Sarg doppelt berechnet? Bestatterin eine Betrügerin?

Dass Bestatter Särge günstiger einkaufen, als dass sie sie wieder verkaufen, ist bekannt. Und es ist normal. Bestatter sind Kaufleute und erzielen durch den günstigen Ankauf und den teureren Verkauf von Gegenständen einen Teil ihres Gewinns.
Ich bekomme viele Mails, die sich mit der Frage beschäftigen, wie es denn sein kann, dass der „böse“ Bestatter einen Sarg für sagen wir 100 € einkauft und dann den Angehörigen dafür 300 € berechnet. Das sei doch wohl Betrug.

Mich erinnert das immer an diese Geschichte hier:

Jutta: Was macht eigentlich Dein neuer Freund so beruflich?
Betty: Ach der, der verkauft Jeans bei Ebay.
Jutta: Toll! Verdient er damit viel?
Betty: Ja, er kauft sie in großen Mengen günstig ein und verkauft sie dann einzeln teurer weiter.
Jutta: Mein Gott, das ist ja Betrug!

Weshalb Bestatter einen durchaus hohen Aufschlag weiterberechnen, habe ich in ganz vielen Artikeln hier im Bestatterweblog schon erklärt. Ob das heute immer noch zeitgemäß und sinnvoll ist, lasse ich mal dahingestellt. Zumindest über die Höhe des Aufschlags könnte man nämlich herzerfrischend diskutieren.

Woher ein Bestatter seine Särge bezieht, ist höchst unterschiedlich. Er kann sie beispielsweise direkt von der Sargfabrik beziehen. Oder er kauft sie bei einem Pietätwarenhändler, der Bestatter mit allen möglichen Waren und Utensilien beliefert.
Auch Sarggroßhändler gibt es, die Särge verschiedener Hersteller just in time liefern. Und viele Bestatter beziehen Särge auch aus dem mittel- und osteuropäischen Ausland, weil sie dort noch günstiger sind.
Es kann aber auch sein, dass das Krematorium oder ein Überführungsdienst den Sarg gleich mitbringt. Das kommt vor allem dann vor, wenn es sich sowieso nur um den sogenannten „einfachen Verbrennungssarg“ handelt. Der ist fast überall gleich.

Den Kunden muss das nicht unbedingt interessieren. Er bestellt z.B. den günstigen Einäscherungssarg und bekommt diesen auch. Woher der stammt, ist letztlich nicht sein Bier.

Doch manchmal kann die Sache aus etwas anders aussehen. So schreibt mir ein Leser heute:

(Die Tante war gestorben.) Wir sind in ein Bestattungsinstitut gegangen. Mit der Beratung durch die Inhaberin waren wir sehr zufrieden und auch die Rechnung lag im normalen Bereich. Nach Vergleichen mit einem anderen Angebot sogar ein wenig preisgünstiger.
Nun wurde vor kurzem aufgrund einer anonymen Anzeige Anklage gegen dieses Geschäftsführerein erhoben. Es besteht der Verdacht, dass Sie Särge doppelt abgerechnet haben soll.
Der Inhaber des Krematoriums hat als Zeuge ausgesagt, dass in seiner Einäscherungspauschale bereits ein Einäscherungssarg zum Preis von 75,00 Euro enthalten ist.
Auf der Rechnung vom Krematorium stand kein Sarg drauf. Nur die Einäscherungspauschale in Höhe von 265,00 Euro.
Auf der Rechnung vom Bestattungsinstitut habe ich eine Position über einen Einäscherungssarg in Höhe von 485,00 Euro.
Den hatten wir ausgesucht. Es handelte sich dabei um ein einfachen Einäscherungssargt.
Nun hätte ich aber doch eigentlich nur die 75,00 Euro bezahlen müssen und ich müsste die 485,00 Euro vom Bestattungsunternehmen erstattet bekommen, oder?
Können Sie mir einen Rat geben, wir ich an diese Rückerstattung kommen kann. Allerdings kommt es mir schon etwas seltsam vor, dass ein Sarg nur 75,00 Euro kosten soll. Ich habe ein paar Sargpreise im Internet verglichen aber so günstig habe ich eigentlich keinen gefunden. Die preiswertesten lagen so um 200,00 Euro. Ich verstehe auch nicht, warum auf der Rechnung vom Krematorium der Sarg nicht aufgeführt wird, wenn ich iihn im Prinzip dort gekauft habe.
Dennoch möchte ich natürlich das Geld zurück haben, welches ich zuviel bezahlt habe.

Beginnen wir bei der Sektion dieses Falls mit der einfachsten Fragestellung. Wie kann es sein, dass der Sarg nur 75 € gekostet haben soll?
Nun, das ist der Preis, den man als Bestatter bei einem Krematorium, Überführungsdienst oder auch Sarghändler für einen solchen Sarg bezahlt. Es gibt sie noch günstiger, in Großmengen abgenommen kosten einfachste Särge nur um die 25-39 €.

Aber hat die Bestatterin unredlich gehandelt?
Nun, das hängt von der Gesamtbetrachtung ab.

  1. Betrachtung (die Bestatterin):

    Die Bestatterin verkauft einen Sarg für 485,- €. Sie sieht es so, daß der Sarglieferant in diesem Fall das Krematorium ist. Die Spanne zwischen 75,- € und 485,- € betrachtet sie als ihren Gewinn.
    Da der Sarg nicht auf der Krematoriumsrechnung explizit aufgeführt ist, reicht sie diese als reine Einäscherungskosten an die Angehörigen weiter.
    Für sie ist damit alles korrekt gelaufen.

  2. Betrachtung (Außensicht):

    Die Bestatterin bezieht den Sarg für 75,- € vom Krematorium. Diese 75,- € stecken in der Krematoriumsrechnung von 265,- € bereits drin.
    Diese Rechnung leitet sie an die Angehörigen zur Bezahlung an sie weiter. Gleichzeitig berechnet sie aber noch einmal den vereinbarten Preis von 485,- €.
    Sie hat also den Sarg zweimal abgerechnet, einmal in der Gesamtrechnung des Krematoriums und einmal auf ihrer Bestatterrechnung.

  3. Betrachtung (richtige Vorgehensweise):

    Es gibt drei Möglichkeiten, hier korrekt vorzugehen.

    • a) die Bestatterin stellt sich auf den Standpunkt, die Krematoriumsdienstleistung als Einkauf zu betrachten. Sie kauft diese Dienstleistung inkl. Sarglieferung vom Krematorium zu. Es steht ihr dann frei, welchen Preis sie für Einäscherung und Sarg verlangt. Allerdings darf sie dann die Einkaufsrechnung, die ihr vom Krematorium gestellt wird, nicht an die Kunden weiterleiten. (Welcher Jeans-Händler legt seiner Jeans für 109,- € seine Einkaufsrechnung über 29,- € von der Textilfabrik bei?)
    • b) die Bestatterin verzichtet auf einen eigenen Sargverkauf und erklärt, dass der Sarg in den Einäscherungkosten enthalten ist. Sie reicht die Rechnung des Krematoriums 1:1 weiter.
    • c) die Bestatterin erhält vom Krematorium zwei Rechnungen. Eine über den Sarg für 75,- € und eine über die Einäscherungskosten. Sie betrachtet die Rechnung über 75,- € als Einkaufsrechnung, schlägt ihre Marge auf und verkauft den Sarg für 485,- € an die Angehörigen weiter. Die reinen Einäscherungskosten reicht sie wiederum 1:1 an die Hinterbliebenen durch.

Die Betrachtungsweise 1 nehmen ganz viele Bestatter als Standpunkt an. Das ist höchst gefährlich. Es droht tatsächlich eine Anzeige wegen Betrugs.
Wie man in Betrachtung 2 sieht, verkaufen sie wahrscheinlich völlig unbedarft den Sarg doppelt. Sie sehen nur die für sie günstige Einkaufsmöglichkeit und übersehen die tatsächlich erfolgende doppelte Abrechnung.

Es sit deshalb für die Bestatter ganz wichtig, kristallklar zu trennen, was Sargeinkauf und was der Bezug von Einäscherungsdienstleistungen ist. Sie dürfen nicht eine Gesamtrechnung, die Sarg und Einäscherung enthält, als reine Krematoriumskosten berechnen und dann nochmals den Sarg berechnen.

Wie das im Einzelnen nun beim anfragenden Leser gehandhabt wurde, kann ich seinen Zeilen nicht zu 100% entnehmen. Ich befürchte aber, dass es ganz ungünstig gelaufen ist.
Der Betroffene sollte den Fall genau verfolgen und sich ggf. anwaltlicher Hilfe versichern. Es wäre zu überprüfen, ob es sinnvoll ist, selbst Anzeige zu erstatten oder Klage zu erheben.

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Peter Wilhelm26. Mai 2017

14 Kommentare von 138750.

  1. Ich lasse mal die ganzen Kosten, die erwähnt wurden, außen vor. Grund: ich stöbere ja auch oft in youtube. Da fand ich (und das sah doch sehr glaubhaft aus!) einen Bestatter, wenn man den denn so nennen durfte oder darf, weil: kam sehr unkonventionell rüber. Man kann sich da den eigenen Sarg herstellen! DAS ist doch etwas und kam nicht makaber rüber. Und damit hat sich jedenfalls für mich die großartige Diskussion über Särge und warum das so teuer sein „muß“, erledigt. Leute, die sich was einfallen lassen, kundenfreundlich agieren (man wird bei einem Bestatter eben nur ein einziges Mal Kunde und nicht öfter!), die müssen sich von den ach so lieben Kollegen als Nestbeschmutzer beschimpfen lassen, gibt sicher noch ärgere Beleidigungen. Wenn es eben durchweg kundenfreundlich gestaltet würde, dann würden sich die zukünftigen Toten nicht nach billigen Bestattungsformen umsehen, ich sehe mich auch danach um, denn , wie ich wohl schon erwähnte: mir ist dies nicht möglich: ein Mausoleum für mich und Partner, und evtl.die Angehörigen gleich mit, oder: sehr schönes Grab für mich und Partner mit einem entzückenden (Pardon, aber ich sah viele nette Grabsteine, fand einen so rührend, dass ich fast weinen musste..) Grabstein ,wo drauf zu sehen wäre:“in ewiger Liebe…“mit Gravur so Himmelsleiter und Himmelstür…Alles sehr teuer und,wie man weiß: nicht für die Ewigkeit, die dürfte spätestens dann vorbei sein, wenn Angehörige das Grab verwildern lassen, die Unterhaltungskosten nur noch nervig sind, Angehörige also keine Lust haben, das zu pflegen, wo man doch auch Wurzeln mal hatte. Ich lege also aus reinen Kosten – und Vernunftsgründen keinerlei Wert auf pompöse Särge oder teure Urnen, lieber würde ich mir den einmaligen Verbrennungssarg selbst zusammen“basteln“… Ich wette, andere Leute empfinden ähnlich! Der Aufenthalt im sogenannten Jenseits dauert sicher ewig, aber der Platz auf Friedhof XYZ, der ist eben nie ewig, auch wenn man das glauben möchte..Wird gern von ewiger Ruhe gesprochen, eine Urne vergeht, ein Grab wird eingeebnet, das ist dann also die Ewigkeit, wie man schön sagt:Asche zu Asche, Staub zu Staub usw…?! Gar nicht negativ gemeint, sondern: das ist wohl Tatsache..

    • @mesie: Ja, die Totenruhe ist nur solange gewährleistet wie gezahlt wird und das geht auch nur bei einem Eigengrab.
      Wenn jemand versucht seinen eigen erstellten Sarg mitzubringen, dann muss der Bestatter das nicht akzeptieren.
      Ich kenne einen Fall, da ist der Herr ein ehemaliger Schreiner der früher schon Särge gebaut hat. Er hat sich seine „Kiste“ selbst gebaut und für ihn habe ich auch den passenden Bestatter gefunden, der damit kein Problem hat.
      Das Problem der deutschen Bestatter sehe ich darin, dass über den Preis für den Sarg einfach eine Menge Geld kassiert wird.
      Bestatterin A. aus Mönchengladbach-Rheydt hatte schon vor Jahren – Rechnung liegt bei mir vor – für den einfachen Verbrennersarg über 700 €uronen auf der Rechnung aufgeführt.
      Mich hat es fast vom Stuhl gehauen. Aber nur so kommt ein Bestatter dann für eine ganz einfache Bestattung auf Kosten von über 2.000 €.
      Mir ist es letztlich egal was ein Bestatter für einen Sarg in Rechnung stellt.
      Ich schaue mir an, dass alle nötigen Leistungen enthalten sind und dann sollten die reinen Kosten für den Bestatter nicht über 1.000 € liegen und damit kann dann jeder leben.
      Aber es ist eben oft so, dass die Menschen sich ja nicht mit dem Tod frühzeitig auseinandersetzen möchten und dann haben die Bestatter eben auch bei vielen Menschen leichtes Spiel um schnell mal die Kosten stark ansteigen zu lassen.
      Das sind Bestatter-Kosten für eine Feuerbestattung mit Kremation in Deutschland!
      Immer enthalten alle Leistungen wie im oberen Link zu finden.
      Ich denke, damit kann man gut leben und der Bestatter auch. :-)

      (Anm. der Red.: Links entfernt.)

    • @mesie:
      Hier heißt es ja auch lebenslänglich gesiebte Luft ziehen und man kann im günstigsten Fall, nach einigen Jährchen, dem Nächsten das vorzeitige Ableben bescheren.

  2. Ich bin generell der Meinung, dass das was da passiert, nur ein Bruchteil von dem ist, was Angehörige durch Zufall erfahren.

    Hätte die Bestatterin es korrekt gemacht, dann hätte Sie den Sarg mit 560 € angegeben und die Rechnung des Krematoriums läge dann bei 190 €, dann wäre alles im grünen Bereich.
    Steuerlich kann sie dann den Einkauf des Sarges mit 75 € absetzen und zu versteuern hat sie 485 € als Gewinn.

    Denn wie hoch die Rechnung für den Sarg, sowie für alle seine Leistungen ist, das entscheidet jeder Bestatter selbst.

    Je mehr Posten auf der Rechnung aufgeführt werden um so teurer wird es meistens.

    Wenn die Dame wirklich etwas zurück haben möchte, dann würde ich ihr empfehlen, die 75 € zurück zu fordern. Einen Rechtsstreit würde ich nicht lostreten, denn der Rechtsanwalt ist teurer und die 485 € stehen ihr auf keinen Fall zu.
    Einkaufspreis ist wie erwähnt eben EK-Preis und nicht gleich VK-Preis – Verkaufspreis.

    Viele wissen nicht, dass z. B. ein Krematorium den Bestattern vor Ort gehört.
    Das heißt: Es wird von den Inhabern – Bestattern – festgelegt, wie hoch die Kosten für die Kremation sind. Beispielsweise 420 €.
    Worauf die Bestatter keinen Einfluss haben, sind die Kosten für die 2. Leichenschau durch den Amtsarzt. Die werden manchmal über das Krematorium abgerechnet und manchmal auch separat.
    Lassen ich einmal alle sonstigen Kosten außen vor, dann kann es sein, dass die Kosten für die Einäscherung am Ende effektiv bei 150 € lagen. Somit macht der Bestatter auch hier noch einmal einen kräftigen Gewinn von 270 €.
    Dann gibt es noch die Krematorien die den Bestattern entsprechende Rückvergütungen zahlen.
    Das passiert auch bei anderen Situationen.
    Dazu zählt für mich auch, dass eben nicht immer der Bestatter die Überführung selbst macht, sondern viele Krematorien inzwischen aus ganz Deutschland die Abholung durchführen.
    Manche Bestatter stellen aber diese Kosten mit großen Summen dem Angehörigen in Rechnung.
    Oft wird auch extra zu einem „freien“ (nicht städtischen) Krematorium überführt, weil es nur dort entsprechende Vergütungen – je nach Menge der Einäscherungen – gibt.

    Es gibt aber auch Bestatter, die durch diese Situation sehr gute Angebote machen und damit diese Summe wieder dem Angehörigen quasi zufließen.

    Ist das alles wichtig für den Angehörigen bzw. den Toten?

    Indirekt. Es sollte mit offenen Karten gespielt werden damit der Angehörige selbst entscheiden kann. Dann sollte allerdings auch das, was er bezahlt, ausgeführt werden!
    Das ist für mich entscheidend und dann ist ein Angehöriger sicherlich auch zufrieden mit seinem Bestatter.

    Das einzige was bei der falschen Wahl des Bestatters sehr schlimm ist, ist dass man nichts noch einmal machen kann. Deshalb ist es für mich so wichtig, dass ich immer Rückmeldungen von den Angehörigen bekomme ob sie mit dem vermittelten Bestatter zufrieden waren. Denn nur diese Bestatter vermittle ich dann wieder an andere Angehörige.

    Damit schließt sich der Kreis, und die Mundpropaganda tut ein Übriges. :-)

  3. Wenn zwei Särge bezahlt worden sind, würde ich mir den zweiten Sarg einfach aushändigen lassen.

    • @Spor: Eigentlich sollte man auf solche Antworten nicht antworten. Aber es muss scheinbar auch die geben die solche unqualifizierten Sätze schreiben.

      • @Ingrid Hoerner: Zwei Punkte:
        1. Es handelt sich hierbei nicht um eine Antwort, sondern um einen eigenständigen Kommentar. Er war nicht auf Ihren vorherigen Kommentar bezogen, sondern stellte einen eigenen (neuen) Beitrag im Kontext der Diskussion dar.
        2. Ich bin verwundert (und ein wenig gekränkt), dass Sie meinen Kommentar – recht abwertend – als unqualifiziert bezeichnen. Nun frage ich mich, ob Sie eventuell nicht verstanden haben, dass es sich hierbei um eine humoristische Bemerkung handelt. Der Witz ergibt sich in diesem Fall aus einem Lösungsansatz, der in anderen Kontexten durchaus viabel erscheinen kann, aber in diesem Fall zu einem absurden Ergebnis führt, dessen bildhafte Vorstellung bei den meisten Menschen zumindest ein Schmunzeln verursacht.

        • @Spor: 2 Antworten:
          1. Ich hatte das schon als „eigenständigen“ Kommentar zum Ausgangsbeitrag gesehen, denn er stand ja nicht unter meinem Beitrag als Antwort. :-)
          2. Oh, ich wollte Sie nicht kränken, jedoch als Scherz konnte ich Ihren Beitrag nicht erkennen. Da hätten Sie wohl besser am Ende ein Smiley einfügen sollen.
          Übrigens könnte sich doch jeder Mensch seinen eigenen Sarg schon bei Zeiten kaufen und der Bestatter würde dann eben seine Leistung berechnen. Geht in den Niederlanden doch auch.
          Ich hätte dazu eine glänzende Idee.

  4. Mal ganz genau überlegt, kann eigentlich die unter 3 b) genannte Lösung nur die einzig richtige sein, obwohl hierdurch dem Bestatter Einnahmen verloren gehen. In anderem Branchen gibt es durchaus ähnliche Fälle, in denen es immer so gehandhabt wird.
    Habe ich ne Beule im Auto und lasse sie in der Markenwerkstatt beseitigen, ist es oft so, daß das Lackieren an einen Fremdbetrieb vergeben wird, dieser also die vergleichbare Rolle eines Krematoriums übernimmt, um die Dienstleistung auszuführen. Neben der eigentlichen Lackierung ist auch der Lack im Preis enthalten, wie beim Krematorium der Verbrennersarg. Keine Werkstatt kommt da allerdings auf die Idee, den Lack nochmals separat mit Aufschlag dem Kunden weiter zu berechnen.

    @Ingrid:
    Einfach mal locker bleiben! Deine Kommentare zeigen zwar Kompetenz, aber wenn es das Thema nicht erfordert, darf man hier nicht immer alles bierernst nehmen und man sollte auch ein gewisses Maß an Humor mitbringen. Und ja, bevor ich jetzt ne empörte Antwort bekomme, wir Duzen uns hier in der Regel. :-)

    • Hallo Robbi,
      gerne gehe ich zum „Du“ über, wenn das hier so ist. Kann ich sehr gut mit leben und liegt mir auch mehr als das steife „Sie“. :-)
      Wobei ich denke, das der Vergleich mit dem Auto doch stark hinkt. :-(
      Das manche Kremas den Sarg dem Bestatter zur Verfügung stellen ist ja auch nicht generell so und dann würde ich diesen Einkauf über das Krema als EK-Preis ansehen.
      Doof ist eigentlich nur, wenn das Krema den Preis in der Rechnung hat.
      Das Krema macht es damit dem Bestatter einfach, so dass ein Kunde glaubt, die Kremation kostet 265 €.
      Aber das scheint nicht nur bei diesem Krematorium so zu sein.
      Um dem Dilemma aus dem Weg zu gehen, wäre es weitaus einfacher, wenn ein Bestatter einen Pauschalpreis macht. Dann weißt er keine Sargkosten mehr separat aus.
      Beispiel:
      980 € – Bestatterleistung inkl. Leistungen (hier kann er ja aufführen was alles enthalten ist)
      265 € – Rechnung des Krematoriums (ob mit oder ohne Sarg) sowie
      35 € – 2. Leichenschau (falls diese separat berechnet wurde)
      30 € – Sterbeurkunden (je nach Menge die kostenpflichtigen)
      50 € – Totenscheinkosten (wenn der Arzt korrekt die Rechnung geschrieben hat)
      1.360 € – Gesamtkosten mit allen durchlaufenden Kosten

      Sodele, wie Du siehst, bin ich nicht empört sondern ich dachte mir, dass hier auch Menschen lesen, die absolut nicht im Thema sind und diese suchen doch korrekte Antworten.
      Denn wenn ich jetzt hier alles auf die „lustige“ Schiene beantworte, dann wäre für mich dieser Blog nicht mehr seriös.

      Mancher hier mag den versteckten Humor verstehen, aber leider nicht jeder.
      Und dazu zählte ich dann eben auch bis jetzt.

      Dir ein traumhaftes WE!

  5. Vielleicht ist es ja auch keinen Zwang, den Sarg vom Krematorium zu nehmen. Vielleicht bietet das Krema es einfach an, den Bestattern ist es aber freigestellt, ob sie dir Leiche im eigenen (von wo anders erworbenen Sarg) im Krema anliefern oder ob sie die Leiche in den Sarg vom Krema einbetten.
    Vielleicht hat das die Bestatterin so gemacht und hat deswegen nur eine Rechnung über die reinen Einäscherungskostem bekommen.

    • @Kaffeetante: Ergänzung zum Thema Preis:. Vielleicht ist es, trotz dass es nur ein Verbrenner“ ist, ein Sarg mit höherer Qualität als der vom Krema. Anderer Lieferant – bessere Qualität – höherer Preis.
      Nur weil es ein Verbrenner ist, muss der Sarg ja nicht schäbig sein.
      Es gibt ja durchaus Bestatter, die trotz „niederer“ Warenart auf gute Qualität wert legen. Ohne das es sich dabei gleich um Abzocker handelt.

      … Nur so ein Gedanke.

  6. Um noch einmal beim Fallbeispiel zu bleiben: Es wurde ein Festpreis vereinbart, der wurde eingehalten, war sogar noch (etwas) günstiger als die Konkurrenz, die Auftraggeber waren mit dem Bestatter zufrieden….

    Da muss man doch erst mal sagen: Toll, da wurde genau das gehalten, was versprochen wurde. Wenn sich jetzt im Nachhinein herausstellt, dass der Sarg zweimal aufgelistet wurde, ändert sich ja an dem Paketpreis und der Leistung erst einmal nichts.

    Wir wissen (steht ja hier im Block oft genug), dass gerade der Sarg meistens der Posten ist, bei dem viele Dienstleistungen und eben auch die Gewinnmarge mit eingerechnet werden. Wir können also davon ausgehen, dass der Paketpreis unter Einrechnung aller Ausgaben einschließlich der Krematoriumsrechnung erfolgt ist und zwar unabhängig davon, ob es der Sarg dort einzeln mit aufgeführt wurde oder nicht. Also: who cares?

    Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich hat der Bestatter formal einen Fehler begangen und man kann davon ausgehen, dass spätestens nach dem Urteil zur anhänglichen Klage das Bestattungsunternehmen ihre Buchhaltung so anpassen wird, dass von zukünftigen Fällen keine Wiederholungsgefahr mehr ausgehen, und wahrscheinlich einer der Lösungen von Tom dann auch hier zum Einsatz kommt.

    Aber wenn sonst alles in Ordnung war: lohnt es sich wirklich für 75 € den Klageweg zu bestreiten? Oder ist es nicht einfach besser zu wissen, dass die Tante gut unter die Erde gekommen ist, und sich dieses Gefühl über die nächsten Jahre nachhaltig zu bewahren?

    • @Spor: Im Prinzip hast Du recht. Aber es wurde kein Paketpreis vereinbart. Wenn der Bestatter beispielsweise sagt, dass es sich um das Bestattungspaket „Luna“ für 1.111,- € handelt, dann kann es dem Kunden vollkommen egal sein, was alles in der Kalkulation des Bestatters enthalten ist und wo er das zu welchem Preis bezeiht. Das Wichtigste für den Kunden: Er erhält das bestellte Paket „Luna“ und muß nur 1.111,- € bezahlen.

      Hätte der Bestatter in diesem Fall die Krematoriumsrechnung behalten und nicht an den Kunden weitergeleitet, wäre auch alles gut gewesen. Er hätte die Krematoriumsleistung inkl. Sarg auch teurer an den Kunden weiterverkaufen können. Die Krematoriumsleistung hätte der Bestatter als Einkauf einer Dienstleistung verbucht und den Sarg als Warenlieferung.

      Da es sich hier vermutlich nicht um eine hoheitliche Gebühr handelt, hätte der Bestatter die eingekaufte Krematoriumsleistung also durchaus kaufmännisch betrachten können.

      Aber der Bestatter hat die Rechnung nunmal an seine Kunden weitergeleitet. Diese haben damit de facto den Sarg für 75,- € und dann nochmals einen Sarg auf der Bestatterrechnung für über 400 € bezahlt. Ergo haben die Kunden doppelt bezahlt.

      Nicht unser Kunde hier ist Kläger, sondern andere Kunden haben Anzeige erstattet. Dreimal darf man raten, welchen Preis das Gericht als betrügerisch ansehen wird. Es wird der Sarg für über 400 € sein.

      Praxisfremd wie manchmal unsere Gerichte sind, wird man davon ausgehen, dass der Bestatter die Krematoriumsrechnung nur 1:1 durchreichen darf. Damit haben die Kunden einen Sarg für 75,- € bekommen und der nochmals auf der Rechnung aufgeführte Sarg für über 400 € ist Betrug. Daran bemißt sich auch die Schadenshöhe, die man in der Presse lesen kann.

      Wahrscheinlich hat der Bestatter tatsächlich nur einen Denk- oder formalen Fehler begangen, das mag sein. Aber de facto ist es zu einer Doppelberechnung gekommen.
      Mein Rat an ihn wäre: Sofort alle Kunden anschreiben, das Versehen eingestehen und jedem Betroffenen die 75,- € zurückerstatten.
      Das Gesetz kenn meines Wissens bei Betrug nicht den Begriff der tätigen Reue, das gibt es IMHO z.B. bei Brandstiftung. Aber es wäre ein Zeichen dafür, dass die Bestatterin einen versehentlich entstandenen Schaden wieder gut machen will.

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