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Ich kuck mal eben

Wir wissen ja, daß Bestatter Verstorbene z.B. mit einer Leichentrage abholen. Seltener werden Verstorbene mit einem Sarg geholt, die modernen, engen Treppenhäuser lassen das oft gar nicht zu. Gut, wenn die Angehörigen darauf bestehen, kommen wir auch mit dem Sarg, aber lieber ist es uns mit der Trage.

21 Uhr, das Telefon klingelt.

„Möckler, Tach!“

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„Guten Abend.“

„Sagen’se mal, wenn so einer stirbt, kommen’se dann auch nachts?“

„Selbstverständlich…“

„Also Sie kommen dann und holen den Toten?“

„Ja sicher…“

„Mittem Sarch?“

„Normalerweise mit einer Trage, aber wenn Sie eine Überführung mit Sarg wünschen, geht das auch.“

„Ja sicher mittem Sarch!“

„Kein Problem, wer ist denn verstorben?“

„Verstorben? Hier? Noch gar keiner! Die ist aber bald soweit. Is‘ die Schwiechermutter, liecht ganz schlecht.“

„Vielleicht rufen Sie am besten nochmals an, wenn es soweit ist.“

„Dann isses zu spät!“

„Zu spät wofür?“

„Für datt mittem Sarch!“

„Wie bitte?“

„Ja, ich will, daß’se mittem Sarch kommen und mal kucken, ob der Srach auch durch’et Treppenhaus passt.“

„Ist Ihr Treppenhaus denn besonders eng?“

„Nee, datt nich, aber da steht’en Aquarium auf’em Treppenabsatz, also so im Treppenhaus.“

„Also, wir brächten dann einen Sarg und eine Trage mit und können dann ja vor Ort entscheiden, was am Besten geht.“

„Datt is ’ne gute Idee. Ich geh‘ jetzt mal kucken, bleiben’se mal dran, vielleicht is’se schon tot.“

„Dann müssten Sie sowieso erst noch den Arzt rufen.“

„Arzt? Wieso datt denn? Die is‘ dann doch tot und nich krank, oder?“

„Der Arzt muß den Tod feststellen.“

„Kann ich selber, brauch ich kein Arzt für, kost‘ bloß Geld.“

„Muß aber sein…“

„Ja ja, so sind’se, auch im Tod noch abkassieren, die Dokters!“

„Also…“

„Nee, nix also… Ich geh‘ jetzt mal kucken, ob’se tot is…“

War ’se aber noch nich‘.

Wir haben dann ganz normal mit der Trage überführt.

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(©si)