Frag doch den Undertaker

Explodieren Brustimplantate bei der Einäscherung?

Explodieren Brustimplantate im Krematorium

Immer wieder taucht die kuriose Frage auf, ob Brustimplantate bei einer Einäscherung im Krematorium platzen oder gar explodieren könnten – Zeit also, einmal genau hinzuschauen, was mit solchen Implantaten nach dem Tod tatsächlich geschieht.

Heutzutage ist es ja fast üblich, dass Frauen sich die Brüste machen lassen, also Implantate einsetzen lassen, um eine größere Oberweite zu bekommen oder das Aussehen zu verschönern. Meine Frage an Sie, Herrn Wilhelm, als Bestattungsexperten, den man alles fragen darf: Stimmt es, dass Brustimplantate bei der Einäscherung im Krematorium explodieren oder platzen?

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Kurze Antwort auf die Frage: „Explodieren Brustimplantate?“

Nein: Brustimplantate explodieren oder platzen bei der Einäscherung nicht. Das ist ein verbreiteter Mythos und eine urbane Legende.

Was passiert mit Implantaten bei Erd- und Feuerbestattung?

Erdbestattung: Die Implantate verbleiben im Körper, so wie andere im Körper befindliche Gegenstände auch. Es gibt keinen Grund, sie zu entfernen.

Feuerbestattung: Vor der Kremation werden Brustimplantate nicht routinemäßig entfernt. Sie werden im Prozess mitverbrannt.

explodieren Brustimplantate
Brustimplantat in einem OP vor dem Einsetzen

Was passiert mit Implantaten im Grab bei der Verwesung?

Bei einer Erdbestattung verbleiben Brustimplantate grundsätzlich im Körper. Sie werden nicht entfernt, da sie keine Gefahr darstellen und weder Umwelt noch Boden belasten. Das Silikonmaterial, aus dem die meisten Implantate bestehen, ist sehr stabil und zersetzt sich nur äußerst langsam. Es reagiert kaum mit seiner Umgebung, weshalb es über viele Jahre, manchmal Jahrzehnte, nahezu unverändert bleibt.

Mit der Zeit, wenn das umgebende Gewebe verwest und der Sarg verrottet, verliert auch das Implantat seine ursprüngliche Form. Die Hülle kann sich zersetzen oder durch Druck im Erdreich zusammenfallen. Das Silikon selbst verändert sich dabei chemisch kaum – es verhärtet oder wird brüchig, ohne jedoch giftige Stoffe freizusetzen.

In manchen Fällen haben Friedhofsmitarbeiter bei späteren Umbettungen oder Graböffnungen noch Reste solcher Implantate gefunden, oft stark verformt, manchmal nur als transparente, wachsähnliche Rückstände. Sie zeigen, dass das Material zwar altert, aber eben nicht einfach verschwindet. Es bleibt ein stilles Relikt, das den natürlichen Verwesungsprozess überdauert, ohne ihn zu behindern.

Ich habe heute noch einmal bei einem Bekannten nachgefragt, der viele Graböffnungen durchgeführt hat. Er bestätigt, dass so etwas wie Brustimplantate nur mit viel Phantasie in den Rückständen gefunden werden kann. Gesehen hat er das nur einmal und ist sich auch nicht wirklich sicher, ob das Implantate waren.

Warum es nicht „knallt“: Material und Temperaturen

Es gibt zwei gängige Implantattypen: mit Kochsalzlösung gefüllte und mit Silikongel gefüllte. Beide besitzen eine stabile aber flexible Hülle, heute meist ebenfalls aus Silikon.

Die gern zitierte „Hitzebeständigkeit“ von Silikon, die Du vielleicht von Silikonbackformen kennst, bezieht sich auf Backofentemperaturen um 200–250 °C. In einem Kremationsofen liegen die Bedingungen ganz anders: offene Flammen und deutlich höhere Temperaturen, in der Regel über 850 °C. Unter diesen Verbrennungsbedingungen ist Silikon nicht stabil. Es verbrennt und hinterlässt feste, unauffällige Siliciumoxide (Silikate). Bei Kochsalzimplantaten verdampft das Wasser, geringe Salzreste mischen sich in die Asche.

Was bleibt von Implantaten in der Asche?

Nach der Einäscherung wird die Asche technisch aufbereitet: Sie wird zerkleinert und durchgesehen. Fremdartig aussehende oder metallische Reste (z. B. von Prothesen) werden unter Umständen aussortiert. Eventuelle kleine kristalline Rückstände aus dem Silikon fallen zwischen den übrigen Aschebestandteilen nicht weiter auf und spielen praktisch keine Rolle.

Wichtige Ausnahme: Herzschrittmacher

Herzschrittmacher und bestimmte implantierte medizinische Geräte werden vor einer Feuerbestattung entfernt, weil sie im Ofen tatsächlich gefährlich werden könnten. Das betrifft aber nicht Brustimplantate.

Fazit

Brustimplantate explodieren bei der Kremation nicht. Sie verbrennen mit und hinterlassen höchstens unauffällige, feste Rückstände, die in der Asche nicht weiter ins Gewicht fallen. Bei Erdbestattungen bleiben sie im Körper. Kurz gesagt: Nur im Film knallt’s – im echten Krematorium bleibt es still.

Weiterführende Links:
https://bestatterweblog.de/brustimplantate/
https://de.wikipedia.org/wiki/Brustvergr%C3%B6%C3%9Ferung#Implantate_aus_Silikon


Version in Einfacher Sprache: Explodieren Brustimplantate im Krematorium?

Platzt ein Brustimplantat im Krematorium?

Immer wieder fragen Menschen: Platzt ein Brustimplantat, wenn man verbrannt wird? Oder explodiert es vielleicht sogar? Die Antwort ist ganz einfach: Nein, das passiert nicht.

Was passiert bei einer Einäscherung?

Im Krematorium wird der Körper bei sehr hohen Temperaturen verbrannt – über 800 Grad Celsius. Dabei verbrennen auch die Brustimplantate. Sie schmelzen nicht einfach, sondern verwandeln sich in harmlose Reste aus Silicium und etwas Asche. Es gibt dabei keinen Knall, keine Explosion und kein gefährliches Gas. Es ist also völlig ungefährlich.

Was passiert bei einer Erdbestattung?

Wenn jemand im Sarg beerdigt wird, bleiben die Implantate im Körper. Sie werden nicht entfernt, weil sie niemandem schaden. Das Silikon zersetzt sich sehr langsam. Es bleibt viele Jahre fast unverändert im Boden. Manchmal wird es hart oder brüchig, aber es wird nicht giftig und es belastet die Erde nicht.

Wie sehen Implantate nach vielen Jahren im Grab aus?

Wenn der Körper mit der Zeit verwest, verändert sich auch das Implantat. Es kann seine Form verlieren oder zusammenfallen. Friedhofsarbeiter haben manchmal bei alten Gräbern Reste von Implantaten gefunden. Diese sehen dann aus wie wachsartige, durchsichtige Klumpen. Oft kann man aber gar nicht mehr sicher sagen, was das ursprünglich war.

Warum explodieren Implantate nicht?

Manche Menschen glauben, Silikon sei feuerfest, weil es auch in Backformen verwendet wird. Aber das stimmt nicht. In einem Ofen zu Hause sind es nur etwa 200 Grad – im Krematorium dagegen mehr als 800 Grad. Das Silikon verbrennt bei dieser Hitze einfach zu Staub. Es gibt also keinen Druck, keine Explosion und keine Gefahr.

Was passiert mit der Asche?

Nach der Einäscherung wird die Asche durchgesiebt. Große Stücke, zum Beispiel Metallreste von Gelenken, werden entfernt. Kleine Silikonreste sind so winzig, dass man sie kaum erkennt. Sie bleiben in der Asche und sind völlig unbedenklich.

Was ist mit Herzschrittmachern?

Herzschrittmacher müssen vor der Einäscherung entfernt werden. Sie enthalten Batterien und könnten im Ofen explodieren. Aber Brustimplantate gehören nicht dazu – sie werden einfach mitverbrannt.

Fazit

Brustimplantate explodieren nicht. Sie schmelzen und verbrennen, ohne dass etwas Gefährliches passiert. Bei Erdbestattungen bleiben sie im Körper und verändern sich nur sehr langsam. Nur im Kino „knallt“ es – im echten Krematorium ist alles ruhig und technisch sicher.

Mehr Infos findest du hier:
https://bestatterweblog.de/brustimplantate/
https://de.wikipedia.org/wiki/Brustvergrößerung#Implantate_aus_Silikon

Bildquellen:

  • brustimplantate_800x500: Linda Bartlett National Cancer Institute, Gemeinfrei, wikimedia.org
  • krematorium_800x500: Peter Wilhelm

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