Der Sarg-Absenkautomat

Absenkautomat

Absenkautomat

Leser Christian hat eine Frage zu einem seltsamen Gestell, dass er bei einer Beerdigung gesehen hat.

Er schreibt:

Ich habe kürzlich in Kenia an einer Beerdigung teilgenommen.
Dabei fiel mir auf, dass der Sarg in eine an den Wänden und am Boden betonierte Gruft herabgelassen wird.
Dies geschah allerdings nicht durch die vier Sargträger, sondern es wurde der Sarg auf zwei Gurte gelagert, deren lose Enden jeweils vorher auf zwei parallee Wellen gewickelt worden waren.
Diese Wellen bildeten die Längsseiten eines rechtwinkligen Gestelles, das lose mit vier Stützen den Umriss des Grabes umfasste.

Ein einzelner Mitarbeiter des Bestatters löste mit einem Schraubenschlüssel eine Arretierung an der Schmalseite dieses Gestells, und der Sarg glitt lautlos in die Gruft, indem die Gurte sich, durch das Gewicht des Sarges gezogen, von den Wellen abrollten.

Ich sah dies zum ersten Mal und bitte Sie, falls sie etwas darüber wissen, mir den Ursprung dieser Technik zu nennen, und wie das nach Kenia kam.

Bei dem Gestell, das Du gesehen hast, handelt es sich um einen Sarg-Absenkautomaten.
Im wesentlichen besteht dieser aus vier runden Metallstangen, die teleskopartig ausgezogen werden können.

Absenkautomat zum Trasnport zusammengelegt

Absenkautomat zum Trasnport zusammengelegt

Die vier Stangen, zwei lange und zwei kürzere befinden sich in vier Gelenk- und Lagertöpfen. Diese bilden die vier Ecken eines Rechtecks. Die Stangen bilden die Seiten des Rechtecks.
Auf die drehbar gelagerten Längsstangen sind Gurte aufgewickelt, die quer über das Grab gespannt sind. Auf diese kann man den Sarg abstellen.

Bei einfacheren Geräten kann man nun eine Kurbel einstecken und durch Drehen der Längsstangen die beiden Gute so abwickeln, dass der Sarg im Grab versinkt.
Bessere Geräte besitzen eine Bremse und müssen nur durch das Betätigen eines Knopfes mit dem Fuß ausgelöst werden, wodurch der Sarg dann ebenfalls langsam absinkt.

Die Gurte sind lösbar, sodass sie nach dem Absenken des Sarges aus dem Grab gezogen werden können.

Manchmal klappt das alles auch nicht so:

(Mein Favorit ist der dicke Mann in der Latzhose…)

Entwickelt wurden diese Geräte in den USA. Sie finden auch in England und Deutschland und anderen Nationen Anwendung.
In Deutschland sind sie aber nicht sehr weit verbreitet, hier ist das traditionelle Ablassen durch vier Sargträger üblicher.

Wie diese Geräte genau ihren Weg ausgerechnet nach Afrika gefunden haben, ist mir unbekannt. Sie sind aber nicht so ungewöhnlich, daß mich das erstaunen würde.

Einen Online-Katalog für dieses Produkt findest Du hier:

http://www.sams-supplies.com/en/oferta.html#

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  • Veröffentlicht am: 15. August 2016
  • 15 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Frag den Bestatter

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

15 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Im letzten Fall bekamen die Angehörigen fürs gleiche Geld mehr Trauerfeier…

    Der Verstorbene arbeitete zeitlebens mit Blechteilen, und wollte darum einen solchen Sarg. Nur passte der Sarg nicht…

  2. Die Versenker werden wirklich sehr häufig in afrikanischen Ländern genutzt. Angesichts der Preise ist das ein wirklich erstaunlicher Fakt. Aber auch in Deutschland wird es immer mehr. Man sieht ab und an, gerade auch auf dem Land, einige Bestatter und Friedhofsangestellte damit hantieren. Ersetzen werden sie die Sargträger nie (irgendwie muss der Sarg ja auf den Versenker), aber sie vereinfachen die Arbeit sehr – gerade auch aus gesundheitlicher Sicht. Und sie sehen auch sehr schön aus. Diesen Fakt sehen nun auch immer mehr Leute hier.

    PS.: Selbige Versenker gibt es in Deutschland auch bei der Fa. Venero in Dresden.
    PPS: Auch Nelson Mandela wurde mithilfe eines solchen Geräts (gleiches Fabrikat) zur letzten Ruhe gebettet. So viel zur Wichtigkeit der Versenker in Afrika.

  3. Zwischen Kenia und Nigeria liegt ein halber Kontinent…

  4. na ja, das ist wohl etwas, was de Welt „unbedingt“ braucht: ob die Sargträger den Sarg (passgenau) auf dem Gestell absetzen oder das Ganze mit Bändern direkt absenken ist doch wohl „Jacke wie Hose“.
    Ich denke, das ist wohl etwas für Technik-Freaks ;-)

    • @hajo: Ganz so sehe ich das nicht. In den Vereinigten Staaten laufen die Trauerfeiern etwas anders als bei uns. Die Trauerfeier findet i.d.R. in der Trauerhalle des Bestattungsinstitutes statt. Danach fahren alle im Konvoi vom Institut zum Friedhof. Dort wird der Sarg dann oft von ungeübten freiwilligen Familienmitgliedern vom Bestattungswagen zum Grab getragen.

      Manchmal übernehmen das auch gebuchte oder vom Institut gestellte Träger.

      Auch die Zeremonie am Grab kann sich in die Länge ziehen. Das kann auch schon mal eine Stunde dauern.

      In dieser Zeit ruht der Sarg, gestützt von zusätzlichen Sperrbalken, auf dem Absenkungsgerät.
      Die Sargträger müssen nicht die ganze Zeit dabei bleiben und der Dinge harren.

      Ist der richtige Moment gekommen, versinkt der Sarg dann sehr langsam und würdevoll im Grab.

      Ich persönlich finde das sehr schön. Vor allem hat man von allen Seiten freien Blick auf den verschwindenden Sarg. Auch unschöne Versenkungen, weil etwa ungleichmäßig abgelassen wird oder einer der Arbeiter nicht kräftig genug ist, bleiben aus.

      Ich habe schon so manche „Kiste“ ins Kopf-voran ins Loch rauschen sehen, weil man sich nicht richtig koordiniert hatte. Oder der Sarg wird so schnell abgelassen, daß es im Grab poltert und scheppert.
      „Hilfe, wir haben das Holz krachen gehört!“, schrieb mir mal eine Dame.

      Das Ablassen des Sarges ist ein wichtiger Moment.
      Es ist für die Trauerbewältigung ein wichtiger Schritt, zu sehen, wie der Körper des Verstorbenen verschwindet. Man kann zusehen, wie er „weg geht“.

      Das Sargversenkungsgerät ist also eine in meinen Augen sehr gute Sache.
      Außerdem erleichtert sie kleineren Unternehmen die Arbeit. Es gibt selbstverständlich Sargwagen, die den Sarg direkt über dem Versenker absetzen können. Man benötigt nur einen Mann, um den Sarg von Bestattungsfahrzeug auf den Wagen zu schieben und der gleiche eine Mann kann den Sarg dann auf dem Versenker platzieren und später auch ablassen.

      • @Peter Wilhelm: Danke, lieber Peter, für die ausführliche Antwort. Ich sehe, dass eine solche Einrichtung sinnvoll sein kann.
        Der Hinweis auf das „gelobte Land“ zeigt jedoch deutlich, woher das Ganze kommt (hattest Du ja auch schon geschrieben). Das Argument „würdevolles Versenken“ zieht doch nicht so ganz. Klar, shit happens und so kann es auch mal geschehen, dass die Träger beim Absenken Fehler machen, aber nach meinem Empfinden und der Erfahrung bei einigen Beerdigungen (natürlich sind meine Erfahrungen lange nicht so gross wie Deine) machen die „Berufs-Träger“ einen guten Job.
        Ausserdem gäbe es beim Tragen durch Angehörige (siehe späteren Artikel) möglicherweise etwas Probleme.

      • @Peter Wilhelm:
        Also das „langsam und würdevoll“ würde ich jetzt nicht pauschal unterschreiben wollen.
        Auch bevor bei dem letzten Video klar wurde, daß da was schiefgeht, fand ich persönlich es nicht so würdevoll, wie viel da und auch bei dem anderen Video ohne Pannen hantiert werden mußte, bevor der Sarg abgelassen werden konnte. Daß die Männer dabei teils eher nach Bauarbeiterkleidung aussahen, davon rede ich dabei nichtmal.
        Oder ist das zweite Video da auch eher ein schlechtes Beispiel?

        • @Naya: Wichtig bei diesem Video sind auch die Kommentare der Tochter des Verstorbenen. Sie hat es mit ausgesprochenem Humor akzeptiert, dass ihr Vater halt zwei Mal in das Erdreich heruntergefahren werden musste.

          (Bei ca. 5:30 klettert einer der Bestatter in das Grab herunter, und versucht mit seinem Körpergewicht den Sarg nach unten zu wuchten.)

          Die Tieferlegung des Sarges funktionierte hier – nur nicht so vollautomatisch. Nur die Abmessungen des Sarges haben schliesslich die Verzögerungen eingebrockt.

          • @turtle of doom:
            Das scheint ein Missverständnis zu sein:
            Wie ich schon schrieb, ich beziehe mich auf beide Videos, wo die tatsächliche Anwendung gezeigt wird, und auch ausdrücklich auf den Zeitraum, bevor im letzten Video deutlich wird, daß es schiefgeht.

            Ich habe auch nicht bestritten, daß es funktioniert. Und ich habe auch gesehen und gelesen, was und warum bei dem zweiten Video schiefging und warum die Tochter es gepostet hat.

            Mir geht es aber darum, daß ich persönlich dieses Hantieren und vor allem von Leuten in Bauarbeiterkleidung, bevor die Absenkung startet, nicht sonderlich würdevoll finde, und daß ich wissen wollte, ob das tatsächlich repräsentativ ist, oder nicht auch „unaufdringlicher“ gemacht werden kann.

            • Nein, das ist nicht repräsentativ. Der übliche Ablauf ist folgender: Der Bestatter nimmt den Bestattungsauftrag an und kümmert sich um das Einbalsamieren und die Trauerfeier. Den Grabbau, die Lieferung der Grabschalung bzw. des Erdcontainers und die Aufstellung des Versenkapparates vergibt er als Unterauftrag an einen hierauf spezialisierten Subunternehmer.
              Die Männer in der Arbeitskluft sind die Arbeiter dieses Subunternehmers. Normalerweise bekommt die kein Trauergast zu Gesicht.
              Auch auf unseren Friedhöfen ziehen die Friedhofsmitarbeiter nach der Beerdigung ihre Anzüge wieder aus und treten in Arbeitskleidung zum Schließen des Grabes an.

              Dass die Männer in Latzhosen ans Grab kamen war nur dem Umstand geschuldet, dass der Sarg nicht runtergehen wollte.

              • @Peter Wilhelm:
                Ok – wobei bei dem dritten Video die Latzhosenträger ja auch schon zu Gange sind, als noch nichts auf ein Problem hinweist.
                Und bei dem zweiten ist ja auch einer in Latzhose. Da finde ich es noch unpassender, weil da ja ansonsten augenscheinlich alles klappt.

  5. In den achtziger Jahren hatte man auf einem unserer Friedhöfe auch so einen Versenker. Das war schon eine praktische Sache. Nach der tausendsten Beisetzung war es das dann, obwohl auf den anderen Friedhöfen noch Ersatz da war, wurde dann mit Stricken weiter gemacht. Man hatte um den Preis zu drücken, vier Versenker gekauft, ein Friedhof verwendete ihn aber nur. Die übrigen drei liegen seit dreißig Jahren in den Kellern. Auch bei uns schaffen sich immer mehr Kollegen so ein Ding an, die Zeit ist jetzt reif dafür! In unserer Stadt ist alles Kohlraben schwarz und konservativ. Mein damaliger Arbeitgeber hat Ende der achtziger mal einen ganzen Bus mit Werbung machen lassen, ein paar Monate später wurde es ganz schnell wieder abgeschafft. Er wurde überall angesprochen, auf diese ungehörige Art der Werbung. Wenn jetzt im Rheinland ein neuer Trend im Bestattungsgewerbe entsteht, dann ist er ungefähr in dreißig Jahren bei uns in der Stadt angekommen!

    • Ich glaube, dafür ist der Absenker auch nicht gemacht. Schaut man sich die Mechanik an, so ist sie sehr robust und sicher auch langlebig. Aber das Gerät ist für Bestatter gedacht, die ohne Sargträger am Grab arbeiten wollen. Bis bei einem Bestatter 3.000 Bestattungen (das ist die durchschnittliche Lebensdauer bis zur ersten großen Reparatur) zusammengekommen sind, dauert es ja eine Weile (im Schnitt 10 Jahre). Bei entsprechender Pflege halten die Geräte beim Bestatter aber wesentlich länger als im Dauereinsatz auf einem Friedhof.

  6. Auch in Basel wird der Sargabsenker benutzt. Ich meinerseits finde, dass es zu langsam geht; zum einen dauert es wirklich viel länger, den Sarg hinunterzulassen als mit vier Friedhofsmitarbeitern von Hand. Zum andern dauert es dann noch einmal so lange, bis die Gurte wieder aufgewickelt und der Absenker weggefahren wird. Für mich, die ich die Zeremonie leite, ist es eine Unterbrechung des Rituals.
    Auch der Transport des Sarges zum Grab ist seit der Einführung des Absenkers in meinen Augen nicht würdevoller geworden: der Absenker wird an den Elektrotransporter angehängt, auf dem früher die Särge transportiert wurden. Es sieht ein bisschen aus wie eine Lok mit einem Anhänger. Und wenn der Absenker dann auf die beiden Schienen über dem Grab geschoben wird, hab ich immer Angst, sie könnten sie verfehlen…
    Ich kenne nun beides und bin eigentlich immer froh, wenn die Platzverhältnisse so sind, dass der Absenker nicht benutzt werden kann.
    Was mich allerdings anfangs unpassenderweise zum Schmunzeln brachte, war das Typenschildchen direkt vorne rechts. Da steht „frigid“ .

    • Auch das ist in meinen Augen eine falsche Anwendungsweise des Sargabsenkers. Wenn aus dem Einsatz dieses Gerätes eine solche überflüssige Verzögerung entsteht, dann ist das falsch.
      Bei den Modellen, die ich einsetzen und empfehlen würde, steht der Absenker auf dem Grab, wenn die Trauergemeinde mit dem Sarg ankommt. Entweder wird der Sarg mit einem dafür geeigneten Sargwagen über den Absenker gefahren oder von Personen auf ihn gestellt.
      Das alles dauert nicht länger und ist nicht komplizierter als der Einsatz von 4-6 Sargträgern.

      Und dann genügt der Tritt auf einen Hebel oder eine kurze Bewegung an der Kurbel und der Sarg sinkt würdevoll und langsam nach unten. Das scheint länger zu dauern, als das Ablassen mit Stricken. Aber misst man einmal die Zeit, die 4 Sargträger benötigen, um die Gurte zu greifen, den Sarg abzulassen, die Gurte wieder abzulegen, sich würdig zu verneigen und dann wegzutreten, dauert das länger als das Ablassen mit dem Automaten.

      Und: Es ist auch nicht so gedacht, daß im Beisein der Angehörigen die Gurte aufgewickelt und der Absenker abgebaut werden. Nach dem Absenken bleibt alles an Ort und Stelle und wird erst entfernt, wenn die Angehörigen ihre Zeremonie am Grab beendet haben.
      Herkömmliche Sargträger lassen ihre Seile ja auch am Grab liegen.

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