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Urteil: Bestatterkleidung nicht absetzbar

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Trau­er­redner könnten ja auch zu Hause in ihrer Freizeit Schwarz tragen

Schwarz ist die Farbe der Trauer. Bestatter tragen deshalb vorwiegend Schwarz, um ihren Respekt gegenüber dem Toten und seinen Angehörigen zu zeigen. Dafür schaffen sich Bestatter schwarze Anzüge oder Kombinationen in gedeckten Farben an. Das gilt auch für Trauerredner.
Deshalb hatten selbständige Trauerprediger die Aufwendungen für diese Berufskleidung (infrage kommen Anschaffung, Umarbeitung, Instandhaltung und Reinigung) bei den Finanzämtern geltend gemacht. Diese wie auch das Finanzgericht (FG) hatten diese Ansprüche aber abgelehnt.

Doch auch der Bundesfinanzhof (BFH) urteilte jetzt entsprechend. Es handele sich im Grundsatz um bürgerliche Kleidung, also um Alltagskleidung. Diese könne der Trauerredner ja auch privat tragen, deshalb sei dies keine Aufwendung im Sinne einer Betriebsausgabe.
(Urt. v. 16.03.2022, Az. VIII R 33/18).

Die Klage eingereicht hatten selbständige Trauerredner. Sie meinen, die Ausgaben für schwarze Anzüge, Blusen und Pullover seien Betriebsausgaben. Der BFH bestätigte nun das Urteil der Vorinstanz, nur Aufwendungen für typische Berufsbekleidung im Sinne des § 9 Abs. 1 S. 3 Nr. 6 Einkommenssteuergesetz (EStG) können bei den Betriebsausgaben berücksichtigt werden. Gemeint ist wohl Berufskleidung wie Metzgerschürzen, Praxis- und Krankenhauskleidung, Kittel, Zunftkleidung (Schornsteinfeger, Zimmerleute, Dachdecker…) und Schutzkleidung (hier besonders Sicherheitsschuhwerk etc.).

Auch wenn die schwarze Kleidung erwartet werde, sei es doch bürgerliche Kleidung, die man auch privat tragen könne. Die Kosten dafür könnten auch dann nicht geltend gemacht werden, wenn sie nur bei der Berufsausübung getragen wird. Laut BFH ist die Entscheidung auf die gesamte Bestattungsbranche übertragbar.

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Tipp:

Zumindest Bestatter sind ja im handwerklichen Bereich tätig. Bei Anbietern wie CONEN und teilweise auch Engelbert Strauss kann berufstypische und schützende Kleidung erworben werden, die den Ansprüchen der Angehörigen entspricht, aber von ihrer Art und Aufmachung her nicht als Privatkleidung geeignet ist. Das wird durch die Art (Stahlkappen in Schuhen), die mögliche Einordnung in eine berufstypische Norm, aber auch durch die Aufmachung (Firmenlogo, Palmenstickerei, Kreuze auf den Kragen etc.) oder dadurch, dass das Kragen dieser Kleidung im Privaten untypisch ist (Pellerine, Cape, Zylinder, Dreispitze usw.) vorgegeben.
Hier dürfte ein Finanzamt, meiner persönlichen Meinung nach, Schwierigkeiten haben, die Berufsbezogenheit zu verneinen und die Möglichkeit der Privatnutzung herauszukehren.

Bei meiner Einschätzung stütze ich mich auf die Tatsache, dass Folgendes gilt: Typische Berufskleidung umfasst nur Kleidungsstücke, die nach ihrer Beschaffenheit objektiv nahezu ausschließlich für die berufliche Nutzung bestimmt und geeignet und wegen der Eigenart des Berufs nötig sind bzw. bei denen die berufliche Verwendungsbestimmung bereits aus ihrer Beschaffenheit entweder durch ihre Unterscheidungsfunktion, wie z.B. bei Uniformen oder durch dauerhaft angebrachte Firmenembleme oder durch ihre Schutzfunktion ‑‑wie bei Schutzanzügen, Arbeitsschuhen o.Ä.‑‑ folgt (vgl. z.B. BFH-Urteile vom 19.01.1996 ‑ VI R 73/94, BFHE 179, 403, BStBl II 1996, 202; vom 27.05.1994 ‑ VI R 67/92, BFHE 175, 57, BStBl II 1995, 17, und vom 18.04.1984 ‑ IV R 13/90, BFHE 164, 419, BStBl II 1991, 751, unter 1.a, m.w.N.; BFH-Beschluss vom 06.06.2005 ‑ VI B 80/04, BFH/NV 2005, 1792)


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Hier veröffentlicht der Publizist Peter Wilhelm Informationen und Geschichten rund um den Bestatterberuf.
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Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
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Peter Wilhelm 30. Juni 2022

1 Kommentar » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde das mit berufstypischer Kleidung und Absetzbarkeit schwierig.

    Bei sehr vielen Bürojobs wird noch ein Hemd erwartet, in einer Bank meistens Hemd und Krawatte. Selbst wenn man die nie privat trägt.

    Schwarz ist auch nicht nur die Farbe der Trauer. Seien es die MiB in den Filmen, Benedict Cumberbatch der lässig schwarzes Hemd in schwarzem Anzug zu Prämieren trägt, Angestellte an der Börse, selbst die Grünen im Bundestag – schwarz passt zu allem.

    Die meisten Leuten mit Pelerine sehe ich eher bei Gothic Konzerten. Bestatter habe ich noch keinen damit gesehen. Oder mit Häkelpelerine denke ich kommt ein Bestatter merkwürdig…

    hm.. schwarze Anzug und Zylinder = Bestatter… Zumindest in Bayern könnte es auch.. warte mal https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/9/96/Edmund_Stoiber.jpg
    Wobei bei schwarzer Kleidung und Zylinder denke ich zuerst an
    https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/3/3d/Slash%2C_Guitarist_of_Guns_N%27_Roses_in_2017.jpg/800px-Slash%2C_Guitarist_of_Guns_N%27_Roses_in_2017.jpg

    So schwarzgekleidete „Bestatter“ treffen sich auch in Wien, jährlich, teils auch mit Cape/Zylinder https://cdn.prod.www.spiegel.de/images/80853604-0001-0004-0000-000001401062_w996_r1.778_fpx37.93_fpy44.98.jpg

    Bei Dreispitz denke ich ehrlich gesagt gar nicht an Bestatter, sondern an junge leichtbekleidete Damen die versuchen synchron ihre Beine über den Kopf zu bekommen – ich glaub im Norden heißen die Funkenmariechen. Wahlweise noch den alten Fritz.

    Das schwarz denke ich ist oft überholt. Gerade bei Naturbestattungen können die Leute und Fahrzeuge recht bunt sein.
    https://www.bundesverband-bestattungsbedarf.de/blog/bloss-nicht-auffallen-galt-gestern/
    https://kuhlmann-cars.de/wp-content/uploads/kuhlmann-cars-bestattungswagen-e-klasse-weiss-1.jpg
    https://www.bestattungswagen.de/fileadmin/_processed_/6/f/csm_ford-2015_be028c1099.jpg

    „Kleidung im Privaten untypisch“ sehe ich eher als – he ist eher bei Festivalbildern vertreten, nicht bei modernen Bestattern.

    Ich würde mir verarscht vorkommen, wenn mit jemand mit Dreispitz auf dem Kopf bestatten würde..

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