DIREKTKONTAKT

Allgemein

Staatsbegräbnis mit militärischen Ehren

Wie wird der Mund einer Leiche verschlossen?

Wie läuft eigentlich ein Staatsbegräbnis ab und hattet ihr schon einmal so einen Auftrag?

Staatsbegräbnisse sind in Deutschland sehr selten und werden vom Bundespräsidenten angeordnet.
Ein solches hat beispielsweise Konrad Adenauer bekommen.
Das Staatsbegräbnis ist eine Form des Staatsaktes.
Staatsakte sind:

– ein Staatsbegräbnis,
– ein Trauerstaatsakt,
– oder ein sonstiger Staats- und Festakt.

Der Anordnung über Staatsbegräbnisse und Staatsakte vom 2. Juni 1966 folgend kann so ein Staatsakt besonderes Menschen des öffentlichen Lebens gewährt werden, die sich in besonderer Weise um das deutsche Volk verdient gemacht haben.
Es sind in der Regel bewährte Bestatter aus der Nähe des Regierungssitzes oder des Wohnortes des Verstorbenen, die Staatsbegräbnisse durchführen. In frühen Berliner Hauptstadtzeiten war das oft die Firma Grieneisen, zu Zeit der Bonner Regierung auch das Unternehmen Kuckelkorn in Köln.

Staatsbegräbnisse haben wir noch nicht durchgeführt. Wenn die Angehörigen es jedoch nicht ablehnen, findet ein Staatsbegräbnis mit militärischen Ehren statt und solche Begräbnisse mit militärischen Ehren haben wir schon durchgeführt.

Ein Begräbnis mit militärischen Ehren steht denjenigen Personen zu, die der Bundeswehr und der Wehrmacht angehörigen und -wie oben erwähnt- Personen die ein Staatsbegräbnis bekommen. Als Besonderheit gewährt man auch den Personen ein Militärbegräbnis die durch Soldaten oder Kampfmaterial ums Leben gekommen sind. Grundsätzlich wird ein Begräbnis mit militärischen Ehren nur dann durchgeführt, wenn die Hinterbliebenen das auch wollen.

Demnach hat auf ein Begräbnis mit militärischen Ehren einen Anspruch:

– wer ein Staatsbegräbnis bekommt
– wer ein in oder außer Dienst stehender Soldat der Bundeswehr ist
– wer durch einen Soldaten, einen Zivilmitarbeiter oder Wehrmaterial der BW um Leben kam
– wer ehemalig Berufssoldat in der BW, der Wehrmacht, der Reichswehr oder dem Militär des Kaiserreichs war
– wer Träger hoher Verdienstauszeichnungen, Tapferkeitsauszeichnungen oder Ordensträger war

Keinen Anspruch auf ein solches Begräbnis hat, wer ein Verbrechen verübt hat oder daran beteiligt war und im Zusammenhang mit der Verübung dieses Verbrechens getötet wurde.

Natürlich gibt es eine Dienstvorschrift, die genau besagt, wer wieviel militärisches Zeremoniell bekommt. Es wird grundsätzlich unterschieden:

1. Abordnung
2. kleines Ehrengeleit
3. großes Ehrengeleit

Eine Abordnung besteht aus einem Offizier, das kann z.B. der direkte höhere Vorgesetzte des Verstorbenen sein, einen Unteroffizier und einem Mannschaftsgrad. Hinzu können noch zwei Soldaten als Kranzträger kommen.

Beim kleinen Ehrengeleit werden sechs Soldaten als Sarg- und Totenwache abgestellt, die vor und bei der Trauerfeier am Sarg wachen und diesen auch zum Grab tragen/fahren können. Außerdem entsendet die Bundeswehr jeweils einen Trommler, Trompeter und Ordenskissenträger.
Der Trommler spielt einen Trommelwirbel und beim Ablassen des Sarges in das Grab spielt der Trompeter traditionell das Lied vom guten Kameraden.

Beim großen Ehrengeleit erscheint die oben beschriebene Abordnung, verstärkt durch einen General, einen Fahnenträger mit der Truppenfahne, zwei Begleitoffiziere und einen Ehrenzug. Außerdem kommen statt Trompeter und Trommler die Angehörigen eines Musikkorps, sowie die oben genannten Totenwächter, Kranzträger und Ordenskissenträger.
Dieses große Ehrengeleit wird Personen gewährt, die wenigstens kommandierender General waren.

Bei einem durch den Bundespräsidenten angeordneten Staatsbegräbnis erscheint statt des 31-köpfigen Ehrenzuges ein ganzes Batallion und der Sarg wird von Offizieren getragen.

Bei einem solchen Begräbnis ist der Sarg mit der Bundesdienstflagge bedeckt. Solche Flaggen haben wir als Bestatter vorrätig, wir erhalten jeweils von der Bundeswehr Ersatz. Die Fahne wird so auf dem Sarg befestigt, daß der Adler nach rechts schaut und der Kopf des Adlers zum Kopfende des Sarges zeigt.
Dort wo im Sarg etwa der Kopf des Verstorbenen ist, wird auf dem Sargdeckel eine geeignete, dem Dienstzweck entsprechende Kopfbedeckung befestigt. Das kann ein Helm sein, aber auch eine Schirmmütze oder ein Barett. Dabei zeigt die Öffnung des „Hutes“ nach unten und der vordere Rand zum Fußende.

In Deutschland wird die Fahne mit dem Sarg ins Grab gesenkt, den Angehörigen ein zweites Exemplar feierlich überreicht. Aus den USA kennt man, daß aus Achtung vor der Fahne diese nicht mit der Erde in Berührung kommen darf und deshalb die Fahne vom Sarg abgenommen, zu einem Dreieck gefaltet und den Angehörigen überreicht wird.

Wir hatten schon Begräbnisse der „einfachen“ Klassen, mit Abordnung und kleinem Geleit. Es betraf mehrfach Wehrdienstleistende, die auf dem Weg zur Truppe verunglückt sind, einmal einen alten Berufssoldaten und glücklicherweise erst ein einziges Mal einen (allerdings durch einen Unfall, nicht durch Kampfhandlungen getöteten) Soldaten aus einem Kampfgebiet.

Die Kosten für solche Begräbnisse haben bis auf den letzten Fall die Angehörigen selbst getragen, den Aufwand für das Ehrenzeremoniell hingegen trägt die Bundesrepublik Deutschland. Im letzten Fall bekamen wir den Soldaten schon angekleidet mitsamt Sarg und haben mit den Angehörigen gar nicht abgerechnet, sondern mit dem Amt für Verteidigungslasten. Ob dieses dann bestimmte Teile weiterberechnet hat, ist mir nicht bekannt.


Ich habe noch einmal die wichtigsten Schlagwörter (Hashtags) dieses Artikels für Sie zusammengestellt, damit Sie sich besser orientieren können:

Schlagwörter: , ,

Allgemein

Die Artikel in diesem Weblog sind in Rubriken / Kategorien einsortiert, um bestimmte Themenbereiche zusammenzufassen.

Da das Bestatterweblog schon über 20 Jahre existiert, wurde die Blogsoftware zwei-, dreimal gewechselt. Dabei sind oft die bereits vorgenommenen Kategorisierungen meist verlorengegangen.

Deshalb stehen über 4.000 Artikel in dieser Rubrik hier. Nach und nach, so wie ich die Zeit finde, räume ich hier auf.

Lesezeit ca.: 6 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 5. Februar 2014 | Peter Wilhelm 5. Februar 2014

Lesen Sie bitte auch:


Abonnieren
Benachrichtige mich bei
18 Kommentare
Inline Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
tyler
15 Jahre zuvor

„wer durch einen Soldaten, einen Zivilmitarbeiter oder Wehrmaterial der BW um Leben kam“

Also wenn man Opa eine schöne Beerdigung gönnen will schubst man ihn vor ein Auto mit Y-Kennzeichen

15 Jahre zuvor

Ergo könnte ich als OG a.D. eine militärische Abordnung beim Begräbnis wünschen?

aga80
15 Jahre zuvor

Ich will ja nicht seltsam erscheinen , aber was ist mit ehemaligen Angehörigen , der NVA .
Denn das war ja auch eine reguläre Armee auf deutschen Boden.

Roland1
15 Jahre zuvor

@aga80: Zitat: „- wer ehemalig Berufssoldat in der BW, der Wehrmacht, der Reichswehr oder dem Militär des Kaiserreichs war“

Da steht nichts von NVA, also gilt das wohl für die nicht.

janwo
15 Jahre zuvor

@ Sascha: Ja. Solche Fälle hatten wir mal bei der Einsatzplanung der Heersesmusiker. Wünschen kann man sich das, aber das heißt nicht, dass es automatisch auch gewährt wird.

@aga80: Und entsprechend sollten die (Ex-)NVA-Angehörigen, sofern sie es wünschen, denselben Anspruch auf militärische Ehren haben.

Beckert
15 Jahre zuvor

Es müßte der ehemalige Dienstherr ja auch jedes Mal informiert werden und der Anspruch angemeldet werden.

Stephan
15 Jahre zuvor

@Sascha: Ich vermute eher mal, daß Du OG d. Res. bist, nicht a. D. 🙂
Ich gehe aber davon aus, daß mit „in und außer Dienst verstorbene […] Soldaten“ (so stehts in der Wikipedia) aktive Soldaten gemeint sind, weil sonst der Satz „verstorbene ehemalige Berufssoldaten der Bundeswehr, […]“ keinen Sinn machen würde. Die ehemaligen Soldaten der Bw wären ja schon mit dem ersten Satz erfaßt. Mit „in und außer Dienst“ dürfte die tägliche Dienstzeit gemeint sein.

Viele Grüße,
Stephan

MacKaber
15 Jahre zuvor

In einem früheren Kommentar habe ich es, glaube ich schon einmal erwähnt.
Bei den Franzosen wird der Rahmen wohl noch etwas weiter gespannt. Mein Schwager ist französischer Berufssoldat. Unser Friedhof liegt neben der Kaserne. Als mein Vater durch eine Erkrankung starb, trat plötzlich eine Abordnung (jetzt weiß ich auch die korrekte Bezeichnung dafür), bestehend aus einem Offizier und zwei Kranzträgern vor, und legte einen großen Kranz, die Schleifen mit Tricolorefarben nieder. Wir waren tief beeindruckt, denn es kam völlig unerwartet.

MacSpi
15 Jahre zuvor

@Tom Bist du dir ganz sicher was die Sache mit dem General und dem Batallion angeht?
Weil es gibt ja in D nun nicht so viele Generale (in der Regel 2 gleichzeitig) und ein Batallion hat ja auch mal so bis 1200 Soldaten (das Wachbatallion sogar 1800).

Wolkenreiter
15 Jahre zuvor

@MacSpi

Was den höchsten Dienstgrad der Dienstgradgruppe betrifft hadt du recht, aber wenn man die kleineren Dienstgrade wie Brigadegeneral dazu nimmt, kommt man schon auf eine ganze Menge Menschen. Bei der Bundeswehr werden alle Generäle mit der Anrede „General“ angesprochen.

Und zum Thema Bataillon sagt Wikipedia:
Je nach Truppengattung umfasst es (das Bataillon)300 bis 1.200 Soldaten. Das Wachbataillon der Bundeswehr mit über 1.800 Soldaten (entspricht etwa Regimentsstärke) hat seine Bezeichnung aus Gründen der Tradition.

Lauro
15 Jahre zuvor

Hm, hier in Österreich gibt es dann noch das Gardeehrengeleit, den Transport des auf Sarges auf einer Geschützlafette, usw…

Und an das Begräbnis der Kaiserin Zita werden noch einige Soldaten der Garde mit Schmerzen zurückdenken.

Athalfain
15 Jahre zuvor

Tja, zu schade, daß meine Großväter mit dem Militär nichts mehr zu schaffen haben wollten.

Nach Ostfront bzw. mehrmaligem Versenkt werden ist das aber wohl verständlich.

Was die Zahl der Generäle angeht: Deutschland hat – wie ein meinem Vater bekannter Admiral es mal sagte – etwa 3 Mal soviele Generäle (und wahrscheinlich auch Admiräle) wie es bräuchte.

x
15 Jahre zuvor

In den Niederlanden ist es ähnlich, hier der Empfang eines getöteten Soldaten auf dem Flughafen:

http://www.youtube.com/watch?v=bcgo1cbrZPo&feature=related

(ja, Sarg heißt auf Niederländisch „kist“ und mit „stoffelijke overschotten“ sind tatsächlich die „staubigen Überreste“ gemeint – wir sind halt in der Wortwahl etwas direkter *ggg*)

Lauro
15 Jahre zuvor

Das was ich weiß, kenn ich nur aus Erzählungen, weil ich selber noch sehr klein war, aber ich hab es aus mehreren Quellen:
Es war das letzte Kaiserbegräbnis in Österreich. Die Garde stellte dabei das militärische Geleit. Dabei wurden mehrere Kilometer im Konduktschritt zurückgelegt, normalerweise geht man das nur über kurze Strecken.

Schlussendlich musste den teilnehmende Soldaten die nächsten Tage freigegeben werden, da sie blutige Füße hatten und nicht mehr gescheit gehen konnten.

Hier ist der Konduktschritt zu sehen:
http://www.youtube.com/watch?v=cYoGzyUZzhw

15 Jahre zuvor

@x: Möchte nicht klugscheißen, aber so gut ist mein Niederländisch dann doch noch, daß ich von meinen niederländischen Leuten ’stoffelijke overschotten“ als „stofflichen Überschuß“ meinetwegen frei übersetzt ’stoffliche Überreste“ verstehe.

Tot ziens
Tom

Un.tot
15 Jahre zuvor

@13 Warum? Erzähl doch mal 🙂

Un.tot
15 Jahre zuvor

Danke schön 🙂

Sieht sehr schmerzhaft aus >.<

x
15 Jahre zuvor

@ 14: Da hast du recht, habe die deutsche Übersetzung gerade nachgeguckt im Van Dale. Deutsch ist eben nicht so einfach ;-(




Rechtliches


18
0
Was sind Deine Gedanken dazu? Kommentiere bittex
Skip to content