Was trugen die Opfer vom Amoklauf in Winnenden für eine Kleidung?

Leserzuschrift:

Dieses schreckliche Ereignis ist nun schon 7 Jahre her.
Ich habe die Tage noch mal 2,3 Artikel darüber gelesen, was damals geschehen ist und die Tage danach.

Auch habe ich gelesen, daß man die toten Schüler bereits zwei Tage später im Krankenhaus, in offenen Särgen aufgebahrt hatte.
Sorgfältig zurechtgemacht, frisiert und geschminkt, damit die Verletzungen nicht zu sehen waren. Um den Angehörigen einen würdevollen Abschied zu ermöglichen.
Ich kann mir vorstellen, die Bestatter, welche die traurige Aufgabe damals hatten, haben sich unter größter eigener Belastung viel Mühe damit gegeben.

Die Frage, die mir beim Lesen dieser Schilderung in den Sinn kam:

Die Kleidung welche man den toten Schülern damals angezogen hat?

Ich nehme an, nicht die Sachen vom Tag als es passierte. Die meisten Kleidungsstücke waren sicher
blutverschmiert oder beschädigt (zerschnitten).

Und ich kann mir vorstellen, daß man die betroffenen, traumatisierten Eltern so kurz danach vielleicht nicht damit belasten wollte, zu Hause die Kleidung herauszusuchen, die dem eigenem Kind im sarg angezogen werden soll.

Haben die beteiligten Bestatter vielleicht deshalb selber Totenhemden ausgesucht und den verstorbenen Kindern angezogen ?

Weiß man (Du) etwas darüber, oder ist auch davon nichts an die Öffentlichkeit gelangt ?

Vielleicht kannst Du mir diese Frage beantworten.

Gerne gebe ich Dir eine Antwort, wenngleich ich natürlich die exakten Umstände in Winnenden nicht kenne.
Aber grundsätzlich es so, dass Bestatter eine ganze Reihe von so genannten Talaren im Angebot haben, mit denen Verstorbene bekleidet werden können, wenn keine eigene Kleidung vorliegt.

Diese Talare werden oft auch Sterbehemden genannt, wobei der Name natürlich völlig falsch ist, da in diesen Hemden ja niemand stirbt. Leichenhemd wäre eventuell eine bessere Bezeichnung. Weil das aber so hart klingt, greift man zu dem Euphemismus „Talar“.

Diese gibt es in den unterschiedlichsten Ausführungen. Am bekanntesten sind die weißen Talare mit Spitzenverzierung, wie man sie vorwiegend älteren Leuten anzieht. Es gibt aber auch durchaus welche, die aussehen wie ein T-Shirt oder ein Anzug mit Schlips und Weste.

So gesehen, würde auch für jedes der jugendlichen Opfer von Winnenden ein passender Talar vorhanden gewesen sein.

Jedoch ist es überhaupt nicht ungewöhnlich, die Angehörigen um eigene Kleidung für die Einbettung zu bitten.
Die Angehörigen wissen doch, dass ihr Verstorbener etwas anziehen muss, und es ist für sie oft auch ein Akt der letzten Zuwendung, wenn sie etwas Besonderes oder Schönes für den Verstorbenen aussuchen können.

Ich nehme an, dass die meisten Jugendlichen eigene Kleidung von daheim anhatten und in den Fällen, in denen das nicht möglich war, auf einen Talar zurückgegriffen wurde.

Und wenn es ein Talar ist, dann ist das nicht so, dass der Bestatter immer einfach irgendeinen aussucht, sondern die Familien verwenden oft viel Zeit darauf, unter den vielen angebotenen Leichenhemden das richtige auszuwählen.

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  • Veröffentlicht am: 29. März 2016
  • 1 Kommentar
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

1 Kommentar » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Danke für Deine ausführliche Antwort, die weitergeholfen hat.

    Und als kleine Anmerkung, an den Bezeichnungen „Sterbehemd“ oder auch „Sterbewäsche“ habe ich mich auch schon gestört.
    Wie Du es gesagt hast, es wird ja nicht darin gestorben, sondern erst wenn genau das passiert ist, bekommt man danach, falls gewünscht ein „Sterbehemd“ angezogen.

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