Wenn die Beerdigung erfolgt ist, muss sich das Grab erst setzen, bis dann eines Tages ein Grabstein aufgestellt werden kann. Sonst ist die Erde noch zu locker und der Stein könnte umfallen. Außerdem braucht der Steinmetz immer eine Weile, bis der Stein fertig ist.
Ja, und dann gibt es natürlich auch viele Leute, die verständlicherweise nicht (sofort) das Geld für einen mehrere tausend Euro teuren Grabstein haben.
Bis dann irgendwann der richtige Grabstein gestellt wird, stellen die Bestatter Holzkreuze oder Holztafel mit dem Namen des Verstorbenen auf die Gräber. Was da genau genommen wird, ist von Friedhof zu Friedhof verschieden. Beim Pietätwarenhändler gibt es solche vorübergehenden Grabkreuze in zig-facher Ausführung.
Am weitesten verbreitet sind etwa 1 Meter hohe Kreuze mit einer rechteckigen Tafel vornedran. Für Menschen, die keine christlichen Symbole möchten, gibt es auch Pfähle mit Tafeln ohne Kreuz. Im dörflichen Bereich sind Kreuze mit kleinen Dächern drüber und aufwendiger gestaltete Sachen üblich.
Was für den vorübergehenden Einsatz gedacht ist, wird aber oft genug zur Dauerlösung. Entweder fehlt einfach das nötige Geld für den Grabstein oder die Familie will einfach nicht mehr.
Wir haben immer angeboten, das Grabkreuz in einem solchen Fall doppelt und dreifach zu lackieren, damit es länger hält. Ging es dann doch mal unter dem Einfluss der Witterung kaputt, ersetzten wir es stets kostenlos. Die Leute mussten nur Bescheid sagen.
Bei der Beschriftung gibt es ebenfalls die unterschiedlichsten Variationen. In manchen Regionen werden einzelne kleine Buchstaben aus Metall aufgeschraubt. Auf einem süddeutschen Friedhof ist der Friedhofsarbeiter stolz darauf, die Schrift mit einem Lötkolben fein säuberlich ins Holz zu brennen. Er verdient sich eine Kleinigkeit nebenbei damit.
Bei uns in der Region war es ewig lang üblich, die Namen einzeln aus einem Setzkasten mit selbstklebenden Kunststoffbuchstaben zusammenzusetzen. Mir hat das immer Spaß gemacht, das war so eine Arbeit zum Runterkommen.
Aber die Buchstaben musste man immer nachkaufen und immer mal wieder kam es vor, dass einer gefehlt hat, weil er aufgebraucht war.
So kam ich irgendwann auf die Idee, eine Folie im Laserdrucker mit dem kompletten Namenszug zu bedrucken und die dann auf die Tafel zu kleben. Da kamen dann drei Schichten Klarlack drüber und das sah wunderbar aus und hielt ewig.
Vorteil: Man konnte jetzt verschiedene Schriftarten nehmen und nicht nur die, die im Setzkasten waren.
In der folgenden Geschichte aus dem Jahr 2008 spielen aber noch die Einzelbuchstaben aus dem Setzkasten eine Rolle.
Es war etwas schwierig, die Geschichte zu erzählen, denn einerseits will ich den Namen des Kunden nicht nennen, um ihn nicht bloßzustellen, andererseits funktioniert die Geschichte aber nur mit dem richtigen Namen. Aber ich habe einen Weg gefunden:
Da kommt ein älterer Herr zu uns und verlangt zum wiederholten Male ein kleines „e“.
Das kostet 20 Cent.
Der Herr hatte vor einigen Monaten seine Frau durch uns beerdigen lassen.
Ich habe ihm die Buchstaben immer geschenkt, dann wurde das aber doch auffällig, wie oft er kam.
Was ist passiert? Um was geht es?
Ich frage ihn, was denn mit den vielen kleinen „e“ immer passiert. Kleben die nicht richtig?
Er schaut mich über seine Brille hinweg an und seufzt. „Na, überlegen Sie mal! Sie wissen doch, wie ich heiße.“
Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen, sein Name war Feick.
Und offenbar gibt es Typen, die einen Spaß dran haben, da immer das „e“ zu klauen.
Das betrübt Herrn Feick.
Ich habe ihm dann angeboten, ihm vom Brennpeterle-Friedhofswärter ein Kreuz mit eingebrannten Buchstaben machen zu lassen. Das hat er dankbar angenommen.
P.S. Hier im Nordbadischen gibt es viele Leute, die Fick mit Nachnamen heißen. Das ist also gar nichts Besonderes. Man wird auf fast jedem Friedhof ein Grab mit diesem Namen finden.
Umso verwunderlicher war es, dass sich jemand da die Mühe machte, das Grabreuz dieser Frau zu verhunzen.
P.P.S. Vor geraumer Zeit war ich auf einem Friedhof, auf dem wir Bestattungen durchgeführt haben. Auf einem Grab steht tatsächlich immer noch ein Grabkreuz, das wir vor über 30 Jahren gemacht haben. Es ist nicht mehr sonderlich schön. Die Witterung hat den Lack gefressen und das Holz ist grau geworden. Aber die Klebefolie mit dem Namen hält noch.
© 2008
Bildquellen:
- grabkreuz-1: Peter Wilhelm, Hopf

















Och, mit nem Lötkolben kannst du ihn das ja auch einfach reinbrennen 😉
Ihm….
Hab noch halb geschlafen…
Oder die Scherzkekse, die Schilder von Schlecker mit einem vorangestellten AR versehen. Auch Kinder-Döner oder Kinder-Rouladen auf mit Kreide beschrifteten Tafeln vor Restaurants sind schnell zu machen und sehr beliebt.
Bevor ich zu dem Feick kam war ich noch bei dem Nachnamen „Heitler“
„Da kommt ein älterer Herr zu uns und verangt zum wiederholten“
Und ich kaufe ein „L“ 😀
@Lars: Man kann Konsonanten aber nicht kaufen nur Vokale!
Wenn Du ein L willst, musst Du schon drehen!
Ach, so ein mist aber auch 😀
Rrrr…rrrrrrrrrrrrrraattatattattataatatatatatatata..ta…ta…..ta……t
Bankrott!
In dem Zusammenhang fällt mir das „Haus Mose“ ein, wo dann Spaßvögel mal zwei Punkte über das o gemalt haben…
Ich denke da immer an das Bild, wo bei einer großen Drogeriekette jemand „AR“ vor das Firmenschild geschrieben hat.
und jetzt ratet mal, welcher buchstabe am heidelberger buNsen-gymnasium früher immer geklaut wurde? *g* seit vielen jahren ist die schrift nur noch mit der leiter erreichbar 😉
Oder Herr Marsch.
Ich denke, es war Herr KOETZE 🙂
Jaja, der liebe Herr Fricker und sein „r“
Tia, und mein Geburtsort ist Irsch, ein wunderbares Ortsschild für Scherzkekse am 1. Mai, dann bin ich also im A…. geboren.
omg, wie pubertierend und PIETAETLOS kann man sein, fremder Leute Graeber so zu schaenden?
Auf einen Wegweiser zum Vogelpark haben bei uns auch mal irgendwelche Typen zwei kleine Punkte gesetzt… ist aber mittlerweile beseitigt.
Im Gedenken an Robert Gernhardt
„Der Tag, an dem das verschwand
Am Tag, an dem das verschwand,
da war die uft vo Kagen.
Den Dichtern, ach, verschug es gatt
ihr Singen und ihr Sagen.
Nun gut. Sie haben sich gefaßt.
Man sieht sie wieder schreiben.
Jedoch:
Soang das nicht wiederkehrt,
muß aes Fickwerk beiben.“
Nun, das Ehepaar Müller war auch nicht besser dran. Sie hatten im Kurhotel das Zimmer 100, leider fiel immer wie die 1 vom Türschild herunter…
Bei uns in Elmshorn hat Talkline seine Zentrale. Vor einiger Zeit fiel das T von den Leuchtbuchstaben aus.
Goldbarschfilet stand vorher auf der Tafel…..
Da gäbe es auch noch die Walliser Dörfer „Filet“ und „Bitsch“…