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Radfahrertode

Ueber diesen Einzelfall hinausgehend, was sind denn die haeufigsten Gruende warum Radfahrer auf deinem Edelstahltisch landen?

Gruende wie zum Beispiel „nachts ohne Licht unterwegs“, „von Autofahrer uebersehen“, „Herzinfarkt“ oder „bei Rot ueber eine Ampel gefahren“.

Kurze Version:
Kopftraumata

Längere Version:

Schwere Kopfverletzungen nach dem Sturz vom Fahrrad. Wodurch diese Stürze ausgelöst werden, ist für den tödlichen Verlauf, nach meiner beruflichen Erfahrung, zweitrangig.
Wir hatten schon ältere Leute, die einfach aus Altersgründen beim Absteigen hängen geblieben sind und mit dem Kopf auf einen Bordstein gefallen sind. Es gab auch schon ganz junge, sehr durchtrainierte Leute, die im Wald gestürzt sind.

Doch: Die weitaus meisten Toten kommen nach Unfällen im Straßenverkehr zu uns auf den Tisch. Nicht immer erfahren wir die näheren Umstände, aber mein persönlicher Eindruck ist, daß der Grund „beim Rechtsabbiegen eines Autos im toten Winkel übersehen“ doch häufiger vorkommt, als andere.

Wir hatten noch keinen einzigen Fall, in dem jemand, der einen Fahrradhelm trug, ums Leben gekommen ist.

Und: Im vorliegenden Fall des Jungen Fabian handelt es sich nicht um schwere Kopfverletzungen, sondern um innere Organblutungen.

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Peter Wilhelm28. Mai 2012

50 Kommentare von 140489.

  1. @undertaker:

    Bei dem Punkt „Kopftraumata im Strassenverkehr“ habe ich gleich die naechste Frage:

    Auch wenn das vielleicht uncool aussieht gibt es Studien die besagen dass es selbst in Autos mit Airbags weniger Tote und Schwerverletzte geben wuerde wenn alle Autoinsassen Helme tragen wuerden.

    Wie ist da dein Eindruck aus der Praxis?

  2. Also Helm im Auto fehlte mir ja und auf die Idee wäre ich auch noch nicht gekommen – aber hier in der Großstadt setze ich mich trotz hervorragend ausgebautem Radwegenetz (Kiel ist immerhin zweitradfreundlichste Stadt Deutschlands) nicht ohne Helm aufs Rad. Wer einmal so einen Unfall und die Blutlache gesehen hat, wird das verstehen können.
    Und ja: Rechtsabbiegende Autos sind wirklich gefährlich. Ich bin Vielfahrer (also Auto) und jeder kennt die Routine, die einen da manchmal anfällt – aber vorm Rechtsabbiegen gucke ich gern mal 2 Sekunden länger.. Was leider nicht gegen Fahrradfahrer hilft, die mit Affenzahn auf der falschen Seite auf dem Fußweg fahren *mpf*.
    Darum bin ich eigentlich auch Verfechter des abgetrennten Radstreifens auf der Fahrbahn – da sieht man die Radfahrer nämlich schon, wenn man sie überholt, und nicht erst wenn sie vom Fuß&Radweg hinter den Bäumen hervorgeschossen kommen. Als Radfahrer bietet sich mir da nur das Problem, dass eben jene Radstreifen ständig in zweiter Reihe zugeparkt werden – und dann wird’s erst richtig gefährlich, die Parker zu überholen… Vom Regen in die Traufe…

  3. Eine Helmdiskussion?

    Was gibt es dazu Diskutieren?

    Ein Helm schützt und rettet leben, das ist FAKT!

    Wer ihn trägt, trägt ihn und wer ihn nicht trägt, trägt ihn nicht. Über die Vor- und Nachteile des eigenen Handelns sollte dann jeder selbst reflektieren können.

  4. Na, es trägt ja auch kein vernünftiger Radfahrer einen Helm, weil die eh nix bringen. Daher die seltenen Todesfälle. 8)

    Beim Judo gelerntes Abrollen ist viel effektiver, das sagen alle Experten[tm].

  5. Wenn du mit dem Kopf auf den Randstein knallst, nützt dir dein Abrollen aus dem Judo auch nichts. Oder hast du das Abrollen mal mit Fahrrad unter dem Hintern geübt?
    Der Kopf knackt auf der scharfen Kante wie eine Kokusnuss.

  6. @Lukas: Das Problem bei diesem „Fakt“ ist, dass er zwar auf den ersten Blick einleuchtend scheint, es aber keine wissenschaftlichen Studien gibt, die eine Nutzwirkung belegen. In Australien hat sich z.B. die Anzahl der Kopfverletzungen nach Einführung einer allgemeinen Helmpflicht prozentual erhöht.

    Aber wie du schon sagtest: Wer will, soll ihn tragen, wer nicht will, soll es sein lassen.

  7. Ich möchte am Rande der Diskussion nur mitgeben, dass ein sich am Lenkrad abstützender Autofahrer nicht nur beide Ellenbogen bricht, sondern bei 15 km/h (dreifache Fussgängergeschwindigkeit) schon durch die Windschutzscheibe wandert, so er nicht angeschnallt ist.

  8. Helme nuetzen. Zwar mag die Gesamtzahl der Unfaelle zunehmen weil die Leute denken mit Helmen koennte ihnen nichts mehr passieren dafuer nimmt aber die Zahl der Kopfverletzungen ab die bei Radfahrern eben die kritischsten sind.

    Ich trage immer einen Helm und werde das auch immer tun! Allein schon weil ich einmal vermutlich im Krankenhaus gelandet waere haette ich keinen Helm aufgehabt.
    So blieb es dabei das meine Wange so aussah als ob ich einen Bandschleifer gekuesst haette. Zum Glueck war es nicht so schlimm wie es aussah. Da kam noch einiges an Dreck und der Grund fuer den Unfall, Oel, dazu. Trotzdem haben mich die Leute angesehen als ob ich gerade zum Bestatter gehen wuerde (als Kunde) ;-)

  9. Ja ja und wenn man nur dran glaubt dann hilft der Helm, schön das hier dinge die nicht Wissenschaftlich erwiesen werden konnten einfach aus Emotionalen Gründen für Wahr erklärt werden, ich möchte zudem anmerken das fast alle unbeleuchteten Geisterfahrer die mir nachts das Leben schwer machen, Helm tragen und/oder Reflektormanschetten um haben, frei nach dem Motto wenn ich nen Helm aufhabe kann mir nichts passieren.

    Daher, weniger auf den Helm verlassen, mehr auf das was dieser Schützen soll, Hirn und Licht an, vorm abbiegenden LKW hilft auch der Helm nicht.

  10. Zum Thema Risikokompensation
    http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/hintergrund/279261.html

    ================

    Britische Studie: Radfahrer mit Helm tragen auf Straße höheres Risiko
    Dr. Ian Walker von der Universität Bath hat in einer Studie herausgefunden, dass Radfahrer, die einen Fahrradhelm tragen, ein weitaus höheres Risiko tragen, auf der Straße von Kraftfahrern angefahren zu werden.
    Für die Untersuchung maß Walker auf seinem mit Sensoren ausgerüsteten Fahrrad die Abstände von insgesamt 2.500 vorbeifahrenden Fahrzeugen. Dabei wurde er sogar zweimal, einmal von einem Bus und einmal von einem LKW, angefahren. Beide Male trug er einen Helm.
    Durchschnittlich etwa 8,4 Zentimeter mehr Abstand gestanden die Autofahrer dem Wissenschaftler ohne Kopfbedeckung zu. Als Grund nannte Walker die weit verbreitete Auffassung, dass Radler mit Helm über mehr Erfahrung verfügen. Diese Auffassung sei allerdings völlig unbegründet.

    Quelle:http://www.timesonline.co.uk/article/0,,2-2353650,00.html

  11. „Wir hatten noch keinen einzigen Fall, in dem jemand, der einen Fahrradhelm trug, ums Leben gekommen ist.

    Und: Im vorliegenden Fall des Jungen Fabian handelt es sich nicht um schwere Kopfverletzungen, sondern um innere Organblutungen.“

    Das heisst, hätte er einen Fahrradhelm getragen, hätte ihm das auch nicht das Leben gerettet?

  12. Ich bezweifle, daß es überhaupt irgendein Mittel gibt, das einem Radfahrer bei einem frontalen Zusammenstoß mit einem 70 km/h schnellen Fahrzeug das Leben retten kann. Insofern ist diese, durchaus in ihrer Tendenz zu erkennende, Frage unbedeutend.

  13. Ein Alptraum: Eine Fahrradhelmdiskussion bei meinem Lieblingsbestatter.

    Es gibt nicht eine, ich widerhole, nicht eine einzige statistisch korrekte Untersuchung, die belegt, dass Fahrradhelme eine signifikante Schutzwirkung haben. Die meisten Diskussionen werden auf emotionaler Ebene mit tragischen Einzelschicksalen zum Stützen von Argumenten benutzt. Besonders hervor treten dabei eine gewisse Polizistin aus dem Kreis Gütersloh und die Hannelore-Kohl-Stiftung, die behauptet, dass Fahrradhelme bei 85% aller Unfälle mit Radfahrerbeteiligung die Verletzungen entscheidend vermindern oder gar vermeiden können. Das dieser Wert bei dem bisschen Schaumstoff und Plastik zu hoch ist und damit nicht korrekt sein kann, dürfte dabei jeder Blinde sehen.

    Der Fahrradhelm befindet sich auf dem Schädeldach, kann also maximal nur diese Stelle schützen. Ich habe in 30 Jahren auf dem Fahrrad weder als Kind noch als Erwachsener einen Sturz gehabt, der annähernd meinen Kopf in Gefahr gebracht hätte, aus meinem persönlichen Umfeld ist mir so etwas auch nicht bekannt. Ich kann mir kein Unfallsszenatrio vorstellen, bei dem ein Radfahrer bei einer Kollision mit dem Kopf aufprallt und keinen Genickbruch erleidet, sodaß ein Fahrradhelm die Möglichkeit hat, Kraft zu absorbieren.

    Außerdem vergrößert ein Fahrradhelm den Durchmesser des Kopfes und damit auf die Hebelwirkung bei seitlicher Krafteinwirkung, d.h. wenn ein behelmter Kopf über Asphalt schrammt und sich verkanntet, ist die Hebelwirkung auf das Genick in jedem Falle höher als ohne Helm. Wo es ohne Helm vielleicht zu Abschürfungen der Kopfhaut käme, ist die Wahrscheinlichkeit mit Helm ebenfalls höher, durch Verletzungen des Halswirbels eine Querschnittslähmung zu erleiden oder sein Leben auszuhauchen. Besonders gefährlich sind dabei Helme mit einem verlängerten, spitz zulaufendem Hinterkopf (Bürzel), da bei diesen Modellen die Hebelwirkung nochmal größer ist.

    Kinder sollten auf Spielplätzen mit Spielgerüsten in jedem Falle nur ohne Helm spielen, da hier die Gefahr besteht, mit den Riemen hängenzubleiben und sich Strangulationen zuzuziehen, oder gleich mit dem Helm samt Kopf steckenzubleiben mit den möglichen Folgen.

    Die Studie von Prof. Dr. Ian Walker, Uni Bath (UK) kenne ich nur in Grundzügen, allerdings ist allein hier schon klar die Tendenz zu erkennen, dass Kraftfahrer den behelmten Radfahrer für kompetenter halten als den Radfahrer ohne Helm und ihn daher auf mit höheren Geschwindigkeiten und deutlich weniger Sicherheitsabstand überholen.

    Die Radfahrer, die ich im Alltag sehe, die mit Helm und sonstiger Sicherheitsausrüstung unterwegs sind, sind meistens die, die sich am wenigsten an die StVO halten. Dabei erlebene ich täglich, dass solche Radfaherer vermehrt auf Gehwegen fahren, Lichtzeichen nicht beachten und gerne auf dem Radweg in der falschen Richtung fahren. Möglicherweise denken sich solche „Patienten“ wenig dabei, sie halten sich für geschützter als der Radfahrer ohne Helm und stellen vermutlich auch ihr Verhalten im Verkehr (Risikokompensation) darauf ein.

    Diese Sachverhalte und noch ungenannte mehr nehme ich zum Anlass, keinen Fahrradhelm zu tragen und auch keinem einen Fahrradhelm zu empfehlen. Dieses gilt sowohl für Erwachsene als auch für Kinder[TM].

    Sorry für die Länge des Kommentars, aber das Thema ist einfach zu komplex.

  14. War ja klar, daß auf den – richtigen und wichtigen – Hinweis auf die Häufigkeit von Kopfverletzungen und der sich daraus unmittelbar ergebenden Wichtigkeit von Helmen wieder die Standarddiskussion anhebt, nach der nicht nur Fahrradwege, sondern vor allem auch Fahrradhelme nicht nur nicht helfen, sondern schaden! Wie, das weiß man zwar auch nicht, aber man hat ja statistische Studien – und übersieht dabei den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation.

    Letztlich ist aber auch das nicht neu; bis zur Einführung der Gurtpflicht gab es unter Autofahrern dieselben unsinnigen Diskussionen, ob Gurte nicht vielleicht deutlich schädlicher sind, weil man ihretwegen dann im brennenden Auto eingeschlossen sei – zumal es im Zweifel günstiger sei, bei einem Unfall herausgeschleudert zu werden, als eingeklemmt im Fahrzeug zu bleiben. :)

  15. Bei einer, in den letzten Jahren, ziemlich konstanten Helmtragequote von 5 bis 7 Prozent und bei um 500 getötete Radfahrer pro Jahr im Bundesgebiet ist es kein Wunder, dass ein einzelner Bestatter eher selten einen Radfahrer mit Helm auf dem Tisch liegen hat.

    Aus Sicht der Verkehrsunfallstatistik kann ich die sehr emotionale Diskussion um Radhelme nicht nachvollziehen. Einen Einfluß auf Verletzungshäufigkeit und -schwere im Bereich der tödlichen und schweren Verletzungen ist bislang nicht nachzuweisen.

    Vgl. destatis.de (Serie 8 – Reihe 7), Scuffham/Langley 1997 u.a.

    Der bereits angesprochene Gurt im Auto ist im übrigen ein gutes Beispiel um mit Hilfe der Verkehrsunfallstatistik zu demonstrieren, wie Zahlen auszusehen haben, die eine Schutzwirkung eindeutig belegen. Gleiches lässt sich eben leider nicht für den Radhelm zeigen.

    Bleiben noch Unfälle mit leichteren Verletzungen. Das ist beim Bestatter zum einen Off-Topic und zum anderen aber wirklich jedem selbst überlässen ob man sich vor Schürfverletzungen, Platzwunden, etc. mit Hilfe eines Radhelms und zusätzlichen Protektoren schützen möchte.

  16. @Morgenfrost:

    Ich sehe durchaus dass im Endeffekt ein Radhelm statistisch vielleicht gar keinen Vorteil bringt weil alle technischen Vorteile eines Helms dadurch mehr als aufgewogen werden dass Autofahrer helmtragende Radfahrer mehr gefaehrden.

    Zum Thema „Ich kann mir kein Unfallsszenatrio vorstellen, bei dem ein Radfahrer bei einer Kollision mit dem Kopf aufprallt und keinen Genickbruch erleidet, sodaß ein Fahrradhelm die Möglichkeit hat, Kraft zu absorbieren.“ kann ich dir aber aus eigener Erfahrung ein Unfallszenario sagen:

    Mir hat es einmal auf Glatteis bei geringer Geschwindigkeit die Reifen seitlich weggezogen (kein Fahrfehler, es war einfach zu glatt) so dass ich in voller Laenge seitlich auf dem Boden gelandet bin incl. Aufschlag mit dem Kopf auf dem Boden. Der Fahrradhelm hat dabei eindeutig Kraft absorbiert, und ich weiss nicht ob es ohne Helm auch bei ein paar Stunden Kopfschmerzen geblieben waere.

  17. http://myhome.iolfree.ie/~hardshell/
    Dass ein H*lm mein Leben rettet, wenn ein 30-Tonner mir die Vorfahrt nimmt, glaube ich nicht.
    Es sterben mehr Leute im Haushalt (beim Fensterputzen, Gardinenaufhängen, oder Duschen) als auf dem Fahrrad. Duschhelme sind mir dennoch unbekannt (Google hat dazu ein paar Treffer).

  18. Den einzigen Grund, wieso hier eine Helmdiskussion stand, sehe ich in diesem Satz:

    „Wir hatten noch keinen einzigen Fall, in dem jemand, der einen Fahrradhelm trug, ums Leben gekommen ist.“

    Aber vielleicht bewahrheitet sich der Satz nur deswegen, weil überhaupt so wenig Menschen Fahrradhelme tragen. (Deren Sinn ich sowieso bezweifle, im Gegensatz zu einem gut ausgebauten Radwegsystem)

  19. nachdem Ich mal mit dem Kopf auf dem Bordstein landete, als Kind, und mein Helm zersplittert war, ich aber nur eine Gehirnerschütterung hatte, fahr ich kein Fahrrad mehr.
    warum? helme sind sind meist hässlich und ohne wirds gefährlich.

  20. naja,
    der helm wurde wahrscheinlich abgenommen,bevor er beim Bestatter landete ;-)

    (wer ein Hirn hat schützt es,sei es Helm beim Motorrradfahren,skifahren,oder radfahren 8))

  21. was denn was denn…. kommt die diskusion schon zum erliegen? ;O) hier noch ein bisschen futter: Stichwort „Tagfahrlicht-nutzen für autofahrer todesfalle für zweiradfahrer“

    so…. ich mag auch popcorn….

    viele grüße
    ein behelmter radfahrer der sich an die stvo hält (kein scherz)

  22. Wie soll denn das Tagfahrlicht zur Todesfalle fuer Zweiraeder werden?
    Als (vollbekleideter) Motorradfahrer wird es mir ein Genuss sein, endlich erkennen zu koennen, welcher Dosen fahren und welche geparkt sind.

  23. in Österreich wurde gerade Tagfahrlicht abgeschaft,
    da die Zahl der Unfälle mit Motorradfahrer sich erhöht hat,man wird als Motorradfahrer nicht mehr wahrgenommen :-(

  24. Ein Fahrradhelm schützt sehr wohl. Ich hatte mit etwa 15 Jahren einen Fahrradunfall, bei dem ich mit ca. 30km/h bei stark abschüssiger Straße ungebremst auf ein Hindernis aufgefahren und in hohem Bogen mit dem Kopf voran auf der Straße gelandet bin. Der Radhelm ist dabei sogar an der Seite gebrochen. Ohne den Radhelm würde ich unter Garantie heute nicht hier sitzen und dies schreiben.

    Da ein Radhelm außerdem — anders als z.B. ein Motorradhelm — keinerlei Einschränkung im Sichtbereich und der Bewegungsfreiheit besitzt, ist es meiner Meinung nach eigentlich ziemlich dumm ohne einen solchen zu fahren. (Obwohl ich das auch öfter tue…)

  25. ichhabe solche diskusionen erlebt: ein argument war, das unbeleuchtete radfahrer und beleuchtete motorrad fahrer somit keinen entsprechenden kontrast mehr bilden (weil alle leuchten), und somit leichter übersehen werden. das war doch glaube ich auch der grund das tagfahrlicht für motorradfahrer einzuführen…. damit sie besser zu sehen sind und als motorradfahrer sofort erkannt werden.

    an sich war mein beitrag aber nicht konstruktiv gemeint…. denn in diesem bereich gibt es nur den glauben und nicht das wissen….. ich habe für mich beschlossen einen helm zu tragen, meine frau trägt helm und mein kind trägt helm (auf dem fahrrad)…

  26. Eindeutig pro Helm, und zwar aus zwei Gründen:
    1. Ein Freund, der Triathlon intensiv betreibt und auf einer Strasse beim Radtraining stürzte, Kopf zuerst über die Lenkstange. Der Aufschlag war hart, den Helm hat es in zwei Teile gerissen (nur noch zusammengehalten von der Plastikarmierung), sein Kopf blieb heil (das Dröhnen war nach ein paar Tagen weg).
    2. Ich schulde meiner Familie, dass ich ein paar Risiken minimiere. Die beklagt sich zwar immer, dass ich so heiligenmäßig lahmarschig Auto fahre, aber das übt mich enorm im Ignorieren von harscher Kritik *grins*

    Übrigens haben Fahrradhelme eben jene glänzende, glatte Beschichtung über den Styroporschalen, damit sie einen geringen Reibungswiderstand haben und durch das „Gleiten“ Genickbrüche verhindern.

    Für den Lütten und seine Verwandten tut es mir leid. Bei 70 km/h frontal hätte aber wirklich nichts geholfen.

  27. Nach Helmzwang bis zum 16. Lebensjahr durch meine Eltern und Gespött der ganzen Klasse war ich froh, das Ding losgeworden zu sein. Ich seh den Sinn, ohne Zweifel, aber ich trage trotzdem keinen. Doof, ich weiß. :-(
    Besonders schön waren Drohungen wie „Einmal ohne Helm erwischen und du gehst ein Jahr lang zu Fuß zur Schule!“ Bei etwa 3,5 km nicht so mein Traum. Meine Eltern wollten keinen tragen. Mein Argument, daß es für Eltern sehr, sehr schlimm ist, sein Kind zu verlieren, für ein Kind allerdings mindestens ebenso schlimm, seine Eltern zu verlieren, zählte nicht. „Blödsinn, Ende der Diskussion!“
    Inzwischen wohne ich in Kiel, bin von den Fahrradwegen mäßig begeistert (Radweg auf der Straße zugeparkt und endet plötzlich im Nirgendwo), bin allerdings auch so gut wie nie hier mit dem Rad unterwegs. Täglich zweimal über die Hochbrücke ist ein sehr guter Grund für den Bus! ;-)

  28. „Nach Helmzwang bis zum 16. Lebensjahr durch meine Eltern und Gespött der ganzen Klasse war ich froh, das Ding losgeworden zu sein. Ich seh den Sinn, ohne Zweifel, aber ich trage trotzdem keinen. Doof, ich weiß. :-(“
    Ich haette solchen Leuten den Mittelfinger gezeigt. Ich bin schon immer mit Helm gefahren und haette mir das auch nie ausreden lassen.

    Zur Helm Diskussion. Nimmt die Zahl der Unfaelle insgesamt zu bei Helmbenutzung? Ist dies ebenso mit der Zahl der toedlichen Unfaelle?
    Laut einer Studie sind in ca 50% der Todesfaelle bei Radfahrern ausschliesslich die Kopfverletzungen dafuer verantwortlich. Ich denke nicht das die Unfallzahlen in dem ausmasse steigen um zu kompensieren was Helme bringen wuerden

  29. Wenn mein Lebensinn nur noch darin besteht, mich vor dem Tode zu schützen, kann ich mich gleich aufhängen.
    Aber ich glaube nicht, daß eine vollständige Panzerung mich vorm Tod schützt. (Denken wir nur an die Ritter im Mittelalter) Ist es nicht so, daß die Risikobereitschaft zunimmt, wenn das Gefühl „mir kann nichts passieren, ich bin ja sooo geschützt“ die Leute beherrscht? Ich beobachte zum Beispiel mehr Fahrradfahrer mit Helm, die vorschriftswidrig (weil Radfahrweg vorhanden) und gefährlich zwischen sich stauenden Autos auf den Straßen rumjonglieren als ohne…

  30. Ich weiß, bin spät dran (mein Treo kann aus dem Feed keine Kommentare zurückladen). Ich möchte nur anmerken, dass eine Höchst-geschwindigkeit keine Richt-geschwindigkeit ist und auch nach Unfall querliegene Motorräder oder Fußgänger (wenn alles nicht hilft: denkt euch ein KIND) sind in der Regel nicht mit Reflektoren oder Drehspiegel- oder Doppelblitzlampen ausgestattet. Die Straße war nicht „autobahnartig ausgebaut“.
    Somit ist für mich die Frage der Verantwortung relativ eindeutig. Anders als Lokführer hatte die Frau die Wahl, so zu fahren, dass sie immer Herrin der Lage und über ihr Fahrzeug ist. Sie hatte eine Entscheidung getroffen und die Familie des Jungen muss nun damit leben. Und für „plötzlich vor einem stehen“ etc. … das ist im Längstverkehr blankester Unsinn und ob mit oder gegen den Verkehr macht dabei wenig aus.
    Ich trage übrigens in Abhängigkeit MEINER Geschwindigkeit und Fahrweise von Helm oder Schirmmütze, die aber nur bei Regen, bis zum Vollschutz alle erdenklichen Kombinationen. Vor allem aber nach 4 gebrochenen Fingern immer Handschuhe. Zum Thema Radweg sei angemerkt: er bringt keinerlei Vorteile, ist gefährlich und selbst auf dem Hochbordradweg gelten 1,5m seitlicher Mindestabstand beim Überholen eines Radfahrers, die nie eingehalten werden und wenn gibt es ein Hupkonzert.

    Falk D.

    (Nein – ich fahre selbst Auto [hin und wieder mal, wenn es sich nicht vermeiden lässt].)

  31. @Falk D.

    Herrin über ihr Fahrzeug: ok
    Herrin der Lage: Hm, wer kann denn alles kontrollieren was in der Umgebung seines Fahrzeugs abläuft? Du etwa?

    Und der Lokführer? Soll doch auch mit 5 km/h durch die Gegend schleichen, damit er auch sofort anhalten kann, sobald jmd auf den Gleisen ist.

    „Und für “plötzlich vor einem stehen” etc. … das ist im Längstverkehr blankester Unsinn und ob mit oder gegen den Verkehr macht dabei wenig aus.“

    Ja klar, man kann ja auch hinter Häuserecken, Bäumen, Büsche, Mauern, Autos sehen. Man hat ja den Röntgenblick und Nachtsicht ist natürlich auch eingebaut.
    Oder noch besser: Man kann in die Zukunft sehen und alle Unfälle vermeiden.
    Deshalb wird man von den „Herren der Lage“ ja auch nie angerempelt, die wissen das schon vorher und weichen aus.

    Natürlich ist es tragisch, wenn so etwas passiert und beide Familien haben mein Mitgefühl, aber wenn man immer Herr der Lage sein muss um etwas tun zu dürfen, dann darf man nicht mal geboren werden, denn das kann man ja auch nicht beeinflussen.

  32. Anni, bitte lies den Text nochmal. Ich habe das Wort „Längstverkehr“ nicht eben noch heimlich eingefügt.
    Den Lokführer, der einen Unfall hat, habe ich auch in dem Satz erkennbar ausgenommen. Er hat mein vollstes Mitgefühl.
    Keiner verlangt Prekognition. Niemand verlangt unzumutbare Schleichfahrten. Aber wenn man die Straßenkonturen nicht einsehen kann, sollte man den Gefahrenbereich und damit die Geschwindigkeit an seine effektive Sichtweite und nicht an ichkannin2kmnochRücklichtersehen anpassen. Autofahrer neigen dazu, sich zu überschätzen und Bremsassistent, Airbags, ABS etc. wiegen sie in sitzbeheizten klimaregulierten Sicherheitszellen. Als Nichtschwimmer mit Schwimmflügelchen schwimmt man auch nicht auf die andere Flussseite. Warum fahren dann so viele seit ESP wie Schumi auf Droge? Wenn bald die Auto die Müdigkeit der Fahrer erkennen, wird man auch dort eine Risikokompensation erleben.
    Ich habe mal gelesen, dass erst, wenn Gurte verboten und anstelle von Airbags 15cm lange Edelstahlspieße montiert werden, die Autofahrer wirklich angepasst fahren werden. Ok der Undertaker hätte am Anfang etwas mehr zu tun, aber Darwin würde dann recht schnell zugreifen.

  33. Es drängt sich die Vermutung auf, dass sehr viele im Physikunterricht beim Impuls gepennt/oder gefehlt haben.
    Dabei ist es ganz einfach: der Impuls ist das Produkt aus Masse und Geschwindigkeit.
    Mit ähnlich grossen Impulsen arbeitet man beim Billiard.
    Bei einem 1,5t Fahrzeug mit 5 km/h und einem fast umfallenden Radfahrer mit ebenfalls 5 km/h hat letzterer absolut nichts zu melden.
    Nun nehme man schwerere Kraftfahrzeuge und deutlich höhere Geschwindigkeiten.

    Wie schnell muss ein Radfahrer direkt auf einen Golf aufprallen, um den aus der Kurve zu kicken?
    Na?

  34. @Falk D. Und was soll Längstverkehr bitte sein? ;-)

    Na dann nehmen wir den Radfahrern (auch den Kindern) und dir auch Schutzkleidung, Helm, reflektierende Kleidung, Fahrradbeleuchtung und auch alles andere was möglicherweise schützen kann weg, dann verhalten sich viell. alle rücksichtsvoller, aber selbst das bezweifle ich.

    Der Mensch ist eben nicht immer vernünftig und es lässt sich auch nicht alles theoretische ins praktische umsetzen.

    Ich finde es einfach ein bisschen kurzsichtig der Frau alle Schuld zuzuschieben, natürlich hätte sie langsamer fahren können, sie hätte auch zu Hause bleiben können, genauso gut hätte aber auch der Junge zu Hause bleiben können, den Fahrradweg benützen können, eine Lampe auf seinem Fahrrad haben können oder es hätte sich nur einer von beiden etwas später auf den Weg machen müssen. Da kommen einfach viele Kleinigkeiten zusammen, die gemeinsam einen Unglücksfall ergeben.
    Solange sich die Frau nicht fahrlässig verhalten hat (was ich aus der Beschreibung nicht rauslesen kann), kann man finde ich nicht behaupten sie trage allein die Verantwortung. Natürlich wird sie sich den Tod des Jungen vorwerfen, aber „schuldig“ hat sie sich meiner Meinung nach nicht verhalten. Nur weil man im Auto sitzt ist man nicht automatisch ein potentieller Killer.

    Und wenn du mir schon mit Darwin kommst. Na dann wäre wohl mindestens die halbe Weltbevölkerung nicht hier, da sie irgendwann schon mal größere gesundheitliche Hilfe brauchten, ihnen andere aus der Patsche geholfen haben etc.
    Das jetzt bitte nicht falsch verstehen, aber nach Darwin, wäre dann ja das „Richtige“ passiert, weil sich der Stärkere (im Auto) durchgesetzt hat. Also ein ziemlich unpassendes und zynisches Argument deinerseits.

  35. Eine Suchmaschine meint „Längsverkehr: Verkehr längs der Strasse.“ und konnte das fälschliche T von alleine ausfiltern.

    Mit einer tödlichen Waffe ist man immer der „potentielle Killer“.
    Solange es Autofahrer gibt, die sich der Betriebsgefahr und Umweltbelastung ihrer Fahrzeuge nicht bewusst sind oder sie mit „aber ich brauche doch mein Auto“ wegreden, wird es immer zuviel Verkehr und immer unnötige Unfälle geben. (Ich weiß, dass zumindest dieses hier nicht zutrifft.)
    Sekundenschlaf, an die Sichtweite unangepasste Geschwindigkeit und mangelhafte Beleuchtung wird dann mit „stand plötzlich vor mir“ oder „war aus dem Nichts aufgetaucht“ übersetzt.
    Gleichzeitig werden indula mehr als 21km/h Übertretung noch als fahrlässig durchgelassen, wo andere Staaten nur den Vorsatz kennen und entsprechend reagieren.

    Manche lernen erst durch einen Richter. Die meisten tun es nie. Meiner Meinung sollten reine Personenfahrten unter 6km (einfacher Weg) einfach verboten werden und vor dem Autoerwerb, wie beim Waffenbesitz auch, das Bedürfnis nachgewiesen werden.

    Nebenbei sterben mehr Leute im Auto als durchs Auto außerhalb. Ein Zyniker würde hier Wowereit zitieren, aber will ich das zumindest verschlüsseln.

  36. Na dann sind wir sowieso alle potentielle Killer, beim Brot aufschneiden (mit einem Messer), Fahrrad fahren (auch damit kann man sicher jmd. über den Haufen fahren), hach ungeahnte Möglichkeiten tun sich da auf.
    Ich will hier nicht Verkehrsrowdys verteidigen, ich bin auch gegen unverantwortliche Fahrweise, Alkohol am Steuer, unnütze Spazierfahrten etc. aber ich halte auch nicht viel von deiner autoverdammenden Einstellung und dem Motto „Der Autofahrer ist sowieso an allem Schuld“ (kommt mir anhand deiner Aussagen so vor)

    Man muss nicht immer mit dem einverstanden sein, was andere tun, aber mir würden auch genug Dinge (die tödlich ausgehen können) einfallen, die ich für unnütze halte und die man von mir aus auch verbieten könnte, oder für die man Nachweise erbringen muss.
    Vielleicht wär da was dabei was du gerne machst oder machen musst. Wie toll würdest du das finden?

    Aber um hier mal zu einem Ende zu kommen: Wir sind einfach nicht einer Meinung, werden es auch nie sein und das ist gut so. Viel Spaß beim (alleine) weiter diskutieren.

  37. Daß bei Ihnen noch kein getöteter Helmträger gelandet ist, ist nicht weiter verwunderlich: deutschlandweit sterben jährlich ca. 600 Radfahrer, bei einer Helmtragequote im Straßenverkehr von ca. 5% ergibt sich ein Erwartungswert von 30 mit Helm getöteten Radfahrern pro Jahr. Daß einer dieser 30 gerade bei Ihnen endet, ist beliebig unwahrscheinlich. Daß Helmträger genauso oft tödlich verunglücken wie Nichthelmträger weiß man aus Australien: man hat bei einer Helmtragequote von ca. 80% (Helmpflicht) die Zahl der Helmträger unter den getöteten Radfahrern ermittelt – das waren auch um die 80%.
    Der Hinweis auf die Gurtpflicht ist der Richtige: bei Sicherheitsgurten wurde eindeutig ein positiver Effekt auf die Zahl der Getöteten und Schwerverletzten nachgewiesen, deshalb sind sie richtigerweise Pflicht. Bei Fahrradhelmen weiß man aus Australien und Neuseeland, daß sie keinen Schutz vor schweren oder tödlichen Verletzungen bieten. Die Zahlen aus Deutschland bestätigen dies. Deshalb ist es Unsinn, Fahrradhelme verpflichtend zu machen.
    Was ich mich in solchen Diskussionen immer wieder frage, ist, warum so auf der angeblichen Wichtigkeit eines Helms herumgeritten wird. Das Ziel muß doch sein, tödliche Unfälle zu vermeiden. Dazu muß man Ursachen analysieren, und wirksame Abhilfemaßnahmen fördern. Warum nutzlose Fahrradhelme fordern? Nur zur Gewissensberuhigung? Oder aufgrund einer diffusen Abneigung gegen Radfahrer (denn der Ruf nach Helmen impliziert ja immer auch ein „Selbst schuld, ällebätsch!“)?
    Es ist auch erstaunlich, wie unreflektiert an die Sache herangegangen wird (-thhs Kommentar sticht hier heraus). Das Auftreten von Kopfverletzungen bei einer beliebigen Tätigkeit an sich ist noch kein Grund, einen Helm dazu aufzusetzen. Oder fordert jemand Autohelme? Auch da treten viele Kopfverletzungen auf: Autofahrer erleiden 25mal so häufig SHTs wie Radfahrer, da im Durchschnitt 5mal mehr Auto gefahren wird als Fahrrad bedeutet das, daß das Risiko einer schweren Kopfverletzung im Auto ca. 5mal so hoch wie auf dem Fahrrad ist – Quellen: Daten der Hannelore-Kohl-Stiftung, und Kontiv 2002. Helme sind nur dann sinnvoll, wenn sie schwere Kopfverletzungen in typischen Unfallszenarien zuverlässig verhindern können (das können Fahrradhelme nicht), und wenn sie die Tätigkeit an sich nicht zu stark einschränken (weshalb man sinnvollerweise auf Integralhelme beim Radfahren verzichtet). Und als Grundvoraussetzung: die Tätigkeit muß überhaupt erstmal besonders gefährlich für den Kopf sein – schon das trifft auf Radfahren nicht zu, wie der Vergleich zum Autofahren zeigt.

  38. @Anni:
    Der Unterschied zwischen Lokführer und Autofahrer ist, daß für den Autofahrer das Sichtfahrgebot gilt. D.h. er muß innerhalb des Bereiches, den er einsehen kann, anhalten können, immer und in jeder Situation: nachts, in Kurven, bei Nebel und glatter Fahrbahn. Das einzuhalten ist nicht schwer, die Vorschrift ist eine der wichtigsten und sinnvollsten in der StVO, sie gilt natürlich auch für Radfahrer (für die ist die Einhaltung dieses Gebotes bspw. für den Eigenschutz ganz wichtig, viel wichtiger als ein Helm oder irgendwelche Reflektoren) – und wenn man das einhält, kann man die Unfälle, bei denen man andere Verkehrsteilnehmer „einfach so plötzlich“ über den Haufen fährt, schon mal ziemlich gut vermeiden. Und die Nichteinhaltung des Sichtfahrgebotes ist natürlich „fahrlässig“, aus meiner Sicht sogar „grob fahrlässig“, aber darüber dürfen sich Juristen streiten.
    Übrigens ist es als Radfahrer eben nicht so einfach, andere Leute ordentlich über den Haufen zu fahren: bei Kollisionen zwischen Radfahrern und Fußgängern ist der Radfahrer im Durchschnitt schwerer verletzt als der Fußgänger (aufgrund des unkontrollierten Sturzes…) Als Autofahrer stellt man nun mal eine sehr viel größere Gefahr für andere dar als es ein Radfahrer oder Fußgänger ist. Entsprechend sollte man sich auch verhalten.

  39. @ JP (45 und 46)

    Sehr vernünftig und mit der erforderlichen Klarheit dargestellt.

    Hinzufügen sollte man vielleicht auch noch, daß offizielle Zahlen aus der Schweiz zu Helmtragequote und Kopfverletzungen die australischen bzw. neuseelänmdischen Erkenntnisse stützen.

    Und zu den Erweckungserlebnissen von Helmträgern weiter oben: Ein Helm soll in der Theorie schützen, indem sich das Styropor komprimiert und Aufprallenergie absorbiert. Wenn ein Helm bei einem Unfall zerbricht, dann hat er versagt und seinen beabsichtigten Zweck eben nicht erfüllt.

    Wie sollte er auch? In der Normprüfung wird ein Fahrradhelm mit einem Prüfgewicht von lediglich 5 kg belastet und einem Falltest unterzogen. Daß in der Realität noch 70 kg oder mehr an Fahrermasse dranhängen, interessiert bei den Herstellern niemanden.

    Der Nutzen von Fahrradhelmen ist nicht stärker belegt als der vom Pendeln nach Wasseradern oder als die Heilwirkung von Bachblüten-Tropfen. Nur weil es so schön scheinplausibel klingt, hat sich dieser esoterische Schmonzes so prächtig in den Hirnen festgesetzt.

  40. So, jetzt muss ich auch mal meinen Senf dazu geben. Natürlich sind entsprechende Helme sinnvoll – bei Trial/BMX-Radfahrern, bei Downhill und natürlich auch bei Rennen, wo Radfahrer bis an die 70 km/h erreichen und zwecks Windschatten sehr nah auffahren.
    Bei den klassischen Streckenfahrten der Berufs-/Schul-/Uni-Pendler, meist im Bereich von 10 bis 30 km/h und nach Auswahl der Strecke durch autofreie Waldwege ist der Helm aber überflüssig. Wer sich darunter wohl fühlt, kann ihn gerne als modisches Assessoir tragen (vgl. Hut oder Kopftuch), doch wenn nur-Auto-Fahrer pro Helmpflicht argumentieren, um den Radfahrern auch mal „eins reinzudrücken“, dann kann ich richtig wütend werden!
    Das sind Geschwindigkeiten, die ich auch auf dem 100-m-Sprint erreiche und ihr wollt mir doch nicht sagen, dass ich auch beim Laufen Helme tragen muss. Was käme dann wohl als nächstes? Bußgelder für Rentner, die ohne Protektorenkleidung unterwegs sind, weil die Krankenversicherung sich dadurch weniger Hüftoperationen erhofft?
    Zudem bin ich in den letzten Jahren auch ein, zwei mal mit dem Rad gestürzt. Was habe ich davon getragen? Abschürfungen an Armen und Beinen. Wenn ich jetzt aber das machen würde, was einige unter „alles was schützt muss Pflicht sein“ fordern, müsste ich mit Schutzkleidung fahren. Damit wäre das Radfahren dann komplett gestorben, denn mit langer Hose und langem Hemd würde ich mit Hitzestau vom Rad kippen!
    Denkt mal darüber nach. Ähnliches ist nämlich auch in Australien und Neuseeland (Radhelmpflicht) zu beobachten. Aufgrund der weiteren Umstände, die damit auf den Fahrer zukommen – er muss das lästige Ding ja auch an seinem Zielort mit sich rumtragen – fahren wieder mehr Menschen Auto statt Rad. DAS kann doch nun wirklich nicht der Volksgesundheit zuträglich sein.

  41. @Lango:

    Das sind keine dummen Argumente! Angetriggert wird eine solche Pflichtgesetzgebung doch immer von den Kosten der Krankenkassen. Womit ich mich frage, wo bei dir die Grenze liegt. Wenn der Schaffner Morgens in der Bahn auch gleich prüft ob alle die Zähne geputzt haben, damit die Zahnarztkosten nicht steigen, wäre das auch noch Ok?

    Abgesehen davon ist Motorrad/Auto mit dem Fahrrad nicht diekt vergleichbar da man bei ersterem recht passiv bleibt und das Rad ein Sportgerät ist. Bei letzterem kann man dem Fahrer damit nicht unbegrenzt Schutzkleidung auf’s Auge drücken.

    Letztlich ist es aber eine Philosophiefrage, ich bin der Meinung es sollte alles reglementiert werden was _andere_ schädigen könnte (also Beleuchtungspflicht, gute Bremsen, Alkoholkontrolle, etc), wobei aber unbedingt das Recht auf Selbstverstümmelung (wie du es wohl nennen willst) erhalten bleiben muss. Diese „es ist nur zu deinem Besten“-Staatsmenalität fördert andernfalls nur die Ablehung _aller_ Gesetze in unserer Gesellschaft (auch der sinnvollen) und das halte ich für sehr bedenklich.

    Das bedeutet auch, dass m.M.n. der Staat werden Gurt- noch Helmpflicht fordern dürfte und entsprechende Vorgaben dafür in den Versicherungsverträgen (Kasko oder Haftpflicht) zu klausulieren wären. Aber bitte nicht vom Staat!

    Und noch etwas, du hast der Einfachheit halber nur von „dummen Argumenten“ meinerseits geschrieben, bist aber absolut nicht auf das Argument eingegangen, dass Verkomplizierung des Rad Fahrens viele Gelegenheitsfahrer weg vom Rad treibt und damit der Volksseuche Adipositas in die Hände spielt.

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