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Bestattungen definieren sich neu – Corona

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Ein Virus hat die Welt verändert. In weiten Teilen den öffentlichen Lebens haben wir uns auf veränderte Bedingungen einstellen müssen. Einige neue Spielregeln mussten auch trauernde Hinterbliebene und Bestatter, sowie Friedhofspersonal hinnehmen. Vielleicht waren die anfänglichen Beschränkungen übertrieben, wer weiß das schon. Deutsche neigen auch dazu sehr stempelgehorsam und von teils voreiliger Erfüllungspflicht geprägt zu sein.

Doch die veränderten Abläufe auf den Friedhöfen haben Angehörigen und Bestattern auch Alternativen gezeigt. Dass man Beisetzungen auch ohne Feier in der Trauerhalle abhalten kann, haben inzwischen viele begriffen.

Statt mehr als 300 Euro für 20 Minuten Trauerhallennutzung auszugeben, wollen viele Angehörige auch jetzt – da viele Bestimmungen wieder gelockert wurden – lieber eine komplette Zeremonie am Grab.
Auch entdecken viele Familien die Möglichkeit wieder, in der örtlichen Kirche für weitaus weniger Geld eine Trauerzeremonie abhalten zu können.

Fast alle Bestatter verfügen heute über mobile Soundanlagen, damit sie Musik abspielen und die Ansprachen verstärken können. Außerdem genießen es viele Bestatter, nun ihr gesamtes Dekorationsgeschick und ihre Gestaltungsideen auch mal am Grab zeigen zu können.

Woran es noch hapert: Noch sind die wenigsten Friedhöfe und längst nicht alle Bestatter auf Zeremonien im Freien eingestellt. Es fehlt an mobilen Überdachungen (in Form besserer Partyzelte) und ausreichenden Sitzgelegenheiten. Damit diese Form der Beisetzung zum Erfolg werden und Bestand haben kann, müssen zwangsläufig für die (älteren) Beerdigungsgäste ausreichend Stühle aufgestellt werden.
Mittlerweile dürfen wir ja in Deutschland mit viel mehr trockenen Tagen rechnen, als in der Vergangenheit. Trotzdem müssen sich die Friedhöfe und Bestatter darauf einstellen, auch für möglicherweise schlechtes Wetter gerüstet zu sein.

Friedhöfe können ihre Bedeutung und durchaus auch ihren Charme nur erhalten, wenn sie sich flexibel und bereitwillig auch solchen Trends öffnen.

Was meinst Du dazu?

Bild: Courtesy Cemetery Service JM

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Peter Wilhelm 15. Juni 2020


5 Kommentare von 141338.

  1. Ich fürchte, dass auf den meisten Friedhöfen kein Platz sein wird, um am Grab eine grössere Feier (inkl. Ansprache, Musik etc) abzuhalten. Nehmen wir mal das typische Reihengrab: Links/rechts hinten max ein Meter Platz zum nächsten Grab, vorne ein drei Meter breiter Weg. Da können sich einige Gäste hinstellen um sich, nach dem letzten Segen, zu verabschieden. Aber wo sollen da die ganzen Stühle hin, wenn die Zeremonie am Grab ne halbe Stunde oder länger dauert? Trauergäste sind ja von Natur aus die älteren Semester -will man denen zumuten, das Ganze im Stehen zu absolvieren (ich selbst habs mit dem Stehen auch nicht, mir tut nach spätestens 15min das Kreuz weh. Ich laufe lieber 5 Stunden, als eine halbe Stunde zu stehen).
    Ich kann mir die Situtation auf dem Bild (so schön ich sie finde) beim besten Willen nicht auf einem unserer Friedhöfe vorstellen.

  2. Ich kann mich „Techniker“ da nur anschliessen. In den meisten Fällen fehlt tatsächlich der Platz – wobei bei uns beispielsweise zwischen Reihengräbern gerade mal eine Fußlänge Platz ist (Sind die Reihen voll, kann eine Person mit einem Rollator das Grab nicht mehr erreichen!) Ein weiterer Negativpunkt ist bei Reihengräbern in unserer Gemeinde teilweise die Vernachlässigung durch die Stadt. So kann es gerne mal 5 Monate dauern, bevor die Nachbargräber eingeebnet sind und von den Angehörigen gepflegt werden können!
    Bezüglich der Trauerfeiern, die wir in den letzten Wochen im Freien abgehalten haben, waren diese tatsächlich sehr schön, das gute Wetter hat dabei aber eine wesentliche Rolle gespielt. Im strömenden Regen oder bei Kälte wären diese sicherlich nicht nur in guter Erinnerung geblieben. So schön es draussen auch war – manchmal fehlte die Privatsphäre für die Angehörigen. Friedhofsbesucher oder -spaziergänger besitzen nicht immer das nötige Feingefühl und leider mussten wir einige Male erleben, dass diese dann mitten durch die Trauergemeinde gelaufen sind. Dies auch, um beispielsweise nur mal eben die Gießkanne zu füllen und dann den gleichen Weg durch die Angehörigen zu nehmen.
    Außerdem sind auf den Friedhöfen auch immer weitere Gewerke (Steinmetze, Gärtner etc.) mit ihren Autos unterwegs und wissen nicht, wo gerade eine Trauerfeier ist.
    Und noch eine Anmerkung: Eine Abschiedszeremonie mit einem Sarg oder einer Urne in der Kirche ist nicht immer preiswerter, denn auch die Kirchen verlangen teilweise eine nicht geringe Gebühr, diese übersteigt sogar teilweise die Gebühr für die städtische Trauerhalle…!

  3. Für Trauerfeiern im engsten Familienkreis ist vielleicht so ein Pavillon schöner als verloren in einer Kapelle (die vielleicht noch nicht mal schön ist) zu sitzen.

    Hier bei uns auf dem Land hätten wir Platz so Zelte zu stellen. NUR wer stellt sie auf? Wohl keiner kostenlos.
    Wir haben hier meistens öffentliche Beerdigungen/Trauerfeiern bei denen oft die Aussegnungshalle voll besetzt ist und noch welche stehen müssen.
    Vielleicht ist so ein „Zelt“ einfach eine schöne zusätzliche Alternative zu Kirche und Aussegnungshalle.

    Mir fällt gerade so ein, dass wir unsere Aussegnungshalle erst seit ca. 35 Jahren haben. Davor war es wohl normal, dass man stehen mußte. Ob es ein paar Stühle für Ältere gab weiß ich nicht.

  4. Ja, ich habe auch den Eindruck, daß sie durch die Pandemie die Bestattungskultur geändert hat. Und das wohl bei all´ den verschiedenen Beteiligten.
    Das Kontaktverbot führte zu kleineren Trauerfeiern. Die auf dem Friedhof habe ich auch immer als sehr ansprechend erlebt – das Wetter kam natürlich zu Gute. Lautsprecher und Stühle und Zelt kamen vom Bestatter. Der hat schnell reagiert.
    Gleichzeitig haben viele aber die Trauerfeier „wegen Corona“ noch kleiner gehalten als eh schon. Und wenige kommen, kann ich auch gleich mehr sparen: am Sarg, an Blumen, an der Überurne.
    Diese „kleinen“ Beerdigungen werden vermutlich auch nach dem Kontaktverbot weiter existieren.
    Einbußen haben aber auch Floristen und die „Spende statt eventuell zugedachter Blumen“.
    Und ganz heftig: für für die Gastronomie. Kein Kaffee, Brötchen, Kuchen, Suppe und Pils mit Korn danach.

    Wenn einer Kirchenmitglied ist, habe ich hier in Westfalen und am Niederrhein noch nie erlebt, daß eine Pfarrei Geld für den Trauergottesdienst / Messe genommen hat.
    Daher ist es hier auch schon vor Coronazeiten (wieder) üblich geworden Sarg oder Urne in die Kirche zum Gottesdienst zu bringen und dann direkt (ohne Halt, und so ohne Kosten, in der kommunalen Trauerhalle) am Grab weiterzumachen. In diesen Fällen ist die Folge erst Kirche dann Grab sinnvoll und stimmig.
    Aber für jene die „nur“ in der Trauerhalle sind, dann oft trostlos. Denn umsoweniger diese genutzt wird, umso mehr gammelt sie vor sich hin. Von Instrumenten ganz zu schweigen. Bzw. die sollten besser schweigen. Es ist also ein zweischneidiges Schwert.

  5. Ich musste vor Kurzem leider auch meinen Papa beerdigen. Nachdem bis dahin 20 Personen zulässig waren und am Tag der Beerdigung sogar schon 50 Personen, kamen recht viele Leute wegen der Corona-Unsicherheit nicht.
    Da unsere (wunderschöne) Leichenhalle leider auch gesperrt war, haben wir die Trauerfeier am Grab abgehalten. Angrenzend an die von uns gewählte Stelle befindet sich neben der Fläche mit den alten, abgeräumten Grabsteinen (Stichwort Dorfgeschichte) eine Wiese unter einer alten Buche. Diese Wiese grenzt direkt ans Grab an. Der Bestatter hat die Stühle aus der Leichenhalle aufgebaut, Pfarrer und Organist haben Micro und Lautsprecher genutzt. Wir haben bei herrlichstem Vogelgezwitscher in der Sonne gesessen. Schöner hätte es nicht sein können.
    Anschließend haben wir bei uns zu Hause an der langen Kaffeetafel im Garten gesessen. Fand ich viel besser als in der Gaststätte oä.

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