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Die Brücke III

Von

Inzwischen hat die Beisetzung von Jens Eisner stattgefunden. Jens ist der junge Mann, der von der Brücke gesprungen war und seine Eltern hatten sich für eine Feuerbestattung und Urnentrauerfeier entschieden. Am Tag der Beisetzung stand die Messingurne vorne in der Trauerhalle des Friedhofs auf einer blumengeschmückten Säule.
Im Laufe des Morgens waren noch etliche Blumenspenden eingetroffen, deutlich mehr als das Ehepaar Eisner erwartet hatte. So deutete sich für uns schon an, daß da mehr Leute kommen würden, als ursprünglich angenommen.

Etwa zehn Leute standen etwas abseits in einer Gruppe und hatten einen Kranz dabei. Die Kranzschleife wies sie als Arbeitskollegen von der Stadtverwaltung aus. Das waren also die Leute, die Herr Eisner auf keinen Fall bei der Trauerfeier dabei haben wollte.
Wir hatten keine entsprechenden Instruktionen und deshalb bestand für uns keine Veranlassung, die Leute wegzuschicken. Ich blickte ein paar Mal zu Herrn Eisner hinüber und bemerkte, daß er die Leute angeschaut und wahrgenommen hatte. Wenn er nichts unternahm, warum sollten wir uns einmischen?

Mir haben schon einige Leute per Mail geschrieben, wie es sich denn der Bestatter anmaßen könne, über die Teilnahme an der Trauerfeier zu entscheiden. Macht er ja gar nicht. Jeder Bestatter ist froh, wenn die Feierlichkeiten reibungslos und ohne größere Störung ablaufen. Schon deshalb wird es ihm immer fernliegen, in unmittelbarer zeitlicher Nähe zur Trauerfeier große Streitereien und Diskussionen auszulösen.
Aber manchmal gibt es eben so Fälle, da möchte man bestimmte Leute nicht dabei haben, weil von ihrer Teilnahme, eben die Störung der Feierlichkeiten zu erwarten wäre.
In unserer eigenen Feierhalle habe ich sowieso das Hausrecht. In den Trauerhallen auf den Friedhöfen ist es so, daß wir notfalls stellvertretend für den Auftraggeber das Hausrecht wahrnehmen und erforderlichenfalls auch mit Polizeigewalt durchsetzen.
Anders als viele glauben, sind Trauerhallen keine öffentlichen Gebäude, sondern Zweckgebäude, die den Betroffenen gegen Bezahlung für einen bestimmten Zweck zur Verfügung gestellt werden.
Und Trauerfeiern sind schon gar nicht öffentlich, sodaß jeder das Recht hätte oder einen Anspruch darauf hätte, da einfach teilzunehmen.

Normalerweise wird man aber selbst dann als Angehöriger kein Theater machen, wenn zur Trauerfeier auch unliebsame Gäste kommen. Das nimmt man hin, ärgert sich vielleicht darüber, daß „ausgerechnet der die Stirn hatte, da aufzutauchen“, macht aber weiter keinen Wirbel. Besser ist das so.

Am Allerbesten ist es, wenn die Hinterbliebenen solche Erwartungen vorher ansprechen. Dann kann ein umsichtiger Bestatter schon viel tun, um die Konfliktparteien zu trennen, etwa durch geschickte Plazierung in der Trauerhalle, das Reservieren von Sitzreihen und
Wir hatten uns schon in der Firma darüber unterhalten und jeder hatte eigene Vermutungen, was wohl die Hintergründe für den Todessprung von Jens gewesen waren.

Die Gäste hatten Platz genommen und die Trauerfeier stand kurz vor dem Beginn, da stand einer der Männer aus dem Kreis der Arbeitskollegen von seinem Platz in der vordersten Reihe der linken Seite auf, knöpfte sich sein Jackett zu, zückte ein kleines weißes Zettelchen und ging zu Herrn Eisner.
Dann stellte er sich steif vor diesem auf und sprach kurz mit ihm. Aha, dachte ich, das wird wohl einer der Kollegen oder eventuell sogar einer der Vorgesetzten sein, der nun anfragt, ob er eine kurze Rede halten darf. Ich wußte ja, daß die Eisners ein gespanntes Verhältnis zur Arbeitsstätte ihres Sohnes hatten und schaute neugierig hinüber. Was würde Herr Eisner tun?

Nun, ich hatte damit gerechnet, daß Eisner kurz und heftig den Kopf schüttelt, immerhin hatte er von der Stadtverwaltung überhaupt niemanden bei der Trauerfeier sehen wollen und so konnte ich mir nicht vorstellen, daß er es gerne gesehen hätte wenn einer von denen auch noch Teil der Trauerzeremonie geworden wäre. Was dann aber geschah, ja damit hatte selbst ich nicht gerechnet. Herr Eisner stand ebenfalls auf, knöpfte sich in Seelenruhe einen Knopf seiner Anzugjacke zu und dann, man konnte es kaum sehen, so schnell ging das, zuckte sein rechter Arm vor und der Arbeitskollege des Verstorbenen bekam einen stumpfen Fausthieb auf die empfindliche Stelle zwischen Brust und Bauch und sackte innerhalb von Sekundenbruchteilen mit verdrehten Augen nach hinten, setzte sich auf den Hosenboden und kullerte dann fast wie in Zeitlupe auf die Seite und blieb kurz vor einem der Kränze regungslos liegen.

Die Trauergäste waren aufgesprungen, kaum einer hatte richtig mitbekommen, was passiert war und alle tuschelten. Von Halblinks hörte ich, da sei einer ohnmächtig geworden, von Rechts hieß es, ein Betrunkener sei umgefallen und von hinten fragte eine ältere Dame: „Ist der jetzt auch tot?“

Ich eilte nach vorne, einer der Friedhofsangestellten kam ebenfalls dazu und gemeinsam kümmerten wir uns um den ‚Gefallenen‘, der nach ein par Sekunden der Orientierungslosigkeit wieder zu sich kam und stöhnend in die Runde blinzelte. Wir brachten den Mann raus in den Gang bei den Leichenzellen und setzten ihn dort auf den Stuhl. Währenddessen drang tumultartiges Rufen und Schreien aus der Trauerhalle an mein Ohr und mein Herz begann wie wild zu klopfen, Schweiß trat auf meine Stirn. Was, um alles in der Welt, war denn da los?

Als ich wieder in die Trauerhalle kam, sah ich folgendes Bild: Herr Eisner hatte sich eine der großen Wachskerzen die unangezündet am Rand der Halle in Reserve standen, geschnappt und war dabei, diese wie einen Prügel drohend über seinem Haupt zu schwingen und damit die Kollegen und Kolleginnen des Verstorbenen aus der Trauerhalle zu vertreiben: „Verschwindet bloß, heimtückisches Pack, scheinheilige Bande, ihr habt meinen Sohn in den Tod getrieben, ihr Mobber, ihr Menschenverächter, Schweine, Banditen…!“

Frau Eisner weinte, die übrigen Trauergäste tuschelten, aber keiner griff ein und so lang einem das Ganze im Nachhinein vorkommt, es hat nur ein paar wenige Sekunden gedauert, dann waren die Leute von der Stadtverwaltung aus der Trauerhalle verschwunden. Wortlos, ohne Widerworte und ohne Probleme, mit eingezogenem Kopf und hastig waren sie hinausgelaufen. Herr Eisner stellte die lange, dünne Kerze neben die Eingangstür, klopfte sich sinnbildlich den Staub von den Händen und nahm, seine schwarze Krawatte richtend, neben seiner Frau Platz und begann diese zu beruhigen.

„Es kann losgehen!“ gab ich dem hinter mir inzwischen aufgetauchten Friedhofsleiter das Kommando und er drückte auf einen Schalter an der Wand, woraufhin vom Band das erste Lied abgespielt wurde und Pfarrer Diepenholz, der von alledem vor lauter Vorbereitungsstreß nichts mitbekommen hatte, zog in die Feierhalle ein.

Als sei nichts gewesen, ließen die Eisners die Trauerfeier vorübergehen und anschließend soll weder von anderen, noch von ihm das Thema angeschnitten worden sein. Und trotzdem wurde natürlich überall heftig getuschelt und diskutiert.

Tage vergingen und mir war der Spott der städtischen Friedhofsangestellten sicher. Ob das Ernst-August von Hannover gewesen sei, wollte einer wissen und ein anderer forderte im Scherz eine Gefahrenzulage, wenn wir wieder so gefährliche Leute mitbringen…
Doch es kam der Tag, an dem die Eisners zu uns kamen, um die letzten Angelegenheiten zu besprechen und bei dieser Gelegenheit überreichte mir Herr Eisner eine Schachtel mit Pralinen (Antonia, wo sind die eigentlich?) um sich zu entschuldigen. Das sei sonst gar nicht seine Art, er habe noch nie jemanden geschlagen und trotzdem tue ihm der Vorfall an sich kein bißchen leid, nur daß wir vielleicht Ärger deswegen hätten.

„Was war denn da überhaupt los?“ wollte ich wissen und dann erzählten die Eisners abwechselnd folgende Geschichte:

Unser Sohn Jens ist etwas zurückgeblieben gewesen, aber verstehen Sie uns bitte nicht falsch, der war nicht behindert oder eingeschränkt, um Himmels Willen. Nein, der war als 18jähriger noch so ein ein 15jähriger, nicht von der Intelligenz her, sondern so von seinem kindlichen Wesen. Ein ganz Lieber, wissen Sie? Ein Netter, Freundlicher und stets Höflicher, das war der Jens.
Zurückgeblieben ist vielleicht auch nicht das richtige Wort, eher könnte man sagen, daß er dem ganzen Rummel den junge Leute oft so machen, eher skeptisch gegenüberstand und sich lieber mit Büchern beschäftigte und viel mit seinem Fotoapparat in der Natur unterwegs war. Wenn die anderen sich samstags zu einem Musikrummel verabredeten, zog er lieber durch den Wald und knipste Spechte und Eichhörnchen.
Manchmal haben wir uns sogar Sorgen gemacht und uns gefragt, ob mit dem was nicht stimmt, aber im Grunde war uns das so lieber. Er hat ja keinem was getan und niemandem geschadet und ihm hat es ja an und für sich auch nicht geschadet.

Auf der Arbeit bei der Stadtverwaltung war er damit aber ein Außenseiter, da heißt es ja jeden Tag ‚hoch die Tassen‘ und es gibt ja immer was zu feiern. Mal hat einer Geburtstag, mal wird jemand Vater und dann wird einer versetzt und am nächsten Tag muß ein Neuer seinen Einstand geben. Die saufen da wie die Löcher, das ist fürchterlich. Auch nach Feierabend gibt es für viele nichts anderes, als noch eben mit den Kollegen auf ein Bier in die Pinte zu gehen.
Ja und da hat Jens nie mitgemacht. Gut, seinen Einstand hat er gegeben und wenn für einen Geburtstag oder so gesammelt wurde, gab er auch immer was, aber diese Feierei, nee, das war nicht sein Ding. Und so kam es, daß es nicht lange dauerte, bis die anderen anfingen, ihn zu mobben. Früher hat man dieses Wort ja nicht gekannt, aber solche Situationen kennt vermutlich jeder und wahrscheinlich hat die auch jeder sogar schon einmal erlebt. Was die aber mit Jens gemacht haben, das war unter aller Kanone! Die haben ihn bei jeder Gelegenheit aufgezogen, haben ihn lächerlich gemacht und ständig über ihn gewitzelt. Das mag sich nicht so schlimm anhören, aber wenn das den ganzen Tag so geht, dann kann einen das schon mürbe machen.
Dann haben die angefangen, ihn auch vor den Bürgern lächerlich zu machen. ‚Dafür ist Kollege Nichtraucher zuständig‘ oder ‚Gehen Sie mal zu Herrn Muttersohn‘ haben die gesagt und sich schimmelig gelacht. Daß die dem die Luft aus den Autoreifen gelassen haben, das war nur der Auftakt für eine ganze Serie von üblen Streichen. An seinem Bürostuhl haben sie eine Rolle abgemacht, ihm Kaffee mit fauligem Blumenwasser gebracht und einen Tag haben sie Jens in der Herrentoilette in einer der Kabinen eingesperrt. Drei Stunden war er da drin und erst dann ist der Hausmeister gekommen und hat ihn befreit.
So ist das viele Monate gegangen und Jens ist daran kaputt gegangen. Sie glauben nicht, wie gerne der zur Arbeit gegangen ist, am Anfang wenigstens, aber dann… Erst wurde er krank, richtig krank, Bauchschmerzen, Magenprobleme, Durchfälle, alles nur psychosomatisch wegen seiner Kollegen. Dann hat er mit dem Personalrat gesprochen und ein Vorgesetzter hat ein Rundschreiben gemacht. Aber das hat die Sache nur verschlimmert. Schließlich mußte Jens sogar zum Psychotherapeuten, so haben die den fertig gemacht. Und wir glauben, daß der uns die wirklich schlimmen Sachen noch gar nicht erzählt hat. Ganze Wochen lang soll die ganze Abteilung ihn vollkommen ignoriert haben, die haben einfach so getan als sei er Luft. Sowas kann einen Menschen fertigmachen.

Unentwegt hat das Telefon in seinem Zimmer geklingelt und immer wenn er dran ging, wurde schnell aufgelegt. Immer wieder bekam er über das Intranet der Stadtverwaltung Mails, in denen ihm damit gedroht wurde, man würde sein ‚Geheimnis‘ verraten. Wir haben keine Ahnung, was das für ein Geheimnis hätte sein sollen, auch Jens wußte das nicht. Aber man kommt ja dann doch ins Grübeln und fängt an zu überlegen, was da gewesen sein könnte, was die anderen da wissen könnten… Aber uns ist nichts eingefallen.

Tja und dann war auf einmal wieder alles in Ordnung, die Kollegen taten so, als würden sie Jens wieder voll integrieren, waren ein paar Tage freundlich und nett zu ihm, nur um ihn dann, als er wieder Vertrauen gefasst hatte, wieder auflaufen zu lassen. Bei einem Ausflug, an dem er extra teilnahm, um seinen guten Willen zu zeigen, ließen sie ihn einfach an einer Autobahnraststätte stehen und lachten sich kaputt. Wir mußten dann 150 Kilometer fahren, um ihn da abzuholen.

So ging das die ganze Zeit und Jens ist daran kaputtgegangen…

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Peter Wilhelm 28. Mai 2012


54 Kommentare von 141363.

  1. Leider scheint es in der Natur des Menschen ebenso wie bei den meisten Tieren zu liegen, das es in jeder Herde ein Omega-Tier gibt. Egal ob im Wolfsrudel oder am Arbeitsplatz. Dabei hält sich der Mench doch gerne für den Tieren sooo weit überlegen. Vielleicht kriegen wir es auch oft selbst viel zu spät mit, wenn jemand zum Omega gemacht wird, gerade, weil derjenige sich nicht wehrt.

  2. Bin ja wirklich ein friedliebender Mensch, aber hier drängt sich mir der Gedanke auf:

    Gut, dass der Vater bei der Trauerfeier richtig getroffen hat …

  3. Als transsexuelle Polizistin hatte ich auch immer Angst vor Mobbing. Doch ich habe großes Glück gehabt. Bis auf ein, zwei doofe Vorfälle bin ich von meinen Kollegen immer akzeptiert worden. Mit dem Bürger gab es schon gar keine Probleme.

    Ich hab wirklich mehr Glück gehabt als Jens. Wie schade, dass er nicht bei uns gearbeitet hat, hier wäre ihm sicher nichts Böses geschehen.

  4. Gruppendynamik.. schrecklich. Das ist das Opium des ganz kleinen Mannes. Um das durchzustehen braucht man eine ganze Menge Rückgrat um wegstecken zu können. Oder Muskeln um austeilen zu können.

    Das diese Leute auf der Trauerfeier erschienen sind ist für mich auch alles andere als ok. Der Schlag hätte nicht fest genug sein können, was haben die sich dabei gedacht? Ich trauere ein wenig und damit ist meine Schuld getilgt?

    NEIN meine lieben… jeder einzelne von euch ist Schuld an eines Menschen tod. Wisst ihr wie man solche Leute nennt? Mörder! Schönes Leben noch.

  5. man muss sich dazu allerdings mal überlegen, dass es hier nicht um jugendliche geht, die mobben, das waren erwachsene menschen – was für ein armes kleines würstchen muss man sein um einen genuss daraus zu ziehen, jemanden zu quälen und ihn leiden zu sehen? das ist doch einfach nur krank. in der pubertät, ja, da gibt es solche phasen, man testet aus, probiert, überschreitet, bereut. aber so ein armseliges verhalten als erwachsener an den tag zu legen – dazu fällt mir nichts mehr ein.

    mir kamen bei der geschichte die tränen.

  6. Irgendwie erinnerte ich mich gerade spontan an meine Schulzeit und die Jahre der Verarbeitung danach ….
    Leute, schätzt Menschen mit einem „lieben“ Wesen und verachtet Sie nicht als schwach.
    Wir haben viel zu wenige davon !
    Bei den Bloglesekollegen hier gehe ich natürlich vom Besten aus 😉
    Tom, bis jetzt lese ich hier fast nur passiv mit, aber eins will ich mal loswerden:
    „Du bist einfach ein dufter Typ.“

  7. Leider passiert dies immer wieder: In der Schule, auf der Arbeit, im Verein. Das schlimmste ist ja, das die weitermachen, wenn das nächste „Opfer“ kommt. Es passiert ja nichts. Mann kann nur hoffen, das in solchen Fällen Leute mit Rückrat den Opfern beistehen und sie gegen dies Dumpfbacken verteidigen

    Die Reaktion des Vaters kann ich verstehen! Schade um jeden Schlag der vorbei ging

  8. Das hätte auch anders ausgehen können. Bei einer anderen Persönlichkeit wären jetzt vielleicht 6 oder mehr Beerdigungen angefallen.

  9. In so einem Fall Menschen mit Tieren zu vergleichen ist nicht richtig. Tiere quälen einander nicht. Eine Rudelhierarchie und das daraus resultiernde Verhalten dient in erster Linie der Arterhaltung und nicht der bewussten Demütigung und Vernichtung eines Lebewesens.

    Was in diesem hier geschilderten Fall abgelaufen ist, ist einfach nur widerwärtig und verabscheuungswürdig.

  10. Ekelhaftes primitives Gesocks!
    Bei uns gibt es auch solche die gerne täten wenn man sie
    lassen würde und ich muss auch immer auf einen Kollegen aufpassen der sich nicht so gut wehren kann.
    Allerdings habe ich ihn schon soweit, dass er sich nicht
    mehr alles gefallen lässt und ich hoffe dass er denen
    dann auch Zähne zeigt wenn ich mal weg bin aus dem Laden.

  11. Solche Leute sind echt das Allerletzte. Ich habe in meiner Schulzeit auch diverse „Mobbing“-Erfahrungen machen dürfen, aber ganz so extrem wie hier wars dann doch nicht.

    Obwohl ich jede Form von Gewalt verabscheue, habe ich kein Mitleid für den Geschlagenen übrig…

  12. Zitat von kai:
    „Leute, schätzt Menschen mit einem „lieben“ Wesen und verachtet Sie nicht als schwach.
    Wir haben viel zu wenige davon!“

    Ich bin ganz Ihrer Meinung!

    Ich verstehe den Schlag des Vaters. Ich verabscheue zwar Gewalt in jeglicher Form, aber das war irgendwie gerechtfertigt. Was haben die ich eigentlich dabei gedacht?
    Stand denn nun auf dem Zettel eine „Abschiedsrede“? Ob da wohl auch diese „liebevollen“ Spitznamen erwähnt wurden?

    Mobbing ist echt mit das Schlimmste, was man einer Person mit antun kann. Erinnert mich stark an meiner Sekundar I – Schulzeit. Mobbing und drohen. Die spätere Aufarbeitung und auch die Zeitdes ganzen nagt auch trotz Aufarbeitung an einem..

    Tom, ein großes Lob an Sie. Sie schreiben wirklich aus dem Herzen und ich komme immer wieder gerne zum Lesen.

  13. .. und dann fragt sich die Masse wie Leute ‚austicken‘ können und ihre Agressionen nach aussen leiten zB durch ‚Amoklauf‘

    Ich bin selbst jahrelang gemobbt worden, mir tut es immer wieder weh, solche Leute, egal ob nach aussen oder innen Agressiv, verstehen zu können, obwohl ihnen etwas ‚unverständliches‘ wiederfährt….

  14. Der Vater hätte auch ich sein können. Theoretisch.
    Praktisch hätte ich aber meinen Sohn, wenn er denn wirklich etwas labil, naiv, oder wie es hier geschrieben wird „zurückgeblieben“ ist, dann hätte ich ihn nach ziemlich kurzer Zeit dort rausgeholt und mit ihm zusammen einen anderen Job gesucht. Punkt.

    Von daher stimme ich den meisten Kommentatoren hier zu, aber Menschen im Rudel sind nunmal wie Tiere. Die Eltern haben eine nicht unerhebliche Mitschuld am Verlauf dieser Geschichte.

  15. Da hast Du recht, entschuldigung.
    Man könnte nun parallelen ziehen, und das schwächste Mitglied eines Rudels betrachten, aber das müsste ich erstens sehr differenzieren und es passt hier zweitens auch einfach nicht rein.
    Betrachtet es als „Redewendung“.

  16. Das ist doch zum Weglaufen… der Personalrat macht dies und das und klebt hübsche Pflästerchen, schiebt das Opfer beim Psychotherapeuten ab und fährt nicht hinterher mit jedem Täter Schlitten? Der Dienstherr hat für seine Auszubildenden eine Fürsorgepflicht, und es interessiert ihn nicht einmal? Diese Mobber laufen fröhlich durch die Gegend, keiner wird vom Dienst suspendiert, keine disziplinarischen Maßnahmen, keine Schadensersatzforderungen gegenüber den Verursachern, gar nichts? Ich will das einfach nicht glauben.

  17. Ich bin immer wieder verwundert wieviele Menschen es eigentlich gibt, die hobbymäßig die Psyche anderer zerstören und dann völlig entsetzt sind wenn ihnen das Ergebnis davon offenbar wird. Immerhin suchen sie sich immer die implosiven Mitmenschen als Opfer aus, die sich nicht wehren und alles schlucken.
    Wenn man einem Menschen zum Spaß die Psyche kaputtmachst klackt irgendwann seine Sicherung raus. Und je nachdem in welche Richtung die ausschlägt tut er sich entweder selbst etwas an oder seinen Mitmenschen.

    Begreift nur leider kaum jemand.

    Wenn einer Amok läuft dann ja nur wegen den pösen Computerspielen… *seufz*

  18. > ihm damit gedroht wurde, man würde sein ‚Geheimnis‘ verraten
    Nur so eine Vermutung – er war schwul. Bzw seine „lieben“ Kollegen dachten das zumindest aufgrund seines „unmännlichesn“ (kein Saufen, kein Rauchen usw) Verhaltens. Ich versteh ja dass er sich durch sein Verhalten abgesondert hat, aber wieso Leute dann noch auf den Sonderlingen rumhacken müssen verstehe ich nie 🙁 Er stört ja keinen wenn er einfach den Saufgelagen fern bleibt, und lieber Vögel fotografiert. Klar ist es schöner wenn man Kollegen hat mit denen man auch privat gut klar kommt, aber wenn sie sich dem privaten Kontakt entziehen hat man halt nur auf der Arbeit miteinander zu tun..

  19. Ich könnt grad anfangen zu heulen…der Mensch ist wirklich das schlimmste Tier auf Erden 🙁
    Und ich kann sehr gut nachvollziehen, daß der Vater zugeschlagen hat. Wahrscheinlich hätte der andere dann von Jens als „geschätzen Kollegen“ u.ä. gesprochen. Sowas würd ich mir in der Situation auch nicht antun wollen.

  20. Auch ich bin in meiner Schulzeit eigentlich die meiste Zeit Außenseiter gewesen und habe „mäßig“ darunter gelitten.

    Ich kann mich nicht an eine schwerwiegende Verarbeitungspahse erinnern, aber irgendwie habe ich danach auch mehr Selbstvertrauen gekriegt und würde mich heute nicht in der Form wie Jens mobben lassen.

    Vielleicht gab es eine Verarbeitungsphase oder ich habe einfach nachher in anderen Bereichen in denen ich akzepitiert und teils sogar respektiert worden bin gelernt mein Selbstwertgefühl nicht zu sehr von der Reaktion anderer abhängig zu machen.

    Leider scheint mir Jens aus der Schilderung eher introvertiert gewesen zu sein und wenn er dann keinen anderes Umfeld hat in dem er als Person akzeptiert und respektiert bzw. geschätzt wird, dass er am Arbeitsplatz einfach hätte drüber stehen können.

    Aber eine Ansicht zur den Jungs aus der „Stadtverwaltung“ vielleicht waren die Leute die da gekommen sind gar nicht die Kollegen die ihn gemobbt haben. Klar wären die dann auch schuldig wenn sie mitgekriegt haben, dass eine gemobbt wurde diesem nicht geholfen zu haben. Vielleicht haben sie aber auch, wenn auch deutlich zu spät wirklich realisiert, dass ihre Spässe für Jens einfach zu viel waren und bereuen wirklich. Obwohl ich glaube das hier mein Glauben an das Gute im Menschen einfach zu stark ist.

    Übrigens zu Theorie des Omegatieres eine zum Alphatier oder Leitwolf. Wenn in der Gruppierung wie sie Jens zu schaffen gemacht hat immer einer der Initiator war und dieser entsprechend einen Denkzettel bekommen hätte, statt eine allgemeine Rüge auszusprechen, hätte das ganze anders ausgesehen. Meine Lieblingsszene zu Alphatier und Gruppendynamik von Mitläufern aus einer Fernsehserie: Eine Quarantänesituation und ein Polizist, der mit in dieser Situation steckt innen vor der Tür steht als eine Gruppe von Leuten mit einem Rädelsführer diesem Polizisten gegenüber tritt. Der Rädelsführer (in diesem Beispiel das Alphamännchen) sagt: „Wir gehen jetzt und sie können uns nicht daran hindern, oder wollen sie uns alle Erschiessen?!“ Die Antwort des Polizisten knapp und präzise: „Nein, nur Sie!“

    Ende der Gruppendynamik…

    Aber zurück zu Jens, die Situation ist echt vertrackt zumal er ja auch versucht hat durch Teilnahme an dem Ausflug, bei dem er urspünglich nicht mitwollte, doch seine Bereitschaft zu signalisieren dazuzugehören und dann doch wieder gemobbt wird. Hier kann er auch kein Selbstvertrauen aufbauen oder Kraft gewinnen mit der Situation umzugehen.

    Warum ein Mensch dann allerdings seinen einzigen Ausweg in einem Sprung von der Brücke sieht, statt zu kündigen und vielleicht nach einer Therapie eine neue Tätigkeit mit neuem Kollegenkreis aufzunehmen, ist mir schleierhaft und vielleicht auch ein Indikator für eine Mangelde Beratung durch Vertraute. Seien es die Eltern oder der Therapeut.

  21. @24 Sue:

    Das parkt der Staatsanwalt mit einer Andeutung von Lächeln in der Rundablage P.

    Bevor man strafrechtliche Fachbegriffe wie „Mord“, „Totschlag“ oder „Vorsatz“ verwendet, sollte man zumindest ganz grob wissen, was sie bedeuten. Und sie im Zweifel einfach den Juristen überlassen. Die brauchen im Regelfall ein paar Jahre, bis sie sie ansatzweise unterscheiden können.

  22. Widerlich. Ich bin heilfroh, dass es in meinem Bereich der Verwaltung nicht so abartig zugeht (auch kommunaler ÖD). Die Krönung ist es dann, den Kollegen noch vor den Kunden lächerlich zu machen, und das Aussetzen an der Autobahn ist ein brutaler Tiefschlag. Eigentlich hätten die Eltern spätestens da die Notbremse ziehen müssen, aber hinterher ist man immer schlauer. Andererseits war der junge Mann ja volljährig, d.h. die Eltern hätten da nicht viel machen können…
    Was die scheinheilige Kollegenbande dann auf der Beerdigung zu suchen hatte, erschließt sich mir allerdings nicht – schlechtes Gewissen?

  23. @Bill Tür: Das was Tom da schildert ist mies und gemein und das niedrigste, was der Mensch hervorbringen kann.

    Und das Schlimme: Die fühlen sich mit Sicherheit nicht im Unrecht. Die werden sich sagen: „Er hätte doch was sagen können, war doch nur ein Scherz…“

    :-/

  24. Die meisten Menschen sind sich garnicht darueber im Klaren, was sie mit ihrem Verhalten anrichten.
    Sie halten ihr Verhalten fuer harmlos. Sie verstehen nicht, was ihr Verhalten in anderen ausloest.
    „Ich hab doch nur mal so zum Spass eine Rolle von seinem Stuhl abgemacht“ – diesen Leuten wuerde das nichts ausmachen, wenn es _einmal_ passiert. Weil sie eben in der Gruppe integriert sind und akzeptiert werden. Sie sehen das dann wirklich als Spass.
    Aber wenn man merkt, dass man abgelehnt wird, ist jeder dieser „Spaesze“ ein Angriff.
    Und wenn man sich selbst unsicher und schwach fuehlt, staerkt es das eigene Ego ungemein, wenn man jemanden hat, ueber den man sich lustig machen kann, dem man sich ueberlegen fuehlen kann.
    Aus eigener Erfahrung:
    Und wenn man ausgerechnet die Kluegste der Klasse verarscht, ist man ja noch klueger und soooo toll.
    Und umso duemmer die Leute waren, umso fieser waren sie.
    Wenn man gut ist, hat man es nicht noetig, unfair zu spielen um zu gewinnen.
    Nur Idioten muessen betruegen um erfolgreich zu sein.
    Die Sprueche: „Die werden dich sicher nicht geaergert haben, wenn du nichts getan hast, du hast sie ganz bestimmt provoziert“ haben mir uebrigens nicht geholfen. Danke Mama.

  25. Sorry aber ich hoffe der Vater hat richtig getroffen so ein paar A….. soetwas mag ich nicht, kein Mensch egal wie alt/jung Hübsch/Hässlich Frau/Mann hat es verdient gemobbt zu werden.

  26. [quote=“Ueberlebende“]“Die werden dich sicher nicht geaergert haben, wenn du nichts getan hast, du hast sie ganz bestimmt provoziert“[/quote]
    Na klar haben wir provoziert!
    Wir waren schon immer anders, trugen schon mit 7 Jahren eine Brille, auf die wir beim Spielen aufpassen mussten, das sie nicht kaputt ging, standen deshalb öfter daneben, kletterten nicht auf Bäume, fanden das Rauchen schon mit 10 Jahren blöde, hatten mehr Spass am Lesen, waren deshalb vielleicht etwas altklug und hatten bessere Noten als der Durchschnitt.Und wenn wir Pech hatten, nahm das Lehrpersonal uns als Vorbild für die schulisch Schlechtereren. Anders zu sein, das erfordert eine Menge mehr an Kraft, als sich der Masse anzupassen, mit zu saufen, mit zu rauchen. Feige zu sein, dazu gehört eine Menge Mut. Wenn da die Eltern nicht richtig unterstützen können, wird das Leben schwer, manchmal eben zu schwer. 🙁

  27. An alle die, die sich über die „Tiere“ aufregen: wie schnell seid Ihr bereit jemanden in Eure Gruppe aufzunehmen, wenn er sich seltsam, vielleicht sogar bizzarr verhält? Möglicherweise war er bei der Arbeit gar nicht so ein lieber, sondern verhielt sich misstrauisch und abweisend. Vielleicht trug er seltsame Klamotten. Solange jemand sympathisch ist, ist es nicht nett, auf ihm herum zu hacken – aber wenn jemand nicht so sympathisch wirkt, ist das plötzlich legitim.
    Und was seine Eltern betrifft – ich bin mir ziemlich sicher, dass er große psychische Probleme hatte und sich deshalb nicht integrieren konnte. Dass es den Eltern lieber ist, dass ihr Sohn ein Aussenseiter ist, statt ihm einen Therapeuten zu besorgen, ist für mich unverständlich. Es ist verdammt leicht, die Schuld auf andere abzuschieben. Aber wenn Jens schon zur Schulzeit Hilfe bekommen hätte, wäre es vielleicht nie so weit gekommen…

  28. Ja, wie unfein von mir, hochbegabt zu sein.
    Und wie assozial, der Liebling der Lehrer zu sein, obwohl ich nie Hausaufgaben gemacht hab und immer hab abschreiben lassen.
    Und dann noch das einzige Kind in der Klasse zu sein, dessen Eltern geschieden waren. Was ich mir dabei nur gedacht hab?

  29. @ 35 Undertaker Fox: So war es bei mir in der Grundschule (bis auf das Rauchen). Danach bin ich auf ein Gymnasium, auf dem viele Kinder „besserer Leute“ waren – darunter leider etliche hochnäsige Drecksäcke, die einen dann eher durch arrogantes Ignorieren ausgegrenzt haben. Naja, habs überlebt, mir ist bei einem Abitreffen vor ein paar Jahren klar geworden, dass ich von der Bande nix gebrauchen kann. Eine tolle Schulzeit war das nicht.

  30. Außenseiter wird man in den seltensten Fällen freiwillig. Gründe für das Anderssein gibt es viele. Sektenzugehörigkeit der Familie zum Beispiel (viele allgemein übliche gesellschaftliche Ereignisse werden nicht begangen und nicht gefeiert, Bekanntschaften/Beziehungen gibt es nur innerhalb einer eng begrenzten Gruppe, es gibt Tabus, von denen Außenstehende nichts wissen, manchmal auch Missbrauch jeglicher Art). Und so ein Kind muss nun in die Schule, soll „draußen in der Welt“ bestehen! Es hat keinerlei Übung in „gesellschaftlichen“ (oder sag ich besser: weltlichen) Dingen, verhält sich schüchtern oder linkisch. Sowas reicht auf alle Fälle, um schnell als „Opfer“ zu gelten. Oder nehmen wir eine einfache „Behinderung“ in Form einer Krankheit, die von Außenstehenden vielleicht nicht mal auf den ersten Blick erkennbar ist. Herzfehler zum Beispiel oder Diabetes. Das Kind kann oder darf nicht alles mitmachen, die anderen müssen am Ende sogar Rücksicht nehmen etc., und schon geht es los. Aber manchmal reicht es auch (bei Erwachsenen) einfach, in ein Dorf zu ziehen, wo man „Reig’schmeckter“ ist, keine „Beziehungen“ zu den Eingeborenen bzw. zum Dorfadel hat und zusätzlich (da reicht ein einziges Mal) durch eine etwas unkonventionellere Bemerkung aufgefallen ist. Anders-sein eben.

  31. Noch ein Gedanke:

    In der Schweiz ist es strafbar jemanden in den Selbstmord zu treiben und Sterbehilfe ist straffrei
    In Deutschland ist Sterbehilfe strafbar, aber jemand in den Selbstmord treiben straffrei
    ….

  32. @Anita,
    ich weiß gerüchteweise, das Schweine nicht weniger intelligent sind als Hunde,
    trotzdem habe ich Schweine zum Fressen gerne.

  33. @janne
    tjo, das ist in der schweiz besser.
    dafuer fressen sie da drueben katzen und hunde.
    das weiss ich aber auch nur geruechteweise.

  34. Hatte ich erwaehnt, dass ich seit 16 Jahren Vegetarier bin?
    Mal davon abgesehen, sind Hunde (meiner Meinung nach) anhaenglicher an Menschen als Schweine.
    Das ist uebrigens auch einer der wichtigsten Faktoren fuers „Menschsein“ – die soziale Interaktion, die bei keiner Spezies so stark ausgepraegt ist wie beim Menschen.
    Weshalb Menschen auch so stark leiden, wenn sie ausgegrenzt werden.
    (Ha! Kreis geschlossen!)

  35. @38 Pu der Zucker

    Es reicht schon die falsche Haarfarbe um zum Außenseiter zu werden, bei mir waren es rote Haare die 10 Jahre Schule zum Horror gemacht haben.

  36. @34:Möglicherweise war er bei der Arbeit gar nicht so ein lieber, sondern verhielt sich misstrauisch und abweisend. Vielleicht trug er seltsame Klamotten. Solange jemand sympathisch ist, ist es nicht nett, auf ihm herum zu hacken – aber wenn jemand nicht so sympathisch wirkt, ist das plötzlich legitim

    Ist das dein Ernst oder Ironie??!!
    Wenn jemand „seltsam“ ist, ist es legitim ihn zu mobben? Okay, man kann nicht jeden super finden, aber zum mobben ist es dann nochmal ein sehr bewußter Schritt!!!

  37. Ich höre hier so oft „Diese Leute“, „Einige“, „Solche Menschen“, obwohl es immer WIR heißen müsste. Jeder von uns hat schon mal einen Menschen verletzt oder gedemütigt und erst wenn WIR das einsehen, dann kann man auch versuchen daran was zu ändern.

  38. Wir haben letzte Woche eine liebe Freundin, die sich, nach einem Jahr arbeitsbedingten Burn.outs und mehrer chefbedingt gescheiterter Wiedereingliederungsversuche (die komplette Story ist einiges komplexer, tut aber hier nichts zur Sache) nach ihrem Suizid begraben müssen.
    Wir Freunde und die Famlie haben hierzu die Vorgesetzten und andere am burn-out schuldige agressiv aber eben schlussendlich erfolgreich per email und telefonisch ausgeladen.
    Es wurde eine wunderschöne Feier und wir konnten ungestört Abschied nehmen.
    Bei aller Überwindung, die der Umgang mit den „Schuldigen“ im Vorfeld der Beerdigung gekostet hat, war die ungestörte Feier diesen Stress auf jeden Fall wert.

    PS: Danke für dieses Blog, es hat mir in den letzten Wochen sehr geholfen, Dinge zu verstehen, die ich in meinem Alter nie glaubte wissen zu müssen.

  39. Die Reaktion der städt. Mitarbeiter läßt erkennen, dass sie nichts begriffen haben. Und die Äusserungen bezügl. Ernst August zeigt, dass die Ursache die zu dieser Entgleisung führte fest in den Hirnen dieser Leute eingebrannt ist. Es ist zu erwarten, dass sie, anstatt betroffen zu sein, eher alles ins Abfällige und Lächerliche ziehen, und bald ein neues Opfer gefunden haben werden.
    Bei uns wurde seinerzeit jeder Mitarbeiter einzeln Schriftlich über die Betriebsvereinbarung bezüglich Mobbing oder sexuelle Belästigung in Kenntnis gesetzt. Doch schon davor wurde hart durchgegriffen. Es gab z.B. eine Strafversetzung mit Degradierung, zwei fristlose Entlassungen und andere disziplinarische Maßnahmen wie Abmahnungen oder klärende Gruppengespräche. Und dann war Ruhe, auch Dank eines rührigen und konsequenten Gesamtbetriebsrates. Das Opfer mußte nur den Mut finden, sich ihm anzuvertrauen.

  40. Ich hab in der Schule auch beide Seiten der Medaille kennengelernt, war stets Außenseiter, wurde gehänselt und ausgelacht, und habs dann an nem schwächeren ausgelassen. Mittlerweile tut es mir leid, und in den letzten 3 Jahren Berufsschule habe ich mit Leuten zusammen lernen dürfen, die aus ihren Fehlern leider nicht so viel wie ich gelernt habe.

    Wenn jemand komisch ist, kann man trotzdem nett zu ihm sein. Aber dafür braucht es leider ein gewisses Bewusstsein für sich selbst und die Welt. Und die meisten Leute handeln nun mal, ohne nachzudenken.

    Da muss man entweder ein dickes Fell haben oder sich wehren können. Armer Jens.

  41. mobbing ist echt das übelste was geht und dann noch dort auftauchen O.o
    ich hab schon gemerkt wie mir die ader angeschwollen ist, als wir meinen vater vor einem jahr beerdigt haben (krebs) und die heuchler dann angeschlichen kamen…. als mein vater ausschied aus der firma haben sie alle nen bogen um uns gemacht, könnt ja ansteckend sein der krebs, alle guten „freunde“ sind weggeblieben

    aber kaum ist die person unter der erde, war das alles nicht so gemeint… eine kleine abordnung tauchte auf und guckte auch ob mein vater auch ordnungsgemäss begraben wird… kein wort zu meiner mutter… schön abseits gestanden

    solchen menschen wünsch ich keine schläge, kein tod… ich wünsche ihnen auch nicht das ihnen das selbe passiert…. nein, ich wünsche den kollegen hier in dem bericht als auch denen meines vaters nur eins….. das sie es niemals vergessen werden so sehr sie sich auch bemühen!! ich wünsche ihnen zum abschied ein beschissenes gewissen das sie quält!

  42. Ich verstehe nur nicht warum der Vater sagte sein Sohn sei „zurückgeblieben“ gewesen. Ein ruhiger Junge der Natur und Bücher mochte und kein Gefallen an Partys fand..und? Wenn es nach solchen Kriterien ginge wäre ich auch ziemlich zurückgeblieben…

  43. Hmmm… ich überlege, was ich machen würde, wenn meinem Kind soetwas zustoßen würde. Sich bei seinem (zumindest auf dem Papier) erwachsenen Sohn auf der Lehrstelle einzumischen und zu sagen: „Ich rede jetzt mal mit Deinem Chef…“ geht möglicherweise nach hinten los, weil die „Kollegen“ dann erst recht loslegen. Mal abgesehen davon, dass der Chef es sich möglicherweise verbitten könnte, dass Eltern sich in die Ausbildung einmischen. Bei Minderjährigen Azubis ist das dagegen vielleicht anders.

    Andererseits kenne ich auch viele andere Geschichten von Bekannten, deren Lehrzeit wahrlich keine Herrenzeit war und die darunter sehr gelitten haben. Meist hat man sich jedes Wochenende einfach nur deren Leid angehört und hat es dann mit Durchhalteparolen versucht: „Ist ja eh bald vorbei.“ Gemeinsam haben wir die Zeit heruntergezählt: „Noch 1 Jahr“, „noch ein halbes Jahr“, „noch drei Monate“, „noch 10 Tage“… Nach der Lehrzeit ist für alle der Ärger mit dem Boss oder den Kollegen vorbei gewesen. Neuer Job, neues Glück und auf einmal war alles gut.

    Manchmal jedoch, wenn es gar nicht anders geht, dann muss man die Lehrstelle wechseln. Das passiert häufiger als man denkt und es hat nichts damit zu tun, dass man seine Ausbildung abbricht. Handelskammer und Arbeitsamt helfen beim Lehrstellenwechsel. Und mit Hilfe seiner Eltern hätte er das alles erst recht schaffen können.

    Ich gehe mal davon aus, dass die gar nicht ahnten, wie schlimm das wirklich zugeht, weil sie immer nur Bruchstücke mitbekommen haben.

    Dass das ganze aber keinerlei strafrechtlichen und/oder disziplinarrechtlichen Folgen nach sich gezogen hat, wundert mich schon sehr. Mobbing ist in Deutschland strafbar und auch jeder Arbeitgeber oder Dienstherr hat ein großes Eigeninteresse, soetwas zu verhindern, da es Produktivität drastisch verringert und die „Moral der Truppe“ nachhaltig schwächt.

    Naja, jetzt wo der Hauptbelastungszeuge – das Opfer – keine Aussage mehr machen kann, wird eine Anklage wohl schwer. Und der Chef deckt wohl seine Mitarbeiter. Trotzdem gibt es bestimmt genug Beweise: Emails oder das Aussetzen an der Raststätte. Ich als betroffenes Elternteil würde es zumindest probieren, selbst wenn man nur ein bisschen Aufmerksamkeit damit erreicht – das wäre den Beteiligten sicher unangenehm genug…

    Gruß,
    Alleswisser

  44. @Alleswisser: Ein Gerichtsverfahren gegen die Stadtverwaltung wäre eine Möglichkeit. Auch wenn die Eltern das verlieren sollten: die im Verfahren explizit Erwähnten können dann in den nächsten 5 Jahren einen Bewährungsaufstieg (höhere Tarifgruppe im ÖD) vergessen. Und das wird sie jeden Monat, wenn sie eben die 50 Taler nicht haben, die sie hätten haben könnten, dran erinnern.

  45. story of my life…

    Ich muss gerade sehr an meine Kindheit denken. Bei mir ging das mit dem Mobbing (wie das Neudeutsch heisst) schon im Kindergarten los. Kann mich nicht erinnern, mich vom Kindergarten bis zur 10ten Klasse jemals wohl gefühlt zu haben. Immer war ich der ‚Assi‘, die ‚Pest‘, die ‚Fette Kuh‘ auf der alle nach Belieben herum prügeln durften.

    Das schlimmste Erlebnis war wohl, als ich von mehreren älteren Schülern umzingelt worden war, die einen Erstklässler geholt haben und der mich dann verprügeln durfte. Meine Hilferufe wurden von der Lehrkraft gekonnt ignoriert, die Tussi hat sich weggedreht und ist gegangen. oO

    Mja.

    Ist schon Scheiße, wenn man mit 10 Jahren das erste Mal ernsthaft über Selbstmord nachdenkt… Und ich weiß aus Erfahrung, dass suizidale Gedanken für Außenstehende so gut wie nie verständlich sind (mein Mann hört mir zu, kann die Gedanken und Schlussfolgerungen aber nicht so nachvollziehen wie ich sie habe – aber er hört zu, und das ist das wichtigste!).

    Mein Beileid an Svens Familie. Sie werden es wirklich nicht besser gewusst haben, als ihm Durchhalteparolen vorzubeten.

    Sven tut mir auch Leid. Ich habe mittlerweile in meinem Mann eine echte Stütze gefunden und muss langsam mal begreifen, dass ich damit zu den echten Glücksfällen gehöre…

    [PS]

    Deprimierend für einen ersten Kommentar hier im Blog, aber egal. Das musste raus. :-/

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