Wenn ein geliebter Mensch verstirbt, bleiben oft nicht nur Trauer und Erinnerungen zurück, sondern auch viele Fragen zu dem, was danach geschieht. Besonders die zweite Leichenschau wirft bei Angehörigen immer wieder Unsicherheiten auf – Zeit, hier einmal sachlich und verständlich Licht ins Dunkel zu bringen.
Sehr geehrte Frau …,
zu Ihrem Verlust mein herzlichstes Beileid.
Es ist sehr schön, was Sie alles für Ihren Vater getan haben.
Auch, dass der Arzt so sorgfältig untersucht hat, finde ich gut. Ich habe sehr viele Leichenschauen miterlebt, und kann Ihnen sagen, dass die von Ihnen geschilderte Sorgfalt, wie auch der Zeitaufwand, sehr außergewöhnlich sind. In vielen Fällen dauert das keine zwei Minuten.
Die zweite Leichenschau findet unmittelbar vor der Einäscherung statt. Der Amtsarzt kommt ins Krematorium und untersucht alle Verstorbenen. Diese wurden zuvor von den Krematoriumsmitarbeitern entkleidet. Die Kleidung liegt dann lose im Sarg.
Der Arzt muss sich davon überzeugen, dass die Person wirklich tot ist. Außerdem sucht er nach Zeichen, die auf einen nicht natürlichen Tod hinweisen. Bei einer Kremierung ist ja hinterher keine Exhumierung des Leichnams mehr möglich. Der Arzt achtet auch auf Hinweise auf Pflegefehler. So soll ausgeschlossen werden, dass Menschen durch Pflegevernachlässigung verstorben sind. Findet er Hinweise auf das eine oder andere, wird die Polizei verständigt und die Einäscherung aufgeschoben.
Kommt der Arzt hingegen zu dem Ergebnis, was fast immer der Fall ist, dass keine Hinweise auf einen nicht natürlichen Tod vorliegen, gibt er seine Zustimmung zur Einäscherung. In fast allen mir bekannten Fällen wird der Sarg dann so, wie er ist, ins Feuer geschoben.
Ich weiß, was Sie bewegt. Sie möchten, dass Ihr Vater ordentlich bekleidet eingeäschert wird.
Der Wunsch ist verständlich und auch nicht überzogen. Aber er entspricht leider nicht der Lebenswirklichkeit.
Man geht einfach davon aus, dass das Einkleiden eines Verstorbenen in erster Linie den Angehörigen dient, die beispielsweise bei einer offenen Aufbahrung ein anständiges Bild haben möchten. Dem Verstorbenen, so sagt man, könne das doch egal sein, er bekomme davon doch nichts mit. Insofern, so meint man, sei ein Ankleiden unmittelbar vor dem Einäschern auch nicht mehr erforderlich.
Was können Angehörige tun, die unbedingt möchten, dass nach der amtsärztlichen Untersuchung noch ein Wiederankleiden erfolgt?
Nun, man könnte beim Krematorium anrufen und fragen, wie das dort genau gehandhabt wird. Im Zweifelsfall kann man dann darum bitten.
Wirkungsvoller ist es, wenn man das Krematorium aufsucht und den zuständigen Mitarbeitern ein adäquates Trinkgeld anbietet.
Desweiteren kann man den beauftragten Bestatter bitten, sich darum zu kümmern. Es wäre denkbar, dass dieser gegen Berechnung oft erheblicher Mehrkosten, zum Krematorium fährt und die Kleidung wieder anzieht.
Ob eine dieser Möglichkeiten funktioniert, hängt von der Kooperationsbereitschaft vor Ort ab.
Was würde ich tun?
Nun, auch meine Mutter ist eingeäschert worden. Sie wurde ebenfalls schön eingekleidet und eingebettet. Über das, was dann hinter den Türen des Krematoriums geschieht, habe ich mir aber bewusst keine Gedanken gemacht.
Für mich war der Abschied von der körperlichen Existenz nach der Trauerfeier und der Übergabe ans Krematorium vollzogen.
Es gibt einen Punkt, von dem an der Körper nicht mehr relevant ist, sondern nur noch unsere Erinnerungen und das Andenken, das wir dem Verstorbenen bewahren.
Man hat es selbst in der Hand, wann man diesen Punkt setzt.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit meinen Ausführungen helfen. Wenn Sie noch Fragen haben, oder wenn ich etwas nicht beantwortet oder falsch verstanden habe, melden Sie sich bitte gerne.
Für die Spende per Überweisung danke ich Ihnen.
Mit trotzdem den besten Wünschen für das Osterfest verbleibe ich
Peter Wilhelm
Nachtrag:
Bildquellen:
- aufbahrung_800x500: Peter Wilhelm KI

















Für mich ist mit der Trauerfeier auch immer der Schlussstrich gezogen gewesen. Ich war auch nie aus eigenem Antrieb an einem Grab… much beruhigt es das ich weiß wo jemand liegt… ich denke an denjenigen, rede in Gedanken oder besser Gedenken mit ihnen… aber dazu habe ich auch kein Grab gebraucht. Es ist so schon schwer genug, da muss ich weder das Messer in der wund umdrehen, noch Salz hinein streuen…
Da ist halt Jede/r anders! Auch mich hat die Vorstellung, dass meine Mutter bei der zweiten Leichenschau komplett entkleidet wird, und dann auch nicht mehr angekleidet bzw nicht mal mit der Kleidung bedeckt wird, hilflos gemacht! Eine entwürdigende Vorstellung.
Manchen reicht auch die komplett anonyme Bestattung ihrer engsten Angehörigen und das ist auch vollkommen ok.
Aber Andere, sind eben wie die Fragenstellerin und ich.
Mein Aspekt dabei war zunächst noch ein anderer: da umsorgt man seine Lieben noch ein letztes Mal und ist auch die einzige nahestehende Person, die den Verstorbenen noch einmal sieht und dann – ja, bei aller Pragmatik – wird das eigene Tun im Krematorium in wenigen Minuten ad absurdum geführt. Die sorgfältig gerichtete Kleidung, die Blumen – alles in wenigen Minuten zerstört und nicht mehr gerichtet. Inzwischen tröstet mich der Gedanke, dass die Fahrt ins Krematorium seine letzte Reise war. Dafür habe ich ihn liebevoll und ordentlich zurechtgemacht. Damit kann ich leben und damit kann ich ihn auch loslassen. Ich habe alles getan, was in meiner Macht stand und manchmal müssen wir uns, im Leben, wie im Tod anderen Zwecken beugen. Die Nacktheit hat mich nicht gestört und ich finde Nacktheit auch nicht würdelos – schließlich kommen wir ja auch nackt zur Welt. Mich hat tatsächlich die zerstörte Ordnung gestört. Mein Vater hat mir da wohl eine ordentliche Portion „Genauigkeit“ mitgegeben. 🙂
Für mich ist die letzte Reise jene ins Grab, Ort der Verstreuung oder ins Meer…
Aber ist ja richtig, wenn Du das für Dich so empfinden kannst, denn nur das zählt.
Übrigens kommen Babys „bedeckter“ auf die Welt als so gemeinhin angenommen wird.
Ich habe auch schon einige Menschen aus meinem Leben für immer verabschieden müssen und, was soll ich sagen, ein Grab habe ich dazu auch nicht gebraucht. Selbst die Gräber meiner Großeltern habe ich nach der Beerdigung nie mehr besucht.
Bei meinem Vater ist es es irgendwie anders. Ich gehe sehr oft zum Grab und meistens ist meine Stimmung dabei heiter. Erstaunt habe ich irgendwann festgestellt, dass es mir sogar regelrecht Freude macht, dort hinzugehen, denn es fühlt sich an, als ob ihn besuchen würde. Klar, manchmal kommen mir auch die Tränen, aber das passiert auch, wenn ich „nur“ an ihn denke, mich an ihn erinnere. Vielleicht ändert sich das irgendwann, sein Tod ist erst 2 Monate her und ich bin froh, das Grab besuchen zu können.
Na ja, bei der Leichenschau muß der Arzt in ALLE Körperöffnungen schauen. Mit Bekleidung schwer darstellbar.
Ich hab ’nen Konjunktiv abzugeben.
Das ist klar, und dass die Toten nicht mehr korrekt angezogen werden, weil sie eh danach ins Feuer fahren ist auch klar, dauert ja auch.
Aber bedeckten könnte „man“ die Körper mit der Kleidung und gut iss.
Ist halt der Ablauf in den Krematorien und Angestellte stumpfen ab, also Zack Klamotten oder Totenhemd in den Sarg und fertig. Weil es egal wird, wenn man es täglich macht.
Inzwischen habe ich mich mal etwas gründlicher auf diesem Blog umgeschaut und in einem Betrag gelesen, dass manchmal sogar die von den Angehörigen bezahlten Sachen, also Totenhemd, Sargausstattung usw. erst kurz vor der Einäscherung in einem noch verpackten Zustand einfach mit in den Sarg gegeben werden. Der Verstorbene wird erst gar nicht gerichtet und ordentlich gebettet und die Sachen kommen mit in den Sarg, weil sie ja bezahlt wurden. Das ist doch völlig absurd und das ist kein Abstumpfen, das ist Vorsatz und ein frecher Betrug.
Moin Patti, ja das sind „Bestatter Ketten“ mit entsprechenden Kampfpreisen. Bei Angeboten bis 1.200,- komplett für Alles, kannste auch nicht viel erwarten, weil entsprechend miserabel werden auch die Angestellten bezahlt….. Da gehts halt um Masse und schnell um Gewinn zu machen.
Gut wenn man jetzt die Pflicht hat, Jemanden bestatten zu müssen, den/die man aus XY Gründen verabscheut (Elternteile welche ihre Kinder misshandelt haben zB) dann greift man natürlich zum billigsten Angebot und natürlich ist dann auch egal, wie die verstorbene Person dann flott entsorgt wird. Aber das kann ich nachvollziehen!
Ja, natürlich, das ist nachvollziehbar. Ich fürchte aber, dass das auch Menschen treffen kann, die eine Sozialbestattung bekommen und das ist einfach nur traurig.
Soweit ich weiß ist das von Kommune zu Kommune unterschiedlich. Manche nehmen den günstigsten örtlichen Bestatter, manche den überregionalen Bestatter (Kette) mit entsprechenden Kampfpreisen. Das entscheiden die betreffenden Sozialämter. Dann ist nochmal die Frage ob Angehörige einen Antrag beim Sozialamt stellen, oder das Ordnungsamt eine Bestattung anordnet, weil der/die Verstorbene keine Angehörigen mehr hat.
Zb.im Großraum Berlin, läuft alles was günstig sein muss, über Berlonia Sargdiscount, ein Dumpingpreis Bestatter, der in Tschechien kremieren und bestatten lässt. Gibt einige Artikel darüber Online wenn es Dich interessiert.