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Wie kalt ist eine Leiche?

Ich bin seit einigen Jahren eifrige Leserin Ihres interessanten und auch amüsanten Blogs und kommentiere diesen ab und zu auch . Jetzt habe ich mal eine Frage, die vielleicht auch Ihre Leser interessieren könnte. Ich hatte kürzlich in der Familie einen Todesfall. Die 97 jährige Großmutter ist friedlich im Kreise unserer Familie zuhause verstorben.

Dies geschah spätabends und da ich aus Ihrem Blog gut informiert war, haben wir sie noch bis zum nächsten Tag bei uns behalten und mit dem Bestattuungsunternehmen vereinbart, sie erst am Nachmittag abzuholen . Wir hatten die Heizung ausgeschaltet. Trotzdem herrschte noch so 18 Grad Zimmertemperatur.

Wie ich beim Anfassen der Toten – ich habe ihr noch mehrfach die Hände gestreichelt- feststellen konnte , war sie so eiskalt, als käme sie aus der Kühltruhe. Dies war uns unerklärlich. Normales Fleisch so liegengelassen wäre meiner Meinung nach nicht so kalt. Gibt es dafür eine Erklärung?

Ich muss übrigens sagen, dieses Miterleben dieses auf seine Art sehr friedlichen Sterbeprozesses, der einige Tage dauerte, hat mir eine großes Stück Angst vor dem Tod genommen und ich bin froh, dass wir sie auf Rat des Hausarztes in Ruhe zuhause sterben gelassen haben.

vielen Dank für Ihre netten Worte über mein Bestatterweblog. Zu Ihrem Trauerfall mein herzlichstes Beileid.

Zu Ihrer Frage:

Auch in Bezug auf eine verstorbene Person gelten die physikalischen Gesetze.
Als Beispiel nehmen wir einmal das Öffnen eines Fensters: Kälte entsteht nicht durch das Eindringen kalter Luft in einen Raum, sondern durch das Abfließen von Wärme.

So ist es auch beim menschlichen Körper. Nach dem Tod steht der Blutkreislauf und es wird im Körperinneren keine Wärme mehr durch den Stoffwechsel erzeugt. Die Wärme fließt also ab. Wir alle sind ja mit rund 37°C Körpertemperatur deutlich wärmer als die übliche Zimmertemperatur.
Wenn es im Raum 18 Grad sind, wird sich die Körpertemperatur eines Verstorbenen langsam diesen 18 Grad annähern. Sie geht aber nicht noch weiter herunter, als die 18 Grad.

Ihnen ist es beim Berühren der Verstorbenen so vorgekommen, als sei diese noch kälter. Das ist physikalisch nicht möglich. Wir sind es aber durch tausende von Berührungen gewöhnt, dass Menschen sich warm anfühlen. Diese Erfahrung ist auch fest in unserem Gehirn gespeichert.
Berühren wir nun einen Verstorbenen, passen alte und neue Erfahrung nicht zusammen. Der Verstorbene fühlt sich ungewohnt kalt an. Uns kommt es dann mitunter so vor, als sei der Verstorbene eiskalt, also quasi kälter als die Umgebung.

Das ist eine sehr häufig gemachte Feststellung. Vielen Menschen geht es so. Sehr viele Angehörige denken, die Verstorbenen seien gekühlt oder gar eingefroren gewesen, obwohl sie nur in einer Friedhofszelle ohne Kühlmöglichkeit gestanden haben.
Würde man die Temperatur nachmessen, würde man schnell feststellen, dass diese immer sehr nahe bei der Raumtemperatur liegt.

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Peter Wilhelm 5. Januar 2020


2 Kommentare von 141028.

  1. Das Temperaturgefühl ist ja stoffabhängig; daher fühlt sich 18 Grad Lufttemperatur anders an, als 18 Grad Wassertemperatur oder 18 Grad auf verschiedenen festen Oberflächen.

    Wenn man z.B. in 18 Grad kaltes Wasser springt, so kommt dies einem auch eiskalt vor. Da der menschliche Körper ja auch mehrheitlich aus Wasser besteht, könnte das Temperaturempfinden beim Berühren eines 18 Grad kalten Körpers ähnlich kalt sein. Zumal man bei der Berührung eines Körpers ja eine Temperaturerwartung oder Temperaturerinnerung hat, die um und bei 30 Grad liegen dürfte. Wenn diese nun um 15 Grad unterschritten wird, kommt einem das schon eisig vor.

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