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Gedenkstätte Buchenwald – Schlittenfahrer zwischen Massengräbern

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Besucher sollen die Totenwürde wahren und im ehemaligen KZ jeglichen Wintersport unterlassen: Die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora kritisiert Pietätlosigkeiten von Winterausflüglern.

Im Konzentrationslager Buchenwald und seinen Außenlagern wurden fast 280.000 Menschen inhaftiert. Mehr als 56.000 Menschen starben.
In der dortigen Tötungsanlage wurden über 8.000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen.

In diesem Winter fahren Menschen Schlitten zwischen den Gräbern, wie die Gedenkstätte Buchenwald mitteilte.

Einige hätten zuletzt zwischen und sogar in den dortigen Massengräbern ihre Rodelschlitten benutzt, kritisierte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora am Donnerstag in Weimar.

gemeldet von Melancholia

Peter Wilhelm 18. Januar 2021


24 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Gibts Friedhöfe mit Schlittenhügeln? Oder gibts hügelige anonyme Urnenwiesen auf denen Kinder rodeln? Wieso nicht, ist auch nicht schlimm so gesehen.
    Nix dagegen wenn Kinder mal im Schnee zwischen Gräbern spielen, ohne Rodeln wohlgemerkt.

    • Auch auf dem Friedhof würde ich Kindern den Respekt vor den Gräbern abverlangen- und das geht schon mit einem Kleinkind. Das heisst für mich zuallererst, nicht über die Gräber zu laufen.
      Sollte auf dem Friedhof tatsächlich ein freier Hügel sein- mir wäre es egal. Auf der Urnenwiese hingegen gilt das selbe wie auf einem regulären Grab- nur weil derjenige keinen Stein bekommen hat, ist die Totenruhe- oder diese alte Art Respekt einzuhalten, für mich.
      Besuche nur zu Fuß, ohne direkte Schlittenanreise. 😉

      • Hm. Schau mal den anderen Artikel von Peter Wilhelm an. ‚Der alte Friedhof‘. Mit natürlichem Spiel auf allen Friedhof als Kind. Ich bin auf einem Dorf aufgewachsen. Kein Spielplatz vorhanden. Aber etwas außerhalb ( so 300 m ) ein kleiner Friedhof. Mit Klettermöglichkeiten der kleineren Mauern, schon auf dem Weg zum Wald zum weiterspielen. Und nett offenen Halle bei der man sich bei Wetter unterstellen und weiterspielen konnte. Wer unten liegt, den stört das nicht.
        Es kann nur jemand stören, der oben ist und der seine Weltanschauung auf andere übertragen will.
        Bei unserer alten Kirche standen am den Seiten einen aufgerichtet Grabsteine, ziemlich abgesetzt. Der ganze beiden der Kirche war früher das Grab der Freifrauen und Freiherren und alle Gläubigen liefen selbstverständlich über die Grabsteine in der Kirche. Es wurde auch nur für Steine an die Seite gestellt damit sie nicht weiter abgenutzt werden. Aber praktisch laufen da permanent Gläubige über Gräber, viele wissen dass wahrscheinlich nicht Mal.
        Spätestens wenn man die Besucherzahlen Kapuzinerkrypta kennt weiß man, das aufgeschichtete Knochen schon lange touristisch attraktiv sind. Oder die Judenfriedhöfe in Prag mit Verkauf von Bildbänden.
        Warst du Mal in einem richtig allten Haus? Weißt du was oder wer da unter der Schwelle begraben sein kann?

        Das nicht betreten ist etwas neues. Kann sich wieder ändern.

        Unser Stadtfriedhof ist auch als Park angelegt.

  2. Wie weit sind die Massengräber denn als solche zu erkennen? Sind die abgegrenzt, umzäunt, stehen da große Informationstafeln? Oder ist das eher ein „wenn man weiß, wo es ist, erkennt mans auch“? Ich war da noch nie, darum die Frage.
    Das finde ich ehrlich entscheidend, um das Schlittenfahren da für mich zu bewerten. Buchenwald ist nicht irgendein Friedhof. Es war eine Massenvernichtungsmaschinerie. Für mich fühlt es sich makaber an, das als Spaßort zu nutzen.

  3. Ich finde man kann eine Gedenkstätte nicht mit einem normalen Friedhof vergleichen.
    Bei einem normalen Friedhof käme keiner auf die Idee, AUF den Gräbern herumzulaufen oder Schlitten zu fahren.
    IN einem Museum würde auch niemand Schlitten fahren. Und die Gedenkstätte ist für mich etwas wie ein Museum (nur eben im Freien).

    Ich sehe es so wie Julia und kann mich für die oberen Kommentare nur Fremdschämen.
    Schaut euch https://www.buchenwald.de an, lest die Texte, schaut die Fotos an.

  4. Dass dort eine Gedenkstätte ist, wird man wissen. Davon nichts gewusst zu haben, ist doch nicht glaubwürdig. In jeder Karte ist das verzeichnet, wer aus der Gegend kommt, weiß es eh und alle anderen werden doch Schilder mit Hinweisen auf die Gedenkstelle sehen und lesen. Und im Unterricht von uns allen war das Thema. Der Name „Buchenwald“ sollte bei uns allen wenigstens ein „Wardanichtwas?“ auslösen. Also brauche ich keinen Zaun und kein Verbotsschild um zu wissen, dass man so etwas nicht macht. Es ist auch kein normaler Friedhof, auf dem auch mal ein Kind spielen darf. Es ist ein Ort des Terrors, des Unrechts, der Unmenschlichkeit.
    Der Kommentar von Anonymous ist, finde ich, unpassend. Können andere natürlich anders sehen. Der Kommentar von Glückauf ist einfach nur widerlich. Ich verrate für einen guten Gag auch einen Freund, aber das ist nur noch geschmacklos.

    • Oh.. Hier schon. Der modernste Friedhof den wir hier haben ist ein weitläufig hügelige Gelände mit weiten Wegen und kleinen Weihern. Dazwischen sind immer mal als einzelne Tupfer umzäunt etwa 20 Gräber, dann wieder 200 m nur Wiese und so weiter.
      Die Anwohner nutzen das schon lange zum spazieren gehen oder die Kinder spielen auf dem Gelände. (gerade von nahem Waldorfkinderkarten, für die ist das der Weg in den Wald).

      Und ehrlich : warum nicht? Müssen Tote weggeschmissen werden? Ich persönlich hätte lieber eine fröhliche New Orleans style Beerdigung.

      Man darf das nicht ist etwas altes, engstirniges.

      Moderne Museen für Kinder bieten übrigens auch Spielen an. Ich erinnere mich z. B. Auch an einen Ausflug zum Kindermuseum in Nürnberg (nicht das Spielzeugmuseum). Alles ist anpackbar und bespielbar, und wenn es ein Waschtisch um 1900 ist. Oder am Museumsdörfer in Österreich mit Mitmachangeboten. Oder… Das kann im Museum nur still schauen darf ist ein relativ veraltetes Konzept.

      Leben sollte Freude sein, nicht Trauer um etwas, was nicht zu ändern ist. Und Tot ist ein Teil des Lebens. Tod hinter Mauern wegziehen und vielleicht mal zum Grab saubermachen zu besuchen wirkt eher wie eine lästige Pflicht. Etwas zu mahnen an dem man keinerlei Schuld trägt ist so sinnlos. Einfach leben und besser machen. Und keine Orte der Schuld die man selber eben nicht trägt künstlich erschaffen.

      Oben das Nürnberg Beispiel : im Krieg wurden um 90 Prozent der Innenstadt zerbombt, sehr viele starben. Darf dort auch niemand fröhlich sein und kein Kind spielen? Und da ganz in der Nähe tobte eine der größten Schlachten Wallensteins…

      Auf den großen Schlachtfelder des ersten Weltkrieges ( der für mich genauso nichts mit mir zu tun hat wie der zweite, als eben lang her) findet man noch Knochen und Ausrüstungsgegenstände. Sollte dort niemand der Anwohner mehr glücklich sein? Kinder nur noch weit weg spielen?
      Oder sollten wir eine Erbschuld tragen, für etwas für das weder wir, noch unsere Eltern, wahrscheinlicher auch nicht Großeltern(nach Alter) die Verantwortung tragen?
      Oder die eigenen Urgroßvater als schlechte Menschen sehen?

      Wir müssen auch mal über was wegkommen

      • soso, wir müssen auch mal über was wegkommen!
        heutzutage wissen ja kaum noch die schüler, was für eine gedenkstätte das ist. wir brauchen uns nicht in der schuld suhlen, aber respektieren sollten wir eine gedenkstätte schon. leben und besser machen? wo schon wieder die ewiggestrigen braunen ihre köpfe aus ihren schmutzigen löchern stecken?
        und ob unsere großeltern /urgroßeltern keine schuld haben, das lasse ich nicht so stehen. es haben mehr lezte profitiert und es waren mehr leute beteiligt, als wir uns heute vorstellen können.

  5. „Es ist auch kein normaler Friedhof, auf dem auch mal ein Kind spielen darf. Es ist ein Ort des Terrors, des Unrechts, der Unmenschlichkeit.“

    Exakt so sehe ich das auch.

  6. Ich nehme Bezug auf Dirk-Boerge: „Die Gedenkstätte hat nicht den Zweck, dass Sie sich schämen für etwas, was Sie nicht getan haben. Die Gedenkstätte hat den Zweck, uns allen bewusst zu halten, was geschehen ist. Damit es nie wieder passiert. Darum widerspreche ich Ihnen: Es darf niemals gut damit sein.“

    Ich konnte meinen Onkel Felix nie kennen lernen. Er war 19 Jahre jung, als er 1944 bei Lukansk (?) begraben wurde. Er hatte eine Freundin, war Maurergeselle – meine Großeltern lebten in einem kleinen Kärntner Tal. Felix wurde zwangsverpflichtet.

    Meine geliebte Oma hatte sein Foto in Uniform über ihrem Bett hängen. Seine Geschichte hat mich und meine Kinder zu denen gemacht, die wir heute sind.

    „Mal gut sein lassen?“ – Nein – niemals vergessen!

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