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Bestatter: Lebenslauf und Bewerbung, aber wie?

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bewerbung bestatter

Kurze Antwort: Übersichtlich, prägnant und lesbar.

Im Grunde reicht für eine gute Bewerbung ein anständiges Anschreiben mit ordentlichem Foto und ein Lebenslauf. Viele Verantwortliche legen heute auch noch Wert auf Schulzeugnisse, hierbei ist das letzte Zeugnis entscheidend.
Damit die Sachen nicht geknickt werden, empfiehlt sich beim Postversand ein Umschlag, der fest mit den Unterlagen verbunden ist (Klemmhefter z. B.).

Die meisten Bestattungsunternehmen sind inhabergeführt und haben keine HR- oder Personalabteilung. Hier entscheidet die Chefin oder der Chef oder die Inhaberfamilie noch selbst.
Bestatter sind Pragmatiker und haben oft einen handwerklichen Hintergrund. Bewerbungen sollten also so aufgebaut sein, dass die Verantwortlichen sich zügig ein Bild von der jeweiligen Person machen können.
Ein Versand der Unterlagen als PDF per E-Mail ist heutzutage ebenfalls möglich.

Das geht gar nicht

  1. Bewerbungen mit Rechtschreibfehlern

    Jedes Textverarbeitungsprogramm bietet eine Korrekturfunktion zur Erkennung der wildesten Fehler. Trotzdem muss man sich die Bewerbung noch mehrmals durchlesen. Eine dritte Person als Lektor ist ebenfalls ein guter Tipp.

  2. Unleserliche Bewerbungen

    Ich bekam eine Bewerbung mit schwarzen Schmierstreifen von oben nach unten auf dem Lebenslauf. In der Mitte war kaum etwas zu erkennen. „Da hat der Drucker gesponnen“, meinte der abgelehnte Bewerber.
    Abgelehnt? Ja klar, wer eine solche Druckerpanne nicht ausmerzen kann, kann in meinem Unternehmen auch keine Schwierigkeiten bewältigen. Die einfachste Lösung wäre gewesen, den Lebenslauf sauber per Hand zu schreiben. Immer wieder kamen Bewerbungen in der Schriftart Comic Sans. Die scheint eine große Anziehungskraft auf die Menschen auszuüben. Diese Schriftart ist aber nicht schön und nicht sachlich genug für Bewerbungen (und auch für sonst alles, außer Sprechblasentexte). Und bitte, wenn Du etwas mit der Hand schreibst, schreibe sauber!

  3. Das falsche Foto

    Am besten geht man zu einem Fotografen oder bittet jemanden, der wirklich Ahnung hat, und lässt ein schönes Portraitfoto vor neutralem Hintergrund machen. Kostet so um die 10–25 EUR und kann zig-mal verwendet werden.
    Eine Bewerberin kam mit einer wunderhübschen Kunstleder-Bewerbungsmappe. Das Foto war aus einem Fotoautomaten, die junge Frau sah darauf aus, wie ihre Großmutter – genauer gesagt, wie eine verstorbene Großmutter.
    Mein Problem: Wem ein gutes Foto keine paar Euro wert sind, der hat in diesem Moment die Prioritäten falsch gesetzt.

    Ein gutes Bewerbungsfoto besticht durch Sachlichkeit und zeigt den Bewerber so, wie er ist

    Nicht die Prioritäten falsch gesetzt, aber die Bedeutung der Angelegenheit nicht erkannt, hatte der Bewerber, der auf dem Foto ein T-Shirt mit der Aufschrift „Bierkönig“ trug. Gleiches galt für die Bewerberin, die ihr Portrait aus einem Gruppenfoto ausgeschnitten hatte, sodass teilweise noch die neben ihr Stehenden mit abgebildet waren.
    Auch falsch: Ein Handyfoto mit „Kumpels“ im Hintergrund.

  4. Die Firma

    Die Firma ist nicht das Unternehmen, wie die meisten glauben, sondern der Name des Unternehmens. Man firmiert unter „Firmenname KG“. Und diese Firma, wie auch die Namen der Ansprechpartner, sollte man bitte schön richtig schreiben. Unbedingt muss man darauf achten, was die Rechtschreibkorrektur mit den Namen macht! Da wird schnell mal aus einem Herrn Faltermann ein Herr Flattermann oder aus einer Frau Bürchle eine Frau Büchse.
    Ganz großer Fehler: Man versendet mehrere Bewerbungen und lässt versehentlich die Firma oder den Ansprechpartner aus einem vorherigen Schreiben stehen.
    Deshalb gilt: Keine Massenpost! Erstelle jeder Bewerbung einzeln und mit Sorgfalt und mache Dich erst dann an die nächste.
    Bei mir hat sich mal ein junger Mann vorgestellt, der mir Bewerbungsunterlagen mitbrachte, in denen er sich als Fitnesstrainer bei so einem „Ich melde mich an, gehe dreimal hin und zahlen dann zwei Jahre die Monatsgebühr„-Laden vorstellen wollte.

  5. Klamotten, Klamotten, Klamotten

    Nahezu legendär ist der Typ aus meiner Adiletten-Geschichte. Der Mensch erdreistete sich, zum Vorstellungsgespräch nur in Badehose und Adiletten zu erscheinen…
    Keine Chance auf einen Job, Punkt!
    Ich kann schon erkennen, ob jemand aus finanziellem Mangel oder wegen eines nur rudimentär ausgebildeten Geschmacks nicht die perfekte Bewerbungskleidung anhat. Echt, ist kein Problem.
    Aber ich kann auch erkennen, wenn jemand sich einfach irgendwas aus dem Schrank genommen hat, oder ob er mit der Kleidung eventuell sogar ein Statement setzen will. „Dich sauf ich mir schön!“, auf dem T-Shirt wäre so ein Beispiel.

  6. Das Auftreten

    Wie würdest Du gerne von einem Mitarbeiter eines Bestattungshauses angesprochen? Wie sollte er Dir gegenüber auftreten? Wenn man sich das vor Augen führt, dann weiß man, wie man sich beim Bewerbungsgespräch geben sollte. Aber bitte keine Rolle spielen, sondern man selbst bleiben. Wer im Bewerbungsgespräch schauspielert, läuft Gefahr, das dann möglicherweise immer machen zu müssen. Ja und dann wird die Arbeit zwangsläufig zum Stress.
    „Was, das ist alles, was ich Geld krieg‘? Da bekomme ich ja bei NETTO als Kassierer mehr!“
    „Ja, dann geh‘ doch zu NETTO!“


  7. BILDQUELLEN

    • portrait: F.M.

Veröffentlicht von

Hier veröffentlicht der Publizist Peter Wilhelm Informationen und Geschichten rund um den Bestatterberuf.
Mehr über den an Allerheiligen geborenen Autor finden Sie u.a. hier und hier.
Der Autor lebt mit seiner Familie bei Heidelberg.
Alle Texte rein zur Unterhaltung. Keine Rechts-, Steuer- oder Medizinberatung!


    



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Peter Wilhelm 18. November 2022

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