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Darf ich auf dem Friedhof fotografieren?

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Ich bin häufiger auf den verschiedenen Friedhöfen in unserer Stadt und im Umland unterwegs. Man kann sich dort während der Corona-Krise wunderbar aus dem Weg gehen. Oft sehe ich überhaupt keine anderen Menschen und geniesse es, auch mal eine Weile mit heruntergezogener Maske frische Luft atmen zu können.
Mich reizt die schöne Gestaltung der Friedhöfe und die Ruhe dort, der alte Baumbestand und die Geschichten, die die Grabsteine erzählen.
Manchmal fotografiere ich auch schöne Grabsteine, vor allem wenn Engel oder Tiere auf ihnen angebracht oder dargestellt werden.

Nun sprach mich gestern eine Frau nan, die mir das verboten hat. Sie habe viel Geld für das Grab bezahlt und sehe nicht ein, dass Wildfremde das einfach abfotografieren. Das sei gegen den Datenschutz.

Darf ich auf dem Friedhof fotografieren?

Selbstverständlich darfst Du auf dem Friedhof fotografieren.

Friedhöfe sind grundsätzlich öffentliche Orte. Und an öffentlichen Orten darf man fotografieren.
Nach neuerer Lesart darf man Menschen nicht ohne deren Einwilligung einfach ablichten, das gilt natürlich auch auf dem Friedhof.
Wobei ich persönlich dabei immer abwäge, ob ich ein Bild für private Zwecke oder zur Veröffentlichung mache.

Aber Grabsteine darf man für private Zwecke (nicht kommerziell) fotografieren.

Einzige Ausnahme: Wenn die Friedhofsordnung ausdrücklich etwas anderes vorschreibt (Aushang oder Schild im Eingangsbereich).
Das kommt mitunter auch mal vor.

Genealogen (Ahnenforscher) fotografieren übrigens komplette Friedhöfe ab und nehmen jeden einzelnen Grabstein in eine per Internet durchsuchbare Datenbank auf. Das erleichtert Familien- und Stammbaumforschern die Arbeit ungemein.

Der von der Dame vorgebrachte Hinweis auf den Datenschutz zählt nicht. Grabsteine werden ja ausdrücklich mit den an die Öffentlichkeit gerichteten Informationen versehen. Also darf die Öffentlichkeit auch durch Fotografie oder Film davon Kenntnis nehmen.


BILDQUELLEN

  • koeln_melaten02: Peter Wilhelm
Peter Wilhelm 3. Februar 2021


19 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Für gewerbliche Zwecke (Werbefilm als Trauerredner / Interview mit WDR) habe ich vorab Genehmigungen bei der Friedhofsverwaltung eingeholt. Dabei haben wir vor Ort darauf geachtet, dass die Inschriften möglichst nicht zu lesen waren (Unschärfe im Hintergrund).
    Für private Zwecke ist das Fotografieren grundsätzlich erlaubt.

    • Richtig, Dirk. Wobei es so ist: Für journalistische Zwecke dürfen Grabsteine auch gefilmt und fotografiert werden, wenn sie im Kontext zum Thema stehen. Wird nur allgemein über Friedhofsthemen (evtl. sogar über Skandale) berichtet, sind die Namen besser unleserlich wiederzugeben.
      Wobei: Eine Kamerafahrt über eine Gräberreihe ist auch nicht zu beanstanden, sie zeigt ja nur die tatsächlichen Gegebenheiten.
      Bei kommerzieller Nutzung des Materials, so wie bei Dir, würde ich auch vorher die Verwaltung fragen. Denn schon allein die Anwesenheit aus kommerziellen Zwecken widerspricht ja dem Grundgedanken des Friedhofs.

  2. Wessen Daten sollen denn da geschützt werden?
    Die von dem Verstorbenen?
    Unglaublich, auf was für Ideen manche An-und Zugehörige kommen.

  3. Die Rechtslage wurde ja eh schon geklärt; und meine Frau photographiert seit Jahren für ihre Website mygargoyles.net neben Gargoyles an Kirchen und Gebäuden auch Grabmale und Epitaphen – was nie ein Problem darstellte, weder durch zufällig Anwesende noch im Nachgang durch Seitenbesucher. Wäre ja auch noch schöner 🙂

  4. Tja, Datenschutz bis ins Grab. 🙂

    Ich habe einmal nach einem Freund gesucht, weil ich ihn nicht mehr erreichen konnte.

    Als ich erfahren habe, wo die Beisetzung erfolgt war, habe ich bei der Friedhofsverwaltung angerufen und wollte wissen, wann der Todestag war.

    Die Antwort: „Das dürfen wir ihnen aus Datenschutzgründen nicht sagen.“
    Ich sagte: „Aber des wird doch sicher auf dem Grabstein auch stehen und somit ist es doch für jeden sichtbar.“
    Die Antwort: „Ja, dann müssen sie hierhin kommen und können es nachlesen.“

    Bin nie hingefahren, da es von mir bis Ketzin ca. 560 km sind.

    Tja, das zum Thema Datenschutz.

  5. „Aber Grabsteine darf man für private Zwecke (nicht kommerziell) fotografieren.“
    – –
    Guuude Peter.
    Auf welcher Grundlage basiert das Verbot für kommerzielle Zwecke?
    Liebe Grüße, Jürgen.

    • > Auf welcher Grundlage basiert das Verbot für kommerzielle Zwecke?

      Meistens auf dem Urheberrecht. Denn die Grabsteine sind i.d.R. „Kunstwerke“ die darf man nicht beliebig „wiedergeben“ ohne den Urheber, das wird i.d.R. der Steinmetz sein, zu fragen/bezahlen.

      • Hm, da gilt die Panoramafreiheit. Ich darf beispielsweise unsere Hauptstraße hier in Edingen mitsamt dem Rathaus einfach so fotografieren. Benutze ich aber eine Leiter oder eine Drohne, dann weiche ich von dem ab, was man normalerweise im Panorama sehen würde, und dann kann der Urheber/Architekt evtl. böse werden.
        Das ist doch so? Oder?

        • Nicht ganz.

          Im Rahmen der Panoramafreiheit kann man alles fotografieren, was man will, wobei bestimmte Ausnahmen gelten, wenn Menschen oder Tote auf dem Bild sind.

          Allerdings darf man diese Fotos nicht ohne weiteres veröffentlichen, in welcher Form auch immer.Wenn jemand als von schönen Grabsteinen oder Gebäuden von öffentlich zugänglichen Wegen aus Fotos ohne Hilfsmittel wie Leitern oder Drohnen macht ist, das i.d.R. erlaubt. Wenn die Fotos aber in Instagram, Facebook, Blog-Artikeln, etc. veröffentlicht werden, kann das Urheberrecht greifen.

          lks

      • Für die Einstufung als Kunstwerk dürfte es bei den meisten Grabsteinen an der Schöpfungshöhe mangeln.

        • > Für die Einstufung als Kunstwerk dürfte es bei den meisten Grabsteinen an der Schöpfungshöhe mangeln.

          Zusätzlich zu Peters Einwand: Da dürfte dann aber trotzdem oft die Einstufung als [https://de.wikipedia.org/wiki/Kleine_M%C3%BCnze „Kleine Münze“] greifen.

          Wobei ich bei den meisten Steinmetzen davon ausgehen würde, daß die das eher als unbezahlte Werbung als denn unerlaubte „Verwertung“ sehen würden. Fragen sollte man aber trotzdem.

  6. Früher hat man halt fotografiert und dann einen Fotoabzug gemacht oder auch ein gerahmtes Bild an die Wand gehängt. Die Negative hat man in der Schublade archiviert.

    Heute lassen sich Fotos problemlos (unkontrolliert) im Internet verteilen…

    Ich wäre nicht wirklich begeistert wenn ich ein Grab von uns im Netz finden würde…..
    Auf der anderen Seite kommt mein Haus auf „Google-Maps“…..

  7. Viele Menschen machen sich gerne wichtig, seit sie mal etwas von „Datenschutz“ oder „Recht am eigenen Bild“ gehört haben. Mir ist es schon passiert, dass die Polizei gerufen wurde, weil ich ein Gebäude fotografiert habe. Nein, nicht von den Eigentümern oder Bewohnern – es war ein Firmengebäude. Ein paar Deppen, die zufällig in der Nähe standen (aber allemal weit genug weg, um nicht mit auf´s Bild zu kommen), fühlten sich so wichtig, dass sie die Polizei riefen. War für die natürlich ´ne ziemlich peinliche Nummer, als die Herren Ordnungshüter sich der Sache annnahmen.

    • Oh ja, hier in Deutschland hat es schon immer viele Menschen von der Sorte „Fritz und Frieda Wichtig“ gegeben.
      LEIDER !

    • Du könntest Doch auch ein Terrorist gewesen sein, der die Firma kaputtmachen wollte. 🙂

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