Starker Tobak

Leser Jens hat mir die folgende PDF-Dokumentation zukommen lassen.
Sie zeigt in eindrucksvollen Bildern Beisetzungs- und Einäscherungsrituale in Indien.
Diese Bilder sind nur für diejenigen geeignet, die sich auch recht deutliche Abbildungen zumuten möchten.

PDF-Download hier

Leser Winnie Winny schreibt dazu:

Lieber Tom,

die von Leser Jens gefundenen Bilder aus Indien scheinen, wenn man sie unkommentiert lässt, einen sehr sorglosen Umgang mit den Toten in Indien zu dokumentieren. Tatsächlich ist meistens aber genau das Gegenteil der Fall.

Die gezeigten Bilder stammen, soweit ich das sehen kann, aus Varanasi, einer indischen Stadt am Ganges. Die Stadt selbst und natürlich auch der Fluß sind für die Inder heilig. In Varanasi zu sterben, ist so ziemlich das beste was einem Hindu passieren kann.

Dazu muss man wissen, dass der Gedanke der Wiedergeburt zentrales Kennzeichen des Hinduismus ist, dieses aber nicht etwas tolles ist, sondern im Prinzip ein immerwiederkehrender Zyklus des Leidens darstellt. Stirbt man in Varanasi bedeutet dieses Erlösung von dem Kreislauf des Wiedergeborenwerdens.

Schon das Bad im Ganges, was ja auch auf den Fotos zu sehen war, wirkt – rein spirituell natürlich – reinigend. Dabei ist die Verschmutzung des Wassers enorm und ein Bad aus hygienischen Gründen keineswegs zu empfehlen. Wer aber das Glück hat, in Varanasi zu sterben, dessen Leiche wird erst an einem der Burning Ghats verbrannt (auch das konnte man auf den Fotos gut sehen) und die Asche dann im Fluss verstreut.

Ghats sind übrigens die Stufen, die zum Fluss herunterführen. Die meisten werden genutzt, um am Fluss zu beten, dort zu baden, die Wäsche zu Waschen oder – wenn man Pech hat – das Geschirr. Auch die Bootsfahren (der Mann in dem Ruderboot) starten von den Ghats aus.

Wer allerdings nicht das Geld hat, seine Verwandten ordnungsgemäß verbrennen zu lassen, behilft sich auch schon einmal damit, den Leichnam direkt dem Ganges zu übergeben. Dieser schwimmen dann einfach im Fluss, verwest dort oder wird von den Tieren als Nahrungsquelle verwendet, bis sich „die sterblichen Überreste“ nach und nach aufgelöst haben. Viel wichtiger ist aber, dass das, was wir bei uns die Seele nennen würden, gerettet ist und der Kreislauf der Wiedergeburten unterbrochen wurde.

Für uns sehen die Bilder vor allem deswegen so gruselig aus, weil das, was sie zeigen, bei uns stets im Verborgenen abläuft – in irgendwelchen Gräbern oder Krematorien. Die Inder scheinen da einen etwas offeneren Umgang mit den Toten zu haben oder wie mir ein Einheimischer dort mal sagte:

Burning is learning,
Cremation is education.

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  • Veröffentlicht am: 16. August 2011
  • 52 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

52 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Also, die Verbrennungen sidn ja bekannt.
    Aber dass die ihre Toten einfach so in den Fluss werfen. Schon merkwürdig. Vor allem, da der Fluss doch auch für Trinkwasser etc. genutzt wird.

  2. OK.Tom, ich dache jetzt haut er wieder einen raus von wegen:

    Diese Bilder sind nur für diejenigen geeignet, die sich auch recht deutliche Abbildungen zumuten möchten.

    DAS ist allerdings wirklich vorwarn bedürftig.

    • Die Bilder sehen aus, als ob die Alle in Frieden gestorben waren-freundlich und lächelnd.

  3. Die Warnung war wirklich notwendig. Mir ist nich gut.
    Wäre dies so etwas ähnliches wie die hier schon einmal besprochene Himmelsbestattung? Verbrannt wurde ja…ähm…wenig.

  4. Das Problem ist wohl, dass sich Arme Leute nicht genug Holz leisten können. Und zum Thema Hygiene… der Ganges ist soooo heilig, da gibt es keine Keime ;-)

  5. Hui, da musste auch ich erstmal durchatmen – Die meisten Bilder sind sicher mehr mit Ekel behaftet, aber der Kinderschädel auf Seite 9 war für mich am… tja… schauderlichsten? traurigsten? gänsehauterzeugendsten?

  6. Das erklaert zumindest den Geruch, der in den Staedten in der Luft haengt. Ich weiss schon, warum ich mir einen Fluss beim Uberquweren einer Bruecke nie genau angeschaut habe. Die sind ja absolut schmerzfrei beim Thema Keime etc. Bei uns waere der Fluss ein Fall fuer die Sondermuelldeponie.

  7. Noch nie in der Geschichte eines Blogs wurden so aufgedunsene Leichen mit so viel Ästhetik dokumentiert…

  8. Huh, das ja selbst für Notfallseelsorger gewöhnungsbedürftig. Dass die Verstorbenen halbgar in den Fluss geworfen werden, hat wirklich den Grund, dass sich viele Menschen das Holz für eine komplette Verbrennung nicht leisten können.

    Wichtig ist im Hinduismus nur, dass der Schädel aufplatzt… der Rest ist ziemlich egal. Und nicht lecker…

  9. Ich schätze für jeden von uns der da einen Schluck Ganges abbekommen würde, würde das wohl das Ende bedeuten.

    Die Leute da müssen ja dermaße abgehärtet sein. *Koppschüddel*

    Na ja, ich weiß schon, wieso ich mit Indien nichts anfangen kann …

  10. Hoffentlich halten mich jetzt nicht alle für unsensibel oder so, aber was ist an diesen Bilder noch schlimm?

    Ich finde das man in jedem Action/Horror/Psycho Film, schlimmeres sieht. Oder wenn man auf manchen Zeitungsseiten/Blogs aus Krisengebieten anguckt sieht man oft schlimmeres.

    Auch wenn mich das ein wenig geschockt hat, was die da so im FLuß rumschwimmen haben und sich dann darin waschen und trinken. Den Gedanken daran finde ich ekliger wie die ganzen Fotos zusammen.

  11. Zumindest haben wir jetzt eine Vorstellung, wenn Tom von einer „aufgedunsenen Wasserleiche“ schreibt.
    Ich will mit Dir nicht tauschen. Respekt, dass Du solche Kunden auch ordentlich unter die Erde bringen kannst.

  12. Was ICH an den Bildern schockierend, ekelhaft finde….
    da waschen sich Leute in diesem Wasser, trinken es wahrscheinlich, waschen ihre Wäsche drin…. *würg*

  13. Ich möchte lieber nicht wissen, wie viele Pilger nach ihrem Bad im heiligen Fluss selbst ein paar Wochen später im Fluss landen. Ich habe einfach Mitleid mit den Menschen, die so arm sind, dass sie den Fluss als Wasserquelle nutzen müssen oder so verblendet, dass sie ihn als heiligen Fluss für rituelle Waschungen nutzen…

  14. Habe ich das gechrieben? Nö Tom, aber danke für die Blumen. Guter Artikel von wem auch immer.

  15. Ich muss mich Stephan anschließen. In Horrorfilmen und Kriegsberichterstattungen bekommt man ähnliche Bilder zu sehen. Der Anblick der Leichen ist wirklich weniger schokierend als die Vorstellung, dass die Leute das Wasser zum Waschen und Trinken nutzen (müssen).
    Ich habe vor Ewigkeiten mal eine Dokumentation über den Ganges gesehen, in dem gezeigt wurde, dass schon direkt nach der Quelle ungefiltert das Abwasser von chemischen Fabriken da hineingeleitet wird.
    Oh. Ich habe gerade mal bei Wikipedia geguckt: „Täglich werden über 1,2 Mrd. Liter vergiftetes Abwasser eingeleitet, allein in Kalkutta 320 Mio. […]Die Belastung durch Kolibakterien ist 2000-mal höher als in Indien erlaubt und das Wasser enthält hohe Konzentrationen von Cyaniden, Arsen, Blei, Zink, Chrom und Quecksilber. Hinzu kommen Exkremente und Leichenreste sowie Cholera- und Typhusbazillen. Die großen Städte entlang des Ganges beziehen 70 Prozent ihres Trinkwassers aus dem Fluss.“

    Oha. :o

  16. So sehen Leichen manchmal aus, das ist auch in Mitteleuropa kein völlig unbekannter Zustand – Wasserleichen, Wohnungsmumien vereinsamter alter Menschen, „Kadaverfrass“ an den unbeerdigten (bzw. erst nach Wochen oder Monaten beerdigten) Toten auf den Schlachtfeldern des unselige „2. Weltkriegs“ (die Knochen dieser Menschen werden heute noch gefunden).
    Wir können uns in Mitteleuropa aufgrund des Wohlstands eine andere Kultur leisten als viele, viele Menschen, in jeder Hinsicht – sowohl Umweltschutz wie auch Hygiene oder Beerdigungen sind finanziell aufwändig, man sieht das unter anderem immer wieder (wenn auch nicht immer so reflektiert) an Bestattungsrechnungen, die TOM hier kommentiert.

    @ArnoG (17):
    Selten war die saloppe Formulierung „…schaufelte sich sein eigenes Grab…“ so angemessen, weil passend, wie über Ihrem Kommentar: Mit „Toleranz“ hat das alles nichts zu tun, und wenn überhaupt, hat das Gezeigte mit „armen Schweinen“ (wenn Sie so wollen – ich will nicht) zu tun – aber nicht mit Dreckschweinen. „Not kennt kein Gebot“ – uns geht es gut genug, um das nicht kennen zu müssen. Seien Sie dankbar dafür.

  17. Ich war mal dort in Varanasi.
    Ging auch mit dem Boot über den Ganges. Und das, was darin schwamm.

    Nur- was ist (abgesehen von der Trink- und Brauchwasserhygiene) daran schlimm? Es ist ein Aspekt menschlichen Lebens, zu sterben und zu vergehen, auf welche Art auch immer.

  18. Haltet mich für total gestört, aber einige der Bilder haben echt was. Es ist die ungeschminkte Wahrheit, so ähnlich wird jeder irgendwann aussehen.
    Bei uns herrscht das andere Extrem: Tod und alles drumherum ist Tabu.
    Abgesehen davon, dass das hygienisch ne absolute Katastrophe ist, finde ich diesen offenen Umgang aber besser als unseren.

  19. Nunja. Die Bilder zeigen eigentlich nichts, was der menschlichen Existenz fremd ist. Jetzt muss man sich entscheiden: akzeptiert man die Realität oder nicht?

    Wenn man sich mal damit abgefunden hat, was einfach *ist*, und akzeptiert, dass alles aus Umständen und Bedingungen heraus passiert, dann kann man auch alles verzeihen.

    Alles verstehen heißt alles verzeihen.

    Servus,
    Konni

  20. [quote=“Kommentator“]Wir können uns in Mitteleuropa aufgrund des Wohlstands eine andere Kultur leisten[/quote]

    Indien ist in Bezug auf Wohlstand tief gespalten. Auf der einen Seite aufstrebende Wirtschafts- und Technologienation, andererseits rückständiges Entwicklungsland. Während eine Tasse Tee im Taj Mahal Palace 350 Rupien kostet, könnte man sich davon auf der Straße 15 warme Essen leisten.

    Während es 2003 in Mumbai druchschnittlich eine Toilette pro 50 Bewohner gab, waren es in Dharavi, Asiens größten Slum, statistisch gesehen 2.000 Bewohner pro Toilette. Das bedeutete nicht, dass es dort meterlange Schlangen vor den Klos gab, vielmehr verrichten die Leute ihr Geschäft dort, wo es schon ihre Vorfahren gemacht haben, auf den Feldern.

    Gerade in dichtbesiedelten Gebieten, wo es mehr Menschen als Feldfläche gibt, ist das natürlich schon ein hygienisches Problem – allerdings eher für die Kommunen als für die Menschen vor Ort.

    Diese sind schon seit vielleicht mehreren hundert Generationen gewohnt, die Felder mit ihren Exkrementen zu düngen, was insbesondere in Gegenden mit nährstoffarmen Böden durchaus seine Funktion haben kann. Für uns „Mitteleuropäer“ mag das zunächst abstoßend wirken, man würde den Indern damit aber nicht gerecht werden.

    Tatsächlich ist Reinheit ein sehr zentrales Motiv im Hinduismus. Ein Hindu würde beispielsweise niemals die linke, unreine Hand (also die, mit der er sich den Hintern abwischt) zum Essen verwenden oder jemanden mit links den Kopf steicheln. Dafür nimmt er ausschließlich die rechte Hand. Das klingt befremdlich, ist aber sinnvoll, da sauberes Wasser oftmals rar ist und meistens kein Toilettenpapier zur Verfügung steht.

    Auch bei den Bildern von den Leichen im Ganges muss man sich vor Augen führen, dass deren Weltbild ein anderes ist, als bei uns. Die Menschen sind (davon gehe ich aus) eines natürlichen Todes gestorben und erhalten im Rahmen ihrer Möglichkeit die Bestattungsform, die sie sich gewünscht haben – Nichts anderes würde Tom hier doch auch machen…

  21. @ ArnoG: Toleranz hin oder her: Wenn du so arm wärst, dass du dir kein Dach über dem Kopf, geschweige denn eine Toilette leisten könntest, und kein Geld hast, um deine toten Angehörigen verbrennen zu lassen, wärst du ebenfalls ein Dreckschwein.

    Das der Mensch Extremente produziert, und eine verwesende Leiche hinterlässt, ist unvermeidlich. Hier hast du nur das Glück, dass eine funktionierendes Abwassersystem zur Verfügung steht und das der Staat für Beerdigungen aufkommt, auf wenn du als armer Mensch (und unsere Armut bewegt sich auf hohem Niveau und ist nicht mit der in Indien vergleichbar) kein Geld dafür hast.

  22. Ich wußte, dass in Indien die Leichen verbrannt werden und die Asche in den Ganges gekippt, was ein Verschmutzungsproblem bedeutet. Einfache Rechnung: es gibt so und so viel Inder, wenn dabei auch nur von 50 % die Asche im Fluß landet, ist der irgendwann mal voll.

    Ich wußte NICHT, dass die auch ganze Leichen da reinschmeissen. Sollte ich mal wieder eine Indien-Reise planen, werde ich das aber im Hinterkopf behalten …

    Wenn ich mich nicht irre, wird das heilige Ganges-Wasser für die weiter entfernt wohnenden Hindus ja auch abgefüllt (bzw die Leute füllen bei ihren Besuchen selbst ab), um davon für Rituale immer etwas im Haus zu haben.

    BTW: ich lebe noch, war nur die vergangenen Wochen (direkt nach Rückkehr vom Urlaub) etwas „aus dem Verkehr“ gezogen. Wegen „Rücken“ konnte ich von einem Tag auf den anderen nicht mehr aufstehen, hatte tierische Schmerzen … :-(

  23. Ich finde die Bilder nicht ungewöhnlich, das liegt aber daran, dass ich solche Bilder schon oft bei einer bekannten gesehen habe, die regelmäßig nach Indien und Tibet fährt. Soweit sie mir das erklärt hat leben viele Menschen auch direkt an dem Fluss um den Kreislauf von Leben und Tod zu verinnerlichen sowie nicht mehr an angenehmen Sinneseindrücken anzuhaften. Die Hardcore Hindus und Buddhisten meditieren dort wochen und monatelang.

  24. Wenn man kein Geld für Holz hätte, wäre es da nicht „sinnvoller“ die Leichen zu vergraben? Ja ja ich weiß, die Religion, derheilige Fluss… Aber sieht man da nicht wieder, wie dogmatische, religiöse Vorschriften oder Tradition, die vielleicht vor langer Zeit einmal gut waren, irgendwann einfach nur unsinnig sind oder sogar wie in diesem Fall mehr schaden als nützen?

  25. @ Jule

    Ich glaube, in den Sommermonaten ist der Boden dort zu trocken, und in der Regenzeit zu naß und durchgeweicht. Auf dem Foto auf Seite zwölf kann man an dem weißen Gebäude rechts im Bild sehr gut den Wasserstand erkennen, den der Ganges in der Regenzeit hat. Alles was gelb ist, liegt dann unter Wasser.

    Beerdigen ist also keine gute Alternative. Der Ganges sorgt zumindest dafür, dass die Leichen bzw. die Asche mit den Überresten (keine Ahnung, ob die dort auch Knochenmühlen verwenden) früher oder später weggespült werden und sich dann im Meer verteilen.

    Religiöse Regeln und Rituale haben ja oftmals einen ganz alltagsbezogenen Nutzen. Möglich, dass die religiösen Ursprünge der Flussbestattung in Varanasi gerade darauf beruhen, die Leichen unkompliziert entsorgen zu können, um unhygienischen Zuständen und somit auch Krankheiten entgegenzuwirken.

  26. 1.
    Damit es UNS gut geht, trage ich täglich meinen kleinen Teil dazu bei.
    2.
    Bevor ich einen Verwandten in den Fluss werfe, begrabe ich ihn, mit Hilfe einer leeren Konservendose, notfalls illegal in einem Waldstück.
    3.
    @alica
    Sie wären doch die Erste, die ihre Kinder zum Spielen nicht an den Fluss lassen würden.
    @shark
    Wenn ich Mittwochs Morgens um 10.34 Uhr die Zeit habe, vorm Blog sitzen zu können, wird meine Beerdigung bestimmt auch mal vom Staat bezahlt.
    4.
    Auch auf die Gefahr hin aus dem Blog zu fliegen:
    DAS SIND DRECKSCHWEINE
    Jezt könnt Ihr loslegen….

  27. Komme etwas spät zum kommentieren, und wollte eigentlich gar nichts schreiben. Denn dem was Winny schrieb (und was du dankenswerterweise zitiert hast) habe ich nichts hinzuzufügen. Ich war auch lange in Indien (wenn auch nicht in Varanasi), aber als Gast im Land bekommt man die Bestattungsrituale eher nur von der Ferne mit, und ich hätte es als unhöflich empfunden, bei einer öffentlichen Verbrennung „mit der Kamera draufzuhalten“, das gebietet der Respekt vor dem Toten. Trotzdem finde ich solche Bilder wichtig (vor allem mit Winnys Kommentar dazu), damit man nicht erschrocken ist, falls man sich plötzlich in Indien wiederfinden sollte und feststellt, dass es da Freiluft-Krematorien gibt.

    Der Geruch brennender Leichen ist übrigens gar nicht mal so unangenehm. Ein wenig nach Holzkohle, Rauch und Jasminblüten. Und, nein, die mischen da kein Räucherwerk in den Scheiterhaufen. Verwesung oder Kinderkacke riecht wesentlich unangenehmer, und hygienischer ist die Verbrennung auch. Und außerdem auch würdevoller, finde ich. Ob man nun gläubig ist oder nicht, ich finde, die Idee, dass die Seele durch das Feuer aus dem Körper befreit wird, wesentlich überzeugender als das Vermodern in der Erde.

  28. Andere Länder, andere Sitten.
    Vielleicht halten die Hindus (heißt das so?) ja unsere Friedhöfe für aus ihrer Sicht perverse Totenverwesungsplätze?
    Andere Länder, andere Sitten.
    B. A.

  29. @simop, Turtle of Doom
    Ich habe den Eindruck IT-Siggi/Gernot ist reinkarniert ;-)

  30. @Big Al (30),
    das weiß ich nicht, aber ich weiß dass in den Gegenden Indiens (Goa, Kerala), in denen es sowohl Katholen als auch Hindus (und ja, auch Moslems und Juden) gibt, sie sich gegenseitig einfach in Ruhe lassen, was es ihnen aber nicht nimmt, die jeweils anderen Sitten und Gebräuche „seltsam“ (O-Ton: „strange“) zu finden.

  31. Da wünsche ich einen gesegneten Appetit!
    Dörfs es bitzeli meh sii?

  32. Ja, das ist schon seltsam mit den Leuten hier. Da wird ein Industriekomplex nicht gebaut, weil mal ein Feldhamster gesichtet worden sein soll, aber wenn ein paar Tausend Kilometer weiter Leute ihren Müll und ihre Toten in den zu einer glibbrigen Brühe verkommenen Fluss schmeißen, aus dem wiederum Millionen andere trinken müssen, dann ist das herzigste Folklore und um alles in der Welt zu verteidigende Gebräuche, in die man sich als böse Europäer (Kreuzzüge! Kolonien!) nicht einzumischen hat.

  33. Ich kann(28)ArnoG und (34) Matthias nur uneingeschränkt zustimmen! Deren Ausführungen ist nichts hinzuzufügen.

  34. Hmm, naja andere Länder andere Sitten. Was ich nur nicht verstehen kann ist, wie die Leute in dieser Drecksbrühe auch noch baden können.

    Irgendwie ganz schön Krass das ganze.

  35. Ich glaube, das Tabu gegen Kremierung im Christentum hat(te) auch was mit der Vorstellung des Jüngsten Gerichts und der Auferstehung der Toten zu tun – ähnlich wie ja auch in manchen Lehren des Judentums von einer körperlichen Auferstehung ausgegangen wird (soweit ich weiss). Und dazu „braucht“ es nun mal einen Körper, egal, wie weit der schon vergangen ist. Wird die Leiche hingegen verbrannt, ist sie endgültig weg und keine Auferstehung möglich.

  36. @ ArnoG:

    [quote]Bevor ich einen Verwandten in den Fluss werfe, begrabe ich ihn, mit Hilfe einer leeren Konservendose, notfalls illegal in einem Waldstück.[/quote]

    Das kannst du machen, richtig: Da du die Möglichkeit hast, die Leiche zu einem Wald zu transportieren. Wenn du hingegen als mittelloser Inder, in den Slums der indischen Großstädte leben müsstest, hättest du keine Möglichkeit eine Leiche bei den dort herrschenden Temperaturen mal eben über die Schulter zu werfen und ein paar tausend Kilometer zum nächsten Wald mit ihr zu gehen.

    Ganz angesehen davon würdest du das nicht wollen, wenn du in einer Kultur aufgewachsen wärst, in der du beigebracht bekommen hast, dass die Seele der Toten nicht freigesetzt werden kann wenn der Körper beerdigt, anstatt verbrannt und/oder dem heiligen Fluss übergeben wurde.
    Jemand wie du fühlt sich jetzt sicher über diesen Aberglauben unendlich erhaben – aber auch das ist der Verdienst der Kultur, in der du aufgewachsen bist: die Möglichkeit ein atheistischen Weltbild in Betracht zu ziehen. Als ein im Slum lebender Inder ohne Schulbildung wäre das kaum möglich.

    [quote]Wenn ich Mittwochs Morgens um 10.34 Uhr die Zeit habe, vorm Blog sitzen zu können, wird meine Beerdigung bestimmt auch mal vom Staat bezahlt[/quote]

    Ja? Das tut mir Leid für dich.
    Meine voraussichtlich nicht, da die Tatsache, dass ich Morgens vor dem Blog sitzen kann daher rührt, dass ich studiere und ich mit dem, was ich als Akademiker verdiene, sicherlich meine Beerdigung selbst zahlen können werde.

  37. @Shark: Oh Mann, jetzt hat deine Argumentation völlig die Basis des gesunden Menschenverstandes verlassen.
    Kennst du „si tacuisses, philosophus mansisses“? Vielleicht möchtest du einiges davon zurücknehmen, ehe die Leute anfangen, das zu zerpflücken.

  38. Ich bin ehrlich gesagt regelrecht schockiert darüber, wie weit weg manche Leute hier von der Realität sind. Menschen die am Morgen vor dem Rechner sitzen = Arbeitslos? Arme Menschen = Dreckschweine? Tote mit Konservendosen im Wald vergraben? In Indiens Hauptstadt? *kopfschüttel*

  39. @Matthias
    Sumindest über ein gesundes Selbstvertrauen scheinst Du ja zu verfügen.

  40. @Matthias:

    Ich wüsste nicht, wo es meiner Argumentation – die ich zugegebenermaßen auf ArnoG’s vermutlichen Verständnishorizont hinunter zu schrauben versucht habe – an gesundem Menschenverstand mangeln sollte.
    Fühle dich frei sie zu zerpflücken wenn du möchtest. ;)

  41. *bin mal eben weg, chips holen* Fangt ja nicht ohne mich an.

  42. Ich weise auch noch mal darauf hin das es Theorien darüber gibt das die indischen „Begräbnisriten“ für Kreutzfeld-Jacob und den Rinderwahnsinn BSE im allgemeinen als Ursprung zu sehen sind.

    Wie? Nun, Leichen ärmerer Inder werden wie gezeigt einfach in den Fluss „hineinbestattet“ und werden auch schon mal am Ufer angeschwemmt. Die Unart Knochenmehl an Rinder zu verfüttern war in den 80ern und 90ern und (teilweise heute noch) weit verbreitet. Woher kommt dieses Knochenmehl? Von überall aus der Welt, meist aus tierischer Verwertung. Auch aus Indien, allerdings dort auf erheblich einfachere Art hergestellt – Knochenmehl stammt dort aus recht einfachen Betrieben die lokal tierkadaver verwerten. Wenn man die Armut mit in die Rechnung nimmt stellt sich die Frage wo der Anstand gefundene Leichen mit in die Mühle zu stecken anfängt oder aufhört. Die verkaufbare Masse erhöht es auf jeden Fall dramatisch und es würde erklären wie krankes Hirngewebe überhaupt in die Nahrungskette kommen konnte.

  43. Ich würde mich da gar nicht so drüber aufregen, und Dreckschweine würde ich auch niemanden nennen wollen.

    Warum hat jemand hier ein Problem damit, daß im total verdreckten und vollgeleichten Ganges Menschen auch lebend baden? Das mag hygienisch bedenklich sein, nur gibt es überall Hygieneprobleme. Nur sieht man die vielleicht nicht ganz so gut. Siehe EHEC, Salmonella enteritidis, Clostridium difficile, Norovirus und so.

    Dort sieht man den Dreck wenigstens. Hier wird der Dreck gefressen, den man NICHT sieht.

    Außerdem: Wenn Deine Badewanne sauber ist, dann freue Dich drüber, und ärgere Dich nicht über Menschen, die keine haben.

  44. Diese armen Länder sind nicht zuletzt wegen solchen Traditionellen Ritualen so arm!

    Der Hunger der Welt könnte gestillt werden, wenn die Leute, die es sich nicht leisten können keine 10 Kinder gebären und sterben lassen. Aids wäre kein Thema, wenn die Kondome benutzen würden! Ich meine mich zu erinnern, dass in Indien sehr viele wegen dem verdreckten Wasser erkranken. Kein Wunder! Leichengift ist ja auch nicht förderlich für die Gesundheit!

    Diesen Menschen kann man nicht helfen, da sie sich selbst nicht helfen wollen.

    Guckt euch an wie wir hier leben und wie manch andere leben – das liegt nicht an den Sitten, sondern an dem ungebildeten Volk!

  45. @Shark: Aus dir spricht der ach so gönnerhafte und verständnisvolle Vorstadteuropäer, der in seinem Leben nie einen Tag Not leiden musste und absolut keine Ahnung davon hat, was Armut tatsächlich für die Betroffenen bedeutet. Keine Ahnung zu haben hält dich aber nicht davon ab, eine Vorstellung zu haben, eine von den Birnbauer-Rüsselschweiß’ dieser Welt geprägte Vorstellung der ach so darbenden Negerkinder, immer mit einer Fliege auf der Wange.

    Du hast vielleicht beim Wort „Negerkinder“ geschluckt, verbindest aber gleichzeitig ohne Scham einen geringeren Wohlstand sofort mit Apathie und Dummheit. Ursache und Wirkung sehen bei dir so aus, dass Arme plötzlich zu nichts mehr in der Lage sind, und sei es, ihre Toten vernünftig zu bestatten – oder zu entsorgen.

    „Da du die Möglichkeit hast, die Leiche zu einem Wald zu transportieren. Wenn du hingegen als mittelloser Inder, in den Slums der indischen Großstädte leben müsstest, hättest du keine Möglichkeit eine Leiche bei den dort herrschenden Temperaturen mal eben über die Schulter zu werfen und ein paar tausend Kilometer zum nächsten Wald mit ihr zu gehen.“

    Ich wüsste nicht, dass die Inder alle direkt am Fluss sterben. Erleichtert natürlich das Leben der mittellosen Inder, die nicht fähig wären, die Leiche bei den dort herrschenden Temperaturen ein paar tausend Kilometer zum nächsten Wald zu transportieren.

    Vielleicht könnte man aber auch auf folgende Gedanken kommen, wenn man nur eine Sekunde sein graues Brötchen anstrengen würde:
    – Der nächste Wald ist wohl keine 100 km entfernt.
    – Es braucht nicht mal ein Wald zu sein. Eine freie Fläche tut es auch.
    – Auch in Indien gibt es Transportunternehmen. Mit angepassten Preisen.
    – Armut allein verursacht keine Bewegungsunfähigkeit.

    Den tatsächlichen Grund für die ganze Misere nennst du später. Die Religion, dieser zerstörerische Aberglaube. Armut ist aber keine Entschuldigung dafür, das wichtigste Trinkwasserreservoir von Millionen Menschen zu verpesten, auch nicht Armut im Geiste. Ja, ich fühle mich über diesen Aberglauben erhaben. Du hingegen fühlst dich über deren Armut erhaben, wie du gönnerhaft ihre Handlungen mit den geringen Mitteln entschuldigst. Und ebenso über ihre Bildung, wie dein späterer Kommentar zeigt. Nur mal so: Wenn du als Student um halb 11 morgens rumsurfen kannst, wird es kaum etwas sein, was nicht im Endeffekt von Steuergeldern bezahlt wird, Herr Akademiker.


  46. ziemlich erschreckend, was hier teilweise von sich gegeben wird!
    Menschen die noch niemals in Indien waren, sollten vielleicht vorsichtig sein, was sie von sich geben. Wer noch nie in seinem Leben einen Slum gesehen hat, eine Großstadt in Indien etc. hat gar keine Vorstellung davon…
    Die Menschen die die Leichen unverbrannt in den Fluss werfen machen das nicht ohne Grund! Die Menschen können es sich nicht einfach mal leisten mit einer Leiche im Gepäck auch nur 20 km weit zu fahren. Davon abgesehen, dass 20km hier vl 20 min dauern, aber in Indien noch lange nicht!
    Natürlich gäbe es für uns andere Möglichkeiten, wir haben das Wissen und die Möglichkeit dazu. Ein Inder aus einem Slum allerdings nicht.
    Übrigens sterben etliche Menschen direkt am Ganges, sie werden noch lebend dort hingebracht, das können sich aber nur reiche Inder leisten und die werden sicher auch verbannt.

    Indien ist ein tolles Land, mit tollen Traditionen von denen Deutschland noch lernen kann. Nichtsdestotrotz gibt es jede Menge Probleme, die gelöst werden müssen. Man sollte jedoch NIE auf diese Menschen herabschauen.
    Wer kann schon etwas dafür, wo er geboren wird und welche Schulbildung man bekommt?

  47. Es stimmt wirklich Vieles was hier geschrieben wird, anderes aber auch nicht.
    1. @BigAl
    Sie haben geschrieben, dass die Inder unsere Bestattungsweise
    sicher als ungewöhnlich ansehen bzw. fast schon pervers.
    Doch Mahatma Gandhi, der bekannteste Inder überhaupt,respektierte das
    Christentum und damit auch unsere Bestattungsweise.
    2. Mir fällt es auf, dass seitdem ich diesen Beitrag las, dieses Thema im normalen Schulunterricht sehr heruntergespielt wird, obwohl das Sterben genauso wie das Leben dazu gehört. Mehrmals habe ich dieses Thema angesprochen mit der Bitte darum einmal mehr auf die genauen Lebensumstände und die Verhältnisse der Beerdigung einzugehen. Doch es hieß nur, dass der Ganges der heilige Fluss ist und dass es sich lohnt, dort hinzufahren. Dass dieser Fluss allerdings als Massengrab dient, wurde uns aber verschwiegen.

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