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Hyperraumeffekt von Vorwerk

Wir haben eine Putzfrau. Ich sag das einfach so wie es ist, ich beschönige da nichts, versteige mich nicht in irgendeinen Euphemismus, es ist eine Putzfrau, weil es a) eine Frau ist und sie b) putzt.
Maria heißt sie und ist Italienerin. Wir hatten schon einmal eine Maria, die auch vom Stiefel stammte, aber die hatte nach einem Tag solche Angst vor den leeren Särgen bekommen, daß sie forthin nicht mehr gekommen ist.
Maria II. hingegen blieb und meinte „Isse doche nur Holze.“

Doch jetzt hat Maria seit drei Wochen Nierensteine und es plagt sie außerdem das Zipperlein. Medizinisch mag das in Zusammenhang stehen, persönlich dauert mich das arme Weib, doch rein putztechnisch stellt uns ihr Fernbleiben vor ungeahnte Herausforderungen. Erstaunlicherweise sieht es nämlich im Bestattungshaus so aus, als staube es jetzt dreimal so stark, als sonst immer. Irgendwie scheint also die bloße Anwesenheit von Maria II. antistatisch für Staubvernichtung zu sorgen.

„Nix da, hilft ja alles nix“, habe ich bei der morgendlichen Besprechung gesagt: „Muß halt jeder in seinem Bereich selbst sauber machen bis Maria wieder da ist.“

Jau, haben auch alle eingesehen, denn jeder mag Maria, die Kleine mit den etwas haarigen Beinen und nach 40 Jahren immer noch miserablen Deutschkenntnissen.

Gegen Mittag ist Sandy fertig mit was-auch-immer-das-Weib-so-treibt und schnappt sich rasch den Staubsauger um ihr Büro und den Gang zu saugen.
Ich verfolge das nicht weiter und erfahre erst von Antonia, die mit Schmollmund und verdrehten Augen die Beschwerde vorbringt, daß Sandy auch ihren Papierschnipselerzeuger mit dem Sauger abgesaugt hat und der Sauger dabei außen ganz staubig geworden sei.

„Ja und so’n dreckiges Dingen will ich nicht in mein Büro tun, der macht ja mehr Dreck als daß er sauber macht“, beklagt sich unser Moppelchen.

„Meine Güte“, sage ich, „dann saug den doch außen einfach ab.“ Als Mann ist man ja schließlich zu pragmatischen Lösungen in der Lage.

„Ja, aber den anderen Sauger, den hat der Manni.“

Erst belehre ich Antonia, daß man Vornamen besser nicht mit einem bestimmten Artikel verwendet und dann sage ich: „Du kannst doch den Sauger mit seinem eigenen Schlauch absaugen.“

„Was? Nein! Nee! Chef, das geht nicht!“ Antonia hat weit aufgerissene Augen: „Das darf man auf keinen Fall machen! Wenn da nämlich die Luft in den Sauger gesaugt wird, wird sie schneller und kommt hinten auch schnell wieder raus. Und wenn ich die schnelle Luft, die da hinten raus kommt, versehentlich mit einsauge, wird sie ja noch schneller und irgendwann ist die so schnell, da kann der Sauger irgendwie verschwinden. Ich weiß auch nicht so genau, der ist dann weg.“

„Aha, in einer anderen Dimension?“

„Keine Ahnung, aber das ist voll gefährlich, ehrlich!“

„So unter Überwindung des Raum-Zeit-Kontinuums und unter Berücksichtigung von Schrödingers Katze einfach weg?“

„Genau, das mit der Katze war mal in RTL, kenn ich, die wurde eingesaugt. Bestimmt auch durch so einen Wirbeleffekt oder wie das heißt.“

„Okay, dann laß das lieber, sonst bist Du durch den Hyperraumeffekt auch noch weg.“

Da baut sich Antonia zu ihrer vollen Größe auf, sie ist ja nicht besonders klein, eher durchschnittlich groß, und sagt: „Aber nee Chef, gucken Sie mich an, gucken Sie den Sauger an, das ist so’n Dirt Devil. Für mich da bräuchte man schon ’nen Vorwerk.“

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Peter Wilhelm10. Oktober 2013

9 Kommentare von 140449.

  1. Hihi – schön! Wenn jmd. ’ne Idee hat, wie der Staub auch ohne eine Maria beherrschbar ist, bitte melden. Wäre dankbar für gute Ideen. Hier staubt es auch manchmal gewaltig.

  2. Lieber Tom,

    ad „Erst belehre ich Antonia, daß man Vornamen besser nicht mit einem bestimmten Artikel verwendet“ — Vorsicht bei deinem nächsten Österreich-Urlaub. Leute beim Vornamen mit bestimmtem Artikel zu nennen ist hier usus :-)

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