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Hut ab! -2-

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Das mit dem Hut stellte uns vor Probleme. Aber um es vorweg zu nehmen, es hat dann doch noch geklappt.
Wer nicht versteht, warum das ein Problem ist, der soll doch einfach mal versuchen, sich mit einem recht breitkrempigen Hut ins Bett zu legen, ohne daß der Hut verträumt, romantisch nach vorne ins Gesicht rutscht.

Vor Jahren wollte einmal der Präsident eines Karnevalsvereins mit seiner Kappe beerdigt werden. Selbst wenn wir die halbiert hätten, hätte das einfach albern ausgesehen. Hier haben wir die Kappe unter seine Hände gelegt, die Kappen lassen sich ja ganz flach zusammendrücken.

Ein anderer Fall betraf einen Herrn, der in einer katholischen Ehrengarde Dienst getan hatte. Diese Ehrengardisten tragen einen Zweispitz mit einem Gesteck aus Hühnerfedern oben in der Mitte.
Ihm seine Uniform anzuziehen, war kein Problem, seinen Ehrensäbel haben wir neben dem Sarg auf einem Ständer platziert und auch seine weißen Stoffhandschuhe zogen wir ihm an. Die Mütze aber machte wirklich Probleme.
Zuerst probierten wir es mit einer Stütze im Nacken, aber dieses Hühnergeflatter auf dem Kopf sah aus, als säße dem Toten irgendein Vogel auf der Birne. Auch auf dem Bauch konnten wir diesen helmartigen Hut nicht platzieren, weil der Mann sowieso einen dicken „Ranzen“ hatte und das jetzt aussah, wie ein Vulkankegel, aus dem Hühnerfedern brodeln.
Wir waren froh, als die Witwe zustimmte, daß wir auch den Hut auf dem Ständer mit dem Säbel anbringen konnten.

Daß jemand eine Kappe oder einen Hut aufgesetzt bekommen soll, ist in unserem Kulturkreis und bei dem allgemeinen Verständnis der Bestattungskultur ebenso unüblich, wie das Tragen von Brillen. Üblich ist es, den Eindruck eines Schlafenden zu erwecken und normalerweise schläft man nicht mit Hut, Brille oder Schuhen.

Aber wenn die Leute das so wünschen, gucken wir natürlich, wie wir das möglich machen. Die allseits so beliebten Baseballkappen und deren Derivate bereiten dabei, aufgrund der fehlenden hinteren Krempe gar keine Probleme.
Bei Hüten mit Krempe kommt es uns gelegen, wenn der Verstorbene nicht so groß ist. Dann können wir ihn im Sarg ziemlich weit nach unten ziehen, das Kissen weiter nach unten packen und dann passt das auch mit dem Hut.

Der Hut von gestern aber hat eine breite Krempe und ist auch noch aus einem sehr weichen Lodenmaterial.
Letztendlich funktionierte es nur, indem wir den Hut hinten seiner Krempe beraubten und vorne an der Stirn im Bereich des inneren Schweißbandes ein sehr kompliziertes Spezialmaterial einsetzen: doppelseitiges Klebeband.

Ein alter Bestatterwitz geht so:

Witwe: „Ach, wie schön sie meinen Mann hergerichtet haben. Und der Hut! Wie sie den so schön aufgesetzt haben!“
Bestatter: „Kein Problem, 12 kleine Nägel und dann hält das.“

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


9 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Hehe, den Witz mag ich.

    Erinnert mich an den Kommentar mit dem Tacker in der Weihnachtsgeschichte mit Bill Murray.

  2. Das Argument mit dem Eindruck eines Schlafenden mag zwar stimmen, aber gerade Leute, die ihre Brille den ganzen Tag tragen (ich bin selbst "betroffen"), kennt man doch eigentlich fast nur mit ihrem "Brillengesicht". Insofern fände ich das Aufsetzen der Brille schon sinnvoll.

  3. Mich erinnert das an die Szene im Film "My Girl", als das kleine Mädchen ihren Freund ohne Brille im Sarg liegen sieht und fürchterlich weint, weil er doch ohne Brille nichts sehen kann… *rotzundwasserheul*

    Wie war das mit diesem Ehrengarde-Verstorbenen, habt Ihr Säbel&Co dann noch vor der Bestattung in den Sarg gelegt?

  4. Sehr schöne Story.

    Apropos Nägel. Sargschrauben oder Sargnägel sind doch gemeinhin aus Eisen/ Stahl und können ja nicht nicht mit verbrannt werden. Was passiert damit? Ebenso Griffe oder sind gar keine Griffe angeschraubt?

    Kleine Anmerkung zu den FaQ:

    Der Beitrag zu Edelmetallen ist leer…

  5. @Mark: Du hast natürlich vollkommen Recht. Aber vergiß nicht, daß die Augen geschlossen sind und das sieht in Kombination mit einer Brille merkwürdig aus.

    Außerdem kommt ja noch hinzu, daß bei uns im Allgemeinen die Verstorbenen zwar "schön gemacht" werden, aber trotzdem ruhig sichtbar bleiben darf, daß sie tot sind. In anderen Ländern werden sie hergerichtet, daß sie aussehen, wie das blühende Leben, mit roten Bäckchen und einem leichten Lächeln auf den Lippen usw.

    Es widerspricht also durchaus nicht der Erwartungshaltung der Trauergäste, wenn der Verstorbene auch anders aussieht, als zu Lebzeiten. Nicht entstellt oder schrecklich, aber anders und tot darf er schon aussehen.

  6. @Hojojutsu: Metallische Bestandteile werden nach der Kremierung aus den Ascheresten herausgenommen und der Verwertung zugeführt.

    In manchen Krematorien müssen Griffe und Schrauben vorher vom Bestatter entfernt werden.

    Danke für den Hinweis auf die FAQ, habe ich ergänzt.

  7. @Anke: In diesem Fall nicht. Das klären wir mit den Angehörigen. Manchmal sagen die, daß die Sachen unbedingt mit in den Sarg müssen und wir erklären dann, was bei einer Einäscherung damit passiert und dass sie bei einer Beerdigung nach 20 Jahren oder so auf dem Müll landen. Oft schwenken sie dann um. Wir bieten an, kleinere Teile mit zu bestatten und die größeren Sachen lieber als Andenken aufzubewahren.

    Aber letztlich entscheiden das die Kunden.

  8. Naja aber ich kenne auch sehr wenige Leute die im Anzug oder Uniform schlafen. (Beamte mal ausgenommen)

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