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Six feet under – in Dresden

Eine Ausstellung des Kunstmuseums Bern zu Gast im Deutschen Hygiene-Museum

Six Feet Under.
Autopsie unseres Umgangs mit Toten
22. September 2007 bis 30. März 2008


Mit seiner neuen Sonderausstellung Six Feet Under – Autopsie unseres Umgangs mit Toten wendet sich das Deutsche Hygiene-Museum erneut dem Themenkomplex Tod und Sterben zu. Während sich die Fotoausstellung „Noch mal leben“ vor zwei Jahren mit der ganz individuellen Dimension des Sterbens befasst hatte, betrachtet diese in leicht veränderter Form aus dem Kunstmuseum Bern übernommene Ausstellung, wie Gesellschaften ihr Verhältnis gegenüber den Toten und dem menschlichen Leichnam organisieren.

Obwohl Gewalt und Tod heute in den Medien fast allgegenwärtig sind, wird der direkte Kontakt zu den Toten in den westlich geprägten Ländern – anders als in vielen anderen Kulturkreisen – meist gemieden. Insbesondere die Leiche ist nahezu aus unserem alltäglichen Blickfeld verdrängt und durch ein neues System von Ritualen und Symbolen ersetzt worden, in dem die Endlichkeit der menschlichen Existenz verarbeitet werden soll.

Vielleicht ist die amerikanische Kult-Serie „Six Feet Under“, deren Titel unsere Ausstellung übernommen hat, ein guter Indikator dafür, wie wir heute mit dem Phänomen Tod umgehen. Scheinbar lässig und mit einer gehörigen Portion schwarzen Humors erzählt sie vom Tod im turbulenten Alltag der Familie Fisher, die im kalifornischen Pasadena ausgerechnet ein Begräbnis-Institut betreibt.

Ironie, Neutralisierung, Katharsis, Entsymbolisierung oder aber Metaphorisierung sind die Strategien, mit denen wir versuchen, der natürlichen Unbeholfenheit bei der Begegnung mit der Idee des Todes und mit dem Körper des Toten Herr zu werden. Diese merkwürdige Verschiebung durch einen fast spielerischen Umgang mit dem Tod kann man auch an einem anderen Beispiel beobachten: Der Totenkopf – in früheren Zeiten ein Heiligenattribut oder Vanitassymbol – hat sich in manchen Kreisen in ein subkulturelles Emblem oder schickes Modeaccessoire verwandelt.

Six Feet Under vereint Werke aus der Sammlung des Kunstmuseums Bern, aus zahlreichen Museen und Galerien, aus privaten Sammlungen sowie von Künstler/innen und speziell für die Ausstellung geschaffene Arbeiten. Neben Werken aus dem 19. Jahrhundert liegt das Hauptgewicht auf zeitgenössischer Kunst aus Ländern verschiedener Kontinente, aus Großbritannien, Frankreich, der Schweiz, Polen, Estland, USA, Mexiko, Indien, Japan, Indonesien oder Ghana.

Wichtige Themenkreise der Ausstellung sind Totenköpfe und Skelette (von Andy Warhol bis Stefan Balkenhol und Katharina Fritsch), Leichname und Todesarten (von Félix Vallotton und Gabriel von Max bis Andres Serrano und Teresa Margolles), Gräber (von Albert Anker bis Claes Oldenburg und Joe Scanlan), der Künstlertod (von Keith Arnatt bis Gianni Motti und Adrian Paci), Tod und Lifestyle (von John Armleder und Izima Kaoru bis Rosemarie Trockel und Eberhard Havekost), Hommagen (von Ferdinand Hodler und James Ensor bis AA Bronson und Ron Mueck) und das Nachleben (von Adolf Wölfli bis Ana Mendieta, Felix Gonzalez-Torres und Sophia Schama).

Für die Präsentation im Deutschen Hygiene-Museum war es erforderlich, einige Kunstwerke der Berner Version zu ersetzen. Dafür konnten Werke international bedeutsamer Künstler wie Ron Mueck oder Kimsooja integriert werden. Außerdem wurde die Ausstellung ergänzt um einige Werke deutscher Künstler wie Lisa-Marie Auer, Hannes Broecker, Claudia Schoetz, Eberhard Havekost, Martin Mannig und Sophia Schama.

Kuratoren

Bernhard Fiebicher und Susanne Friedli, beide Kunstmuseum Bern

Rahmenprogramm

Zur Ausstellung wird ein breit gefächertes Bildungsangebot für Schulklassen und andere Gruppen sowie ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm und eine Konzertreihe stattfinden. Nähere Informationen hierzu finden sich ab September 2007 auf unsere Website: www.dhmd.de

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Danke an Leser Andreas für den Hinweis.

Lesezeit ca.: 4 Minuten - Tippfehler melden - Peter Wilhelm 28. Mai 2012

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8 Kommentare
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sitamun
15 Jahre zuvor

eine interessante ausstellung – der besuch in dresden ist bestimmt auch lohnenswert.

15 Jahre zuvor

‚Deutsches Hygiene-Museum‘
was es so alles gibt …..

cataya
15 Jahre zuvor

ich kann jedem nur empfehlen, sofern er die Zeit und die Mittel hat, sich diese Ausstellung anzusehen (und die Dauerausstellung im Hygiene-Museum lohnt sowieso)

t34
15 Jahre zuvor

Ich kann das Kindermuseum dort sehr empfehlen. Nach vier Stunden musste ich meine Bande dort raus tragen – nein, sie waren nicht eingeschlafen, sondern wehrten sich ganz heftig 🙂

gruftigirl
15 Jahre zuvor

Kann man diese Ausstellung nicht mal nach Augsburg verlegen??? (München laß ich auch noch gelten)

15 Jahre zuvor

Ui, vielen Dank für den Ausstellungstipp! Da werde ich mal vorbei schlendern. Ich liebe das Hygiene-Museum in DD. Ist wirklich sehr zu empfehlen sich die Dauerausstellung anzusehen!

DinoHB
15 Jahre zuvor

Da habe ich alle fünf SFU-Staffeln auf DVD, kriege immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an das Finale denke und habe dabei völlig verpennt, dass SFU in PASADENA spielt?! Kalifornien war klar – aber ich dachte immer, es sei irgendein Vorort in L.A. gewesen.

Kann jemand sagen, wo das offiziell in der Serie gesagt/genannt wird? (Wie ich mein Glück kenne, bestimmt in der ersten Folge….)

15 Jahre zuvor

Ich hab die Ausstellung in Bern gesehen und kann sie sehr empfehlen. Allerdings eine Warnung an zarte Seelen: Einige der Exponate sind nicht gerade leicht zu verdauen. Andere sehr faszinierend. Ich wünschte, ich könnte die Dresdener Ausstellung auch sehen.




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