Bewerbung beim Bestatter, so geht’s!

Jeden Tag erreichen mich wenigstens zwei Anfragen, in denen man mich um Rat fragt, wie man sich am Besten bei einem Bestatter bewirbt. Deshalb will ich mir die Arbeit ein wenig erleichtern und die mal einen Text verfassen, auf den ich im Zweifelsfall verweisen kann.

Im Bestattungsgewerbe gibt es mehrere Tätigkeitsbereiche, die man grob in den kaufmännischen und den handwerklichen Bereich unterteilen kann.
Diese Abteilungen können sich noch in folgende Unterbereiche aufteilen:
a) kaufmännisch-beratend
b) kaufmännisch-verwaltend
c) handwerklich Werkstatt
d) handwerklich Fahrdienst

Der kaufmännisch beratende Teil befasst sich mit der Beratung und Betreuung der Kunden und dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen. Der kaufmännisch-verwaltende Teil hingegen beschäftigt sich mit der Erledigung der Formalitäten, dem Druck von Trauerdrucksachen und der Planung von Trauerfeiern.
Der handwerkliche Teil, der in der Werkstatt stattfindet, kümmert sich um alle Belange die mit Särgen, der Aufbewahrung von Verstorbenen und der Herrichtung und dem Einsargen der Verstorbenen zu tun hat, während der handwerkliche Fahrdienst sich um die Abholung der Verstorbenen und dem Transport zum Friedhof usw. kümmert.

Aus diesen grundsätzlich recht unterschiedlichen Bereichen ergeben sich unter Umständen völlig unterschiedliche Tätigkeitsfelder. Je größer das Bestattungsinstitut ist, umso wahrscheinlicher ist es, daß auch Stellen für einen bestimmten Bereich ausgeschrieben werden.

Normalerweise werden jedoch eher Allrounder gesucht, Leute die in allen oder mehreren der oben genannten Bereiche tätig werden können.
Das sollte man bei einer Bewerbung wissen und berücksichtigen.

Grundsätzlich bewirbt man sich bei einem Bestatter nicht anders, als in anderen Betrieben auch. Saubere und ordentliche Kleidung, ein anständiger Haarschnitt und ein Verzicht auf extravagante Accessoires sind obligatorisch. Der Bewerber sollte vermitteln können, daß er die für das Gewerbe notwendige Seriosität ausstrahlen kann, zuverlässig und flexibel ist und sich auf die besondere Situation der Angehörigen einstellen kann.
Personen, die sich für den handwerklichen Teil bewerben, sollten sich darüber im Klaren sein, daß sie auch in unangenehmem Umfeld mit Verstorbenen zu tun haben und daß es zeitweise zu einer sehr hohen körperlichen und geistigen Belastung kommen kann.
Überdies bekommt man im Fahrdienst die Verantwortung für recht teure Spezialfahrzeuge übertragen und sollte schon bei der Bewerbung deutlich machen können, daß man über ausreichende Fahrpraxis verfügt und eher einen defensiven Fahrstil pflegt.

Im Zuge der Bewerbung, spätestens beim Bewerbungsgespräch, legt man seine Bewerbungsunterlagen vor. Diese brauchen sich von denen, die man in einem anderen verantwortungsvollen Beruf vorlegen würde, nicht zu unterscheiden. Im Bewerbungsschreiben selbst würde ich in jedem Fall die oben angesprochenen Punkte (Flexibilität, körperliche und geistige Belastbarkeit, Fingerspitzengefühl usw.) herausstellen und sämtliche Zusatzqualifikationen (Praktika, Führerscheine, Befähigungsnachweise etc.) erwähnen.

Zum Bewerbungsgespräch muß man keineswegs in schwarzer Trauerkleidung erscheinen, normale. ordentliche Kleidung, in eher gedeckten Farben, wie man sie auch bei einer Bewerbung bei der Bank tragen würde, ist eher geeignet.

Viele Bewerber machen sich Gedanken um Piercings und Tätowierungen. Der Zeitgeist hat es mit sich gebracht, daß heute nicht nur Stiere und Ochsen Ringe in der Nase haben und daß nicht nur Personen aus gewissen Gesellschaftsschichten und Berufen tätowiert sind. Auch viele Bestatter sind tätowiert oder gepierct. Allerdings ist die allgemein gestiegene Akzeptanz für derartigen Körperschmuck eher eine oberflächliche Akzeptanz. Vor allem Ältere verbinden mit Tätowierungen auch heute noch die Begriffe Seemann, Zirkus, Kirmes und Knast. Piercings deuten für ältere Menschen auf eine unordentliche und unorganisierte Lebensweise hin, wie Befragte immer wieder sagen. Es sind dies in den Augen vor allem älterer Menschen die Attribute des leichten und unkonventionellen Lebens und das führt dazu, daß sie damit nicht unbedingt die Seriosität und Zuverlässigkeit assoziieren, wie es von einem Bestattungsinstitut erwartet wird.

Das wiederum führt dazu, daß Bestatter eher Wert darauf legen, daß Piercings während der Arbeitszeit nicht getragen werden. Das hat auch hygienische Gründe, umso mehr dann, wenn der Beschäftigte auch mit der Versorgung von Verstorbenen zu tun hat. Tätowierungen sollten so lange kein Problem sein, wie sie sich durch normale Kleidung verdecken lassen.
Hierin unterschieden sich Bestatter aber nicht von anderen Unternehmen, die derartigen Körperschmuck nicht tolerieren.

Es ist Bestattern, wie allen anderen Unternehmern auch, wichtig, daß die Bewerber ehrlich sind und beim Bewerbungsgespräch die Karten auf den Tisch legen. Irgendwelche unangenehmen Punkte sollte man lieber gleich erwähnen. Ich finde es klüger, gleich eine Absage in Kauf zu nehmen, als nach Wochen -wenn dann irgendwas herauskommt- eine Nichtübernahme nach der Probezeit zu riskieren.

Man sieht, daß es bei einer Bewerbung in einem Bestattungsunternehmen keine besonderen Unterschiede zu einer Bewerbung in anderen Unternehmen, die mit Kundenkontakt zu tun haben, gibt.

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Hallo! Ich bin Peter Wilhelm, Buchautor und Publizist. Hier erzähle ich Geschichten aus dem Bestatteralltag und informiere als Experte und Sachverständiger über die Themen Bestattung, Tod und Trauer. Ich leiste keine Steuer-, Rechts- oder medizinische Beratung! Informationen über mich findet man u.a. hier und hier und hier. Ich lebe mit meiner Familie in der Nähe von Heidelberg. Ich mag gerne Schaschlik und liebe Kaffee.

12 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. “.. normale. ordentliche Kleidung, in eher gedeckten Farben, wie man sie auch bei einer Bewerbung bei der Bank tragen würde, ist eher geeignet.
    ..”
    also doch den Nadelstreifen auspacken ;-)
    und was ist mit der Fussbekleidung? (ich spiele auf eine Deiner Mitarbeiterinnen an .. nein, nicht Frau Büser :-D )

  2. und wie ist es mit langen Haaren bei Männern?
    Aber die Frage von 1 finde ich auch interesant, Nadelstreifen oder einfaches Hemd / Polo-Shirt?

  3. Ich arbeite beim Bestatter und mache dort zur zeit eine Ausbildung als Bestattungsfachkraft. Zum Thema Kleidung bei der Bewerbung kann ich nur sagen, dass Frauen es viel leichter haben als Männer, das passende zu finden. Männern bleibt oft wirklich nur der Anzug um auf Nummer sicher zu gehen aber Frauern können vom Hosenanzug über einen klassischen Rock mit Bluse bis zu einer schlichten Stoffhose mit einem netten Oberteil eigentlich alles tragen. Mit einer zerrissenen jeans oder einem Top, bei dem man von oben bis zum Bauchnabel gucken kann, würde ich es eher nicht probiern beim Bestatter einen Job zu bekommen aber alles, was einen gepflegten Eindruck macht ist meiner Meinung nach möglich.

  4. Auch sollte eine Mitarbeiterin die den Job bekommen hatdarauf achten, dass die Bluse beim Anheben der Fahrtrage nicht den Blick auf den freiwerdenden Unterrücken incl, Stringhöschen freigibt. Das lenkt die umstehenden Trauern den genauso ab, wie ein männlicher Mitarbeiter, der tiefe Einblicke in sein Maurerdekollete bietet.

  5. Ich mache nun seit einem halben Jahr eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft und bin mit meiner Kleidung bisher immer gutgefahren. Beim Bewerbungsgespräch habe ich damals eine einfache schwarze Hose getragen, ein orangenes Oberteil mit und einen schwarzen Blazer darüber. Im Berufsalltag kann es auch mal ein Rollkragenpulli sein in gedeckter Farbe (wie dunkelrot, dunekgrün, grau usw.) Hauptsache man macht einen gepflegten Eindruck. Ich würde sogar sagen, dass bei einem Bewerbungsgespräch dunkle Kleidung nicht zwingend ist.

  6. Hallo,
    ich möchte mich gerne als Bestatterin bewerben , habe einen durchschnittlich guten Realschulabschluss und hätte folgende Frage: Gibt es irgendwelche bestimmten Erwartungen zwecks Zensuren oder Abschluss? oder bestimmte Fächer in dennen ich einen gewissen Durchschnitt haben muss?

    danke schonmal im vorraus…

  7. also ich habe die erfahrung gemacht, durch meine mitschüler und auch durch meinen eigenen betrieb, der gerade einen azubi sucht, dass es nicht immer so sehr auf die noten ankommt, sondern eher, ob der bewerber/die bewerberin schon erfahrungen im bereich des todes, der trauer und im umgang mit verstorbenen gemacht hat. empfehlenswert ist es vorher ein praktikum bei einem bestattungsunternehmen oder in anderen einrichtungen, die mit dem thema zu tun haben, zu machen. Natürlich sollte dennoch das Abschlusszeugnis nicht gänzlich katastophal sein…

  8. Der Beruf zur Besattungsfachkraft Ist mein Traumberuf Ich würde alles dafür tun um in diesen bereich eine Ausbildung zu bekommen. Nur leider ist das in meiner stadt oder auch im umkreis so gut wie unmöglich. Ich beneide euch darum das ihr diesen Beruf ausüben Dürft. Aber ich hoffe das auch ich irgentwann eine Ausbildung machen kann zu dem Beruf der mich sehr am herzen liegt. Ich wünsche euch frohe Weihnnachten und ein gutes neues Jahr.

  9. Ich habe versucht ein Praktikum zu bekommen um den Job besser kennenzulernen, leider macht das keiner bei mir in der Nähe und da es alles Familienbetriebe sind, habe ich keine Chancen in den Beruf reinzuschnuppern.Nun gut. Muss da mich wohl anderes orientieren.

  10. Ich kann nur dringend davon abraten, unangenehme Punkte gleich zu erwähnen! Ich habe bisher in allen Berufsfeldern, in denen ich mich beworben habe, gleich erwähnt, daß ich alleinerziehend bin. Das das hat mir nur Absagen eingebracht, weil damit Vorurteile verbunden sind. Daß die körperliche und seelische Belastbarkeit im Grunde dadurch eher bewiesen als widerlegt wird, interessiert keinen Arbeitgeber. Ebenso interessiert es niemanden, warum es Lücken im Lebenslauf gibt, diese werden grundsätzlich zum Nachteil des Bewerbers interpretiert. Wer also ernsthaft eine Anstellung sucht, soll sich das Geschwätz über Ehrlichkeit, das nur von Leuten kommt, die fest im Sattel sitzen, nicht zu Herzen nehmen!

    Ja, und wenn etwas in der Probezeit herauskommt, na und? Dann wird man eben wieder entlassen und hat wenigstens etwas Arbeitserfahrung und vielleicht auch noch Geld mitgenommen. Was soll daran bitte schlechter sein als gleich eine Absage zu kassieren? Es ist mir schleierhaft, wie solche “Bewerbungstipps” gegeben werden.

    Leider kann man das Geschlecht nicht verschleiern, sonst würde ich mich demnächst als Mann bewerben, da auch hier eine Diskriminierung – nicht nur bei Bestattern – stattfindet.

  11. Ich möchtete mich auch in einem Bestattungsunternehmen bewerben.
    Doch Ich hab ein Problem mit meinem lückenhaften Lebenslauf und meinem Abschlusszeugnis . Da Ich ( Ich bin ehrlich) Alkoholiker und Drogenabhängig bin ( jetzt aber seit 5einhalb Jahren Clean & trocken) . Hab Ich ein schlechtes Zeugnis und wegen meiner Therapie, eine 2 Jahres Lücke im Lebenslauf. So nun bin Ich aber seit 3 Jahren Suchthelfer in einer Einrichtung und gelernter Koch . Stehe fest im Berufsleben und durch meinen täglichen Umgang mit süchtigen von Jung bis alt ,habe Ich durchaus das nötige Wissen und Fingerspitzengefühl mit “schwierigen Situationen ” fachgerecht umzugehen. Meine persönliche Meinung ist ,dass Ich am liebsten mit offenen Karten spielen würde . Von vornherein. Immerhin ist es eine beachtliche Leistung nach über 10jahren sucht und Scheiße fressen ,den weg raus aus dem Sumpf gefunden zu haben und sein Leben in die richtige Bahn zu lenken.

    • Ich möchtete mich auch in einem Bestattungsunternehmen bewerben.
      Doch Ich hab ein Problem mit meinem lückenhaften Lebenslauf und meinem Abschlusszeugnis . Da Ich ( Ich bin ehrlich) Alkoholiker und Drogenabhängig bin ( jetzt aber seit 5einhalb Jahren Clean & trocken) . Hab Ich ein schlechtes Zeugnis und wegen meiner Therapie, eine 2 Jahres Lücke im Lebenslauf. So nun bin Ich aber seit 3 Jahren Suchthelfer in einer Einrichtung und gelernter Koch . Stehe fest im Berufsleben und durch meinen täglichen Umgang mit süchtigen von Jung bis alt ,habe Ich durchaus das nötige Wissen und Fingerspitzengefühl mit “schwierigen Situationen ” fachgerecht umzugehen. Meine persönliche Meinung ist ,dass Ich am liebsten mit offenen Karten spielen würde . Von vornherein. Immerhin ist es eine beachtliche Leistung nach über 10jahren sucht und Scheiße fressen ,den weg raus aus dem Sumpf gefunden zu haben und sein Leben in die richtige Bahn zu lenken. Desweitern bin Ich auch auf den Händen tattoowiert . Aber Ich weiß natürlich die notwendigen seriösität an den Tag zu legen.

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