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Völlig überzogen

Einer meiner Auszubildenden hat seine Prüfung bestanden und ist also nun mit seiner Ausbildung fertig. Eigentlich wollte ich ihn nicht übernehmen, weil er keinen Führerschein besitzt. Aber er ist ein netter Kerl und sonst sehr fleissig. Gestern stand er dann in meinem Büro und wollte mal nachfragen wie es denn jetzt aussieht mit der Weiterbeschäftigung.

Ich sagte zu ihm, er solle sich mal überlegen, was er denn so verdienen wolle, davon würde ich dann meine Entscheidung abhängig machen.

Er hat Bürokaufmann mit Schwerpunkt Bestattungswesen gelernt. D.h. er hat normal die Berufsschule der Bürokaufleute besucht und betriebsintern eine Zusatzausbildung zum Bestattungshelfer absolviert. Hierfür benötigt man normalerweise unabdingbar einen Führerschein, weil wir ja die Verstorbenen schlecht mit der Schubkarre abholen können.

Heute kam er dann zu mir. Seine Mutter habe sich erkundigt und er sei der Meinung, 2.700 Euro im Monat müssten das schon sein.

Also wirklich, unter diesen Umständen kann er noch so nett und fleissig sein, aber das ist etwa das Doppelte von dem, was ich ihm als Berufsanfänger gezahlt hätte.

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Peter Wilhelm28. Mai 2012

21 Kommentare von 139732.

  1. Ehrlich gesagt solltest du dich darüber nicht ereifern. Er ist noch jung und hat keinen Schimmer, was man wirklich verdient. Setz dich mit ihm in Ruhe hin und erkläre ihm, warum du ihm nicht soviel zahlen kannst.

    Warum fühlt ihr Chefs euch von solchen, unwissentlich, dummen Dingen nur so auf die Füsse getreten. Gehaltserhöhungen und Gehaltsforderungen…wann immer es ums Geld geht, werdet ihr zickig ;-)

  2. So einfach ist das ja auch wieder nicht. Ich habe ihm natürlich ein entsprechendes Gegenangebot gemacht, aber das hat er rundheraus abgelehnt. Dann machte ich ihm das Angebot, er könne auf unsere Kosten den Führerschein machen und wir würden uns dann wegen des Gehaltes in der Mitte treffen. Auch das hat er abgelehnt. "Nein, meine Mama hat gesagt, ich soll mich nicht übers Ohr hauen lassen."

    Jetzt bekommt er Geld vom Amt.

  3. *lach* Da kann man ihm auch nicht helfen. Meine Mom ist n liebes Mädel, aber so sehr höre ich auch nicht auf sie. ;-)

    Dein Text las sich halt etwas pikiert, deshalb mein Kommentar.

    Cheers

    Mywill

  4. Mhhh naja ich frage mich wieviele Jobs ich schon nicht bekommen habe aufgrund meiner "Gehaltsvorstellungen"… kleines Beispiel aus der Call-Center-Branche: Bei einem Mobilfunk-Provider verdient man 2700€ Brutto bei einem anderen 1300€ Brutto… Woher soll man da bei der Bewerbung wissen wasn man angeben soll :|

    Mist alles!

  5. Ich habe auch Bürokauffrau gelernt und mein Anfangsgehalt um das Jahr 2000 rum waren 1.800 €. Im Schnitt verdient man momentan auf dem freien Markt zwischen 1.500 und 2.100 €.

    2.700 € ist tatsächlich etwas sehr hoch gegriffen. Und das Angebot mit dem Führerschein hätte ich mit Handkuss angenommen.

    Nun gut, er wird es merken. Nur seltsam, dass er nur seine Mutter und nicht auch andere Ausbildungskollegen oder Berufsschullehrer gefragt hat, die hätten ihm sicherlich bessere Antworten geben können.

    Aber jeder ist seines Glückes Schmied.

  6. Ich gehe mal schwer davon aus, dass es um den Nettolöhne geht (leider werden Arbeitnehmer über die wahren Gehaltskosten ja im dunkeln gehalten).

    Das Angebot, den Führerschein zu bezahlen ist lobenswert.

    Interessant, dass in diesem Gewerbe Feilscherei so üblich ist – in anderen Bereichen gibt es Tariflöhne, an denen man sich zumindest orientieren kann. Wenn das im Bestattungsgewerbe nicht der Fall ist (wie ja schon in einem anderen Posting mit Hinweis auf das "holzverarbeitende Gewerbe" gesagt wurde (BTW: ein *grins* dafür)), dann kann man dem Jungen nicht wirklich einen Vorwurf machen.

    Wenn man ihm sagen könnte was übliche Anfangsgehälter sind und diese Behauptungen auch mit Quellennachweis belegen könnte, könnte man besser argumentieren.

    So wie sich die Sache für mich als Aussenstehenden liest, ist es halt doof gelaufen – aufgrund von meiner Meinung nach vermeidbaren Missverständnissen.

  7. Ja natürlich netto. Unsere Grundlöhne sind nicht sehr hoch, allerdings kommen noch etliche Zulagen hinzu. Die Bestattungshelfer werden zusätzlich noch pro Einsatz bezahlt, alle Mitarbeiter erhalten 22,50 Euro Handypauschale und jeder der ein entsprechendes Fahrtenbuch führt und Tankquittungen vorlegt, bekommt seine Benzinaufwendungen ersetzt. Dienstkleidung wird kostenlos angeschafft und auf Firmenkosten greinigt und wir haben eine großzügige Freizeitregelung. Es ist im übrigen in meiner Firma Tradition, daß alle Mitarbeiter mit dem Chef mittags gemeinsam auf Firmenkosten eine Mahlzeit einnehmen.

    Holzverarbeitendes Handwerk? Nun, das ist doch nicht Außergewöhnliches. Ein Großteil der Bestattungsunternehmen ist aus Schreinereien hervorgegangen. Särge sind nunmal aus Holz :-)

    Dem "Jungen" kann man insoweit einen Vorwurf machen, als er u.a. in der Personalbuchhaltung eingesetzt war und wusste, was verdient wird. Als Berufsanfänger hätte er maximal bis 1500 netto pokern können, vielleicht hätte ich mich auch auf 1600 eingelassen, aber nicht mehr als 1000 Euro drüber.

  8. hmpf und als fertig ausgebildete Akademikerin bekomme ich einen Bruttolohn von 2500 als Einstieg. Interessante Vorstellungen hat die Mutter. Ich glaube sie meinte Brutto.

  9. Ihr seht das alle völlig falsch, die Mutter hat nicht daran gedacht, dass es jetzt den EUR gibt – die hat bestimmt nur zu DM-Zeiten gearbeitet – somit wäre die Forderung auf 1300EUR gekommen und das liegt im Rahmen ;-)

    Ich finde übrigends das Angebot den Führerschein zu bezahlen auch recht großzügig, ich wünschte, mein Arbeitgeber hätte das gemacht…

  10. Hallo,

    ich bin grad auf der Suche nach Anfangsgehältern für Bürokaufleute im Bestattungsgewerbe gewesen und bin hier gelandet. Es ist echt nicht einfach darüber etwas zu finden. Ich bin nächstes Jahr ausgelernt und werde wahrscheinlich übernommen. Jetzt stellt sich für mich die brennende Frage: Was bin ich auf dem Markt denn wert?

    Mein Chef wollte seine erst Auszubildene mit 1.200 € brutto übernehmen, wo alle etwas entsetzt waren. Sie hat sich nicht darauf eingelassen.

    Ist das nicht ein bißchen sehr wenig? Wir sind auch hauptsächlich im technischen Bereich tätig, also haben mit den Büroarbeiten wenig zu tun.

    Ich habe jetzt etwas schieß, dass ich das gleiche Angebot erhalte. Deswegen wäre ich super glücklich, wenn ich ein paar Erfahrungswerte bekommen könnte, weil ich in diesem Bereich echt "GRÜN" hinter den Ohren bin.

    Gruß

    lebenssyndrom

  11. Danke für die schnelle Antwort. Bin jetzt echt geknickt, 1.200 € ist eindeutig zu wenig und ich weiß das mein Chef in der Sache echt schwierig wird. Ich hoffe das ich noch gute Argumente finden kann, damit ich ihn wenigstens von den 1.22 € wegkriege.

  12. Kleiner Zwischenruf, auch wenns vermutlich nach all den Jahren keinen Mehr interessiert:
    Als Berufseinsteiger mit Zertifikat zur Jahresbestleistung 2011 im Elektrohandwerk betrug mein Anfangsgehalt 1450€ Brutto für 48h/Woche mit 24 Tagen Urlaub, und die tolle Klausel „Überstunden sind im Gehalt bereits abgegolten“ durfte auch nicht fehlen.
    Heutzutage sind solche Löhne doch vollkommen normal… Wenn man sich beweist ist sicherlich kein Chef abgeneigt, das angemessen zu erhöhen.
    In meinem Fall ein Jahr später, anderer Betrieb:
    1950€, 40h/Woche, Überstunden werden großzügig (17€/h) vergütet, 30 Tage Urlaub bei einer angenommenen 5 Tage Woche, trotz das Samstags gearbeitet wird, d.h. Samstag muss nicht als Urlaubstag genommen werden, und im Gehalt sind nur 6 Überstunden inbegriffen.
    Für einen Gesellen mit einem Jahr Berufserfahrung finde ich das nicht zu wenig. Man muss auch mal auf dem Boden bleiben können…

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