Frag doch den Undertaker

Mehr Empörung als Verstand: Der Fall vom grausamen Sarg

Verbrennersarg, pragmatisch

Wenn Emotionen hochkochen und Bilder für sich sprechen, lohnt es sich ganz besonders, einen Moment innezuhalten und genauer hinzuschauen.

Ich muss dir schreiben! Die Bestatter von Rosenheim, wo man ja im Fernsehen die Cops immer sehen kann, haben eine Babyleiche abgeholt. In der BILD ist der Bericht. Hammer finde ich dass die Bestatter einen grausamen Verbrennungssarg zum Abholen des Säuglings aus der Mülltonne genommen haben. Absoluter Skandal. Die Männer haben wohl kein Herz!
Das sollte man dem Verband der Beerdiger melden und den Bestatter seine Gewerbe entziehen. Das ist unmöglich pietätlos. Wie kann man denn einen Säuchling in so einem hässlichen Sarg verbrennen?
Vor allem die angeschraubten Räder unterm Sarg finde ich grausam.

Nun mal langsam mit den frischen Pflaumen!

Werbung

  1. Der Vorfall hat sich nicht in Rosenheim/Bayern ereignet, sondern in Rosengarten (14.000 Einwohner). Das liegt rund 20 Kilometer südlich von Hamburg und gehört zum Landkreis Harburg (Niedersachsen).
  2. Die BILD berichtet sinngemäß Folgendes:

    Ein totes Baby ist am Mittwochabend in der Gemeinde Rosengarten entdeckt worden. Eine Frau machte den Fund in einer Mülltonne in einer ruhigen Wohnstraße im Ortsteil Vahrendorf und verständigte gegen 19.30 Uhr die Polizei.

    Der Bereich wurde weiträumig abgesperrt, die Kriminalpolizei übernahm die Ermittlungen vor Ort. Die Finderin wird von einem Kriseninterventionsteam betreut. Ein Notarzt konnte nur noch den Tod des Kindes feststellen.

    Nach Angaben eines Polizeisprechers ist bislang unklar, wie alt das Baby war und ob es überhaupt lebensfähig gewesen wäre.

    Die Ermittler verfolgen inzwischen Hinweise auf die Mutter. Der Leichnam wird in der Rechtsmedizin untersucht. Weitere Details will die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen erst nach Abschluss der Untersuchungen bekannt geben.

  3. Auf dem Foto sind, wie auf dem KI-generierten Titelbild dieses Artikels hier, zwei Bestatter zu sehen, die einen einfachen Nadelholzsarg zum Abtransport des kleinen Leichnams verwenden.
  4. Der Sarg ist ein Transportmittel. Diese einfachen Weichholzsärge sind die günstigsten Särge. Sie werden von Bestattern neben den Leichentragen und den Transportwannen auch zur Überführung genutzt.
  5. Die Räder unter dem Sarg, die auf dem Originalbild von der dpa zu sehen sind, gehören zu einem aufklappbaren Sargroller. Das ist ein Hilfsmittel, um den Bestattern einen rückenschonenden Transport des Sarges zu ermöglichen. Wir hätten bei einem sehr leichten Einäscherungssarg und einem Säugling vermutlich keinen Sargroller verwendet, das kann man so wegtragen. Aber fachlich ist der Sargroller absolut in Ordnung. Er ist auch nicht am Sarg festgeschraubt und wird natürlich auch nicht mit eingeäschert.
  6. Es wäre aus meiner Sicht wesentlich belastender für die anwesenden Personen gewesen, wenn die Bestatter mit einem kleinen, weiß lackierten Kindersarg gekommen wären. Der Anblick solcher Minisärge hat noch einmal eine andere Dimension.
  7. Ob das Kind eingeäschert wird, steht überhaupt nicht fest. Das entscheiden später diejenigen, die für die Bestattung verantwortlich sind.
  8. Ich persönlich finde diese schlichten Naturholzsärge übrigens überhaupt nicht hässlich. Meine Mutter wurde in so einem schönen, natürlichen Holzsarg abgeholt und eingeäschert. Wir haben noch vier schöne Griffe drangeschraubt und den Sarg mit Lasur schön gebeizt.
  9. Diese Särge sind, wie zuvor erwähnt, zwar sehr günstig (im Einkauf manchmal schon weit unter 100 Euro), das bedeutet aber nicht, dass deren Verwendung pietätlos oder gar unzweckmäßig ist. Für den würdevollen Transport eines Verstorbenen finde ich sie auf jeden Fall schöner als eine Trage oder Bergungswanne. Die Verwendung dieser Särge ist auch nicht auf Feuerbestattungen beschränkt. Man kann sie theoretisch für alle Bestattungszwecke verwenden, auch wenn sie für das Vergraben in der Erde durch die geringe Holzdicke und Stabilität nicht unbedingt die erste Wahl sind.
  10. Deine Aufregung ist absolut unangebracht. Die Bestatter haben völlig korrekt gehandelt. Der Sarg ist situationsangemessen. Von Pietätlosigkeit kann man hier überhaupt nicht sprechen.

Fazit

Der erste Eindruck mag emotional erschüttern – doch wer genauer hinsieht, erkennt: Die Bestatter haben hier sachlich, korrekt und durchaus würdevoll gehandelt.

Nicht der Sarg ist das Problem, sondern die vorschnelle Bewertung.

Pietät zeigt sich nicht im Material – sondern im Umgang.

Bild Zeitung Warnung

https://www.bild.de/… totes-baby-in-muelltonne…

Bildquellen:

  • babytonneverbrenner_800x500: Peter Wilhelm, KI-generiert

Lesezeit ca.: 5 Minuten | Tippfehler melden


Lesen Sie doch auch:


(©si)