Warum wird eine Leiche gewaschen?

Mich interessiert, warum man eine Leiche eigentlich wäscht. Die kommen doch sowieso ins Grab.
Warum macht man das?

Deshalb wird ein Verstorbener gewaschen

Das hat mehrere Gründe.

  1. Letzter Dienst
  2. Zersetzung und Gerüche aufhalten
  3. Verschmutzungen beseitigen
  4. kosmetische Gründe
  5. der letzte Weg

1. Letzter Dienst

Durch das Waschen eines Verstorbenen möchte man diesen auf seinen letzten Weg vorbereiten.
Er soll diesen sauber und in gute Kleidung gekleidet gehen.
Früher haben Familienmitglieder diesen Dienst übernommen. Heute macht das in erster Linie der Bestatter.
Es ist dies der letzte (Liebes)-Dienst, den man einem Menschen erweisen kann.

2. Zersetzung und Gerüche aufhalten

Durch Schweiß und Verschmutzungen können Bakterien in besonderem Maße Nahrung finden. Das kann zu einer unerwünscht schnellen Zersetzung des Leichnams führen und eine unangenehme Geruchsentwicklung begünstigen.
Deshalb werden Verstorbene mitunter gewaschen und meist auch desinfiziert.

3. Verschmutzungen beseitigen

Durch Krankheit, das Sterben an sich und eventuell eine vorausgegangene Operation, sowie durch alle möglichen anderen Umstände können Verstorbene stark verschmutzt sein.
Es kann durch einen Unfall oder eine sonstige Verletzung Blut zu beseitigen sein. Einige Verstorbene verlieren während des Sterbens die Kontrolle über ihre Schließmuskeln und es könnte etwas Kot oder Urin zu entfernen sein.
Der Bestatter wird dann den Leichnam reinigen und ggfs. auch die Haare waschen, damit der Verstorbene sauber in den Sarg gebettet werden kann.

4. Kosmetische Gründe

In unserem Kulturkreis ist es üblich, Verstorbene wie Schlafende darzustellen. Sie sollen Frieden ausdrücken.
Deshalb werden sie so in den Sarg gebettet, dass es aussieht, als schliefen sie.
Die Angehörigen haben die Gelegenheit, vom Verstorbenen am offenen Sarg Abschied zu nehmen. Hierbei soll ein friedliches Bild ohne Schrecken in ihren Erinnerungen verbleiben können.
Dazu gehört es, dass der Bestatter den Verstorbenen reinigt, ganz leicht schminkt, eventuell rasiert und ordentlich kämmt.

5. Sauber auf den letzten Weg

Nach dem christlichen Verständnis ist der Tod nur das Ende des irdischen Lebens. Der Körper stirbt, aber die Seele lebt weiter.
Viele verbinden damit auch die Vorstellung, dass der Mensch -so wie er ist- kurz nach seinem Tod seinem Schöpfer oder einem anderen jenseitigen Wesen gegenübersteht.
Diesen Weg in eine andere Daseinsform soll der Verstorbene gereinigt gehen.

Wie geht das Waschen eines Verstorbenen vor sich?

Im Prinzip wird das nicht viel anders gemacht, als bei einem lebenden Menschen auch.
Oft kommt allerdings erschwerend hinzu, daß die Totenstarre schon eingesetzt hat und noch nicht wieder vergangen ist.
Zum reinen Waschen gehören auch die Haarpflege und das Reinigen der Fingernägel sowie eine letzte Rasur.
Oft werden Verstorbene auch geschminkt, um Anzeichen des Todes zu überdecken oder sie etwas frischer aussehen zu lassen.

Verwendet werden für die Reinigung und die Leichenkosmetik ganz normaler Produkte oder solche, die speziell für Verstorbene entwickelt wurden.

Wann wird ein Verstorbener nicht gewaschen?

Die meisten Verstorbenen werden dem Bestatter im sauberen Zustand übergeben. In der häuslichen Pflege oder im Krankenhaus wurde er täglich gewaschen.
In diesen Fällen muß der Bestatter den Verstorbenen nicht unbedingt waschen. Es genügt, ihm seine Kleidung anzuziehen und ihn in den Sarg zu betten.
Leichte Verschmutzungen oder Verfärbungen durch Jod etc. werden mit einer alkoholhaltigen Desinfektionslösung entfernt.

Der letzte Dienst

Einige Bestatter messen der Totenwaschung eine ganz besondere Bedeutung bei. Sie waschen jeden Verstorbenen behutsam und sprechen dabei auch leise mit ihm.
Sie halten diesen letzten Dienst am Menschen für etwas ganz Besonderes und tun das immer und in meist recht umfangreicher Ausprägung.

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Peter Wilhelm3. September 2017

2 Kommentare von 138942.

  1. Pingback: Warum sind Bestatter so ruppig? Ist ein Totenhemd Pflicht? Bestatterweblog Peter WilhelmBestatterweblog Peter Wilhelm

  2. Freundliche Grüße an Sie.

    Zwei Frage hätte ich die mir sehr am Herzen liegen:

    Wissen Sie ob es möglich wäre testamentarisch festzulegen eine Waschung vor der Kremierung möglichst auszusparen und ohne ankleiden von irgendwas schnell kremiert zu werden? (Gründe dafür sind bei mir vorhandene Schamgefühle.Ich möchte weder nackt gesehen werden noch von Fremden oder Verwandten beäugt usw. auch wenn ich vemute, dass mich das im Tod nicht mehr kümmern wird.)

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