die meisten AfD-Anhänger Seehofer besser finden als ihre eigene Vorsitzende, und da einen Zusammenhang zwischen dem Rechtsausleger der Union und solcher nicht gerade freundlicher, aufgeschlossener Haltung konstruieren wollen. Aber das tue ich nicht, das wäre ja unredlich. Es wirkt insgesamt kleingeistig und rückwärtsgewandt, sich so äußern – argumentieren kann man das ja nicht nennen.

    Auf der zweiten Seite wird es noch besser:
    „Jörg Freudensprung, Geschäftsstellenleiter des bayerischen Bestatterverbands, geht es nach eigener Aussage aber nicht um die Einnahmen. Er habe nur Bedenken wegen der Hygiene. Wenn die Träger den Verstorbenen direkt anfassen, könnten Krankheitserreger übertragen werden. Außerdem müsste man die Bestattung ohne Sarg von der Bodenbeschaffenheit abhängig machen, um sicherzustellen, dass der Körper verwesen kann, sagt Freudensprung.

    Auch wenn er durchaus sieht, dass Muslime schon eine Art Sargersatz hätten: Im Grab wird der Verstorbene nämlich traditionell mit Holzbrettern bedeckt. Dadurch entsteht ein Hohlraum, der eine ähnliche Wirkung bei der Verwesung hat wie ein Sarg. Der Einsatz solcher Holzbretter müsse aber trotzdem rechtlich geregelt werden, bevor man die Sargpflicht abschafft, fordert Freudensprung.“

    Soso, die Hygiene ist also ein Problem. Das Argument halte ich für reichlich hergesucht. Der Bestatter kommt ja, wie man weiß, wenn man hier mitliest, routinemäßig mit dem Toten in Berührung. Bei den Muslimen ist es ja wohl auch nicht ungewöhnlich, dass die Angehörigen sich um die Versorgung der Leiche kümmern. Bei den Beerdigungen sieht man nach meiner Erinnerung auch, dass die Leiche eben nicht „einfach so“ getragen wird, was ja auch wahrscheinlich nicht sehr würdevoll wäre, sondern auf einem Brett oder in einer Art offenen Sarg, und zudem in ein Tuch eingeschlagen ist. Der Kontakt zur Leiche dürfte für die Träger relativ gering ausfallen. Oder hat Herr Freudensprung Angst vor Leichengift?
    Dazu kommt die kurze Frist bis zur Bestattung, die sich im arabischen Raum sicher genau deswegen als Tradition herausgebildet hat, um der unter großer Hitze oftmals schnell einsetzende Verwesung zuvorzukommen – dürfte hierzulande überwiegend unproblematisch sein.

    Das mit dem Verwesen passt prima zum vorhergehenden Artikel mit den Wachsleichen, die sich vor allem durch die Bodenbeschaffenheit bilden – da scheint der Sarg eher geringen Einfluss zu haben. Und wenn muslimische Gräber auch hierzulande für die Ewigkeit angelegt werden, ist das ja sowieso egal.

    Das letzte ist mal wieder die Pointe: rechtliche Regelung – damit wir auch merken, dass wir in Deutschland sind.
    Alles in allem kann mich der Herr Freudensprung überhaupt nicht überzeugen, das sind eher mühsam zusammengesuchte Versuche, eine nicht mehr haltbare Position zu begründen.

  2. Man muss es ja nicht immer jedem recht machen. Es ist in Europa eben üblich in einen Holzkasten gelegt oder verbrannt zu werden. Wem das nicht passt, der kann ja auch problemlos seinen Leichnam in ein anderes Land überführen lassen und dort nach dem Ritus, der einem besser passt unter die Erde bringen lassen.
    Ich käme auch nicht auf die Idee, wenn ich in einem anderen Land lebe, die dortigen Gepflogenheiten abschaffen zu wollen und zu erzwingen, dass mein Spleen da möglich sein muss. Rücksichtnahme und Toleranz ja, aber bitte von allen Seiten.

    • @Kitschautorin: @pflaegermeister:

      Stell dir vor, es gibt auch deutsche Muslime, die hier geboren sind und deren Heimat Deutschland ist. Warum sollte man die in ein anderes Land überführen?
      Das klingt wie die Volltrottel, die gegen die Gleichstellung der Ehe wettern, weil sie Angst haben, sie müssten jetzt Homosexuelle heiraten. Es nimmt doch niemandem etwas weg, wenn Muslime traditionell bestattet werden. Du kannst dich nach wie vor in die Kiste leben.

      Toleranz ist eh nur Verachtung mit Blümchen. Akzeptanz ist das Zauberwort. Das sage ich als Glaubensfreier, der sich sonst mit Religion eher nicht belastet. :-)

  3. Man möchte doch aber in dem Land, das die eigene Heimat ist, begraben werden. Und ansonsten bin ich beim anderen Stefan.

        • @Kitschautorin:
          Recht haben und Recht bekommen sind 2 paar verschiedene Schuhe. Ich hab in meinem persöhnlichen Umfeld Verwandte die zum Teil hier geboren sind, und sich dennoch nicht hier bestatten lassen wollen. Klar ist das die Gesetze gelockert werden. Ich möchte hingegen in Deutschland tibetisch bestattet werden. :p

          • @QLance:

            Du verwechselst da etwas. Es ist so, daß viele Muslime, die hier in der 3. oder höheren Generation leben Deutschland als Ihre Heimat ansehen, auch wenn sie die Kontakte in die Herkunfstländer Ihrer Großeltern noch nicht ganz gekappt haben. Deswegen habe ich Dir widersprochen, daß Deutschland für Muslime keine Heimat sein könnte.

            Was hingegen die Beerdigungsriten angeht, so gibt es doch einen kleinen Unterschied, ob man jemanden mit oder ohne Holzkasten in der Erde verbuddelt, was imho keinen so großen Unterschied machen dürfte, oder ob man jemanden auf die Wiese legt, damit ihn, in Ermangelung von Geiern in diesen Landstrichen, die Spatzen fressen.

  4. Bezüglich der im Artikel angesprochenen Hygiene: Wäre vielleicht als Kompromiss eine Art Klappsarg, wie er in Österreich gebräuchlich war, denkbar? Auf dem Weg zum Grab im Sarg (damit niemand den Toten berühren muss), hinabsenken, Klappe auf und der Verstorbene kann ohne Sarg begraben werden.

  5. Da wird es zu keiner Lösung kommen in nächster Zeit. Die CSU und ihre auf Linie getrimmte Beamtenschaft wird sich nicht das Recht nehmen lassen, auch nach dem Tod noch die Herrschaft zu behalten über den Menschen. Das hat nichts mit Anti-Islamismus zu tun, das trifft genauso andere Leute, die etwa die Asche mitnehmen möchten. Dem klassischen CSUler ist es einfach völlig unverständlich, daß irgendein Mensch irgendetwas anders machen möchte als er selbst nach dem fünfzehnten Bier. Das ist keine Frage von Umwelt, Hygiene oder sonstwas, da geht es um die Beherrschung des Menschen, bis zuletzt.
    Auf den nationalistischen Nonsens eines pflaegermeisters muß man gar nicht eingehen, er leugnet einfach das Selbstbestimmungsrecht des Individuums, das ist doch irgendwie einfach 17., vielleicht 18. Jahrhundert oder moderner islamischer Staat, aber nicht unsere angeblich freie Gesellschaftsidee. Wenn ich Gast bin, passe ich mich natürlich an die lokalen Gepflogenheiten an (schlage dann halt in manchen Ländern auch meine Frau :-)), aber wenn ich begraben werde, bin ich kein Gast mehr sondern Teil dieses Landes, dieser Gesellschaft, und wo ich lebe und wohne, darf ich mehr und mehr meine eigenen Verhaltensmuster einbringen, auch wenn sie den Alteingesessenen nicht gleich gefallen.

  6. Es wird für uns alle eine neue spannende Zeit heranbrechen! Ich freue mich schon darauf!

  7. In Berlin ist das Bestatten im Tuch ohne Sarg aus religiösen Gründen übrigens (schon) erlaubt: § 18 II 1 BestattungsG: Bestattungsort

    (1) Erdbestattungen dürfen nur auf öffentlichen (landeseigenen und nichtlandeseigenen) Friedhöfen vorgenommen werden. Die zuständige Behörde kann Ausnahmen zulassen.

    (2) Abweichend von der Pflicht nach § 10 Satz 1, in einem Sarg zu bestatten, können Leichen aus religiösen Gründen auf vom Friedhofsträger bestimmten Grabfeldern in einem Leichentuch ohne Sarg erdbestattet werden. Die Leiche ist auf dem Friedhof bis zur Grabstätte in einem geeigneten Sarg zu transportieren.

  8. Die Leiche ist auf dem Friedhof bis zur Grabstätte in einem geeigneten Sarg zu transportieren

    Auch eine Lösung, wenn man den Verstorbenen nicht wie einen Sack über den Friedhof tragen will!
    Gab es auch im Krieg, weil man nicht genug Särge hatte.

    • @Josef:

      > Auch eine Lösung, wenn man den Verstorbenen nicht wie einen Sack über den Friedhof tragen will!

      Also in islamischen Ländern wie der Türkei ist es üblich, das man die Toten auf einer Bahre bis zum Grab trägt und erst am Grab vom der Bahre in das Grab hebt. Die werden also nicht wie ein Sack Kartoffeln durch die Gegend getragen. Und da sie in ein Tuch eingewickelt sind, muß auch keiner unfreiwillig einen Toten sehen.

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