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Leerer Sarg

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Wenn der Verstorbene nicht offen aufgebahrt werden soll… was würde dagegen sprechen, einen leeren Sarg hinzustellen und an ihm die Trauerfeier abzuhalten? Müsste ja niemandem gesagt werden…

Schon wahr und manchmal ist/wäre das die beste Lösung. Aber ich habe da eine innere Bremse, die mich meistens daran hindert, sowas zu machen. Doch davon weiter unten mehr.

Im Grunde geht es manchmal gar nicht anders und wir hatten auch schon Fälle, da war der Verstorbene schon längst eingeäschert und es wurde auf Wunsch der Familie noch eine Trauerfeier mit einem leeren Schausarg gemacht. Aber das sind wirklich große Ausnahmen.

Die innerliche Bremse rührt von einer Geschichte her, die sich vor einigen Jahren zugetragen hat. Damals fand die Love-Parade noch in Berlin statt und ein Junge aus unserer Stadt ist dorthin gefahren, um richtig abzufeiern. Schließlich landete er, von -sagen wir es mal so- bestimmten Stoffen benebelt, unter einer Eisenbahn. Am Abend ist man durch Berlin gezogen, hat an einer Brücke herumgealbert und schließlich ist der junge Mann erst auf die Oberleitung und dann auf den Schienen gelandet, wo er dann überrollt worden ist.

Die sterblichen Überreste waren in mehrere schwarze Säcke verpackt, als wir sie übernahmen, mehr muss ich wohl kaum sagen.
Aufgrund umständlicher Vorschriften in Berlin und anderer Umstände kam es dazu, daß wir erst 14 Tage nach dem Todesfall die Leichenteile überführen konnten. An eine Einbalsamierung oder offene Aufbahrung war überhaupt nicht zu denken. Am Tag der Trauerfeier haben wir den Sarg mit dem Verstorbenen etwa eine halbe Stunde vorher in unsere Trauerhalle geschoben. Kurz darauf hatten wir es aber mit einer so starken Geruchsentwicklung zu tun, daß es nicht auszuhalten war. Die ersten Trauergäste waren schon im Anmarsch und es ist uns in der Eile nichts Besseres eingefallen, als den Sarg in die Kühlung zurückzufahren und einen identischen leeren Sarg hinzustellen. Ordentlich durchlüften, etwas Raumspray und den Blumenschmuck auf den leeren Sarg.

Die Mutter hat nichts gemerkt und inzwischen ist auch sie verstorben, sodaß ich die Geschichte ruhig erzählen kann.
Aber ich habe immer ein schlechtes Gewissen deshalb gehabt. Sowas möchte ich nicht gerne wieder erleben. Also kommen solche Feiern mit leerem Sarg nur noch mit Wissen der engsten Verwandten und in absoluten Notfällen in Frage.

Peter Wilhelm 28. Mai 2012


10 Kommentare » Schreibe einen Kommentar

  1. Ich denke grad an folgenden Notfall.

    "Können Sie nicht bitte den teuersten leeren Sarg zur Trauerfeier hinstellen den Sie haben?"

    Ist die Frage schon mal vorgekommen? Ich vermute, ja?

  2. Da fällt mir auch eine Frage ein, die ich zwar schon per Mail gestellt hatte, aber scheinbar irgendwie untergegangen zu sein scheint…: als ich in der Schweiz wohnte, filmte ich dort den Rheinfall von Schaffhausen auf Video und wollte die Kassette meinem Vater schenken, der aufgrund einer schweren Krankheit diese schöne Naturgewalt nie selber würde sehen können. Kurz vor unserem Besuch bei ihm in D verstarb er, ich fuhr natürlich sofort hin, wollte ihn aber nicht in der Aufbahrungskapelle besuchen und beauftragte deshalb meine Ma damit, ihm die Kassette (kleines Format) in den Sarg zu legen. Sie tat es auch. Mich würde nun interessieren, ob sowas überhaupt erlaubt ist, oder ob Bestatter/ andere Friedhofsmitarbeiter solche Dinge dann wieder aus dem Sarg entnehmen müssen?

    Und falls erlaubt: kannst Du über eine Art "Hitliste" berichten über Dinge, die Angehörige ihren Verstorbenen mitgeben? Oder was ganz Kurioses?

  3. @Lars: Ja, den Fall hatten wir in der Tat schon mal. Für die Einäscherung wurde der billigste Sarg gewählt und für die Leute zum Anschauen wollte die Familie eine teuere Truhe.

  4. @Budenzauberin: Die Frage ist mitnichten untergegangen, sondern steht noch auf der Warteliste. Aber die Cassette dürfte dringeblieben sein. Solange Sargbeigaben im Rahmen bleiben, sagt da niemand etwas.

    In der Hitliste ganz oben stehen Fotos und Briefe, dann folgen Bücher und als Nächstes Gegenstände aus dem Hobbybereich.

  5. Für die Einäscherung wurde der billigste Sarg gewählt und für die Leute zum Anschauen wollte die Familie eine teuere Truhe.

    Seid ihr dem dann auch nachgekommen? Wird da dann ein Mietpreis verlangt oder einfach die Kosten für's Saubermachen (unterstellt, daß der Tote dann auch wirklich in beiden Särgen liegen "durfte")?

  6. Was die Leute für Ideen haben……ein Sarg zur Schau…haha

    Echt traurig, dass selbst bei solchen Dingen die Leute bei dem Sarg geizen aber den teuersten zur Schau stellen

  7. Phil, das hat nicht unbedingt was mit geizen zu tun. 😉

    Ich dachte bei der Frage eher in die Richtung das jemand kein Geld hat, es aber aussehen zu lassen als wenn einem nix zu teuer ist und nur das beste grad gut genug ist.

    Es gibt bestimmt öfters hinter dem Rücken getuschel richtung "Guck mal, was für ein billiger schäbiger Sarg". Wenn du verstehst was ich meine. 😉

  8. Ich hab mal ne Frage wegen Särge.

    Werden die auch von irgendeiner Prüfstelle abgenommen wegen Stabilität bzw. wie schnell die Morsch werden?

  9. Der Zweck heiligt die Mittel…

    Im Fall mit der unangenehm duftenden Leiche absolut korrekt.

    Bei dem Fall mit den Pharisäern und dem Show-Sarg seinen Teil denken… Aber der Kunde ist König. LEIDER!

    So´n Getuschel wie "Schäbiger Sarg" kann ich mir eher nicht vorstelle. Die Meisten schauen doch garnicht so genau hin, wollen alles schnell hinter sich kriegen…

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