Einbrecher, Abzocker und Trickbetrüger – Der Bestatter hilft

Alle Jahre wieder, könnte man denken, aber man kann gar nicht oft genug vor den bösen Buben und Mägden da draußen warnen, die vorzugsweise alte Menschen im Zusammenhang mit einem Sterbefall betrügen, berauben und bestehlen wollen.
Ich möchte hier die Alten nicht in ein schlechtes Licht rücken, aber ich habe über all die Jahre die Erfahrung gemacht, daß selbst Menschen, die in jüngeren Jahren im Berufsleben große Verantwortung getragen haben und über eine kühne Weitsicht verfügt haben, im Alter von Scharlatanen und Telefonverkäufern bequem und locker abgezockt, ausgepresst, beschwindelt und betrogen werden.
Mit dem Alter schwindet manchmal die geistige Beweglichkeit und aus Angst etwas falsch zu machen, läßt man sich, gerade wenn es um neue Techniken oder etwas Unbekanntes geht, auch schon mal hinters Licht führen.
Und gerade das Tabuthema Tod, Trauer und Bestattung bietet ja viel Unbekanntes und genau in diese Lücke stoßen viele Betrüger hinein.

Daß man seine Adresse nur dann in die Todesanzeige schreibt, wenn während der Beerdigung jemand ein Auge auf das Haus oder die Wohnung hat, ist ja inzwischen schon eine Selbstverständlichkeit und ein alter Hut.
Man schreibt keine öffentlichen Bekundungen, daß man zu der und der Uhrzeit auf dem Friedhof ist und läßt dann seine Wohnung völlig unbewacht.
Hier kann man den Bestatter fragen, der kann einem einen Homesitterservice nennen oder stellt für die Zeit der Beerdigung und Trauerfeier selbst einen Mitarbeiter ab. Es tut aber auch ein Neffe, der sowieso nicht gerne auf Beerdigungen geht oder der Nachbar von gegenüber, der ein aufmersames Auge hat.

Jetzt hier alle Abzockertricks einzeln zu beschreiben, ist vollkommen unnötig. Das überlasse ich Laienseiten, die mit solchen Informationen nur etwas klugscheißen möchten. Grundsätzlich zahlt man dem Bestatter auch deshalb einen vergleichsweise hohen Betrag, damit sich dieser um alles kümmert, was mit der Beerdigung zu tun hat. Das gilt auch für die Zeit danach, selbst wenn man die Rechnung des Bestatters schon längst bezahlt hat.

Bezahlen Sie grundsätzlich keine Rechnung im Zusammenhang mit einem Sterbefall, die der Bestatter nicht „abgesegnet“ hat!
Ganz egal ob diese Rechnung den Bundesadler trägt und vom „Nationalen Sterberegister Berlin“ kommt oder ob es sich um eine angebliche Dienstleistung aus dem medizinischen Bereich (DNA-Abgleich usw.) handelt. Zeigen Sie diese Rechnung dem Bestatter und wenn Sie den Eindruck haben, es könnten Betrüger am Werk sein, was bei allen hier genannten Beispielen der Fall ist, dann scheuen Sie sich nicht, zur Polizei zu gehen!

Nie etwas bezahlen! Nichts überweisen! Sich nie von „amtlichen“ Briefbögen einschüchtern lassen! Keine angeblichen Bestellungen des Verstorbenen annehmen und bezahlen (Ihr Mann hat niemals Pornoartikel oder eine wertvolle Goldschnittbibel für 8.000 Euro bestellt)!
Immer erst mit dem Bestatter sprechen!

Ein guter Bestatter weiß auf dem Eff-Eff, was alles an Rechnungen auf seine Kunden zu kommt. Oft bündelt er diesen Aufwand auch, indem er alle Rechnungen zu sich kommen läßt und komplett für Sie erledigt und dann weiter berechnet. Das kann so sein, muß aber nicht so sein. Hieran kann man einen guten Bestatter noch nicht erkennen.
Was ein guter Bestatter aber leisten können muß, das ist eine gute Beratung hinsichtlich aller zu erwartender Kosten und eine Warnung vor betrügerischen Abzocker-Rechnungen (es gibt keine unterirdische LED-Grabbeleuchtung für die die Witwe 6.000 Euro im Voraus an Stromkosten bezahlen muß!).

Fragen Sie den Bestatter schon vor der Auftragsvergabe danach, ob er a) dabei hilft, alle bestehenden Verträge und Mitgliedschaften zu kündigen und Versicherungen zu beantragen und b) bereit ist, den kompletten eingehenden Schriftverkehr auch Wochen und Monate nach dem Sterbefall durchzusehen.
Kann oder will der Bestatter eine solche Betreuung nicht leisten, dann gehen Sie woanders hin.
Der Bestatter ist kein RechtsExperte und kein Ermittler, aber er kann aufgrund seiner Erfahrung ein guter Berater und Betreuer sein.

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  • 26. August 2012 - 8 Kommentare - Lesezeit ca.: 3 Minuten - Kategorie: Allgemein

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Veröffentlicht von

Hier erzählt und informiert der Schriftsteller Peter Wilhelm. Der Sachverständige ist Chefredakteur von "Bestatter heute". Der Satiriker veröffentlicht Satiren und
Produkttests. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

peter wilhelm autorenlesung

Peter Wilhelm

8 Kommentare von 137621.

  1. Man sollte meinen das es selbst für >Betrüger eine Grenze gibt, aber schaut nicht so aus. Ich versteh nicht was in den leuten vorgeht die das in meinem Augen schlimmste was einemPassieren kann – einen geliebten Menschen zu verlieren – so schamlos aus nutzen um sich zu berreichern. Ich würd ihnen ja wünschen das sie das alles 100 Fach genauso trifft wenn das nicht bedeuten würde das mindestens 100 Menschen sterben die nichts dafür können was dieses eine Arscmleuchter andern Menschen angetan hat. Und wenn man dann bedenkt wieviele Betrüger unterwechs sind …

    • Das wird schwer, die LED-Dinger fressen dann doch extrem wenig Strom.
      (Vor allem, wenn sie der Elektriker parallel an die Strombegrenzung packt, wie bei uns… :))

      • Ich hab zwar in grauer Vorzeit mal erfolgreich Elektrotechnik studiert, aber wie man LED-Dinger parallel an die Strombegrenzung packt ist mir unklar.

        Muss irgendwie ne ganz neue Technologie sein….

      • Also für mich ist es auch etwas unverständlich.
        Sobald die Begrenzung parallel zur LED liegt, wird sie wirklungslos, d.h., der Srom durch die LEDs ist viel zu groß, was letztendlich den frühen Hitzetod der LEDs bedeutet.
        Von „extrem wenig Strom“ kann man da wahrlich nicht sprechen, zumindest solange die LEDs noch nicht Toast sind.

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