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Die Kinderbibel – Ein Mann sieht rot

Ein Mann sieht Rot! Diesen Ausspruch kennt man und man weiß, daß da jemand, durch die Umstände geblendet, irrational gehandelt hat.
Nein, das habe ich nicht getan, aber Rot habe ich trotzdem gesehen und zwar in einer Schularbeit meines Sohnes über einige biblische Geschichten.

Die Religionslehrerin hatte ihm die Aufgabe gestellt, etwas über einige der bekanntesten biblischen Geschichten zu erarbeiten. Das sollte er ihr dann abliefern und später einen Vortrag vor der Klasse darüber halten. Das abgelieferte Manuskript bekam er aber mit lauter rot angestrichenen Fehlerstellen wieder zurück.

Ja, das läge vor allem an der doofen Bibel, die ich ihm gegeben habe, die sei ja sowas von klein gedruckt, da seien ja auch keine Bilder drin und vor allem würde mein Herr Sohnemann ja sowieso eine Version bevorzugen, die man im MP3-Player abspielen kann. Da wichtelte sich ein Grinsen über mein Gesicht, denn da konnte Abhilfe geschaffen werden. Im Rahmen der Erstellung des Podcasts für dieses Weblog hier, war ich nämlich über die Kinderbibel als Hörbuch gestolpert.

Gestern Abend komme ich nach oben und suche meine kleine Tochter. Die aber saß mit meinem Sohn gemeinsam in dessen Zimmer und die beiden Kinder hörten die Bibel-CD. Das hat mich dann doch ein wenig erstaunt.

Weil mir die CD ausnehmend gut gefällt, möchte ich sie hier kurz vorstellen:

Aus dem Begleitzettel:

Die Bibel ist als Buch der Bücher aktueller denn je. Damit auch Kindern die Werte der Heiligen Schrift vermittelt werden, veröffentlicht der SDK Media Musik‐ und Hörbuchverlag in Kooperation mit dem Hörbuch‐Label Nocturna Audio die Bibel in kindgerechter Hörbuchbearbeitung. Dieser liegt der Text der legendären „Bilderbibel“ des Verlagshauses Patmos aus dem Jahr 1958
zugrunde.
Die Texte wurden im Dezember 2008 im Göttinger Sound‐Design Tonstudio aufgenommen; Regie übernahm der bekannte Hörspiel‐Regisseur Sven Schreivogel. Der Schauspieler Wolf Frass liest die Geschichten aus dem Alten und dem Neuen Testament. Frass, Jahrgang 1948, erlernte das Schauspielhandwerk an der Folkwang Hochschule in Essen. Er hat sich vor allem durch sein Engagement am Ernst‐Deutsch‐Theater in Hamburg sowie sein Mitwirken in mehreren TV‐Produktionen, wie zum Beispiel „Großstadtrevier“ und „Tatort“, einen Namen gemacht. Darüber hinaus arbeitet er als Synchronsprecher; seine markante Stimme ist zudem in zahlreichen Hörbüchern und Hörspielen zu hören.

Die Kinderbibel als Hörbuchaufnahme ist im Buchhandel, u.a. auch bei Amazon und bei Soforthoeren.de erhältlich.

Titel: Kinderbibel, Sprecher: Wolf Frass, Kurzbeschreibung: Hörbuchbearbeitung der beliebten Patmos-Kinderbibel
Produktion: SDK Media / Nocturna Audio, Vertrieb: Alive AG
Webseite: www.diekinderbibel.com, www.sdk-media.de
ISBN: 978-3-937995-31-1, Preis (UVP): 9,95 € (1 Audio-CD, 64:37)

Ich habe mein Exemplar ja schon, alle anderen müssen noch bis zum 6.4.2009 warten.

Außer bei Amazon kann man das Ding auch überall sonst im allfälligen Handel erwerben und ich bekomme von niemandem etwas für die Produktbeschreibung hier.

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Peter Wilhelm10. Dezember 2014

36 Kommentare von 140449.

  1. ja ja, typisch, der feine Herr Undertaker mach Werbung für die Bibel. DU HAST garantiert einen DEAL mit Petrus. Jawoll

    Lieferanteneingang reicht dir wohl nicht.

    :D

  2. Wenn danach „Wo bitte gehts zu Gott?, fragte das kleine Ferkel: Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen“ kommt, dann ist’s okay :-)

    Interessant ist auch die Diskussion auf amazon, immerhin schon 98 Beiträge zum Buch

    Roland

  3. »Das kleine Ferkel« ist meines Erachtens mindestens so penetrant indoktrinierend wie manche missionierend-religiöse Schriften, also ebenso so kind-un-gerecht. Wenn man ein wenig über den Herausgeber liest, merkt man schnell, womit man es zu tun hat.

    Ich mag das nicht.

  4. Ich empfehle als NT-Ersatz „Die Matrix“. Annähernd selbe Geschichte, nur gekürzt und etwas moderner erzählt. ;-)

    P.S. Ich kann den Film nicht leiden, bekomme auch nichts dafür, dass ich ihn hier erwähne.

  5. Ich würde meinen Kindern auch eher das Ferkelchen zu lesen geben.
    Ich finde es einfach besser Kindern beizubringen das man lieber Kritisch mit dem Glauben (und auch mit vielen anderen Sachen) umgehen sollte.
    Und das obwohl ich evangelisch erzogen wurde und auch meine Konfirmation hinter mich gebracht habe. (Alledigns schon damals eigendlich nur wegen dem Geld und weil es eben von mir erwartet wurde.)

  6. Witzig, dass hier gleich von mehreren Kommentatoren das Ferkelbuch geschwungen wird. Aber seien wir ehrlich: die Bibel muss man kennen, wer man unsere Kultur verstehen will. Das Ferkelbuch nicht. Auch in einem „neutralen“ Lebenskunde- oder Ethikunterricht kommt man um die Bibel nicht ernsthaft herum, wenn er etwas taugen soll.

  7. @11: Ich stimme absolut zu! Gerade als Atheist finde ich, dass jeder (zumindest hier im westlichen Kulturkreis) die Bibel lesen sollte. Insbesondere empfehle ich das immer gern Christen. Was ich allerdings gar nicht mag, sind weichgespülte Fassungen, wie sie insbesondere als Kinderbibeln verkauft werden. Die liefern ein furchtbar verfälschtes Bild der urspünglichen Texte.

  8. Natürlich sollte man die Bibel kennen. Man kann nicht kritisch mit einem Thema umgehen wenn man nur eine Seite kennt. Aber ich finde es einfach verwerflich wie in teilen unserer Gesellschaft Kinder vom Säuglingsalter an indoktriniert werden.
    Viele denken wenn man nicht Gläubis ist hätte man keine Moral, keine Ethik.
    Allerdings machen sich Atheisten tiefergehende gedanken dazu, schließlich „beten“ sie nicht einfach etwas nach. Gut das war jetzt eigendlich Thema verfehlt :)

  9. @ Designierter Komposti:
    die 10 Gebote sind ja eigentlich eine Art Grundlage des Christentums … wieviele von den Geboten sind heute davon noch strafbar bzw sind gesetzlich oder menschlich geächtet?
    Wenn man danach geht, wie gesellschaftlich relevant ist die Bibel eigentlich noch?

  10. @Roland

    Lass mich mal nachdenken…“Du sollst nicht töten“ ist noch immer sowohl strafrechtlich wie moralisch relevant, selbes gilt für „Du sollst nicht stehlen“. Auch „Du sollst nicht begehren deines nächsten Frau“ ist zumindest moralisch noch immer aktuell. Dazu passend die Sache mit dem Ehebruch ;-) Auch Vater und Mutter zu ehren ist nichts das in irgendeiner Art und Weise nicht mehr aktuell wäre. Es ließe sich fortsetzen allerdings zeigt sich so schon das die „Zehn Gebote“ noch immer durchaus ihre gesellschaftliche und moralische Gültigkeit haben.

    @GtC

    Eine Kinderbibel hat ja nicht den Anspruch knallharte theologische Fakten zu liefern sondern sie soll Kindern die Bibel näher bringen und sie an die Geschichten heranführen.

  11. @Schutzengel

    Die Aussage „Es ließe sich fortsetzen allerdings zeigt sich so schon das die „Zehn Gebote“ noch immer durchaus ihre gesellschaftliche und moralische Gültigkeit haben“ kann man nicht wirklich so stehen lassen.
    Weil, die Überzeugungskraft der Gebote nichtmehr so toll ist, wenn man weiter macht. Und weil es „die 10 Gebote“ so nicht gibt Es gibt die in Exodus und in Deuteronomium und sie sind da nciht identisch und je nachdem, ob man eine Lutheranische, katohlische, orthodxe Bibel, oder eine Thora in die Hand kriegt sind es andere Gebote.
    Die Orthodoxen und Juden haben z. b. ein Gebot, das die Lutheraner und Katholiken nicht haben kommen aber trotzdem auf eine Gesamtzahl von 10.

    Und dass diese Geote so ihre gesellschaftliche und moralische gültigkeit hätten wage ich da, wo sie nicht trivial sind zu bezweifeln.

    Weil dass man nicht stehlen, morden, oder betrügen soll hat man in jeder menschlichen Gesellschaft zum Gesetz gemacht das ist trivial da braucht es keine 10 Gebote für. Aber kucken wir uns die gebote mal im einzelnen (Version Exodus lutheranisch/römisch katholisch mit Anmerkung zu den orthodoxen und jüdischen) mal an:

    1. Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
    Das ist Gesellschaftlich und moralisch vollkommen irrelevant.

    Den Orthodoxen und den Juden kommt hier das Bilderverbot (kein Bildnis machen und so) Lutheraner und katholiken ignorieren das Gebot

    2. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht mißbrauchen.
    Das ist auch Gesellschaftlich und moralisch irrelevant das sieht man schon daran, dass diesen Gebot öffentlich gebrochen wird und es sogar eine gesetzliche Aufforderung gibt es zu brechen (wenn man mit der Formel „so wahr mir Gott helfe“ schwören kann).

    3. Du sollst den Feiertag heiligen.
    Moralisch irrelevant und gesellschaftlich wäre es eine Katastrophe so ohne Strom, Radio, Fernsehen, Krankenhäuser und Pizzadienst.

    4. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren.
    Da es nicht definiert was eheren ist ist es bestenfalls nutzlos. Ehrung kann vieles sein bis hin zu blindem Gehorsam. Und mal ehrlich es macht keine Ausnahmen gerade in Zeiten des Fritzl Prozesses fällt es mir schwer an so einer Vorschrift ohne den Hauch einer Ausnahme irgendetwas gutes zu finden. Weil eltern, die ehrung verdienen kriegen sie ganz automatisch und die anderen zu ehren ist unmoralisch und gesellschaftlich verheerend.

    5. Du sollst nicht töten.
    Auch hier wieder keine Ausnahmen. Keine Notwehr und ähnliches. So absolut ist die Regel in einigen Fällen unmoralisch und die Gesellschaft lehnt mit erlaubter Notwehr und Nothilfe in solchen Fällen dieses Gebot zurecht ab.

    6. Du sollst nicht ehebrechen.
    Über Moral kann an da lange diskutieren. Aber juristisch und stellenweise geselllschaftlich ist diese Regelung mittlerweile hinfällig. Das ist auch besser so. Im Iran halten sie sich da noch dran, aber Steinigungen auf dem Marktplatz sind einfach scheußlich.

    7. Du sollst nicht stehlen.
    Das ist in vielen (nicht allen) Fällen moralisch in ordnung und gesellschafltich akzeptiert, aber dafür brauchts nicht die übrigen 9 Gebote die Regelung ist so trivial, die ist noch jedem eingefallen.

    8. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.
    Je nachdem wass wider bedeutet ist die Regel in Grenzfällen amoralisch und ausserdem ist sie so seltsam formuliert, dass sie nicht viel taugt. Falsch Zeugnis ablegen für den Nächsten kann ähnlich schlimm sein wird aber nicht untersagt. Für und wider einen selbst wird von der Regel garnicht berührt kann aber auch mal relevant sein.

    (Bei Juden und Orthodoxen sind 9. und 10. nur ein Gebot)
    9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus.
    Ganz Klasse. Verdammnis für alle, die zur Miete wohnen. Und für Banken, die Kredit geben für eine Hypothek oder eine Grundschuld. Das ist gesellschaftlich sowas von bedeutungslos und, dass Hypothekendarlehen und Mietwohnungen zwingend amoralisch sein müssen halte ich für nicht wirklich bewiesen.

    10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Sklaven, Sklavin, Vieh noch alles, was dein Nächster hat.
    Also erstmal gibt es dinge, die Leute nur haben, damit andere sie begehren (niemand braucht designerklamotten für grosse Geldbeträge) insofern sehe ich die moralische verwerflichkeit im Begehren nicht ganz es geht da ja explizit nicht ums Stehlen (wurde früher abgehandelt). Was ich aber moralisch verwerflich finde ist Sklaverei, die das Gebot ja als Normal (und damit erlaubt) erwähnt.

    Aber dass eine Sammlung von Geboten, die Sklaverei erlaubt Notwehr verbietet ist wiederum konsequent. Nur eben nicht moralisch oder Gesellschaftlich relevant.

  12. Ganz ehrlich, wenn ich moralische Lektionen haben will, dann empfehle ich jedem eher ein gutes Buch von Terry Pratchett vor der Bibel.

    Die taugt bestenfalls als Geschichtensammlung, und die sind teilweise echt scheiße geschrieben.
    Nicht nur von der Grammatik her, das kann man ja grade noch verzeihen, bei tausende Jahre alten Schriften. Aber auch die Charaktere und Handlungen sind horrend unglaubwürdig.

    Wie bei Simson und Delila: Wenn mich schon meine erste Frau verraten und verkauft hat, und mich danach meine zweite Frau anfängt zu löchern, wie man meine Superkräfte neutralisieren und mich fesseln kann, dann bin ich doch nicht so blöd und verrate ihr das.

    Naja, und wem das hilft, daran zu glauben, der soll meiner Meinung nach bitte Kinder sich ihre eigene Meinung bilden lassen. Und ihnen keine unglaubwürdigen Dinge als Wahrheit verkaufen.

    Ansonsten halte ichs mit George Carlin:
    http://www.youtube.com/watch?v=MeSSwKffj9o
    (enthält anstößige Wortwahl, aber auf englisch)

  13. Kinderbibel?

    Wenn ich sowas schon höre, muss ich sofort an den Herrn Richard Dawkins denken. Indoktrinierung (sowohl zu Hause als und vor allem auch in der Schule) ist für mich Kindesmissbrauch.

  14. Ich möchte gerne noch (wo schon der leider zu früh verstorbene George Carlin auftaucht) das großartige Buch

    Die Bibel nach Biff

    von Christopher Moore ans Herz legen.

    Meines Erachtens witzig, respektlos und dabei so unblasphemisch, dass Christen als auch Atheisten sich darüber amüsieren können, wo eigentlich Jesus seine ganze Philosophie aufgeschnappt hat. Die fehlenden Jugendjahre, erzählt von seinem besten Freund Biff.

    Zu bekommen in jeder guten Buchhandlung oder vielleicht auch bei amazon. :-)

  15. Als jemand der in einem radikal, fanatischem evangelischem Haushalt aufgewachsen ist, schüttelt es mich, wenn ich an die Bibel bzw. Kinderbibel denke.

    Meine Kinder sind in Klassen mit ca. 20% Christen und Nichtgläubigen.

    Die Bibel ist hier wenig hilfreich für das miteinander.

  16. Für mich ist die Bibel ein herausragendes Buch, dh ein Stück Literatur und Kulturgeschichte, das man zumindest rudimentär kennen sollte.

    Vor einiger Zeit habe ich mir einen langen Wunsch erfüllt (ein „sehr“ altes Buch zu haben) und eine 400 Jahre alte Bibel gekauft, die 1609 von Lazarus Zetzner gedruckt wurde (dessen Erben ca 25 Jahre später die Merian-Bibel druckten), und mit Stichen von Tobias Stimmer versehen ist.

  17. Wer, außer Gruppen wie den Zeugen Jehovas, gibt denn vor, es handele sich um einen Tatsachenbericht? Die Bibel ist ein orientalisches Märchenbuch, ewig nur mündlich überliefert, mit Anekdoten und Elementen angereichert, um den Zuhörer zu fesseln und vielfach erst Jahrhunderte später niedergeschrieben.

    Nein, ein Tatsachenbericht ist es nicht und das glaubt nichtmals der Papst. Wie alle alten Texte aber enthält es sehr viel Wissenswertes und Interessantes, aus dem man seine Schlüsse ziehen kann, welche immer das auch sein mögen.

    Die Bibel zu kennen, heisst ein Stück Kulturgut zu kennen und hat zunächst einmal mit religiösen Missionierungsversuchen überhaupt nichts zu tun.

    Hier aber platt und dümmlich gleich alles als „Indoktrination“ und „Kirchenzeugs“ abzutun, zeugt von allem, aber nicht von viel.

  18. @jüttner (24):
    Die zurecht kritisierte Indoktrination schaut so aus, dass schon kleinste Kinder mit „zurechtgebogenen“ Themen belehrt werden, in einem Stadium, in dem sie sich in keiner Weise dagegen wehren können.
    Wir reden hier schließlich nicht von rationalem, Inhalte erschließenden Herangehen an die Bibel. Neeeein, wir reden von Kleinkindern, die Sonntags mit in die Kirche müssen (und ja, ich kenne viele Leute, die das jahrelang mitmachen mussten) und dort zusammenhanglose Fetzen aufschnappen, gepaart mit Anforderungen, die durch Religion gerechtfertigt werden. Einige kommen dann noch in einen Kindergarten in kirchlicher Trägerschaft, wo liebe Nonnen den Kleinen immer schön die Storys erzählen. Dann gehts in die Grundschule, und gerade bei Grundschullehrern gibt es massive Defizite im Religionsunterricht. Hier wird kein Wissen über Religion und ihre Hintergründe fokussiert, sondern die Kinder werden ganz gezielt darauf vorbereitet und hingedrängt, Teil dieser Glaubensgemeinschaft zu werden und danach zu handeln.
    Und wie enttäuscht die Oma doch wäre, wenn man ihr sagt, man glaubt nicht an Gott! Dabei hat sie sich ja immer so viel Mühe gemacht mit dir, Kind!

    Oder mal kürzer gefasst: WÄRE der Religionsunterricht in Schulen dazu da, wissen über Glaubensrichtungen und Religionen zu vermitteln und ethische Themen neutral anzugehen, DANN wäre eine Unterrichtstrennung nach Konfession schlicht unnötig. Dass die Kirchen darauf beharren zeigt sehr deutlich, was ihr eigentliches Ziel ist.

    Wenn man nun sagt, man wolle den Kindern ja nur das Thema Glauben und Religion „näherbringen“, dann frage ich mich, wieso man dieses Thema schon so früh bringt und andere Themen, wie etwa Geschichte, erst Jahre später. Literatur, Geschichte, Moral und Ethik, Politik, alles Themata, aus denen man mindestens genauso viel über unsere jetzige Gesellschaft lernen kann wie aus der Bibel.
    Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter können sich doch im Regelfall einfach noch nicht mit der nötigen, kritischen Haltung mit solchen Themen beschäftigen, denn dieses Verhalten lernt man normalerweise erst später ;) Es gibt natürlich Eltern, die gezielt schon bei kleinen Kindern kritisches Hinterfragen fördern, aber der Regelablauf sieht das eben erst später vor.
    Und dann kriegen Kinder, die ihren Eltern, erwachsenen Verwandten, Lehrern und Priestern noch absolut autoritätsgläubig gegenüberstehen von allen Seiten die Story von Gott eingetrichtert, und Bibelgeschichten, am Besten noch „kindgerecht“ aufgemacht, was so viel heisst wie dass der eigentliche Kern verwässert wird und stattdessen eine spannende, für Kinder interessante Geschichte generiert wird, die Kinder weiter hineinsaugen sollen in dieses Konstrukt.

    Und wer dann die ersten 15 Jahre seines Lebens ständig nur solche Einflüsse erlebt hat, der kann dann nicht von Heute auf morgen diese verwerfen und plötzlich mal neutral an Fragestellungen herantreten.

    Und das ist Indoktrination ;)

  19. Die Bibel kennen? Hmmm, es würde vielleicht nicht schaden, wenn man sie mal liest. NOTWENIG ist das für das Leben in unserer Gesellschaft definitiv NICHT. Ich kann das beurteilen, denn ich bin nicht getauft, habe nie am Religionsunterricht teilgenommen, nie die Konfirmation hinter mich gebracht und auch keine analogen Rituale irgendwelcher anderen Religionen über mich ergehen lassen. Damit habe ich die letzten paar Jahrzehnte gut gelebt. Ich habe die Bibel vor ein paar Jahren mal angefangen und irgendwo hinter der Genesis genervt aufgegeben, als der Text langsam Telefonbuchqualitäten angenommen hat.

    Indoktrination? Ja. Nicht überall sehr intensiv, im Norden wahrscheinlich weniger als im Süden, aber ja.

    Bibel, Kinderbibel oder Ferkelbuch? Ich würde meinen Kindern, Neffen, Nichten und den Kindern meiner Freunde das Ferkelbuch geben und mit ihnen zusammen(!) lesen. Wenn sie sich mit dem Thema weiter beschäftigen wollen, würde ich Bibel, Tora, Koran und was auch sonst immer nötig ist, heranschaffen, oder auch schlicht mal einen Pastor, Rabbiner oder Imam mit den Kindern besuchen. Wenn sie nicht wollen, dann eben nicht.

    Religion ist etwas sehr Persönliches. Und genau deswegen bin ich meinen Eltern unendlich dankbar dafür, dass sie mich (und meinen Bruder) NICHT taufen ließen, trotz gesellschaftlichem Druck von allen Seiten. Sie waren beide der Meinung, über Religion sollten wir selbst entscheiden, wenn wir dafür reif genug sind. (Oder um meine Mutter zu zitieren: „Ich werde meine Kinder nicht über dem Taufbecken vergewaltigen lassen. Wenn sie getauft werden, dann erst, wenn sie das selbst entscheiden können.“)

    Ich habe für mich entschieden, dass ich keinen Gott brauche. Ich sehe ein, dass andere Leute einen Gott brauchen oder eine Teil einer weltweiten Gemeinschaft sein wollen, die sich „im Namen Gottes“ versammelt. Und ich werde deswegen keinem „Gläubigen“ in seinen Glauben hineinreden, so lange er mich mit meinem „Unglauben“ in Ruhe läßt.

    Einen Teil der gesellschaftlichen Funktionen der Institution Kirche kann ich akzeptieren, einen größeren Teil nicht. Das ist nicht auf das Christentum beschränkt, ich sehe zwischen Christen, Moslems, Juden, Hindus und was es sonst noch so alles gibt in der Hinsicht keinen großen Unterschied, wenn man von den theologischen Feinheiten mal absieht.

    Deswegen stehe ich allen religiösen und pseudo-religiösen Organisationen sehr kritisch gegenüber, und deswegen halte ich es für falsch, Kinder *irgendeiner* Religion auszusetzen, so lange sie nicht kritisch damit umgehen können.

    Und deswegen würde ich meine Kinder nicht in einen typisch christlich gefärbten Religionsunterricht lassen — nicht, bevor sie selbst beurteilen können, WAS sie sich dort aussetzen. Ein Unterricht, der so neutral wie möglich über die „gängigen“ Religionen AUFKLÄRT, auch über die sozialen Effekte und die Geschichte, wäre wünschenswert.

    Tux2000

  20. @16/oberclown:

    Zu Gebot Nr. 2 gibts die alternative Übersetzung „Du sollst beim Namen Gottes nicht falsch schwören“, was ich noch durch „Du sollst nicht behaupten, in Gottes Namen zu sprechen“ ergänzen würde.

    Der Grund für dieses Gebot sollte einleuchtend sein, auch wenn die Effektivität eher zweifelhaft ist.

  21. Ob es sich um die Bibel, oder jedes andere heilige Buch jeder beliebigen Glaubensrichtung handelt, eines haben sie alle gemeinsam – sie lehren alle die einzige Wahrheit über den einzigen wahren Glauben. Alle jeweils Andersgläubingen sind Ungläubige oder Heiden.

  22. Ich komme aus dem Münsterland, also einer erzkatholischen Region, und habe den ganzen „Indoktrinierungsprozess“ von vorn bis hinten durchgemacht. Als Kind war ich in einem katholischen Kindergarten, von dort ging es auf eine katholische Grundschule und auf ein katholisches Gymnasium. Natürlich hingen, dem Tatbestand des Kindesmissbrauches nahekommend, in fast allen Räumen Kreuze oder Kruzifixe.

    Ich habe also 13 Jahre lang katholischen Religionsunterricht genossen, zudem gab es immer wieder Klassen- bzw. Schulgottesdienste. Was die Wahl der Schulen betrifft, konnte ich das nur beim Übergang aufs Gymnasium wirklich selbst entscheiden; die Alternative wäre ein bekenntnisloses Gymnasium ca. 10 km weiter gewesen.

    Ich habe es niemals bereut, das katholische Gymnasium zu besuchen und würde die Schule sofort weiterempfehlen.

    Weiterhin war die Erstkommunion mit 9 Jahren selbstverständlich, ebenso die Firmung mit 14 Jahren. Auch als mein drei Jahre jüngerer Bruder gefirmt wurde, war ich ohne Wenn und Aber bereit, als Firmpate zu fungieren. Des weiteren steht demnächst die Silberne Hochzeit meiner Eltern an, ebenfalls mit einem katholischen Gottesdienst.

    Auch meine Eltern sind katholisch, allerdings nicht besonders „streng“. Zu den hohen Feiertagen gehen sie in die Kirche, sonst eher selten (meine Mutter etwas häufiger). Die Bibel habe ich nicht gelesen, das war mir dann doch zu langweilig ;)

    Was ist also mit mittlerweile 23 Jahren in Sachen Religion aus mir geworden? Die Verfechter der „Indoktrinierungs-These“ werden wohl reflexartig vermuten, dass ich jeden Sonntag in die Kirche gehe, täglich bete usw… Fakt ist, dass ich selbst an Weihnachten oder Ostern normalerweise nicht in die Kirche gehe; nur dann, „wenn es sein muss“ (z.B. Beerdigungen). Ich führe kein besonders religiöses Leben; man könnte mich auch für konfessionslos halten, würde man meinen Alltag Big-Brother-mäßig beobachten.

    Ich glaube schon daran, dass es eine gewisse „höhere Macht“ gibt. Allerdings brauche ich keine katholische, evangelische oder sonst eine Kirche, keinen Islam, keinen Buddhismus oder sonst was, um daran zu glauben. In religiöser Hinsicht kann meinetwegen jeder glauben, was er will. Es gibt da meines Erachtens keinen „guten“ oder „schlechten“, keinen „richtigen“ oder „falschen“ Glauben.

    Soviel zur These, der christliche Glauben würde den Kindern schon fast gewaltsam aufoktroyiert.

  23. Bibel lesen hin oder her –
    Ich bin eher etwas enttäuscht das Kinder, die keine lust haben ein Buch zu lesen weil eben Buch und keine Bilder auchnoch ein Hörbuch vorgesetzt bekommen…
    Ich weiß ja nicht ob das mit allen Büchern so abläuft, aber es gibt auch kinderfreundlich gedruckte Bibeln – in Großdruck.
    (Da steht man dann auch nicht später mit einer 5 in Deutsch vor der Nachhhilfelehrerin und sagt „Bücher? Nä, ich hol mir immer das Hörspiel, da kann ich nebenbei zocken.“)
    Nur wer lesen kann, kann auch hinterfragen ;)

  24. @16 (Oberclown): Mit einem gewissen Amüsement habe ich diesen Beitrag gelesen; er zeugt eigentlich nur von einem: Du hast die von dir behaupteten Bibeln nicht gelesen.
    Möglicherweise hattest du den einen oder anderen Katechismus in der Hand, den Heidelberger Katechismus allerdings auch nicht (der ist reformiert, was in deiner Aufzählung völlig fehlt), aber keine Bibel.
    Die unterschiedliche Einordnung des Bilderverbots (hüben als eigenes Gebot, drüben als Teil des Fremdgötterverbots) sei mal dahingestellt.

    Das Ferkelbuch mag ja für Erwachsene ganz niedlich sein. In Kinderhand gehört es nicht. Die behauptete Toleranz den behandelten Weltreligionen gegenüber fehlt nämlich… ganz nebenbei lassen auch eine Reihe Kommentare hier diesbezüglich zu wünschen übrig.

    Wie war das doch mit der Achtung vor der Ansicht des anderen?

  25. @Loco dein Beitrag zeugt auch nur von einem:
    dass ich statt Katechismus Bibeln geschrieben habe (die Bibeln unterscheiden sich auch inhaltlich aber das kannst du ja nicht wissen ich bezweifle, dass du mehr davon gelesen hast als ich) nimmst du gleich als Vorwand den Rest nicht zu lesen. Und meine Aufzählung ist weit entfernt von jeder Vollständigkeit (hab ich auch nicht behauptet) sondern nur ein paar bekannte Beispiele herauspicken.

    Dass du also meinen Beitrag komplett in die Tonne treten willst, ohne auf den eigentlichen Inhalt ein zu gehen zeigt deutlich, was du von der Achtung vor der Ansicht des anderen hälst.

    P. S.
    es wäre schön, wenn du sagen könntest, wen du mit deinen Kommentaren zum Ferkelbuch meinst. Dazu habe ich nichts geschrieben. Im gegensatz zu Bibeln besitze ich davon kein Exemplar und deswegen habe ich davon auch nichts geschreiben.

  26. @Oberclown (32): Zum Ferkelbuch hatten sich mehrere Kommentatoren geäußert; muß ich die jetzt alle auflisten?

    Davon abgesehen: weißt du überhaupt, wo in der Bibel die sogenannten „Zehn Gebote“ stehen? Ich weiß es, und ich bin in der Lage, sie in der Biblia Hebraica oder der Septuaginta nachzulesen. Mit anderen Worten: im hebräischen und griechischen Wortlaut der verschiedenen – vorchristlichen – Überlieferungen.
    In meinem Bücherschrank stehen eine Vielzahl verschiedener Übersetzungen in verschiedene Sprachen, und sie sind allesamt urtextgetreu.
    Vielleicht sollte ich dich in Kenntnis setzen, daß ich eine Magisterpromotion der Universität Straßburg absolviert habe… in evangelischer Theologie.
    Bis zum Erweis des Gegenteils gehe ich also davon aus, daß ich mich in der Materie auskenne – auszukennen habe. Und du?

  27. Ja ich weiss wo die stehen. Wenn du dir die Mühe gemacht hättest meinen ersten Beitrag zu lesen, dann bräuchtest du nicht fragen.

    Um micht deine glorreichen Vorbild an zu schliessen hänge ich mich jetzt an dieser Nebensächlichkeit fest, die mit der eigentlichen Aussage deines Textes nichts zu tun hat fest und behaupte einfach mal so, dass du keine Ahnung hättest, um mmich nicht mit dem Inhalt deines Postings auseinander setzen zu müssen.

    Zum 2. mal ja ich hätte Katechismus schreiben sollen nicht Bibel, weil die unterscheiden sich stärker, aber willst du ernsthaft behautpen, dass jede Bibelübersetzung egal wann und von wem wort wörtlich identisch wäre?

    Ich habe auch nirgends behauptet, dass sich sämtliche Bibeln total unterscheiden würden, dann hätte ja auch eine allgemeine Diskussion über „die 10 Gebote“ 0 Sinn. Um sich darüber unterhalten zu können, dann muss man vorraussetzen, dass es einen gemeinsamen inhaltlichen Kern gibt, über den man reden kann.

  28. wieso wird die Bibel immer als aktueller denn je angepriesen?
    das ist ein völlig veraltetes buch was kindern die geistige selbstbestimmung völlig vorweg nimmt.
    Und von wegen christliche Werte müssen doch vermittelt werden .. blah sülz.
    Ich denke ich kann auch ohne Bibel richtig von falsch unterscheiden und weiß das ich was gutes tue, wenn ich einer älteren Dame beim tragen helfe oder Blut spenden gehe.

    Ausserdem verpasst es wirklich fast jeder Christ sich mal mit dem Theodizee zu beschäftigen.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee

    Zudem reden Eltern sich ja auch gern raus, indem sie sagen die Kinder hätten ja die Wahl. Aber ihnen wird ja gar nicht erzählt, das es keinen Gott geben könnte. Wo wird ihnen da die Wahl gelassen?

    Fragen die man mal sich selbst stellen sollte.
    Jeder soll seinen Glauben frei ausleben aber zumindest mal drüber nachdenken, an was er da glaubt.

    Gruß Martin

  29. @Oberclown (34): Behaupten kann man viel. Du hast ja auch behauptet, du würdest aus der (einer) Bibel zitieren, und hast doch einen Katechismus verwendet. Den „echten“ Text der Lutherübersetzung Version 1912 findet man beispielsweise auf bibel-online.net – und den Exodus-Text der „Zehn Worte“ findet man dann hier.
    Da wirst du finden, was alles in deiner Aufzählung fehlt. Und wovon du behauptet hast, es interessiere Lutheraner und Katholiken nicht.

    Die Sache ist weiterhin einfach: entweder bist du zu dumm, den Unterschied zu erkennen, oder du hast wissentlich falsche Dinge behauptet – also gelogen. In beiden Fällen disqualifizierst du dich selbst und sind deine weiteren Ausführungen unmaßgeblich.

    Punkt.

    @all: was soll die Aufregung eigentlich? Es ist Entscheidung jedes Elternpaares, was es seinen Kindern beibringen will. Wenn der Undertaker seinen Kindern eine christliche Erziehung angedeihen läßt, ist das sein Recht, und habt ihr alle nichts dran zu debattieren. Wer das anders sieht und hält, hat ebenfalls das Recht dazu – und das Recht darauf, daß ihm nicht Hinz und Kunz reinredet. Ich bin erstaunt über die verbale Intoleranz gerade derjenigen, die von sich behaupten, sie stünden für „die Freiheit des Geistes“. Bush-and-Ayatollah-like scheinen sie diese Freiheit allerdings auf die Ansichten zu beschränken, die sie selbst vertreten… Wieso überhaupt dieser missionarische Eifer? Soll nicht „jeder nach seiner Façon selig werden“? (Zitat Friedrich II. genannt „Friedrich der Große“ von Preußen)

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