Bestatterverzeichnis

Warum gibt es im Internet keine Datenbank mit guten Bestattern?

Wer sollte die führen?
Es müßte eine unabhängige Stelle sein, die keinerlei eigene Interessen verfolgt. Darüberhinaus müßte es ein Verfahren geben, nach dem die Bestattungsinstitute bewertet werden.

Würde jemand eine solche Liste führen und tauchte dann der Name eines bestimmten Unternehmens da auf, würde sich der jeweilige Unternehmensinhaber sicherlich fragen, welche Qualifikation derjenige hat, der sich da ein Urteil zutraut.

Ein auf der Meinung von Kunden basierendes System scheiterte derzeit wohl daran, daß ein Großteil der vorwiegend älteren Betroffenen keinen Zugang zum Internet hat und wenn, dann müßte man die entsprechende Seite erstmal finden und bedienen können.

Mein Betrieb erfüllt während der Vertragslaufzeit folgende Qualitätskriterien:
(Nachweise bitte dem Antrag beifügen):
Daß Verbände, Vereine und Firmengruppen solche Listen über ihre Mitglieder und Filialen ins Netz stellen und recht großmäulig behaupten nur die Mitgliedschaft in ausgerechnet diesem Verband oder Firmenverbund bürge für Qualität, ist hinreichend bekannt und wohl auch in vielen Fällen widerlegt.

Immer wieder gab und gibt es Vorstöße in dieser Richtung und was haben wir nicht schon alles für Listen im Internet gesehen. Viele davon werden inzwischen nicht mehr gepflegt, andere sind nur dünn besiedelt und manche sind längst wieder verschwunden.

Selbst auf der Seite der „Verbraucherinitiative“ Aeternitas findet man nur handverlesene Unternehmen, die sich selbst um die Aufnahme in diese Liste bewerben können. Was Aeternitas da als Aufnahmebedingungen vorgibt, ist nichts Weltbewegendes. Es sind die Selbstverständlichkeiten eines jeden ordentlich geführten Betriebes, wie z. B. die Aushändigung eines Angebotes bzw. einer Auftragsbestätigung oder die Übersendung einer dementsprechenden Rechnung nach Abschluß des Falles.
Wieder andere Voraussetzungen sind albern. Da fordert man beispielsweise ein Schaufenster, das gehobenen Vorstellungen und Ansprüchen genügt und legt diesen Maßstab auch an die Geschäftsräume an. Hier fällt mir immer der Spruch meines Großvaters ein: „Die mit den größten Palästen sind am teuersten zu mästen!“
Jeder kleine Dorfbestatter, der die Beratungen in der persönlichen Atmosphäre seines Wohnhauses durchführt und statt einer mit Samt und indirekter Beleuchtung ausgestatteten Ausstellung alles aus dem Katalog oder seinem Kellerlager verkauft, wird hier plump vor den Kopf gestoßen.

Schaue ich mir die Listen, die im Internet geführt wurden und werden, genauer an, fällt mir aber als Insider immer auf den ersten Blick auf, daß sehr gute und absolut korrekt geführte Unternehmen fehlen, während andere, die mir eher als fragwürdig vorkommen, mit allen Filialen aufgeführt sind. Ja, und die „Pietät Eichenlaub“ taucht niemals auf, weil die an solchen Bewertungssystemen nicht teilnehmen, sondern sich nur auf ihrer Konzernseite präsentiert.
Überhaupt nehmen viele Unternehmen an solchen Auflistungen nicht teil, weil sie mit den bereits dort eingetragenen Unternehmen nicht in einen Topf geworfen werden wollen.

Wenn überhaupt, dann kann so eine Liste nur funktionieren, wenn sie – ähnlich wie das Produktbewertungssystem bei ciao.de – auf massenhaften Erfahrungen vieler Kunden beruht und man eine große Bandbreite von Meinungen lesen kann.
Dann aber wieder kommt die Frage auf, wie man mit solchen Meinungen umgeht, bei der ein Kunde eine Bestattung als „völlig miserabel und mißlungen“ bezeichnet, weil die Nelken nicht so cremefarbig waren, wie gewünscht…

Listen, auf denen nur um die hundert Bestatter geführt werden, sind angesichts von rund 4.000+ Bestattern ohnehin nicht sehr aussagefähig, finde ich.

Wer mit einem Institut sehr zufrieden war, kann sich weiterhin bei mir melden und wer auf der Suche nach einem Institut in der Nähe ist, kann das ebenfalls tun. Ich versuche dann immer zu vermitteln.

Andererseits halte ich derzeit das Internet nicht unbedingt für eine geeignete Quelle, um einen guten Bestatter zu finden. Was nützt es, wenn empfohlene gute Bestatter 300 Kilometer weit entfernt sind? Die Betroffenen haben in der Trauersituation sowieso was Besseres zu tun, als im Internet nach solchen Listen zu suchen.

Am besten ist es immer noch, sich auf Empfehlungen von Verwandten und Bekannten zu verlassen und möglichst schon im Vorfeld mehreren Bestattern auf den Zahn zu fühlen.
Immer wenn ich in einer fremden Stadt bin und etwas Zeit habe, schaue ich bei Bestattern vor Ort rein und erkundige mich mal ganz allgemein. Es dauert keine fünf Minuten, dann sagt mir schon mein gesunder Menschenverstand, an wen ich da geraten bin.

Grundsätzlich sind solche Verzeichnisse im Internet also derzeit noch mit Vorsicht zu genießen, die Aussagekraft ist meiner Meinung nach eher mäßig.

Fehler durch Lektorin Anya bereinigt.

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  • Veröffentlicht am: 20. Juni 2008
  • 4 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Allgemein

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

4 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der Tom aus Schleswig Holstein kommt…

  2. Die Empfehlungen von Bekannten sind so eine Sache — ich bin kein übermäßig sozialer Mensch und habe einen relativ kleinen Bekanntenkreis (ausreichend, aber eben klein). Die Leute sind auch alle in einem Alter, wo sie mit Bestattern noch nicht viel zu tun hatten. Grade Eltern, die so etwa +90% derer ausmachen, die von meinem Bekanntenkreis bestattet wurden, oder wo die nahe genug dran waren, um etwas sagen zu können, werden oft außerhalb bestattet. Mit anderen Worten, ich täte mich etwas schwer, da an diese Meinungen zu kommen, mangels solcher Meinungen. Vom generellen Problem, solche Meinungen zu entfernten Orten einzuholen, mal abgesehen.

    Was Bewertungsportale angeht, das Problem der „nicht hinreichend cremefarbenen Nelken“ erledigt sich meistens via Masse — die meisten Leute haben mit sowas nämlich kein Problem. Plus, irgendwie klingen grade negative Bewertungen auch nicht immer so, als daß man sie unbedingt ernst nähme. Aber natürlich muß man erstmal auf diese Masse kommen, da hast du recht.

    Wie wäre es mal mit einer konzertierten Aktion: Jeder Leser, der ein Beerdigungsinstitut bewerten [i]kann[/i] (weil er schon damit zu tun hatte) setzt sich mal hin und nutzt eines der bereits existierenden allgemeinen Bewerungsportale (ciao, yopi oder so) und bewertet mal? Die haben das Neutralitätsproblem nicht, dafür aber die Infrastruktur.

  3. @1
    Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass der Tom im oder am Ruhrgebiet arbeitet.

  4. Bewertungen wären meißt ungerecht, das einzige was hilft ist – Augen schon lange im Vorfeld offen zu halten, mit Freunden und Bekannten sprechen und von ihren Erfahrungen berichten lassen.
    Aber nicht erst, wenn plötzlich ein Todesfall eingetreten ist.
    Kommt natürlich auch darauf an, welche Erwartungshaltung ich habe. Er soll sich um alles kümmern, am Besten unsichtbar, und es soll fast nichts Kosten.

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