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Die schwere Bürde für die Sterbegeldversicherungen

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Neulich fragte mich ein Bestatter-Kollege, was ich denn von großen Rahmenverträgen mit Versicherungskonzernen halte und ob er nicht besser eine der herkömmlichen Sterbegeldversicherungen als Partner nehmen solle.

Ich antwortete ihm sinngemäß Folgendes:

Ich bin im Ruhrgebiet groß geworden und habe die vielen kleinen Sterbekassen und nachbarschaftlichen Sterbegeldvereine noch in Aktion erlebt. Auf gegenseitiger, also solidarischer Basis helfen sich die Menschen, organisiert in einer Sterbekasse, um die hohen Kosten einer Bestattung begleichen zu können. Da kam einmal im Monat oder Vierteljahr ein alter Mann mit Mopedhelm auf dem Kopf und kassierte für die „Lindenstiftung“ oder den „nachbarschaftlichen Sargverein“ ein paar Groschen. Das konnten die Arbeiterfamilien gerade noch aufbringen und so war man sicher, daß wenn eines Tages mal etwas passierte, wenigstens die Beerdigung bezahlt werden konnte.
Die Beerdigungen waren immer schon so üppig wie heute, es gab immer schon Gräber, Särge, Träger, Musik und Blumen, daran hat sich nichts geändert. Und sie waren auch immer schon teuer, auch daran hat sich nichts geändert.
Da half so ein Verein auf Gegenseitigkeit schon sehr, wenn da 80 oder 90% der Kosten beglichen wurden.

Auch große Unternehmen im Ruhrgebiet richteten solche Kassen für ihre Arbeiter ein und so konnten diese sich für wenig Geld auch für diesen Fall absichern.

Natürlich sind viele große Versicherungskonzerne inzwischen auch auf diesen Zug aufgesprungen und bieten Ähnliches an.

Nach wie vor bleibe ich aber hartnäckig ein Freund der solidarischen Sterbegeldversicherung.
Ein Urgestein unter diesen Versicherungen ist die Solidar. Sie ist aus einer extra für Arbeiter geschaffenen Sterbegeldkasse hervorgegangen. Deshalb empfehle ich sie auch immer wieder.
Denn den hart arbeitenden Menschen im Ruhrgebiet kam es nie auf schlipstragende Versicherungsvertreter im dicken Auto an, sondern darauf, daß die Beiträge niedrig sind und daß die Kasse im Todesfall ohne Wenn und Aber und vor allem schnell bezahlt.

Alle Kollegen, denen ich die Solidar empfohlen habe, schwärmen davon und sind mit der unkomplizierten Abwicklung sowohl beim Vertragsabschluß, als auch später bei der Auszahlung hoch zufrieden.

Ich rate immer wieder davon ab, sich mit einem der Großkonzerne einzulassen. Allzu oft habe ich es selbst schon erlebt, daß dann bei der Auszahlung herumgezaudert wurde oder daß gerade in der Anfangszeit sehr hohe Beträge für die Provisionen der Vertreter weggeblasen wurden, bevor überhaupt ein nennenswerter Betrag für die Bestattung zur Verfügung steht.

Ja bei vielen als Sterbegeldversicherung angepriesenen Produkten handelt es sich nur um verkappte Risikoversicherungen und den Versicherten wird verschwiegen, daß es da manchmal ein Endalter (oft so um die 65) gibt, ab dem gar keine Leistung mehr zu erwarten ist.

Außerdem haben die großen Konzerne hunderte von Versicherungen für Hausrat, Auto, Lebens- und Sachversicherungen im Angebot.
Nein, da gehe ich doch lieber zu einem Spezialisten, der sich genau auf dieses Produkt, was ich als Bestatter, Angehöriger oder Versicherter benötige, anbietet.

Meine Empfehlung gilt ganz klar einer solidarischen Sterbegeldversicherung, weil die auch mit ihrem Geld haushalten müssen und sich eben keine Paläste und dicke Limousinen finanzieren.

Von den Menschen für die Menschen! Und nicht: Ich will Deine Kohle und eine dicke Vertreter-Provision.

Nun tut sich aber im Moment einiges auf dem Versicherungsmarkt und deshalb spreche ich dieses Thema hier noch einmal explizit und so ausführlich an.
Denn durch die so genannten Unisex-Tarife, die Männer und Frauen gleichstellen sollen, kommt es zu ungeheuren Preisverschiebungen.
Wer JETZT NOCH von den günstigeren herkömmlichen Tarifen profitieren will, der sollte GENAU JETZT und spätestens bis zum 20.12.2012 noch eine solche Versicherung abschließen.

Den Versicherern und den Versicherten waren die bisherigen Tarifkonstrukte eigentlich gut genug, nun muß aber aufgrund gesetzlicher Vorgaben aus Brüssel und Berlin umgearbeitet werden, was eine Verteuerung mit sich bringt.

Doch das Übel geht weiter:

Viele Sterbekassen werden wir bei den ab dem 21.12.12 gültigen Unisex-Tarifen ihr bisherigen Beitragsvorteile gegenüber den Großkonzernen verlieren!
Neben dem Unisex-Faktor liegt der Grund in der letztlich durch die BaFin verlangten Absenkung des guten Rechnungszinssatzes der Sterbegeldkassen auf den allgemein gültigen Höchstrechnungssatz von 1,75 %.
Einige Sterbegeldkassen würden also eigentlich viel lieber einen Rechnungszins von 3,25 % zahlen, dürfen das aber nun nicht mehr.
Damit werden die kleinem, wirtschaftlich arbeitenden Sterbekassen, die schon aus Satzungsgründen gar kein Geld verschleudern dürfen, mit rein aktienwirtschaftlich denkenden Großkonzernen über einen Kamm geschoren.

Die Sterbegeldversicherungen sind darüber extrem sauer, daß sie den an einer Sterbegeldversicherung interessierten Menschen jetzt von Amts wegen nur teurere Tarife anbieten dürfen und damit letztlich mit großen Versichern gleichgestellt werden, ohne natürlich deren Wettbewerbs-/Marketingkraft zu haben.

Ich kann also nur raten, jetzt zuzuschlagen und sich abzusichern.

Nein, hierfür bekomme ich kein Geld. Ich nehme nur noch Gold- und Silberbarren!


Peter Wilhelm 13. Dezember 2012

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