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Der Ernst ist weg!

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Den letzten Abschied würdig gestalten… Wir haben viel Arbeit vor uns.
Frau Kruse sitzt mir gegenüber, weint, schluchzt, meine Papiertaschentücher sind alle, ich schiebe ihr eine Box mit Kosmetiktüchern über den Tisch, sie zupft eins heraus und schnieft hinein, blickt mich dankbar an und kaum will ein Lächeln über ihr Gesicht huschen, da schüttelt ein neuer Weinkrampf die kleine, etwas rundliche Frau.

„Das kann man doch nicht machen“, schluchzt sie und schüttelt den Kopf, während sie das zusammengeknüllte Papiertuch so fest in der Fast zusammenpresst, daß die Knöchel ihrer Finger weiß hervortreten.
Wut und Zorn mischen sich mit der Trauer, Frau Kruse seufzt, wieder kullern ihr dicke Tränen die Wangen hinunter.

Am Abend vorher hatte ihr Mann Ernst beim Abendessen plötzlich über Übelkeit geklagt: „Ich fühl‘ mich gar nicht so, wie ich mich fühlen sollte, mir steht’s auf einmal bis in den Hals und mir ist so kodderig“, hatte er gesagt, dann war er ins Bad gegangen, um sich zu übergeben, doch es wollte nichts kommen.

„Ich hab‘ dann ganz automatisch an dem hartgekochten Ei gerochen, daß er gerade essen wollte; nur um zu sehen, ob es vielleicht verdorben ist, aber da war nichts. Komm Ernst, wir fahren zum Arzt, hab ich noch zu ihm gesagt, doch er saß nur im Badezimmer auf dem Rand der Badewanne und hat mich aus glasigen Augen angeschaut.“

Da sie nicht Auto fahren kann, hatte Frau Kruse ein Taxi gerufen und ist mit ihrem Mann ins Barbara-Hospital gefahren.

„In der Notaufnahme mußten wir bald eine Stunde warten, bis sich überhaupt jemand um uns gekümmert hat. Da rennen alle Nase lang Schwestern, Pfleger und Ärzte an einem vorbei und ich habe x-mal gesagt, daß es meinem Mann sehr schlecht geht und jeder hat nur gesagt: ‚Dann müssen Sie vorne an die Info, melden Sie ihren Mann dort an, dann kümmert sich jemand um Sie‘. Aber das hatten wir schon lange vorher gemacht, bloß es kam keiner.

Wenigstens 50 Minuten haben wir dort gesessen, mein Mann hatte schon eiskalten Schweiß auf der Stirn und war ganz grau geworden, da kam dann endlich ein Arzt. Sie, ich hab‘ den kaum verstanden, der war aus Thailand oder von den Philippinen, Dr. Bambungopol oder so ähnlich… Der war zwar unheimlich nett, aber er hat so schnell gesprochen und alles so schlecht ausgesprochen, daß ich nicht begriffen haben, was der Mann von mir will.

Er hat dann meinen Ernst untersucht, ihm in die Augen geleuchtet, das Herz abgehört und den Blutdruck gemessen.
Schließlich hat er gesagt, soviel hab‘ ich verstanden, daß mein Mann viel zu hohen Blutdruck hat und über Nacht zur Beobachtung da bleiben muß. Er ist dann auf die Station gekommen und an einen Tropf gelegt worden.
Obwohl es schon spät war, hat der Stationspfleger sogar noch gefragt, ob er meinem Mann noch ein Butterbrot bringen soll, doch mein Mann hat nur gesagt, daß ihm so schlecht ist.

Heute Morgen bin ich dann gleich wieder ins Krankenhaus gefahren und komme in das Zimmer, da ist da nur noch ein leeres Bett. Sie können sich gar nicht vorstellen, was ich für einen Schreck bekommen habe. Als Erste hab ich gedacht ‚Mein Gott, der Ernst ist weg!‘ Ich hab‘ dann eine Schwester gefragt und die hat mir nur gesagt, mein Mann sei in der Prosektur. Ich hab‘ gedacht, das sei sowas wie Labor oder Intensiv, wissen Sie? Ich frag‘ die also, wie ich da hin komme und die sagt: ‚Frau Kruse, da können Sie nicht hin, da kommen nur die Leichen runter.‘ So hab‘ ich vom Tod meines Mannes erfahren, können Sie sich das vorstellen?

Es ist dann noch eine Schwester gekommen, die hat mir dann ihr Beileid ausgesprochen und mich in das Stationszimmer gebeten. Aber da ging es dann auch nur um die Formalitäten für die Krankenkasse und die Verwaltung. Einen mal in den Arm zu nehmen oder einem mal zu sagen, wie es jetzt weitergeht, nee das können die nicht. Aber die haben ja auch keine Zeit, sind ja viel zu wenige von denen da.

Ich mußte dann runter in die Verwaltung und da sitze ich also dieser Frau gegenüber, die mich das gleiche Zeug fragt, wie die Schwester im Stationszimmer; ich glaub‘ sogar, daß die die gleichen Formulare nochmal ausgefüllt hat und da frag‘ ich dann, was man jetzt machen muß. Die Frau sagt nur: ‚Gehen Sie am besten gleich gegenüber zum städtischen Beerdigungsinstitut, da gehen alle immer hin.‘

‚Um Gottes Willen‘, hab ich gesagt, „da gehe ich ganz gewiss nicht hin, die haben unseren Freund, den Karl beerdigt, schrecklich sage ich Ihnen, so eine Fließbandabfertigung und sehr teuer soll das obendrein auch noch gewesen sein.‘ ‚Mir egal‘, hat die Frau gesagt, nur mit den Achseln gezuckt und dann im Computer nachgeschaut. ‚Ihr Mann ist aber schon von denen abgeholt worden‘.

Das geht bei denen vollautomatisch. Die haben bei mir zu Hause angerufen, ich war aber nicht da, konnte ich ja auch nicht, ich war ja auf dem Weg ins Krankenhaus, das dauert aber mit Bus und Bahn, ich mußte nämlich zweimal umsteigen. Bis ich im Krankenhaus war, waren fast anderthalb Stunden herum, dann war ich ja noch fast eine Dreiviertelstunde auf der Station und in der Zwischenzeit haben die meinen Mann einfach abholen lassen.“

Ich kenne das nur zur Genüge, die machen das oft so. Das Krankenhaus steht in städtischer Trägerschaft und da wäscht eine Hand die andere…
Dabei gibt es klare Absprachen zwischen den Bestattern und der Stadtverwaltung. Die Krankenhäuser sind angeblich angewiesen worden, keine Empfehlungen für einen bestimmten Bestatter auszusprechen und wenn es mal knapp wird mit dem Lagerraum für Verstorbene, dann wird einer der Bestatter gerufen, die Polizeidienst haben. Die sind wenigstens aufgrund ihres Vertrages gehalten, nur bestimmte Leistungen zu einem niedrigen Preis abzurechnen.
Doch sollte, so lautet die Abmachung, ein Kapazitätsengpass des Krankenhauses den Angehörigen nicht auch noch eine finanzielle Mehrbelastung einbringen.

Doch diese Abmachung ist nur auf einer Besprechung mit den Verantwortlichen getroffen worden, es ist nur vom Sollen und nicht vom Müssen die Rede und oft genug halten sich vor allem die städtischen Krankenhäuser einfach nicht daran.

„Ich hab‘ dann gleich da angerufen und gefragt, wann ich meinen Ernst denn sehen kann, ich muß mich doch noch von ihm verabschieden. Aber die haben gesagt, ich soll vorbei kommen und am besten gleich die EC-Karte mitbringen. Verabschieden könnte ich mich dann später auf dem Friedhof. Und die wollten mir den Sarg gleich am Telefon verkaufen. Die Frau war ziemlich schnippisch und hat nur gefragt ‚Erd‘ oder Feuer?‘. Ich hab‘ dann gesagt, daß mein Mann verbrannt werden will und dann hat sie gesagt: ‚Da gibt es dann sowieso nur drei Sargmodelle: billig, also eine einfache Holzkiste für Sozialbestattungen, mittelhell und Eiche dunkel, welchen wollen Sie?‘.
Einfach so, am Telefon, ohne daß ich die gesehen habe.“

„Und was haben Sie geantwortet“, erkundige ich mich und Frau Kruse sagt zu meiner Beruhigung: „Ich hab‘ gesagt: ‚Legen Sie meinen Mann bloß nicht in einen Sarg, ich lass‘ den bei Ihnen wieder abholen; und dann bin ich mit dem Taxi zu Ihnen gefahren.“

Ich erkläre Frau Kruse, daß sie nicht mit dem Taxi fahren muß, sondern daß wir sie gerne auch zu Hause beraten und wann immer es nötig ist, auch abholen und wieder heim bringen. Dann rufe ich vom Büro nebenan beim städtischen Beerdigungsinstitut an, man fackelt dort gar nicht lange, die kennen das schon und schließlich bekomme ich die Standardantwort, daß wir 98 Euro mitbringen sollen, dann können wir den Toten haben.
Auch das kennen wir, den Angehörigen hätte man 230 Euro abgenommen, unter Bestattern berechnen sie nur den sogenannten Kollegentarif.
Auch wegen der 98 Euro könnte man streiten, aber dazu hat keiner richtig Lust. Jeder Bestatter sagt, daß man da was machen müsste, aber keiner macht was und zusammenschließen will man sich irgendwann mal, aber nicht jetzt und schon gar nicht zum Prozessieren. So kommt es, daß die Bestatter meist die 98 Euro aus eigener Tasche bezahlen und den Kunden gar nicht in Rechnung stellen, damit es ja keinen Anreiz gibt, doch beim städtischen Institut zu bleiben.

Gehen Angehörige jedoch aus eigenem Antrieb zuerst zum städtischen Institut, etwa um dort Bescheid zu sagen, daß sie eigentlich einen anderen Bestatter beauftragen wollen, dann sieht die Sache etwas anders aus. Auf einmal ist dann von 230 bis 280 Euro die Rede und es wird klipp und klar gesagt, die privaten Bestatter hätten alle keine Ahnung, keine Erfahrung, es mangele ihnen an Seriosität, die hätten ja gar keine richtigen Kühlräume, das Personal sei nicht richtig ausgebildet und wenn man beim städtischen Institut bliebe, dann wisse man als Bürger doch, was man habe.

Nun, ich kann Frau Kruse beruhigen, wir werden ihren Ernst abholen und ihr einen Abschied ermöglichen, so wie sie es sich vorstellt.

Peter Wilhelm 2. August 2012


32 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe dazu eine Frage (rechtlich): Könnte die Frau das städtische Bestattungsinstitut verklagen wegen Diebtstahl oder ähnlichem? Immerhin holen die den Verstorbenen ohne Erlaubnis/Auftrag ab und wollen dafür auch noch Geld. So ganz koscher kann das doch nciht sein.

  2. @Segara

    Natürlich ist das nicht koscher. Das steht ja auch im Artikel. Eigentlich soll kein Institut empfohlen werden und der Tote im Krankenhaus bleiben. Und erst bei Kapazitätsengpässen der Notdienst gerufen werden. Aber „soll“ heisst eben nicht „muss“.

    Das problem mit einer Klage ist eben, dass man diese auf dem Rücken der Angehörigen austragen müsste. Und eine Frau Kruse würde lieber die 98 Euro bezahlen als es auf eine Klage ankommen zu lassen. Und ich fände es auch Pietätlos der ohnehin belasteten Frau auch noch dieses Ärgernis aufzubürden.

    Und bis nicht jemand im großen Stil die verfilzten Strukturen rund um die städtischen Bestattungsinstitute aufweicht wird sichd aran auch nicht viel ändern, befürchte ich.

    Gruß
    Joe

  3. Mich erschreckt generell das Verhalten des Krankenhauspersonals, und mich würde interessieren woran der Mann gestorben ist.

  4. Von der Nummer mit dem Leichenraub abgesehen ist das eine ganz ganz schlimme Erfahrung SO vom Tode des Ehemannes erfahren zu müssen. Einfach gruselig!

  5. Ich gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen könnte…
    Ich bis selbst in der Pflege tätig, und ich begreife nicht, wie man einen Menschen so behandeln kann!
    Und immernoch wird das Pflegepersonal so in Schutz genommen.

    „Einen mal in den Arm zu nehmen oder einem mal zu sagen, wie es jetzt weitergeht, nee das können die nicht. Aber die haben ja auch keine Zeit, sind ja viel zu wenige von denen da.“

    Das ist echt Blödsinn… auch wenn wenig Zeit das ist… einige Minuten sind IMMER drin. Viele meiner KollegInnen können nur nicht wichtig von dringend unterscheiden.
    Aber irgendwie schafft es mein Berufsstand immer wieder, das eigene menschliche Versagen als Fehler in der Struktur dar zu stellen.
    Und wenn sie sich nicht trauen, den Angehörigen zu sagen, was los ist, dann sollen sie den Mund halten und jemand anderen holen.

    Ja, ich bin ein Nestbeschmutzer! Ich kenne viele KollegInnen, die genau richtig in dem Beruf sind. Die den Patienten noch als Menschen sehen. Aber leider sehe ich mehr von ingnorantem Pflegepersonal… und das leider auch unter dem Pflegenachwuchs.

  6. Armes Deutschland…..

    Müßte nicht das Krankenhaus die 98 Euro bezahlen? Die haben doch schließlich den Auftrag erteilt?

  7. Gott, wie furchtbar.
    Da lässt man seinen geliebten Mann in der Obhut eines Krankenhauses in der Hoffnung, dass die bald eine Lösung für das Problem finden und am nächsten Tag steht man in seinem persönlichen Alptraum, völlig allein.

    Das klingt für mich wie ein Horrorfilm.

  8. Ich würde ja den armen Kerl obduzieren lassen und wenn eindeutig das Versagen des Krankenhaus herauskommt, würde ich anschließend das KH verklagen…

    Aber kann gut verstehen, wenn man als Angehöriger so einen Weg nicht gehen will.

  9. Ich kann nur hoffen, dass das eine dieser exemplarischen Geschichten ist, die Tom aus vielen verschiedenen Erfahrungen zusammengesetzt hat. Denn nicht nur der Bestatter- und der Stationsteil lässt einem die Haare zu Berge stehen, auch die Notaufnahmenschilderung läuft ja im Grunde auf unterlassene Hilfeleistung hinaus. Bei der Beschreibung der Symptome hätten bei denen alle Alarmglocken läuten müssen, denn die deuteten definitiv nicht nur auf hohen Blutdruck hin. EKG, Monitoring, Herzenzyme und Kontrolle nach 4 h wären da obligatorisch. Und zwar nicht erst nach 50 Minuten…

  10. Das einzige, was man der Frau Kruse ‚vorwefen‘ könnte, wäre, nicht einfach einen Krankenwagen zu rufen. Wenn’s dem Mann so kodderig geht und man auch keine 30 mehr ist, würde ich das sofort tun.
    Aber das Verhalten im KH, sowohl bei Ankunft des Paares als auch später ist unter aller Sau – ob nun konkret oder exemplarisch.

  11. @Henning: Das ist wohl das „Ich will niemandem zur Last fallen“- Syndrom. Ich habe da auch einen gut 80-jährigen Verwandten, der alleine zuhause unglücklich stürzte, sich so einiges brach, dann aber erstmal unter Schmerzen alles saubermachte und dann nach zwei Stunden mal in der Verwandschaft rumtelefonierte, ob ihn vielleicht jemand zum Arzt fahren könnte.

  12. @Henning:

    Das gleiche hatte ich auch zunächst gedacht: Nur – zumindest bei uns ist es so, dass das erste, was dam Telefon von der Rettungsleitstelle erfragt wird, ob der Hausarzt schon da war und eine Einweisung ins Krankenhaus ausgestellt hat.
    Wäre ich bei meiner Mutter nicht so rigoros am Telefon geblieben, wären die gar nicht gekommen – und die Frau war gerade dabei von somnolent in Richtung Koma zu treiben. Und mein Vater durfte bei einem akuten Bandscheibenvorfall mit Lähmungserscheinungen eine Nacht auf dem Sofa verbringen (ins Bett schaffte er nicht mehr), da der Rettungsdienst ihn nur nach Einweisung durch den Hausarzt mitnehmen wollte/durfte – und dieser kam an diesem Abend nicht mehr…

    Trotzdem ist schon heftig, wie die Geschichte von Ernst lief…

  13. Das Verhalten im Krankenhaus ist leider „Standard“ wer nicht mit dem RTW gebracht wird ist nicht krank…

  14. ich habe in den letzten monaten einige male als patient und auch als angehöriger in der notaufnahme gesessen, und kann nur bestätigen dass es genau so zugeht: man sitzt und sitzt, sieht scharen von leuten in weissen kitteln vorbeiziehen, und keiner hilft einem – aber halt, stimmt ja, die sind ja nicht zuständig: menschenverachtende bürokratie vom feinsten.
    und wenn man dann doch drankommt heisst das noch lange nicht dass es wirklich vorwärts geht, ich habe das eine mal auch erstmal nur schmerzmittel bekommen, wurde auf eine liege gepackt und dann am ende des flures in die ecke geschoben, dort habe ich dann 2 stunden gelegen bis man mich abgeholt und auf die station gebracht hat.
    überhaupt merkt man im krankenhaus erstmal wie unwichtig der einzelne mensch und sein leben sind: es geht alles seinen geregelten gang, und wenn man da an unpassender stelle schmerzen hat oder probleme, na und, stellen sie sich mal nicht so an, wir haben hier noch genug andere sachen zu tun.

  15. Kenn ich. Ich war in einem Krankenhaus mit einer Darmgeschichte. Ich hatte wirklich fiese Schmerzen. Und es waren ungefähr 30 Grad im Schatten in der Bude. Wir haben Fenster und Türen aufgemacht und erstmal für Durchzug gesorgt. Im KH gibts ja nur diese 08/15-Sachen für alle Witterungsbedingungen. Und außerdem Südseite UND Rolladen kaputt. Den ganzen Tag volle Sonneneinstrahlung. Es war HEISS. Und da zumindest dann eine leichte Brise lief, wars einigermaßen erträglich.

    Und da kam die Schwester rein und meinte: „Wir wollen uns hier nicht den Tod holen“ und machte die Tür zu. Ergebnis: Statt leichter Brise eine Saunaatmosphäre. Meine beiden Mitbewohnerinnen (um 80) meinten auch: Die armen Schwestern. Ich meinte: Mir WURST. Und hab die tür aufgemacht. Als die Schwester wie eine Furie reinstürzte, wer denn wieder für „Zug“ sorgte, meine ich recht gelassen: „Ich. ich liege hier und bin krank. Und meiner Genesung ist es sicher nicht zuträglich, wenn ich in der Sauna liege.“

    Die machte dann doch tatsächlich die Tür zu. Und ich wieder auf. Und hab sie dann festgebunden. Dann kam sie wieder und knallte die tür zu. Bzw. hats versucht. Und das doofe Gesicht war Gold wert. „Wieso ist das festgebunden?“ „K.a. irgendwie ist die immer wieder zugefallen, ich hätt sie gerne auf“

    Die Antwort hat sie dann erstmal ins Personalbüro gebracht, so einen Radau hab ich geschlagen: „Sie haben hier gar nix zu melden. Sie sind Patient“.

    Tjo. DIE Antwort hatte tatsächlich Konsequenzen.

  16. Ich platze bald. So kennt man das in unserem Schw…land. Wenn es nicht an unnötigen Stellen auf der Straße blitzt, dann wird woanders abkassiert.

  17. Hallo zusammen,
    das ist 2 Klassen Medizin. Meine Frau war schwanger, das kind wollte früher kommen, frauenärztin sagte ab ins krankenhaus. angekommen warten über warten. dann der moment (nach warten und warten) (1,5h), die schwester für frau x das kassen zimmer z. ich: ne, die ist privat! schwup war die chef ärztin da und das schöne zimmer angewiesen. tage später haben wir arme kassen patientinnen im flur auf dem sofa warten sehen, und sie warteten und warteten

  18. @simop
    Wo wohnst du denn? Für einen RTW-Transport (RTW=Rettungswagen = NOTFALLrettung) braucht man keinen Transportschein vorab, den stellt der Doc nachträglich in der Klinik aus.
    Und ehrlich gesagt kann ich deine Schilderung kaum glauben. Ich fahr selbst Rettungsdienst und die Leitstellen schicken wirklich zu JEDEM einen RTW, selbst wenn nur irgendwie unklar ist, was nun los ist.
    Wenn du dann noch erklärst, dass deine Mutter nicht oder nur bedingt ansprechbar ist, wird in der unter Umständen (kommt auf den Disponenten und das Bundesland an) sogar eine Notarzt-Indikation draus, d.h. es kommt sogar ein Blaulicht-Doc direkt vor Ort (und schreibt dann die Einweisung)…

    Zur Geschichte:
    Eine Sauerrei was hier mit der Frau abgegangen ist. Sowohl das Warten in der Klinik als auch die Behandlung danach.
    Es wäre wohl anders abgegangen, wenn sie einen Notruf abgesetzt hätte. Denn 1. wird ein Patient, der mit dem Rettungsdienst kommt, in den Kliniken anders behandelt und 2. Kennt eine RTW-Crew die umliegenden Kliniken, kann also die richtige raussuchen, sowohl was Fachrichtungen als auch was die Auslastung angeht.
    Leider ist das oft der Fall: Die Leute die am lautesten nach Holfe schreien, haben sie am wenigsten nötig und die Leute (meist ältere) die sich nicht trauen, hätten es am nötigsten.

  19. @Simon:

    Tja, in den frühen 90ern war ich selbst ehrenamtlich im Rettungsdienst aktiv und kannte es genauso wie Du sagst.

    Und genau diese Leitstelle (sirgendwo in Nordbayern) blockte den Einsatz bei meiner Mutter ja schon am Telefon ab – bzw. versuchte es bei mir. Als ich massiv genug wurde und mit Klage etc. drohte, kam tatsächlich der RTW – wobei die beiden Sanis dann bezüglich der fehlenden Einweisung tatsächlich – trotz nicht-mehr-Ansprechbarkeit – meine Mutter nicht mitnehmen wollten. Erst nach Intervention und Rücksprache mit Leitstelle und Krankenhaus ging es dann. Nicht auszudenken, wenn ich nicht so hartnäckig geblieben wäre.
    Und bei meinem Vater war ich leider nicht vor Ort (die ganze Geschichte haben die beiden mir erst im Nachhinein erzählt, als er glücklich im Krankenhaus war) – und seine Frau hat sich einschüchtern lassen. Angeblich wäre das kein Notfall, sondern ein Fall für den Hausarzt bzw. den Gesundheitsreform-Abend-/Wochenend-Bereitschaftsdienst (den bei uns wiederum die Hausärzte versehen – oder auch nicht). So kam am Abend des nächsten (!) Tages der Hausarzt, diagnostizierte „Ischiasnerv“, verschrieb Tabletten und ging wieder. Mein Vater lag inzwischen zwei Tage regungslos und weinend vor Schmerzen auf dem Sofa.
    Am dritten Tag wandte sich seine Frau wieder an die Leitstelle, die rief den Hausarzt an, und meinte danach, dass das lt. Hausarzt kein Notfall wäre – er solle sich doch einen Termin beim Orthopäden geben lassen – nix RTW also. Als meines Vaters Frau dann einen Orthopäden kontaktierte, die Geschichte samt Symptomen erzählte, veranlasste der Orthopäde (!) die Einlieferung via RTW ins Krankenhaus – am 3. Tag! Allerdings nicht direkt – der Rettungswagen fuhr einen kleinen 20km-Schlenker, um vom Orthopäden die Einweisung zu kriegen – ohne die telefonische Zusicherung derselben hätten sie ihn nicht mitgenommen…
    Tja, und die Ärzte dort legten ihn sofort unters Messer – noch ein, zwei Tage später und die Nerven zu und in den Beinen wären irreparabel geschädigt gewesen… 🙁

    Während ich dies schreibe, wird mir klar, dass ich mir für den nächsten Besuch bei meinem Vater sicherheitshalber eine Einweisung ins Krankenhaus ausstellen lassen sollte – nicht, dass ich einen Autounfall habe und der RTW lässt mich ansonsten liegen bzw. kommt erst gar nicht…

  20. Heutzutage werden doch die Krankenhäuser oft schon umgebaut, damit im „Empfang“ gleich festgestellt werden kann, was Sache ist.
    Oh Gott, wenn ich mir vorstelle, ich komm dahin und kein Aas kümmert sich…
    Das ist ja sowas von erbärmlich!

    Fühl mich im Moment richtig kodderig.

  21. Wenn das nicht aus mindestens zehn Fällen gebastelt ist, ist jeder einzelne Fall ein Thema für Anzeigen – und wenn es in der Zeitung ist. Diese Behandlung ist unmenschlich. Das kommt dabei raus, wenn im Gesundheitswesen plötzlich auch nur noch der Gewinn zählt. Der hippokratische Grundsatz, dem Patienten nicht zu schaden, scheint darüber in Vergessenheit zu geraten….

  22. Das hier viel geschilderte Verhalten der Rettungskräfte kann ich für meinen Fall nicht bestätigen. Als ich – genauer (wegen starker Beeinträchtigung meiner Kommunikationsfähigkeiten): meine Frau – da anrief um einen RTW wegen meiner starken Unterleibsschmerzen anzufordern, kamen die sofort und haben auch nach nichts weiterem gefragt als sie mich eingeladen haben. An der Uhrzeit (halb vier Uhr nachts) lag es dann, dass ich nicht lange im Krankenhaus warten musste, um von meiner Nierenkolik „befreit“ zu werden.

    Die Vorstellung, einfach so im Krankenhaus zu „verschwinden“, ist allerdings echt übel.

  23. Wenn in den 98 € für den Bestatterkollegen die Leichenschau bereits enthalten ist, und der Übernehmende durch das Abholen in dessen Haus keine Wartezeit für Bürokratie in der Klinikverwaltung verschwenden muss, geht es ja noch. Doch hier scheint mir, wurde hier wohl eine Schlamperei unter den Teppich gekehrt, indem man den Betroffenen jetzt auf einmal ruck-zuck als natürlichen Tod abwickelte, und zwar bevor die Tagschicht kommt, um Fragen aus dem Weg zu gehen.

  24. Bei solchen Erlebnissen ist es doch kaum verwunderlich, wenn Leute die Flinte aus dem Schrank nehmen und mal kurz selber Ordnung aufm Amt schaffen… ginge mir jedenfalls so.

  25. Mein KV-Vorsitzender IST mit dem RTW ins Krankenhaus gekommen – und hat da vier Stunden auf dem Stuhl gesessen, bevor sie endlich das EKG angefangen haben. DANN ging alles auf einmal ganz hektisch…

  26. Ein kleiner Kommentar von einem stillen Leser: als ich meinen Bruder (damals 35) mit einem Oberschenkelhalsbruch nachmittags auf dem Boden liegend vorfand und den RTW anrief, beharrten die auf eine Einweisung vom Hausarzt. Es war Mittwoch und ich musste zum Vertretungsarzt,rannte fast eine Stunde durch die Gegend. Erst als ich die Einweisung in der Hand hatte, wurde mein Bruder in die Klinik gebracht…..

  27. @Schnuffelchen:
    So traurig dein Fall ist – irgendwo bin ich froh, dass es nicht nur uns so ging – ich dachte schon, ich stehe neben der Wirklichkeit.

    Danke, Frau Ulla Schmidt und Ihrer Gesundheitsreform, Danke!

  28. Wenn ich das so lese bin ich ganz froh, wie schnell ich letzten Sommer dreimal vom RTW abgeholt wurde. Und das auch zweimal mitten in der Nacht. Ohne irgendeinen Schein… Einfach angerufen und einmal hatte es nach etwas mehr als einer Minute schon an der Tür geklingelt (Bereitschaft, die nur zwei Straßen weiter wohnte).

  29. Der Mann hatte bestimmt sehr schöne letzte Stunden in diesem Krankenhaus die ich auch niemanden wünsche.
    Das niemand seine Frau vom baldigen Ableben informiert hat, kann ich sehr schwer glauben. Was hat nun zum Tod geführt?

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