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Was passiert, wenn unsere Organspendeausweise verbrennen?

Sehr geehrter Herr Wilhelm,

der Wintereinbruch ist da. Überall in den Medien hört man jetzt von schweren, wetterbedingten Unfällen.
Meiner Frau und mir gehen seit einigen Tagen Bilder nicht mehr aus dem Kopf, auf denen man schrecklich verbrannte Fahrzeuge gesehen hat. Die Insassen sind ebenfalls alle verbrannt.
In diesem Zusammenhang stellt sich uns eine sicherlich durchaus berechtigte Frage, die Sie ganz sicher auch schon häufiger gehört haben.
Vielleicht mögen Sie uns diese Frage aber dennoch beantworten:
Wir sind beide Inhaber von Organspendeausweisen. Diese sind aus Papier. Ich war leitender Beamter bei der Stadtkasse und in Bürodingen sehr bewandert. Deshalb habe ich die Organspendeausweise fachgerecht laminiert.
Wir führen die Ausweise stets bei uns.

Nun treibt uns die Frage um, was im Falle eines solchen schweren Brandes passiert, wenn das Fahrzeug komplett ausbrennt. In einem solchen Fall wären ja unsere Organspendeausweise verbrannt.
Niemand wüßte, daß wir unsere Organe spenden möchten, weil die Ausweise vernichtet sind.
Was kann man da tun? Sie haben doch sicherlich Erfahrungen in diesem Bereich.
Für eine Antwort wäre ich Ihnen sehr dankbar.

Das ist wirklich eine hochinteressante Frage.

Allerdings ist sie mir in dieser Form noch nie gestellt worden.
Schauen Sie, wenn ein Fahrzeug in Brand gerät, ist ja in dem von Ihnen geschilderten Szenario davon auszugehen, daß die Insassen verbrennen.

Sicher, die Organspendeausweise verbrennen auch. Aber nehmen wir einmal an, die Ausweise bestünden aus einem feuerfesten Material.
Selbst wenn also diese Ausweise das Inferno überstehen würden, welche Organe von welchen Menschen sollen denn da noch gespendet werden?

Die Organentnahme setzt doch voraus, daß die Organe zum Zeitpunkt der Entnahme auch noch intakt und somit transplantationsfähig sind.
Das dürfte nach allem was ich weiß, bei verbrannten Leichnamen auf keinen Fall gegeben sein.

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Peter Wilhelm12. Dezember 2017

22 Kommentare von 139149.

  1. Eine Frage hätte ich da noch : Wie sieht es denn aus wenn die Spender „nur“ an einer Rauchvergiftung gestorben sind, weil diese als Beispiel im Og geschlafen haben mein lieber Undertaker ;)? …Aber die Herrschaften können sich auch einfach online registrieren https://www.organspende-info.de/organspendeausweis

  2. Eine Organentnahme kommt regelmäßig nur in Betracht, wenn die Organe – und damit auch der Körper – noch „leben“, der Mensch aber nicht mehr, d.h. beim Hirntod (aber erhaltenem Kreislauf). Sowohl beim Verbrennungs- als auch beim Intoxikationstod durch Rauchgase kommt eine Organentnahme daher nicht in Betracht.

  3. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, aber diese Frage zeugt von keiner überragenden Intelligenz. Bei solchen ‚leitenden Beamten‘ wundert mich hinsichtlich so manchen Behördenirrsinns gar nichts mehr…

  4. Die Organspende in Deutschland ist schlecht organisiert: Ärzte erkennen mögliche Organspender oft nicht – oder melden sie bewusst nicht. Darum sinkt die Zahl der Organspenden, obwohl viele Menschen spenden wollen – so Recherchen der ARD.
    Wenn die Ärzte sich entscheiden, den sterbenden Patienten sterben zu lassen, dauert das vielleicht einen halben Tag. Dann ist das teure Intensivbett wieder frei für einen neuen Patienten, der Geld in die Klinikkasse bringt.Geht es stattdessen in Richtung Organspende, ist das Bett mitunter noch mehrere Tage belegt, bis die vorgeschriebene Hirntoddiagnostik durchgeführt und alles für die Organentnahme vorbereitet ist. Am Ende müssen die Organe in einem Operationssaal mit Klinikpersonal entnommen werden – meist tief in der Nacht. Eine Organspende verbraucht viel Zeit und Ressourcen, bringt der Klinik aber keinen Gewinn.

    http://www.tagesschau.de/inland/organspende-115.html

    Also was nützt es einen Spenderausweis bei sich zu tragen wenn Mediziner aus Kostengründen einen Spender nicht melden??

    Ich habe zwar auch einen, zweifel aber nach diesem Bericht daran das ich tatsächlich wenn es so weit sein sollte ausgeräumt werde……

    • @Georg:
      Zitat:
      …Ärzte erkennen mögliche Organspender oft nicht…

      Na ja und manchmal sind sie etwas übereifrig. Meines Bekannten Organe wollten sie vor ca. 2-3 Jahren verteilen, aber der Gute lebte prinzipiell noch.

      Sie fragten seine Lebensgefährtin, ob sie damit einverstanden ist. Die lehnte ab und stieß auf Unverständnis.

      Es ist aber nun so, dass der Mensch bis einschließlich heute überlebt hat und sich mehr oder weniger des Lebens freut. Gut, ein Bein musste ab, das Sprachzentrum hat etwas gelitten und die Motorik ist auch nicht die beste. Die Blutpumpe, des Übels Ursache, verrichtet ihren Dienst nur noch bestenfalls zu einem Drittel.

      Wie auch immer, wären aber jetzt lediglich seine Organe (zumindest die wenigen brauchbaren) anderweitig unterwegs. Ich schätze trotz allem, dass er froh ist, diese eben selbst noch einige Jährchen nutzen zu können. Er ist mittlerweile schließlich erst Mitte 30!

      Ich schätze, wenn er einen Spenderausweis gehabt hätte und nicht die Lebensgefährtin hätte gefragt werden müssen, wäre er zum größten Teil Vergangenheit.

      Alles hat seine Vor- und Nachteile.

      • @Winnie:

        Nein, auch bei einem Organspendeausweis wäre nichts passiert. Wie schon weiter oben beschrieben, ist eine Hirntoddiagnostik nach einem festgelegten Protokoll vorgeschrieben. Vorher gibt es keine Organentnahme.
        Wird der Hirntod jedoch festgestellt und die Organentnahme verweigert, so werden alle lebenserhaltenden Maßnahmen eingestellt, was zum Zusammenbruch des Kreislaufs binnen weniger Minuten führt weil ein hirntoter Patient nicht mehr selbstständig atmet.

        • @Simon:
          Aber wieso fragten die dann nach einer Organspende, wenn noch Hoffnung war. Er lag schon seit einiger Zeit im Koma und wurde nur durch Maschinen mehr tot als lebend am „Leben“ erhalten.
          Zuvor und bis er im Krankenhaus war, wurde er mindestens 3 x wiederbelebt.

          Ich traue der Sache mit den Spenderausweisen trotz allem nicht.

          • @Winnie:

            Die Beweggründe der Ärzte kann ich dir nicht erklären. Nur eins ist sicher: Dein Bekannter war nicht Hirntod und somit wären keine Organe entnommen worden.
            Oder sprechen wir nicht über Deutschland? In anderen Längern sind die Regeln möglicherweise anders.

            • @Simon:
              Doch, doch, in Deutschland und nicht lange her. Vielleicht haben die nur prophylaktisch gefragt?! Wäre aber auch irgendwie etwas makaber, oder? Ich weiß es auch nicht.

          • @Winnie: Die haben wahrscheinlich gefragt, ob man die Organe nach dem (dann offiziell von Ärzten, die mit der Spende nichts zu tun haben, bestätigtem) Hirntod spenden wolle. Aber man kann sich in Streßsituationen auch nicht unbedingt immer so genau erinnern.
            Grundsätzlich steht da aber kein Arzt mit gewetztem Skalpell hinter der Tür, um loszuschnippeln, sobald der Patient mal in die andere Richtung schaut.

            Salat

            • @Salat:
              Mit Stresssituation hast Du sicherlich recht. Das Mädel rief mitten in der Nacht völlig aufgelöst bei uns an.

              Und bestimmt war es für den behandelnden Arzt sicher, dass der Mensch nicht überlebt. Hier spielt scheinbar vor allem der Faktor Zeit eine Rolle. Denn nach dem Tod Angehörige schnell genug zu finden, ist schwieriger, als vorher alles abzuklären. Außerdem denke ich, dass ohnehin die Eltern das Sagen hatten/hätten, da sie ja noch nicht verheiratet waren.

              Und vielleicht dachten die, wenn erst mal die Lebensgefährtin überzeugt ist, dann klappt’s auch mit den Eltern. Die nebenbei bemerkt, ohnehin selten dort zu sehen waren.

  5. Köstlich
    „Ich war leitender Beamter bei der Stadtkasse und in Bürodingen sehr bewandert. Deshalb habe ich die Organspendeausweise fachgerecht laminiert.“

    Fachgerecht laminiert ‍♂️

  6. Dass ein unversehrter Ausweis bei einer verbrannten Leiche auch nichts mehr bringt, hat der Hausherr schon ausgeführt.

    Hinzu kommmt aber noch, dass es zwar im Hollywood-Film kaum einen Unfall gibt, bei dem das Fahrzeug nicht explodiert und anschließend ausbrennt, in der Realität aber nach einem Unfall brennende Autos sehr selten sind.

    Und zum Thema Organspende kann ich nur bitten, sich darüber Gedanken zu machen (völlig unabhängig davon, zu welchem Ergebnis man für sich persönlich kommt).

  7. Vielleicht gibt es da ja eine Marktlücke? Feuerfeste Etuis für Organspenderausweise…

  8. Im Zusammenhang Organspende möchte ich hinweisen auf die Kampagne
    organspende-entscheide-ich.de der Evangelischen Frauen in Deutschland, die neben vielen ethischen Information auch einen alternativen Organspendeausweis anbietet. Dort kann differenziert werden, ob und wie die Spende stattfinden soll – welche Organe, unter welchen Bedingungen (ob nur unter Vollnarkose, unter Einbeziehung der Angehörigen, möglicherweise nur Gewebe- aber keine Organspende, etc). Das scheint mir eine sehr sinnvolle Alternative zum Alles-oder-Nichts-Ausweis der Krankenkassen.

    • @warschonmalhier: „nur unter Vollnarkose“ setzt für mich irgendwie voraus, daß der Patient noch lebt – das steht im krassen Widerspruch zu der Aussage [für eine Organspende] „ist eine Hirntoddiagnostik nach einem festgelegten Protokoll vorgeschrieben“.
      Ist man hirntot, benötigt man keine Vollnarkose mehr…

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