Nein, Ja

Hunde sind auf dem Friedhof verboten. Nicht auf jedem Friedhof, auf manchen steht auch ein Schild, daß man sie nur an kurzer Leine mitführen darf, aber auf unseren Friedhöfen hier darf man gar keine Hunde mitbringen.

Das hat eine Kundin vor große Probleme gestellt. Sie wollte doch den Dackel ihres verstorbenen Mannes mit zur Beerdigung nehmen.

Ein Dankeschön an den Friedhofsverwalter, der da keine Bedenken hatte und beide Augen zudrückte.

Überhaupt sind Bestatter immer wieder froh, wenn die Bediensteten auf den Friedhöfen kooperativ sind. Leider ist das nicht immer so, dabei wollen Bestatter doch normalerweise nichts Böses.

Manchmal scheitert es schon an Kleinigkeiten, da darf man nicht einmal seine eigenen Kranzständer mitbringen.
„Nein, wir haben vier Kranzständer und die sind zu verwenden!“ Was denn sei, wenn mehr Kränze kommen, will ich wissen. „Na, die legt man eben auf den Boden oder lehnt sie an die Wand.“
Auf anderen Friedhöfen kann man die ganze Trauerhalle umräumen und alles so gestalten wie man möchte, der Verwalter hilft sogar noch dabei.
Manche Bestatter bauen richtig große Dekorationen mit Stellwänden und Säulen auf. Aber bei uns hier geht das alles nicht.

Letztendlich geht es doch aber immer darum, die Trauerfeier so zu gestalten, daß sie den Angehörigen am meisten bringt.

Und wenn man sich nicht permanent stur stellt, fährt man doch auch als Friedhofsverwalter besser und hat weniger Ärger. Und außerdem ist einem freundlichen Arbeiter doch auch ein Trinkgeld sicherer, als einem unfreundlichen.

Interessanterweise haben wir einen Verwalter, der auch noch auf einem sehr schönen und oft nachgefragten Friedhof tätig ist, der zu allem immer Nein sagt. Egal was man möchte, seine Antwort ist Nein.
Wenn dann allerdings fünf Minuten wartet und am besten noch das Thema wechselt, dann kommt er von ganz alleine wieder auf die ursprüngliche Frage zurück, will es nochmal ganz genau wissen und dann sagt er immer Ja.
Muß man aber auch erst mal wissen, oder?

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  • Veröffentlicht am: 11. März 2008
  • 11 Kommentare
  • Veröffentlicht in: Branche/Kommune

Veröffentlicht von

Der Schriftsteller Peter Wilhelm erzählt hier Geschichten und informiert als Sachverständiger über Bestattungen. Er ist Chefredakteur von "Bestatter heute".
Der Satiriker veröffentlicht seine Satiren hier und eine Kolumne hier.
Produkttests gibt es hier. Peter Wilhelm ist auch bei Facebook.
Mehr über den in der Halloweennacht geborenen Autor findet man u.a. hier und hier. Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Angaben nach bestem Wissen, keine Rechts- Steuer- oder Medizinberatung! Fragen Sie einen Fachmann!

Peter Wilhelm peter wilhelm autorenlesung

11 Kommentare » Schreibe auch Du einen Kommentar

  1. Tja ein ausgesprochen kommunikativer Mensch. Vielleicht mal die Varriante ausprobieren, erst mal 5 Minuten Smalltalk und dann nachfragen wie es Aussieht mit der eigentlichen Sache…..

  2. also bei uns gehört seit Ewigkeiten ein Hund zur Familie. Und falls da ein Trauerfall eintreten sollte muss ich sagen wäre mir so eine Regelung driss-egal. Der Hund gehört zur Familie und somit auch zur Trauerfeier und Beisetzung genauso wie zu Hochzeiten und Geburtstag.

  3. liugniello – ich bin mir nicht so sicher, ob das jetzt Absicht oder ein versehentliches Doppelt-Abschicken war… dennoch: Sehr gut, ich musste lachen! :)

    Gruß aus dem Officeblog

  4. Ja, solche Aus-Prinzip-Nein-Sager kenne ich auch. Eine unbewusste oder spontane Abwehrreaktion auf drohende Arbeit, vermute ich mal.

    Nach ein paar Minuten meldet sich oft bei den Betreffenden das schlechte Gewissen und sie sind froh, wenn man ihnen Gelegenheit gibt, doch einzulenken. Kein Problem, wenn man sie zu nehmen weiß.

    Lästig sind eher die, die kein Gewissen zu besitzen scheinen und daher stur bleiben …

  5. @Neuling: Du hast Recht. Aber ich glaube, bei dem ist das so, daß der etwas langsam im Kopf oder nicht besonders entscheidungsfreudig ist. Der sagt Nein, um Zeit zum Überlegen zu gewinnen.

  6. Passt zwar nur begrenzt hier dazu (sorry), aber bei dem Beispiel mit dem Hund auf dem Friedhof musste ich an einen Zeitungsartikel denken den ich vorhin gelesen habe
    http://www.abendzeitung.de/muenchen/3588
    Was haben die gegen Hunde? In München treibt sich da aufm Friedhof sogar ein Fuchs herum! :D (Aber halt auch unerlaubterweise…)

  7. Selbst dass ist ja noch besser als die Trauerhalle auf dem Friedhof in meinem Wohnort. Da passt gerade mal ein Sarg hinein und der Bestatter muss sogar die Kerzenständer mitbringen. Die Trauergemeinde steht dann vor der Halle zwischen anderen Gräbern.

  8. Immer wieder mal liest man von einen Hund, der am Grab von Herrchen oder Frauchen wacht. Und niemand regt sich auf, alle finden es rührend.
    Im Gegensatz dazu der Fuchs als Aasfresser.Vielleicht kann er was riechen und glaubt, hier gibts was. Vielleicht kommen daher die Verwüstungsspuren?
    Da kann uns ein Jäger sicher besser Auskunft geben.

  9. „Hunde sind auf dem Friedhof verboten.“

    warum eigentlich? weil sie unerlaubt pipi oder schlimmeres machen könnten? in diesem falle sollte doch herrchen/frauchen ganz genau wissen, was zu tun ist? leinenpflicht und angemessenes verhalten für herr und´s gescherr versteht sich auf friedhöfen ja von selbst. aber ich vermute mal, dass es nicht jeder hundebesitzer so sah/sieht.

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